INICIAR SESIÓNNora Hayes spielt so, als hätte sie etwas zu beweisen, und jedes Mal, wenn sie den Denver Wölfen gegenübersteht, beweist sie es auf Cole Maddox. Cole ist der goldene Junge der Liga: übermütig, charmant und unmöglich, seine Schlittschuhe abzureißen. Er ist auch der einzige Spieler, der genau weiß, wie man unter ihre Haut kommt. Auf dem Eis tauschen sie Treffer, Beleidigungen und Blendungen, die länger dauern, als sie sollten. Eine Nacht, ein Flur in einem Umkleideraum und ein fast-kuss ändern alles. Jetzt will die Liga ihre Rivalität an die Welt verkaufen, und sie müssen sich immer wieder in der Öffentlichkeit hassen, während sie sich heimlich gegenseitig verlieben. Aber mit einer Meisterschaft in der Linie, einer Teamkollegin, die sie weg haben möchte, und einem Foto, das sie beide ruinieren könnte, wie lange können sie ihre Herzen verborgen halten? Sie trägt das falsche Trikot. Er ist der falsche Mann zu wollen. Warum fühlt es sich so richtig an?
Ver másDer Geruch von kaltem Eis und frischem Tape war der beste Geruch der Welt, und Nora Hayes sog ihn ein, als wäre er Sauerstoff.
Sie saß auf der Bank vor ihrem Spind in der Umkleidekabine der Minneapolis Frost – ihr langer, kupferbrauner Zopf hing über eine Schulter –, während sie einen Streifen weißes Tape um die Kelle ihres Schlägers wickelte. Um sie herum herrschte das laute, fröhliche Chaos eines Spieltags. Aus einem Lautsprecher wummerte Musik. Jemand lachte zu laut. Andere stritten sich über eine Playlist.
„Du machst schon wieder *das*“, sagte eine Stimme über ihr.
Nora sah nicht auf. „Was für ein ‚Das‘?“
„Na, dieses Einwickeln deines Schlägers – so, als würde er dir Geld schulden.“ Tessa Rowe ließ sich neben ihr auf die Bank fallen, einen Helm unter den Arm geklemmt. Die Torfrau der Frost war klein und hatte rundliche Wangen; auf ihrem Kopf thronte eine Wolke aus schwarzen Locken, und wenn sie grinste, kam eine Lücke zwischen ihren Vorderzähnen zum Vorschein. Ihre Torwartmaske lag auf ihren Knien – verziert mit winzigen silbernen Sternbildern, an denen sie drei ganze Wochenenden lang gefeilt hatte.
„Er schuldet mir tatsächlich Geld“, sagte Nora. „Eine ganze Menge sogar. Er schuldet mir quasi eine komplette Saison.“ „Nora.“ „Was?“
„Es ist ein Eishockeyschläger. Er hat dir doch gar nichts getan.“ „Er war in meinen Händen, als Denver uns aus den Playoffs geworfen hat.“
„Dafür kann er doch nichts.“ „Irgendjemand ist immer an irgendetwas schuld, Tess.“
Tessa seufzte und stieß mit ihrer Schulter gegen Noras Schulter. „Du machst dich noch völlig verrückt.“
„Ich *bin* schon verrückt. Genau das macht mich ja so gut.“ „So funktioniert das aber nicht.“ „Doch, genau so funktioniert das.“ Tessa lachte, und Nora lächelte, bevor sie es verhindern konnte. Das war das Besondere an Tessa: Sie konnte jeden zum Lächeln bringen – selbst an den schlimmsten Tagen. Das war einer der Gründe, warum Nora sie vor zwei Jahren als Mitbewohnerin ausgewählt hatte – und einer der Gründe, warum sie sich nicht vorstellen konnte, ohne sie zu spielen. „Okay“, sagte Tessa und deutete auf die Reihe der Spinde. „Ich muss mal fragen. Hast du es wieder getan?“ Nora tat so, als wäre sie verwirrt. „Was getan?“ „Die Haftnotizen.“ „Ich weiß nicht, was du meinst.“ „Nora Hayes. An meinem Spind klebt ein knallgelber Zettel, auf dem steht: ‚Du bist eine Mauer, und ich würde nicht auf dich schießen wollen.‘“
Nora zuckte mit den Schultern und versuchte, ihr Lächeln zu verbergen. „Vielleicht hat sich ein Fan reingeschlichen.“
„Ein Fan, der mit einem lilafarbenen Gelstift schreibt und winzige Hockeyschläger in die Ecken malt?“ „Klingt nach einem sehr engagierten Fan.“ „Mhm.“ Tessa löste den Zettel von ihrer Spindtür und steckte ihn vorsichtig in ihren Handschuh. „Den behalte ich. Als Glücksbringer.“
„Du hast doch schon alle anderen in einem Schuhkarton.“ „Das ist nicht seltsam. Das nennt man eine Sammlung.“ Nora lachte erneut, und die Beklemmung in ihrer Brust ließ ein wenig nach. Sie hasste es zwar, dass sie diese Erinnerungen brauchte, aber sie tat es eben. Vor jedem Spiel schrieb sie für jede ihrer Teamkolleginnen einen kleinen Zettel. Es war nicht viel. Es war einfach eine Art zu sagen: Ich sehe dich, und ich bin froh, dass du hier bist. Es war die einzige Methode, die sie kannte, um ihre eigenen Nerven zu beruhigen.
