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Autor: Kjosh
last update Data de publicação: 2026-09-01 12:21:12

Annas Perspektive

Meine Brust fühlte sich schwer an, in dem Moment, als unsere Blicke sich trafen. Er stand am anderen Ende des Zimmers, die Arme verschränkt, sein Ausdruck unlesbar – ruhig, aber ernst.

„Also", sprach er schließlich, seine Stimme leise und gleichmäßig, „du möchtest Teil meines Unternehmens sein?"

Ich nickte ohne zu zögern.

Mit ihm zu arbeiten… es ging nicht nur um den Job. Es war eine Ablenkung. Eine Möglichkeit, meinen Geist davon abzuhalten, in Erinnerungen zu versinken, denen ich noch nicht bereit war, ins Gesicht zu sehen. Eine Möglichkeit, mich wieder wie ich selbst zu fühlen – oder zumindest wie jemand Neues.

„Ich kann deine persönliche Assistentin sein", bot ich an und zwang mir ein kleines Lächeln ab.

Aber die Art, wie er mich ansah… es war, als könnte er direkt durch die Oberfläche sehen. Als würde er jede Narbe sehen, jede Wahrheit, die ich zu begraben versuchte.

„Du bist noch nicht stark genug, um mit der Arbeit anzufangen, Anna", sagte er sanft und trat näher.

Seine Sorge war nicht hart oder mitleidig – sie war warm, geerdet, real. Das machte es noch schwerer, sie zu ignorieren.

Ich rückte auf dem Sofa, und klopfte auf den Platz neben mir.

„Dann setz dich", murmelte ich, sanfter als zuvor.

Er tat es.

Und für einen Moment sagten wir nichts. Wir saßen einfach da – still, atmeten dieselbe Luft. Nicht Chef und Assistentin. Nicht Retter und Gerettete.

Nur… zwei Menschen, die Stille teilten, unsicher, wohin sie führen könnte.

---

Er saß neben mir, die Stille dehnte sich zwischen uns wie ein dünner Faden – zerbrechlich, und doch seltsam tröstlich.

Ich hielt meinen Blick geradeaus, aus Angst, dass meine Mauern zu bröckeln beginnen würden, wenn ich ihn zu lange anschaute.

Aber dann sprach er.

„Weißt du", begann er langsam, „als ich dich zum ersten Mal traf… erinnertest du mich an jemanden, den ich verloren habe."

Ich wandte mich ihm zu, überrascht von der Sanftheit in seiner Stimme. „Wen?"

„Meine Schwester", sagte er leise. „Sie war hell. Mutig. Aber das Leben war nicht gut zu ihr. Sie verbarg ihren Schmerz auch hinter Lächeln."

Ich blinzelte und schluckte den Kloß, der sich in meinem Hals bildete. „Was ist mit ihr passiert?"

„Sie hat es nicht geschafft", sagte er. „Die Welt hat ihr nie eine zweite Chance gegeben."

Eine Pause.

„Ich denke… deshalb konnte ich nicht von dir weggehen. Nicht nur, weil ich mich verantwortlich fühlte, sondern weil du dich dafür entschieden hast zu kämpfen. Zurückzukehren von etwas, das dich hätte brechen sollen."

Meine Brust zog sich wieder zusammen, aber diesmal nicht vor Schmerz.

Es war das Gefühl, gesehen zu werden.

„Du bist nicht mehr allein, Anna", sagte er, seine Augen in meinen. „Selbst wenn du mich nie ganz hereinlässt – ich werde trotzdem hier sein. Still, beständig. Einfach hier."

Tränen stachen in meinen Augen, aber ich ließ sie nicht fallen. Stattdessen gab ich ihm das Einzige, was ich in diesem Moment konnte.

Ein Nicken. Ein zitterndes, ehrliches Nicken.

Und irgendwie war das genug.

---

Aber seine Worte waren nicht das, was ich hören musste.

Was ich wirklich begehrte, war nicht Trost oder sanfte Beruhigungen – es war Rache.

Rache an demjenigen, der mich zerstört hatte. An dem, dem ich zehn Jahre meines Lebens gegeben hatte – dem Mann, den ich blind geliebt hatte, nur um blutend, gebrochen und weggeworfen zurückgelassen zu werden.

„Danke, Hae-Jae", sagte ich und bot ein schwaches Lächeln. „Aber ich muss diesen Raum verlassen… ich muss die Welt da draußen erkunden und mich selbst wiederfinden."

