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Kapitel 2

Author: Rosa Kane
(Celestes Perspektive)

Dominic holte mich um fünf Uhr nachmittags ab.

Wir sprachen nicht viel im Auto. Was gab es auch zu sagen? Entweder würden wir gleich beweisen, dass er sich irrte, oder unser ganzes Leben würde sich von Grund auf verändern.

Das Rosewood Resort lag am Rande der Stadt, ganz aus Glas und warmem Licht, mit jener stillen Eleganz, die sich nicht ankündigen musste. Laut Dominic hatte Julian den gesamten Ostflügel gemietet, sodass dort keine anderen Gäste waren.

Aber Dominic hatte bereits alles arrangiert. Zwei Angestellte empfingen uns am Hintereingang. Gegen eine dicke Geldsumme führten sie uns durch einen Servicekorridor hinaus in den privaten Garten des Resorts im Ostflügel.

Der Himmel donnerte schon seit einer Stunde, dunkle Wolken zogen schnell auf und ich konnte den kommenden Regen bereits riechen.

„Wir müssen uns beeilen“, sagte Dominic leise.

Wir bewegten uns am Rand der Bäume entlang, und ich sagte mir zum hundertsten Mal, dass wir nichts finden würden. Einen leeren Garten, ein Missverständnis – irgendetwas, das ich mit nach Hause nehmen konnte und als Beweis hochhalten konnte, dass ich kein Narr gewesen war.

Dann sah ich ihn.

Julian.

Mein Mann stand zwischen zwei Palmen im Resortgarten, lässig gekleidet, wie ich ihn noch nie auf einer Geschäftsreise gesehen hatte. Leinenhemd, hochgekrempelte Ärmel, ein Glas in der Hand.

Und Sera, an seinen anderen Arm geschmiegt, als gehöre sie dorthin.

Sie lachten.

Sie lachten, als wäre die Welt ein wunderschöner, privater Witz, den nur sie beide verstanden.

Ich blieb stehen. Ich spürte meine Beine nicht mehr.

Nein. Mein Verstand schrie es. Nein, nein, nein.

Dominic blieb neben mir stehen, und ich spürte, wie er mich nur einmal kurz ansah – so, wie man jemanden ansieht, wenn man glaubt, dass die Person es nicht bemerkt. Wie um zu prüfen, ob ich noch stand.

Das tat ich. Gerade so.

Meine Hände zitterten, als ich mein Handy zog und Julians Nummer anrief.

Auf der anderen Seite des Gartens warf Julian einen Blick auf seinen Bildschirm. Er sagte etwas zu Sera. Ich sah sie die Augen verdrehen. Dann nahm er ab.

„Schatz.“ Seine Stimme war warm. Fröhlich. Völlig normal. „Ich habe gerade an dich denken müssen. Ich vermisse dich schon so sehr.“

Meine Kehle war zugeschnürt, aber ich zwang die Worte heraus. „Wo bist du gerade?“

„An meinem Schreibtisch.“ Er log so leicht und mühelos. „Ich bin völlig mit der Arbeit überhäuft, aber ich muss ständig an dich denken. Hast du gut geschlafen? Du hast so tief geschlafen, als ich gegangen bin. Du sahst so wunderschön aus. Vermisst du mich?“

„Ja“, sagte ich.

„Ich vermisse dich mehr.“ Er lachte leise. „Ich rufe dich vor dem Schlafengehen an, okay? Bleib nicht zu lange auf.“

Dann war die Verbindung beendet.

Auf der anderen Seite des Gartens steckte Julian sein Handy wieder in die Tasche und wandte sich Sera zu. Sie griff nach ihm, zog sein Gesicht zu sich herunter, und er küsste sie.

Er küsste sie so, wie er mich früher geküsst hatte.

Der Himmel öffnete seine Schleusen, schwerer und schneller Regen prasselte herab und durchweichte meine Kleidung innerhalb von Sekunden, während ich einfach dastand und es geschehen ließ.

Ich stand im Regen und sah zu, wie sie in den Armen des anderen lagen, während Tränen über mein Gesicht liefen und sich mit dem Regen vermischten, und ich konnte nicht einmal mehr den Unterschied erkennen.

Dann lachte Sera über etwas, das er sagte, drehte sich um und lehnte sich an einen Baum.

Julian zögerte nicht.

Seine Hände fanden sie, als wüssten sie genau, wohin sie mussten. Als hätten sie das schon unzählige Male zuvor getan.

Weil sie es getan hatten.

Mir stockte der Atem.

Er hob ihr Bein an, als würde sie nichts wiegen. Als hätte ich nie existiert.

Was dann geschah, zerbrach in mir etwas, von dem ich schon wusste, dass es nie wieder heilen würde.

Ich sah zu, wie mein Mann im Regen meine beste Freundin nahm, und ich konnte nicht wegsehen.

Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht atmen. Ich konnte nichts tun, außer völlig leer dazustehen und zu spüren, wie meine ganze Welt um mich herum in Flammen aufging.

Plötzlich schloss sich Dominics Hand um meinen Arm.

„Komm“, sagte er leise. „Du hast genug gesehen.“

Ich ließ mich von ihm wegziehen, aus dem Regen, fort von Julian und Sera und den Trümmern von allem, was ich für mein Leben gehalten hatte.

Er hatte recht. Ich hatte genug gesehen.

Genug, um zu wissen, dass jede Blume, die er mir je geschickt hatte, nichts bedeutete. Jeder Anruf, jedes geflüsterte „Ich liebe dich“, jeder Morgenkuss und jedes Versprechen auf für immer bedeuteten absolut nichts.

Zwei Jahre meines Lebens.

Einfach weg.

Ich schrie nicht und fiel nicht auf die Knie, wie sie es in Filmen taten, sondern ging einfach durch den Regen neben einem Mann, den ich kaum kannte, durchnässt, völlig leer, mit einer einzigen Frage, die sich wie eine kaputte Schallplatte immer wieder in meinem Kopf abspulte.

Was war falsch an mir?

Was hatte ich falsch gemacht?

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