„Wichtiges Spiel heute Abend, Hayes.“ Die Stimme klang sanft und freundlich; sie kam vom anderen Ende der Bank. Dort stand Reid Callahan – sein Trikot nur halb zugeknöpft, das dunkle Haar perfekt frisiert, obwohl er noch nicht einmal auf dem Eis gewesen war. Er war groß und schlank, mit einem strahlenden Lächeln, das wirkte, als hätte er es vor dem Spiegel geübt.
„Jedes Spiel ist ein wichtiges Spiel“, erwiderte Nora gelassen. „Stimmt. Aber heute geht es gegen Denver.“ Er verzog kurz mitfühlend das Gesicht. „Ich meine, nach dem, was letztes Jahr passiert ist …“ „Ich weiß, was letztes Jahr passiert ist, Reid.“ „Ich sag ja nur. Wenn du aussetzen willst, würde dir das niemand übel nehmen.“ Nora spürte, wie sich ihr Kiefer anspannte. „Ich werde ganz sicher nicht aussetzen.“ „Ich weiß. Ich weiß. Ich mache mir nur Sorgen um dich.“
„Das brauchst du nicht.“ „Alte Gewohnheiten“, sagte er und lächelte wieder auf diese bestimmte Art. Dann ging er davon. Tessa wartete, bis er außer Hörweite war, beugte sich vor und flüsterte: „Ich würde ihm am liebsten einen Puck in seine Wasserflasche stecken.“ „Tess.“ „Ich sag ja nur. Ich kann gut zielen.“
„Du kannst tatsächlich gut zielen.“ „Ich weiß. Das ist eine meiner besten Eigenschaften.“ Ein schriller, lauter Pfiff ertönte. Trainerin Dana Whitlock stand vorne im Raum, die Arme vor ihrem „Frost“-Windbreaker verschränkt. In ihrem kurzen Haar zeigten sich graue Strähnen, und ihr Gesichtsausdruck hätte einen Zug zum Stehen bringen können.