Meine Stimme war ruhig, fest, aber sie trug das Gewicht stiller Stürme. Ich traf seine Augen – diese tiefen braunen Augen, die immer zu viel sahen. Für einen Moment nickte er fast… fast. Dann zögerte er, hielt sich zurück, bevor ich sicher sein konnte.

„Anna, du bist noch nicht vollständig geheilt", sagte er sanft und stand von seinem Platz auf, Sorge in sein Gesicht gezeichnet.

Ich ließ einen langsamen, frustrierten Atemzug aus. Die Art, die nach Rastlosigkeit schmeckt.

Ich brauchte mehr als Heilung. Ich brauchte Freiheit. Einen Neuanfang. Etwas Echtes.

Ich sah mich um in den Wänden, die mich einst wie ein Rettungsanker gehalten hatten.

Es war Zeit zu gehen.

Denn wenn es eine Sache gibt, die ich gelernt habe…

Männer? Die meisten sind nur wunderschön verpackte Enttäuschungen.

Er ging hinaus ohne ein weiteres Wort, die Tür schlug hinter ihm zu mit einem Dumpfen, das durch das stille Zimmer hallte.

Stille fiel in den Wohnraum.

Ich stand dort, reglos, starrte auf den leeren Raum, den er hinterlassen hatte. Mein Herz raste nicht, nicht wie früher, wenn Männer in meiner Nähe wütend wurden. Stattdessen war da dieser dumpfe Schmerz – etwas Schwereres, Tieferes.

Ich setzte mich auf den Rand des Bettes, meine Hände ruhten in meinem Schoß, während Gedanken begannen, durch meinen Geist zu wirbeln wie Herbstblätter im Wind.

Warum war ich noch hier?

Warum ließ ich die Freundlichkeit eines anderen wie einen Käfig fühlen?

Meine Augen flatterten zu, und genau so verriet mich meine Erinnerung – zog mich zurück in die Vergangenheit, die ich zu begraben versuchte.

---

Der Duft von Zimt und Köln erfüllte die Küche. Ich erinnerte mich an jenen Tag – Sonnenlicht strömte durch die Fenster, Lachen klang in der Luft wie eine Melodie.

Max stand hinter mir, die Arme um meine Taille geschlungen, während ich einen Topf Eintopf rührte.

„Du riechst immer nach Vanille und Regen", flüsterte er in mein Ohr, seine Lippen streiften meinen Hals. „Ich schwöre, du wurdest geschaffen, um meine zu sein."

Ich hatte damals gelächelt. Ich glaubte ihm. Jedes einzelne Wort.

„Ich werde dich nie verletzen, Anna", versprach er, drehte mich um und drückte einen sanften Kuss auf meine Stirn. „Was auch immer passiert, du und ich, immer."

Ich hatte in seine Augen geblickt, dieselben Augen, die mich später auseinanderfallen sahen, ohne einen Finger zu rühren.

Immer?

Dieses Wort fühlte sich jetzt wie eine Lüge an.

Denn es war kein Immer gewesen. Es war nicht einmal für immer gewesen – nur ein paar Jahre süßer Nichtigkeiten, gefolgt von kälteren Nächten, wütendem Schweigen und Verrat, zu scharf zum Vergeben.

Er ließ mich bluten… nicht mit Fäusten, sondern mit Gleichgültigkeit, Gaslighting und jedes Mal, wenn er jemand anderen über mich wählte.

Zehn Jahre. Zehn verschwendete Jahre des Glaubens, Liebe könne einen Mann reparieren, der nicht einmal dachte, er sei kaputt.

Ich öffnete meine Augen, der Raum um mich kam wieder in den Fokus. Mein Herz schlug jetzt ein wenig lauter – nicht vor Schmerz, sondern vor Entschlossenheit.

Ich würde diese Version von mir nicht dieses nächste Kapitel definieren lassen.

Ich schuldete es mir selbst, alles neu zu schreiben, was er zu löschen versucht hatte.

Es war Zeit zu gehen.

Nicht nur das Haus. Nicht nur Hae-Jaes Freundlichkeit.

Sondern den Geist dessen, wer ich einmal war.

Und vielleicht… nur vielleicht… die Version von Anna zu finden, die Max nie die Chance hatte zu zerstören.

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