FAZER LOGINAnnas Perspective
„Wo gehst du hin?" Seine Stimme stoppte mich kalt. Meine Füße fühlten sich am Boden festgeklebt an, als hätte sich der Boden unter mir in Treibsand verwandelt. Panik wirbelte in meiner Brust. Ich hatte alles geplant – wie ich unbemerkt hinausschlüpfen würde, vielleicht sogar still nach ihm sehen, bevor ich ging. Aber hier war er, stand direkt vor mir, als hätte das Schicksal andere Pläne. „Hallo?" rief er wieder und riss mich aus meiner erstarrten Benommenheit. Langsam – langsamer als sonst – drehte ich mich um, um ihm gegenüberzustehen. „Wo gehst du hin?" wiederholte er, diesmal sanfter, mit einem echten Hauch von Besorgnis in seinem Ton. Ich sah ihn an – wirklich ansah. Direkt in seine Augen, als würde ich mich für einen Kampf rüsten. Ich erwartete Misstrauen oder Ärger. Aber stattdessen… hielt sein Gesicht Sorge. Das warf mich aus der Bahn. „Ich versuche nur, mich hineinzuschleichen… damit ich dir zur Arbeit folgen kann", platzte ich heraus und zwang einen spielerischen Ton und ein schwaches Lächeln dazu. Eine Lüge. Eine schlechte. Die Wahrheit war, ich wollte alleine ausgehen. Atmen. Meinen Kopf freimachen. Vielleicht sogar Ethan finden. Ich war mir nicht sicher, warum ich ihn wiedersehen musste, aber irgendetwas in mir sagte mir, dass ich es musste. Und doch, hier war ich – auf frischer Tat ertappt, tat so, als wäre ich die Art von Frau, die mitgehen wollte, nur um Zeit mit ihrem Mann zu verbringen. Ich hasste, wie leicht es war zu lügen. Noch mehr hasste ich, wie sehr ein Teil von mir noch die Wahrheit brauchte. Er blinzelte mich an, von meiner Antwort überrascht. Ich konnte erkennen, dass er nicht überzeugt war, nicht einmal ein bisschen. Aber er drängte nicht. „Wirklich?" sagte er, seine Augenbraue leicht hochgezogen. „Du willst wirklich ins Büro mitkommen." Ich lachte trocken und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr, um mein Unbehagen zu verbergen. „Ja, na ja… vielleicht." Er betrachtete mich einen Moment – zu lang. Die Art von Stille, die sich anfühlt, als würde sie Schichten von dir abziehen. Ich verlagerte mein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, das Herz trommelte gegen meine Rippen wie eine Warnung. Er seufzte schließlich. „Anna, du musst nicht so tun als ob." Mein Lächeln schwankte. Aber bevor ich sprechen konnte, trat er zur Seite und gab mir einen freien Weg zur Tür. „Ich werde dich nicht aufhalten", sagte er. „Sei nur da draußen vorsichtig. Die Welt ist nicht immer freundlich." Und damit ging er weg – hinterließ eine Stille, die lauter klang als jeder Schrei. Ich stand erstarrt in der Stille, das Echo seiner Schritte verklang hinter mir. Meine Finger ballten sich an meinen Seiten. Was tue ich hier? Ich wusste nicht einmal genau, wo ich hinwollte. Alles, was ich wusste, war, dass ich nicht hier bleiben konnte. Nicht so. Nicht wenn ich noch immer das Gefühl hatte, in jemand anderem Leben zu ersticken. Als ich die Tür anstarrte, wirbelten meine Gedanken wie ein Sturm – und dann traf es mich. Eine Erinnerung. Scharf. Ungebeten. --- **RÜCKBLENDE – VOR ZWEI JAHREN** *Max & ich. Unser Zuhause. Unser Anfang vom Ende.