Nora legte die Hände auf ihre Knie und setzte sich aufrecht hin. Ihr Herz klopfte wie wild. Alles in Ordnung. Es ist nichts. Nur zwei Minuten Gerede. Ich habe schon oft Interviews gegeben. „Erste Karte!“, sagte der Moderator grinsend. „Cole, du fängst an. Beschreibe Nora Hayes in einem Satz. ‚Roast‘-Level: mittel.“Cole lehnte sich in seinem Stuhl zurück und setzte sein typisches Angeber-Grinsen auf – dieses schiefe Lächeln, das er immer für die Kameras reservierte. Sie hatte es schon hundertmal auf hundert verschiedenen Bildschirmen gesehen. Es wirkte jedes Mal wie ein Kleidungsstück, das er sich einfach überstreifte. „Nora Hayes“, sagte er, „verteidigt, als würde sie einen Warenautomaten bewachen.“„Einen was?“, fragte Nora. „Einen Warenautomaten. Ziemlich stur. Gibt nichts her. Völlig egal, wer da bettelt.“Das Team lachte. In Noras Brust flammte ein heißer Funke auf – sie war fast dankbar dafür, denn an diesem Gefühl konnte sie sich gut festhalten.„Das ist ja wohl ein Witz“, entg
Regel Nummer eins, sagte sich Nora. Ich hasse ihn. Sie wiederholte es in Gedanken, während eine Frau mit einem winzigen Pinsel etwas Puder auf ihre Nase auftrug. Ich hasse ihn. Ganz einfach. Das habe ich ein Jahr lang durchgezogen.„Kinn hoch, Schätzchen“, sagte die Visagistin. Nora hob das Kinn. Im Spiegel blickte ihr eine Fremde mit glänzenden Lippen und wachen, funkelnden Augen entgegen; sie trug ein „Frost“-Trikot, das so perfekt gebügelt war, dass es bei jeder Bewegung knisterte. „Du siehst fantastisch aus“, sagte eine Stimme von der Tür aus.„Ich sehe aus wie in einem Werbespot für Toaster.“ Tessa lehnte sich gegen den Türrahmen; in der einen Hand hielt sie eine Papiertüte, an ihrem Sweatshirt klebte ein leuchtend orangefarbener Besucherausweis. Sie war als moralische Unterstützung mitgekommen – was in Tessas Sprache so viel bedeutete wie: Sie hatte Snacks dabei.„Ich hab dir einen Muffin mitgebracht“, sagte sie. „Ich kann nichts essen. Sonst ruiniere ich mir den Lippenstift.“ „
Sie legte das Tablet beiseite, faltete die Hände, und zum ersten Mal wurde ihre Stimme langsamer. „Hier ist mein Vorschlag: eine Kampagne namens ‚Rivals‘. Werbeaufnahmen, Trash-Talk-Einlagen, die ganze Saison über ein direktes Fan-Voting. Zwei Stars aus zwei verschiedenen Teams, eine Rivalität, die die Fans lieben – und jede Menge Aufmerksamkeit für eine junge Liga, die genau das dringend braucht.“ „Nein“, sagte Nora.„Nein“, sagte Cole.Sie sahen einander an. Diesmal wandte Nora als Erste den Blick ab. „So etwas machen wir nicht“, sagte sie. „Wir sind Sportler. Wir spielen Eishockey.“ „Sehe ich auch so“, sagte Cole. „Das ist doch nur eine billige Masche.“ Eine billige Masche.Das Wort traf Nora mitten in die Brust und blieb dort haften.„Ich bin keine billige Masche“, sagte sie – ihre Stimme klang schmaler und härter, als sie es beabsichtigt hatte. „Ich habe meine gesamte Karriere darauf verwendet, sicherzustellen, dass mich niemand so nennt.“Cole wandte ruckartig den Kopf. „Nora, s
„Iss doch was“, sagte Tessa. „Ich habe keinen Hunger.“ „Du starrst jetzt schon seit zehn Minuten auf diesen Toast.“ „Es ist ein sehr interessanter Toast.“ Tessa stellte ihre Kaffeetasse ab – auf ihr war ein Comic-Torwart abgebildet, der den Spruch „Ich halte alles auf“ trug – und beugte sich über die Küchentheke. „Nora. Das Video hat vier Millionen Aufrufe.“„Ich weiß genau, wie viele Aufrufe es hat.“ „Du hast die Seite bestimmt ... was, dreißigmal neu geladen?“ „Zweiundzwanzigmal.“ „Das ist eine ziemlich genaue Zahl.“ „Ich kann gut mit Zahlen umgehen.“ „Du kannst vor allem gut Fragen ausweichen.“ Tessa klopfte auf die Theke. „Also, ich frage jetzt mal ganz direkt: Was ist da in dem Flur passiert?“Nora zupfte an ihrem Zopf. Sie tat es, ohne darüber nachzudenken – genau wie damals, wenn ein Trainer ihr eine schwierige Frage stellte oder ein Reporter zu weit ging. „Nichts.“„Es sah aber nach etwas aus.“ „Es sah aus, als würden sich zwei Leute anschreien.“ „Es sah aus, als hätten zwei L











