LOGINSelina~
Raymond lehnte sich zu mir und nahm einen tiefen Atemzug. War dieser Typ ernsthaft dabei, mich gerade jetzt zu beschnuppern? Ich schimpfte mit ihm darüber, wie ich nicht an ihn gebunden sein wollte und wie ich nicht der fette Witz sein wollte. Und alles, was er tun konnte, war, über meinen Duft nachzudenken?! „Geh weg von mir, du Tier!“ Ich legte meine Hände auf seine Brust und versuchte, ihn wegzuschieben, aber er bewegte sich nicht. „Weißt du, du könntest den ganzen Tag schreien und niemand wird kommen, um dich zu retten. Wir sind jetzt verbunden und wir dürfen tun, was wir wollen.“ Raymond zog eine fragende Augenbraue zu mir hoch. Mein Gesicht brannte vor Verlegenheit, als ich schnell verstand, worauf er hinauswollte. Ich erinnerte mich plötzlich an meine Hände, die immer noch auf seiner Brust lagen. Ich zog meine Hände zurück, als hätte er mich verbrannt. Ich räusperte mich und trat zurück, schuf einen großen Abstand zwischen uns, während Raymond mich ansah, als hätte ich zwei Köpfe bekommen. „Ich bin immer noch sauer auf dich, weil du mich vor allen blamiert hast.“ Ich starrte Dolche auf ihn. „Dein Ärger ist nicht meine Angelegenheit, Selina.“ Er neigte den Kopf zur Seite. „Geh und ruh dein verletztes Schulter aus.“ Obwohl er es auf eine distanzierte Weise formulierte, konnte ich die Tatsache nicht ignorieren, dass er besorgt um mein Wohlbefinden zu sein schien. Anstatt seine Tür zuzuknallen, wie er es normalerweise tat, schloss er sie leise, was mich seltsamerweise durch diese kleine Veränderung störte. Zum ersten Mal begann ich, den Unterschied zwischen Raymonds Wut und den Momenten zu bemerken, in denen er um mich herum weicher zu werden schien. Oh nun, mir war seine kleine Veränderung der Haltung mir gegenüber egal. Er hatte sich nicht bei mir entschuldigt, weil er mich da draußen blamiert hatte, und das allein ließ mich ihn als Arschloch betrachten. „Rüder Bastard“, flüsterte ich zu mir selbst, dann hob ich meine Hand in die Luft, als würde ich auf seine Tür schlagen, aber ich tat es nicht. Ich ging zurück in mein Zimmer und fiel frei auf das Bett. Ich zuckte zusammen, als Schmerz durch meine Schulter schoss. Ich hatte die Verletzung vergessen. Tränen drohten, aus meinen Augen zu fallen, aber ich hielt sie zurück. Alles fühlte sich überwältigend an, der Schmerz, die Bindung und die neue Umgebung. ALLES! Während verschiedene Gedanken durch meinen Kopf wirbelten, glitt ich langsam in die Dunkelheit. ********* Ein lauter Knall weckte mich am nächsten Morgen auf. Ich setzte mich schnell auf, schwang meine Beine vom Bett herunter und eilte zur Tür, um zu überprüfen, was das Geräusch verursacht hatte. Als ich die Tür öffnete, sah ich Raymond draußen stehen mit einem Grinsen im Gesicht und einer Tasse Kaffee in der Hand. „Wach auf, Schlafmütze“, seine Lippen kräuselten sich zu einem seltsamen Lächeln. „Willst du mir einen verdammten Herzinfarkt verpassen?!“ Ich schrie aus vollem Halse. „Warum hast du so auf meine Tür gehämmert, nur um meinen Schönheitsschlaf zu stören?“ „Schönheit? Eher hässlich. Außerdem dachte ich, es wäre eine romantische Idee, dich aufzuwecken, weißt du, da wir jetzt verbunden sind. Oder machst du kein Romantik?“ Die Seite seiner Lippen hob sich zu einem grausamen Lächeln. „Wenn das deine Vorstellung von Romantik ist, dann tut es mir nicht leid zu sagen, dass Romantik nicht dein Ding ist. Du solltest bei Mord bleiben, du verrücktes Arschloch!“ Sagte ich in einer abgehackten Stimme, meine Venen traten fast aus meinem Hals hervor. Ich ließ ihn nicht weiter sprechen, als ich die Tür vor seinem Gesicht zuknallte. Ich bereitete mich schnell für den heutigen Unterricht vor, die ganze Zeit bereitete ich mich mental auf das heutige Getuschel und das übliche Bashen von allen vor. Als ich fertig mit der Vorbereitung war, ging ich hinaus und fand Alfred, der an der Tür auf mich wartete. Er sagte mir, dass Raymond bereits gegangen war, also mussten wir beide zusammen gehen, was mir recht war, weil ich nicht wieder in der Nähe des rüden Muttersöhnchens sein wollte. Bald kamen wir an der Akademie an, und es dauerte nicht lange, bis die Schüler anfingen zu flüstern und mich wie eine Außenseiterin behandelten, weil ich ein Mensch war. Was sie nicht wussten, war, dass ich nicht vollständig menschlich war, ich war halb F*e, meine Kräfte hatten sich noch nicht richtig manifestiert. Weil ich niemanden hatte, der mir beibrachte, wie man die Kraft kontrolliert, ließ Raymond mich nicht einmal mit ihm darüber reden, geschweige denn, mich zu trainieren. ‚Fette Schlampe‘, flüsterte eine Schülerin ‚Eine fette Menschin kann niemals unsere Luna sein‘ flüsterte eine andere ‚Sobald Raymond das bekommt, was er von dem fetten Ding will, wird er sie verlassen‘ sagte die Dritte. Alle starrten mich mit Ekel an, der klar in ihren Augen geschrieben stand. Das war alles, was ich hier war, ein Werkzeug, das benutzt und weggeworfen wird, nachdem ich getan habe, wofür ich hergekommen bin. „Kümmere dich nicht um sie, Selina. Du wirst eine gute Luna sein und du bist in Ordnung, genau so, wie du bist.