* Ich lachte. Wirklich lachte, als ich an der Küchentheke saß und Pfannkuchenteig rührte, während Max meinen Nacken küsste, seine Arme fest um meine Taille geschlungen. „Du verbrennst sie immer", neckte er mich, trat zurück und nahm mir den Pfannenwender weg. „Lass den Meister das Frühstück machen." Ich verdrehte die Augen. „Meister von was? Meine Antihaftpfanne zu ruinieren?" Er grinste – das Lächeln, das einst jeden Zweifel in ihm weggeschmolzen hatte. Wir waren glücklich – oder so dachte ich. Doch dann, in einem Augenblick, verzerrte sich dieser Moment. Lachen wurde zu Schreien. Die Küche wurde zu einem Schlachtfeld. Ich, weinend. Er, mit kalten Augen, die ich nicht mehr erkannte. „Du denkst, alles zu opfern macht dich besonders?" hatte er jene Nacht geschnappt. „Ich habe dich nie gebeten, dein Leben für mich aufzugeben!" Ich erinnere mich an den Schmerz, der meine Brust in zwei Teile spaltete. Ich erinnere mich an die Stille, die mich wochenlang verfolgte. Ich erinnere mich daran gedacht zu haben – Das ist keine Liebe mehr. Es ist Krieg. Ich erinnere mich, wie er zurückkam und auf den Knien flehte und wollte, dass ich ihm vergab. Die naive Version von mir tat, was er wollte. --- **GEGENWART** Ich blinzelte das Stechen in meinen Augen weg, mein Kiefer war angespannt, als die Erinnerung verblasste. Max. Der Mann, dem ich zehn Jahre gab. Der Mann, der mich zerbrechen sah und nie die Hand ausstreckte, um mich aufzufangen. Und jetzt? Ich würde nicht mehr diese Frau sein. Ich würde nicht für jemanden bluten, der mir nie einmal einen Verband angeboten hatte. Ich nahm einen zitternden Atemzug, griff nach dem Mantel vom Ständer und trat hinaus in die Morgenluft. Das ist mein Anfang. Auch wenn ich ihn allein herausmeißeln musste – ich weiß, dass ich diese neue Chance, die mir gegeben wurde, überleben würde.Annas SichtIn dem Moment, als ich auf Senden tippte, ließ ich mein Handy aufs Bett fallen, als hätte es meine Hand verbrannt.Was hatte ich mir überhaupt gedacht?Warum hatte ich Ja gesagt?Ich saß am Rand meines Bettes und starrte die Wand an, als schuldete sie mir Antworten. Meine Brust fühlte sich eng an, nicht vor Angst, sondern unter dem Gewicht alter Wunden, die sich wieder öffneten.Der Vogue & Vision Showcase.Zu meinen Ehren?Er muss denken, ich sei dumm.Ich rieb meine Handflächen aneinander und atmete langsam ein und aus. Aber selbst das half nicht. Meine Gedanken kehrten immer wieder zu ihm zurück – zu Hae-Jae.Nach allem, was er getan hatte… nach der Art, wie er alles zerstört hatte, was ich in mir aufbaute, hatte er mir Hoffnung gegeben, als klar war, dass es keine gab.Jetzt will er eine Show für mich veranstalten?Nein. Das ging nicht um Vergebung. Das ging um Kontrolle.Er wollte die Erzählung wieder schreiben, so aussehen lassen, als wäre er der Gute. Der, der versu
**Hae-Jae’s Sicht**„Sie hasst mich!“, stöhnte ich und schritt im Raum auf und ab.Die Art, wie sie mit mir gesprochen hatte, ließ mich beinahe mich selbst hassen. Ich ließ mich in den Stuhl fallen, während die Erinnerungen an alles, was zwischen uns passiert war, über mich hereinbrachen.Wut wogte durch meine Brust.Die Tür flog auf und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Es war Raymond – in einer weiten Hose und einem weißen Hemd. Wir waren beide wegen Business in dieses neue Land gekommen, aber ich hatte noch andere Pläne.„Gott, heute war großartig.“ Er lächelte mich an und ließ sich auf das Bett gegenüber von mir fallen.Aber sein Lächeln verblasste langsam, als er mich genauer ansah und merkte, dass etwas nicht stimmte.„Was ist los?“, fragte er.„Ich habe sie heute getroffen.“Sein einst lächelndes Gesicht verwandelte sich in eines voller sichtbarer Wut.Er mag sie nicht – aus Gründen, die nur er kennt. Ich habe alles versucht, um herauszufinden warum, aber es scheint alles
**Annas Sicht**Meine Füße fühlten sich am Boden festgeklebt an. Unsere Augen trafen sich, und Spannung erfüllte den gesamten Raum.Er zuckte nicht zusammen – seine Augen musterten mich nur von Kopf bis Fuß.„Du hast dich kein bisschen verändert“, sagte er und durchbrach die dicke Stille.Ich zeigte nicht einmal einen freundlichen Ausdruck. Nur einen strengen, ernsten.