Wiedergeborene Luna: zweite Gefährtin-Chance des Großalphas

Wiedergeborene Luna: zweite Gefährtin-Chance des Großalphas

last updateLast Updated : 2026-08-02
By:  S.S.TulipOngoing
Language: Deutsch
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Sie starb als die Himmlische Luna ... nur um als namenlose Sklavin wiederzuerwachen. Lyra Vance war dazu bestimmt, die mächtigste Luna der Geschichte zu werden – bis ihre eigene Zwillingsschwester sie unter einem Blutmond ermordete und ihr ihre himmlischen Kräfte, ihren Titel und den Mann raubte, den alle für ihren schicksalhaften Gefährten hielten. Sechzehn Jahre später erwacht Lyra im gebrochenen Körper einer Omega-Sklavin, ohne jede Erinnerung an ihre Vergangenheit. Geschlagen, zum Schweigen gebracht und wie Abschaum behandelt, erwartet sie vom Leben nichts mehr als das nackte Überleben. Doch alles ändert sich, als sie dem skrupellosen Groß-Alphakönig Silas geschenkt wird. In dem Moment, in dem sie seinen Palast betritt, erwacht sein lange schweigender Wolf und beansprucht die zerbrechliche Sklavin als seine wahre Gefährtin. Doch Lyra verbirgt unmögliche Geheimnisse. Seltsame Kräfte kommen an die Oberfläche, vergessene Erinnerungen kehren zurück, und die Frau, die ihr das Leben gestohlen hat, erkennt das Unmögliche ... Die Schwester, die sie ermordet hat, lebt. Während sich die Königreiche auf den Krieg vorbereiten und das Schicksal seinen Tribut fordert, muss Lyra sich zwischen Rache und der Zukunft in Silas' Armen entscheiden. Denn dieses Mal kämpft sie nicht nur um einen Thron. Sie holt sich das Leben, die Macht und die Liebe zurück, die schon immer für sie bestimmt waren. Und wenn die Himmlische Luna sich erneut erhebt ... ... wird das gesamte Werwolfreich vor ihr niederknien.

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Chapter 1

Prolog

Der Mond stand in jener Nacht hoch am Himmel, eine blasse Silbermünze, die zwischen unruhigen Wolken trieb. Die Luft schmeckte kühl und rein, erfüllt von der feuchten Süße des Flusses, der sich wie eine Ader durch den Wald schlängelt. Unter meinen Stiefeln atmete das Moos, sein Duft durchzogen von wilder Minze.

Ich, Lyra, ging an der Seite von Kira – meiner Zwillingsschwester, meinem Schatten, meinem Spiegelbild. Zwei Hälften desselben Gesichts, dasselbe geschwungene Muttermal hinter dem Ohr. Doch der Mond hatte uns einen Unterschied geschenkt: Ihr Haar war blass wie Frost, meines dunkel wie die Mitternacht. Seit unserer Kindheit hatte man uns gesagt, dass wir einander so vollkommen glichen, dass es Fremde verunsicherte. Manchmal vergaß selbst ich, wen von uns beiden ich ansah, wenn sie meinen Blick auf ganz bestimmte Weise auffing.

Ihr helles Haar trank das Mondlicht in diesem Moment förmlich auf, so hell, dass es in meinen Augen brannte. Sie lächelte über irgendeinen halben Scherz, den ich darüber gemacht hatte, auf ein Pilzfeld zu treten, und ihr Lachen streifte die Luft. Auch ich lachte, unbeschwerter, als ich es seit Wochen gewesen war.

Wir hatten das schon so lange nicht mehr getan. Nicht mehr, seit der Ältestenrat wie die Geier über meiner Paarungszeremonie kreiste, seit sich die flüsternden Prophezeiungen wie Rauch durch die Hallen wanden: „Wenn der silberne Zwilling im Mondlicht steht, wird sich die Welt verbeugen… oder brennen.“

Heute Abend fühlte es sich fast normal an. Fast.

