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KAPITEL 38: DAS ARCHIV

Author: Viv Rex
last update publish date: 2026-05-02 18:51:05

Der Wald wurde dichter.

Mia hatte das erwartet, Sionas Beschreibung hatte von einem Weg gesprochen, der schmaler wurde, je weiter man ging, aber die Realität war anders als die Beschreibung. Die Bäume hier waren alt, nicht die jungen, gleichmäßigen Kiefern der Waldränder, sondern alte, knorrige Eichen und Buchen, die so groß waren, dass zwei Menschen die Stämme nicht hätten umfassen können, mit Rinden, die wie alte Haut aussahen, tief gefurcht und grau und voller Geschichte.

Der Schnee hier unt
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    Der Frühling kam nicht mit Ankündigung.Er kam, wie er immer kam, heimlich und von unten, zuerst in den Stellen, die die Sonne am längsten berührte, der südliche Hang hinter dem Anwesen, wo der Schnee als erstes verschwand und das erste zögernde Grün erschien, so zart, dass man zweimal hinschauen musste, um sicher zu sein, dass man es nicht einbildete.Mia bemerkte es an einem Morgen Anfang März.Sie stand am Küchenfenster mit ihrem Kaffee und sah hinaus, und da war es. Grün. Nicht viel. Aber da.Sie lächelte.Das war alles. Ein kleines, unspektakuläres Lächeln am Küchenfenster, das niemand sah.Aber das Kribbeln registrierte es, das Leuchten in der Natur, das Erwachen, und reagierte, warm und freudig, auf eine Art, die Mia noch nicht kannte.Das Kribbeln liebte den Frühling.Das war neu.Das war, dachte Mia, das Schönste der kleinen Neuheiten, die das Anderssein brachte.---Klaus kam in der zweiten Märzwoche.Er fuhr mit dem Zug, was Mia überrascht hatte, bis sie verstand, dass jema

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    Werner gab ihr die Namen.Nicht sofort. Er rief am nächsten Morgen an, kurz nach acht, mit der Stimme von jemandem, der eine Nacht damit verbracht hatte, eine Entscheidung zu treffen, und der jetzt die Entscheidung mitteilte, bevor er sie bereute.„Ich habe mit ihnen gesprochen," sagte er. „Alle drei. Ich habe ihnen gesagt, dass du einzeln mit ihnen sprechen möchtest. Nicht als Konfrontation."„Und?" fragte Mia.„Zwei haben zugestimmt." Eine kurze Pause. „Der dritte."„Der dritte nicht."„Noch nicht," sagte Werner. „Er braucht mehr Zeit."„Das ist in Ordnung," sagte Mia.Werner nannte die Namen.Konrad Haas.Britta Sommer.Und ein Name, den Mia nicht erwartet hatte.Felix Brenner.Sie schwieg einen Moment.Felix Brenner.Ein Verwandter von Lukas. Ein Cousin, zweiten Grades, der am Rand des Rudels lebte, kaum bei Versammlungen erschien, der einer der Menschen war, die da waren, ohne aufzufallen.Mia hatte ihn zweimal gesehen. Beide Male kurz. Er hatte sie nicht angesehen.„Felix," sagt

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