„Was zum Teufel machst du hier? Wie hast du mich aufgespürt?“Er lächelte mich an und trat dann einen Schritt näher.„Du bist eine populäre Fashion-Queen. Es war ziemlich einfach herauszufinden, wo du bist.“Ich spürte, wie Wut und Zorn in mir kochten. Diese alten Erinnerungen kamen wie Wellen zurück.„Du musst verrückt sein, wenn du denkst, du könntest hier einfach auftauchen“, zischte ich und verschränkte die Arme eng vor der Brust.Er lachte, dasselbe arrogante Geräusch, das ich in Erinnerung hatte. „Immer noch so feurig wie früher, Anna.“Ich schüttelte den Kopf und versuchte, meinen Atem zu beruhigen. „Du gehörst n
Annas POVIch beobachtete die Frau auf dem Fernseher vor mir. Sie sprach über Dinge, die mir viel zu vertraut vorkamen. Dinge, die mir in den letzten Monaten widerfahren waren.Ich blinzelte nicht.Ich bewegte mich nicht.Ich saß einfach nur da, hörte zu, dachte nach und war völlig in meinen Gedanken verloren.„Deine Augen kleben ja förmlich an diesem Bildschirm!“Sandras Stimme hallte durch das Wohnzimmer und riss mich zurück in die Realität.Ich drehte mich schnell um. Ihre plötzliche Stimme holte mich aus meinen Gedanken.Ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.„Was ist los?“ Meine Stimme klang ruhig. Vielleicht zu ruhig.Sandra hob eine Augenbraue. „Das sollte ich dich fragen. Alles okay?“Ich nickte.Eine Lüge.Sie wusste es. Aber sie drängte mich nicht.Stattdessen kam sie zu mir und setzte sich neben mich. Sie zog ihre Füße auf das Sofa.„Ich habe dir etwas mitgebracht.“Sie griff in ihre Tasche und holte einen Notizblock mit einem goldenen Stift heraus, der daran be
Annas SichtEinen Monat nach der Fashion-ShowIch saß im obersten Stock unseres neu gemieteten Studios im Herzen der Stadt – hohe Glasfenster blickten auf blinkende Lichter und goldene Gebäude. Meine Hand zitterte leicht, während sie eine Tasse grünen Tee hielt, aber nicht, weil ich nervös war. Es war Unglaube. Die Zahlen waren da. Die E-Mails. Die Verträge. Es war real.Wir hatten offiziell über eine Million Dollar an kombinierten Deals angeboten bekommen. Von Luxus-Kaufhäusern bis hin zu internationalen Fashion-Ketten. Anna Designs war nicht mehr nur ein Traum – es war ein Name.Sandra kam herein und hielt einen roten Ordner. Ihre Absätze klickten leise auf dem polierten Boden. „Bist du bereit für die finalen Zahlen?“, fragte sie grinzend.Ich lächelte zurück, immer noch ein bisschen ehrfürchtig. „Sind sie größer als gestern?“Sie lachte. „Fünf Prozent mehr. Girl, wir wachsen nicht nur – wir fliegen.“Ich lehnte mich zurück und blinzelte zur Decke. „Erinnerst du dich, als ich hier
Annas Sicht – Drei Monate späterIch konnte einen Moment lang nicht atmen. Nicht vor Panik. Sondern vor Stolz. Das … das war real. Es passierte endlich. Alles, was ich über die Monate geplant hatte, funktionierte endlich.Die Lichter dimmten und die Runway-Musik setzte ein. Ich stand hinter der Bühne mit Sandra und sah zu, wie unser erstes Model in einem unserer Signature-Gowns herauskam – handgenäht, bold und elegant. Der Stoff schimmerte unter dem Spotlight, der Schlitz glitt, während sie selbstbewusst strich, als wäre sie für diesen Moment geboren.Sandra drückte meine Hand. „Du träumst nicht.“„Ich fühle mich, als würde ich es“, flüsterte ich, die Brust schwer von Emotionen. Eine Träne rann meine Wange hinunter.Erst vor wenigen Monaten war ich weggelaufen. Kein Plan. Nur Instinkt und Verzweiflung. Ich hatte alles hinter mir gelassen – Max, Hae-Jae, meinen Job, meinen Ruf … sogar meinen Namen, in mancher Hinsicht. Jetzt stand ich hier, in einer neuen Stadt, und veranstaltete eine







