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Kapitel 3

Autor: Rosa Kane
(Celestes Perspektive)

Dominic fuhr mich nicht nach Hause.

Ich widersprach nicht. Ich konnte nicht. Der Regen prasselte so heftig, dass ich kaum drei Meter weit sehen konnte, und ich war klatschnass und zitterte so stark, dass ich mich kaum aufrecht halten konnte.

Er sprach leise mit einem der Resort-Angestellten, reichte ihm eine Karte, und binnen Minuten wurden wir in eine Suite im Westflügel geführt.

Die Suite war warm und teuer und viel zu schön für diese Nacht. Ich ging direkt zum Sofa, setzte mich und blieb dort.

Ich zog meine nassen Kleider nicht aus und rührte mich nicht, sondern saß nur da und starrte die Wand an, während der Regen gegen die Fenster trommelte und in mir immer wieder etwas an derselben Stelle zerbrach.

Dominic bewegte sich leise umher. Ich hörte, wie er die Heizung verstellte. Hörte das Klirren von Tassen in der Küchenzeile. Er redete nicht, und ich war ihm dafür dankbar, denn ich hatte nichts zu sagen.

Er stellte eine Tasse Kaffee auf den Tisch vor mich.

Ich starrte sie an.

„Trink das“, sagte er. Nicht unfreundlich.

Ich hob sie mit beiden Händen, weil eine nicht ruhig genug war. Die Wärme kroch in meine Handflächen, und ich hielt sie fest, als wäre sie das Einzige, was auf der Welt noch Halt gab.

Ich weinte leise, lange. Nicht laut oder dramatisch. Nur Tränen, die immer weiterflossen, egal wie oft ich sie wegwischte. Diese Art von Weinen, die nicht um Erlaubnis fragt und nicht aufhört, wenn man es möchte.

Dominic setzte sich neben mich. Nicht zu nah. Einfach da.

Irgendwann begann ich wieder zu zittern, obwohl die Heizung lief. Meine Kleider waren immer noch feucht, und die Kälte hatte sich irgendwo zwischen dem Garten und dieser Suite in meinen Knochen festgesetzt und weigerte sich zu gehen.

„Komm her“, sagte Dominic.

Es war keine Frage, aber auch nicht fordernd, einfach ruhig und sicher, wie alles, was er sagte.

Ich lehnte mich ohne zu überlegen an ihn, und sein Arm kam um mich und zog mich nah. Er war warm, fest, roch nach Regen und nach etwas Sauberem darunter.

Ich weinte noch ein wenig mehr.

Er sagte nicht, ich solle aufhören, noch dass alles gut werden würde. Er hielt mich nur fest und ließ mich zusammenbrechen, und irgendwie war das genau das, was ich brauchte.

Ich erinnerte mich nicht daran, eingeschlafen zu sein.

Der Morgen kam grau und still.

Ich öffnete langsam die Augen, und das Erste, was mir auffiel, war, dass ich allein auf dem Sofa lag, mit einer Decke zugedeckt, die letzte Nacht nicht da gewesen war. Die Heizung lief noch. Der Regen war zu einem gleichmäßigen Nieselregen an den Fenstern geworden.

Ich setzte mich auf und sah mich um.

Dominic war nicht da. Er musste wohl nach Hause gegangen sein.

Ich erinnerte mich, dass ich an seiner Schulter eingeschlafen war. Erinnerte mich an die Wärme seines Arms um mich und das gleichmäßige Heben und Senken seiner Brust. Ich verdrängte die Erinnerung schnell und griff nach meinem Handy.

Ich würde ein Taxi rufen. Nach Hause fahren. Herausfinden, was als Nächstes kam.

Ich starrte noch auf den Bildschirm und versuchte, mein Gehirn zum Arbeiten zu bringen, als sich die Suitentür öffnete und Dominic mit zwei Taschen hereinkam.

Ich starrte ihn an.

Er stellte die Taschen auf die Anrichte, ohne Aufhebens darum zu machen. „Etwa zehn Minuten von hier gibt es eine Apotheke und einen kleinen Laden. Geh und wasch dich. Ich habe Frühstück bestellt. Ich fahre dich nach Hause, nachdem ich geduscht habe.“

Ich öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. „Das hättest du nicht tun müssen.“

„Das weiß ich.“

Er sagte es schlicht, ohne eine Gegenleistung oder Dank zu erwarten, und etwas daran ließ meine Kehle auf eine Weise zuschnüren, mit der ich nicht gerechnet hatte.

„Danke“, brachte ich hervor.

Er nickte zu den Taschen. „Nur zu.“

Die Pflegeprodukte waren genau das, was ich brauchte. Ich stand lange unter der heißen Dusche, ließ das Wasser über mich laufen und versuchte angestrengt, an gar nichts zu denken.

Ich scheiterte vollkommen.

Julians Gesicht kam immer wieder zurück. Wie er Sera angesehen hatte. Wie er nach ihr gegriffen hatte, als hätte sie ihm schon immer gehört. Wie er gelacht hatte, während ich im Regen stand, etwa zwanzig Fuß entfernt, und zusah, wie alles, was ich besessen zu haben glaubte, zu nichts wurde.

Ich presste meine Stirn gegen die kalten Fliesen und atmete durch.