Zwischen uns schwangen wir einen kleinen Korb, den wir mit Mondraute und wildem Lavendel für den Segen am morgigen Tag füllten. Die Ältesten hatten darauf bestanden, dass ich diese Kräuter selbst sammle – ein altes Ritual für die auserwählte Luna. Ich war glücklich. Und nervös. Morgen im Morgengrauen würde Alpha Jaxon vom Westland-Rudel, der zukünftige König-Alpha, mich als seine Gefährtin einfordern.

Der Wald summte sein nächtliches Lied: Wasser über Stein, tiefes Insektenschwirren, eine Eule, die irgendwo über uns rief. Doch je tiefer wir vordrangen, desto mehr prickelte etwas an meinem Hinterkopf.

Ich hörte es, bevor ich es spürte. Ein Schrei, zu roh für eine Beute, zu scharf für den Wind. Ein Wolf.

Ein Schauer kroch meine Wirbelsäule hinab. Mein innerer Wolf schreckte hoch, die Ohren gespitzt, die Zähne gefletscht. Kira ging vor mir her und summte leise vor sich hin. Ein altes Schlaflied, das unsere Mutter uns immer gesungen hatte.

Der Schrei ertönte erneut, näher diesmal. Das Rudelband spannte sich eng in meiner Brust – ein Aufflammen von Warnung, ein Impuls von Panik von irgendwoher aus den Wäldern. Mein Atem stockte. Jemand war verletzt.

„Kira—“, setzte ich an.

Sie blickte über ihre Schulter. Ihre grünen Augen, einst ein Spiegel meiner eigenen Freude, waren unergründlich. Dennoch lächelte sie. Ihr kleines, sanftes Lächeln, das mich schon als Kind beruhigt hatte, wenn ich Angst vor der Dunkelheit hatte. „Es ist nichts“, sagte sie, ihre Stimme federleicht.

Doch der Wald widersprach ihr.

Irgendwo hinter der Baumgrenze knackten Äste. Schritte hämmerten auf die Erde, schnell und schwer. Der Geruch von Angst sickerte in die Nacht. Mein Wolf knurrte tief in mir. *„Falsch. Gefahr. Kehr um.“*

Ich machte einen Schritt auf sie zu. „Wir sollten—“

Schmerz detonierte in meiner Brust.

Im einen Herzschlag atmete ich noch die kühle Nachtluft; im nächsten erstickte ich an etwas Heißem und Nassem. Eine silberne Klinge ragte aus meinem Brustbein hervor und fing das Mondlicht ein. Meine Knie brachen unter mir zusammen.

Der Fluss toste auf, als spürte er das Blut, das das weiße Festkleid tränkte, das ich für den Segen trug. Mein Gefährte würde im Morgengrauen auf mich warten, aber ich würde nicht da sein. Meine Mutter würde uns bald erwarten, und ich würde nicht zu ihr zurückkehren.

Ich blickte auf.

Grüne Augen, wie Moos und Sommerstürme, starrten auf mich herab. Augen, denen ich mein ganzes Leben lang vertraut hatte. Jetzt waren sie kalt.

„Warum, Kira?“, meine Stimme war nur ein raues Flüstern, dick von Blut.

Sie hockte sich neben mich, und ich konnte meine eigene Zwillingsschwester nicht wiedererkennen. Ihre Hände zitterten, als sie den Griff der Klinge packte, die noch immer in meiner Brust steckte. „Weil ich nicht mehr mitansehen kann, wie du mir alles wegnimmst, Lyra.“ Ihre Stimme brach bei meinem Namen, roh und blutend vor jahrelang vergrabener Wut. „Weißt du überhaupt, wie das ist? Als Zweitgeborene auf die Welt zu kommen? Zusehen zu müssen, wie alle dich ansehen, als hättest du die Sterne am Himmel entzündet, während ich in deinem Schatten stand?“

Ich versuchte zu sprechen, doch Blut füllte meinen Mund.