Als ich endlich herauskam, griff ich nach den Kleidern, die Dominic gekauft hatte.

Ich hielt sie hoch und blinzelte.

Die Shorts waren winzig. Das Oberteil war eng und klein in der Brust. Ich zog beides an, sah an mir herab und hätte fast gelacht, was mich überraschte, denn ich hatte nicht gedacht, dass mir noch Lachen geblieben war.

Meine Beine wirkten plötzlich viel zu lang. Die Shorts bedeckten kaum meine Oberschenkel, und das Oberteil saß auf eine Weise eng, für die es eindeutig nicht gemacht war.

Ich ging trotzdem hinaus. Ich würde sofort nach Hause fahren. Es spielte keine Rolle.

Dominic stand an der Anrichte und schenkte Wasser ein, als ich herauskam. Er drehte sich um, und sein Blick glitt einmal schnell über mich – so, wie man es tut, wenn man versucht, nicht auffällig zu wirken.

Er sah weg.

„Das waren die einzigen Optionen, die es gab“, sagte er mit völlig gleichmäßiger Stimme.

„Ist schon gut“, sagte ich. „Ich fahre sowieso nach Hause.“

Ein trockener Ausdruck huschte über sein Gesicht, fast amüsiert, aber nicht ganz. „Ich habe sie nach Seras Größe gekauft.“

Der Name fiel zwischen uns wie ein Stein, der in stilles Wasser geworfen wurde, was wir beide spürten.

„Natürlich hast du das“, sagte ich leise.

Er räusperte sich und deutete auf den Tisch, wo das Frühstück aufgebaut war. „Iss. Ich hatte meins schon. Ich bin gleich fertig.“

Er verschwand im Schlafzimmer, und ich setzte mich an den Tisch.

Ich schob das Essen auf meinem Teller mehr herum, als dass ich es aß.

Meine Gedanken zogen mich immer wieder zurück in den Resortgarten. Julians Hände. Seras Lachen. Der Regen. Wie sie sich an diesen Baum gelehnt hatte, als gehörte ihr die Welt und alles darin – einschließlich meines Mannes.

Ich legte die Gabel hin und starrte aus dem Fenster.

Sie waren jetzt noch dort, in demselben Resort, zwei Flügel weiter, warm beieinander und völlig ungerührt, während ich hier in geliehenen Kleidern saß, die zwei Nummern zu klein waren, und versuchte zu begreifen, wie ich atmen konnte.

Die Schlafzimmertür öffnete sich.

Ich drehte mich um und wünschte sofort, ich hätte es nicht getan.

Dominic kam heraus – nur mit einem weißen Handtuch, das tief um seine Hüften geschlungen war. Er hatte offenbar sein Hemd vergessen. Er ging zum Sofa, wo es über die Armlehne hing, völlig unbefangen, das Wasser der Dusche noch auf seiner Haut.

Ich hatte nicht vorgehabt hinzusehen, aber ich sah hin.

Acht, ich zählte, ohne es zu wollen: acht deutliche Muskelstränge über seinen Bauch, die nicht von einem Fitnessstudio kamen, sondern von echter Disziplin. Seine Schultern waren breit, und eine Brust, bei der man sofort verstand, warum eine Frau ihretwegen schlechte Entscheidungen treffen konnte.

Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf, bevor ich ihn aufhalten konnte.

Seraphine Ford, was zur Hölle ist falsch mit dir?

Dieser Mann war jeden Tag in deinem Haus, und du hast dich anderswo umgesehen.

Dominic nahm sein Hemd und drehte sich um, um ins Schlafzimmer zurückzugehen. Ich sah schnell weg, nahm meine Gabel wieder auf und tat so, als wäre ich sehr an meinen Eiern interessiert.

„Seraphine“, sagte ich, bevor ich es mir anders überlegen konnte.

Er blieb stehen.

Ich hielt den Blick auf meinem Teller. „Was glaubst du, was sie gerade tun?“

Es war kurz still. Dann hörte ich ihn sich bewegen, und als ich aufsah, lehnte er am Türrahmen, das Hemd noch in der Hand, und betrachtete mich mit einem unlesbaren Ausdruck.

„Wahrscheinlich wärmen sie sich gegenseitig. Bei diesem Wetter“, sagte er.

Ich nickte langsam. „Wir waren gut zu ihnen.“

„Ja.“

„Wir waren wirklich gut zu ihnen.“ Meine Stimme war fester, als ich erwartet hatte. „Und trotzdem haben sie uns das angetan.“

Er atmete tief aus. „Ich weiß.“

Wir sahen uns einen Moment lang durch den Raum an. Draußen fiel der Regen weiterhin gleichmäßig und grau.

Ich stieß ein kurzes Lachen aus und sah weg. „Vielleicht sollten wir sie einfach ebenfalls betrügen.“

Stille breitete sich zwischen uns aus.

Ich spürte, dass er mich ansah. Ich hielt den Blick auf das Fenster gerichtet.

„Das ist ein Scherz“, sagte er.

Ich drehte mich um und traf seinen Blick. „Ist es das?“

Er musterte mich einen langen Augenblick. Etwas in seinem Ausdruck veränderte sich. Nicht wirklich Überraschung. Eher, als würde er diesen Gedanken sorgfältig prüfen.

„Was, wenn wir es täten?“, sagte er leise.

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