„Die Stimme, die Armeen befehligt. Die Tränen, die die Sterbenden heilen. Die Prophezeiung, die nur von dir spricht.“ Sie lachte wie ein wahnsinniges Mädchen. „Und dann habe ich die Wahrheit erfahren. Jaxon. Mein Jaxon. Derjenige, den ich liebe, seit wir Kinder waren. Den ich aus der Ferne beobachtet und für den ich die Mondgöttin um ein bisschen Gnade angefleht habe—“ Ihre Stimme zerbrach. „Er ist dein Gefährte, Lyra. Dein vorbestimmter Gefährte. Nicht meiner. Niemals meiner.“

Tränen liefen über ihre Wangen und vermischten sich mit dem Mondlicht, das sich in ihrem Haar verfangen hatte. „Ich kann nicht zulassen, dass du ihn bekommst. Ich werde es nicht tun. Also nehme ich mir alles. Deine Macht. Deine Bestimmung. Deinen Gefährten. Alles, was du sein solltest, werde ich stattdessen.“

Die Welt kippte weg. Sie zog eine zweite Klinge, die mit Runen besetzt war – die Seelenklinge. Mein Wolf jaulte in Todesangst auf, bevor ihre Stimme in meinem Kopf für immer abriss.

Nein. Das durfte nicht mein Ende sein.

„Es tut mir leid“, flüsterte Kira, doch ihre Hände waren jetzt ruhig. „Aber du musst sterben, damit ich endlich leben kann.“

Der Wald schwankte. Mein Körper kippte um. Und dann fiel ich – nicht auf das weiche Moos, sondern in die eisigen Arme des Flusses. Die Strömung erfasste mich schnell und riss mich in die Tiefe. Mein Blut blühte in dunklen Bändern auf, die im tiefen Wasser davontrieben.

Kalt. Erdrückend. Meine Glieder nutzlos. Mein Herzschlag verblassend.

Und dann: Licht.

Kein Mondlicht. Etwas Hellere, Tieferes. Es wand sich durch das Wasser. Der Schmerz verblasste zu einer bloßen Erinnerung. Die Kälte verschwand. Ich schwebte in einem Himmel aus endloser Nacht, und die Sterne pulsierten, als würden sie meinen Namen kennen.

Eine Stimme erklang, von überall und nirgendwo gleichzeitig.

„Tochter von Mond und Schatten.“

Die Mondgöttin.

„Deine Zeit ist noch nicht gekommen“, sagte sie. „Du wurdest niedergestreckt, bevor deine Wahl getroffen werden konnte. Also schenke ich dir einen anderen Pfad.“

Wärme durchflutete mich und füllte Adern, die eigentlich gar nicht mehr existierten. Meine Seele schlug wieder.

„Du wirst schlafen. Du wirst als eine andere erwachen. Deine Vergangenheit wird verborgen sein, dein Name unbekannt, deine Macht verschleiert. Du wirst fernab von jenen leben, die dich gebrochen sehen wollen.“

Visionen zogen an mir vorbei. Felder aus goldenem Gras, ein kleines Haus am Rande einer Stadt, ein Paar, das auf diesem Feld spielte, ein Korb an einem Flussufer.

„Wenn die Stunde reif ist, wird der Fluss dich zurücktragen. Und dann wirst du wählen, ob du die Welt verbrennst… oder sie heilst.“

Das Licht flammte heftig auf und trennte das Band, das mich an mein altes Leben fesselte. Das Gesicht meiner Schwester, das Lächeln meiner Mutter, der Wald – alles glitt davon.

Ich fiel in die Stille. Warm, heilig, unberührt.

Der Mondstein an meiner Kehle leuchtete noch ein einziges Mal schwach auf, dann wurde er still.

Irgendwo weit weg floss der Fluss weiter, als hätte er mein Blut nie geschmeckt. Irgendwo weit weg summte der Wald und verbarg die Wahrheit in seinen Wurzeln. Und irgendwo, in einer Zukunft, die ich noch nicht sehen konnte, würde der Pfad, den ich hinter mir gelassen hatte, mich wiederfinden.

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