“ Alfred ermutigte mich und schenkte mir ein warmes Lächeln. Ich wurde in den Fluren verspottet, von Professoren ignoriert und von Klassenkameraden beleidigt, die offen über meine Anwesenheit klagten. Trotz alledem weigerte ich mich, sie sehen zu lassen, wie ich zusammenbrach. Mit Alfred an meiner Seite konnte ich diese Drecksakademie überleben und in Frieden abschließen. Dennoch begannen unter meiner tapferen Fassade das ständige Urteil und die Isolation, mich zu zermürben. Ich versuchte, so zu tun, als ob ihre Worte mich nicht erreichten, aber in Wahrheit verletzten sie mich wirklich. Ich war schon immer von meinen Eltern vernachlässigt und beleidigt worden, das sollte kein Problem sein. Aber dann war es das.SelinaFür einige Sekunden, nachdem die Schockwelle verschwunden war, konnte ich nichts außer meinem eigenen Atem hören. Die Akademie, deren Mauern schon immer von einem leisen magischen Summen erfüllt gewesen waren, war in eine so vollkommene Stille gefallen, dass sie sich falsch anfühlte.Langsam blickte ich mich in der Kammer um, und ein kalter Schauer lief mir über die Haut, als ich erkannte, dass jeder einzelne Runenstein vollständig erloschen war.„Die Leylinien“, flüsterte Elian, während er den Korridor anstarrte, in dem die leuchtenden Runen verschwunden waren.Er trat näher an eine der Wände und presste seine Handfläche dagegen. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, als nichts auf seine Berührung reagierte. „Ich kann sie nicht mehr spüren.“Ich konnte es ebenfalls nicht, und das machte mir mehr Angst als die Dunkelheit selbst. Ich griff nach der Magie, die die Akademie schon immer umgeben hatte, und erwartete den vertrauten Druck auf meinen Sinnen, doch da war nichts.Es w
SelinaKael kniete vor mir, seine Hände zitterten auf dem steinernen Boden, während schwarze Adern unter der Haut seines Halses entlangkrochen.Seine Augen wechselten zwischen ihrer normalen Farbe und einem tiefen, unnatürlichen Schwarz, und als er sein Gesicht zu mir hob, sah ich etwas darin, das meine Brust eng werden ließ.„Bitte“, flüsterte er mit brechender Stimme, während er gegen etwas ankämpfte, das sich in seinem Inneren bewegte. „Wenn ich die Kontrolle verliere, töte mich.“Ich verstärkte meinen Griff um meine Waffe, doch ich konnte sie nicht heben. In Kaels Gesicht lag Angst, aber unter dieser Angst war noch etwas anderes, etwas schmerzlich Menschliches, das mir zeigte, dass er noch immer da war.„Ich werde dich nicht töten“, sagte ich und senkte die Klinge, obwohl jede Warnung in meinem Kopf laut aufschrie.Raymond trat neben mich, seine Augen auf Kael gerichtet. „Selina, ich verstehe, warum du ihn retten willst, aber du darfst nicht zulassen, dass dein Mitgefühl dich blin
SelinaIch starrte durch das wechselnde Licht des alten Siegels auf Carolina und konnte mich nicht dazu zwingen, den Blick abzuwenden, während der Gedanke, dass Kael irgendwo über uns mit diesem Wesen in seinem Inneren war, meinen Magen verkrampfen ließ.„Du hast gesagt, dass die Bedrohung bereits einen Wirt gewählt hat, also sag mir, ob Kael noch gegen sie kämpft“, verlangte ich und schloss meine Finger fester um Raymonds Hand, während die Ketten um Carolina flackerten.Witch Flairs Gesicht verhärtete sich, und zum ersten Mal, seit wir die Kammer betreten hatten, sah ich etwas, das beinahe wie Angst über ihr Gesicht huschte.„Je länger wir hierbleiben, desto leichter wird es für das Wesen, euch zu finden“, warnte Witch Flair, wobei ihr Blick auf die Stelle fiel, an der Raymond und ich miteinander verbunden waren. „Eure Seelenbindung ist mächtig, Selina, aber Macht hinterlässt eine Spur, und dieses Ding hat Jahrhunderte damit verbracht, zu lernen, wie man Spuren durch die Ley-Linien v
SelinaSekundenlang konnte ich Witch Flair nur anstarren, während ihre Warnung sich über die Kammer legte und in mir das schreckliche Gefühl zurückließ, dass alles, was wir geopfert hatten, uns auf etwas noch viel Schlimmeres vorbereitet hatte.Die uralte Bedrohung war seit Jahrhunderten unter dem Königreich eingesperrt, und doch hatte sie irgendwie bereits einen Weg gefunden, die Welt über uns zu erreichen.Raymond trat vor, sein Gesicht verhärtete sich, als er eine Antwort verlangte.„Wer ist das Gefäß?“Witch Flair antwortete nicht sofort, und die Stille ließ meine Wut schneller anwachsen als meine Angst. Sie blickte auf die zerbrochenen Zeichen unter unseren Füßen, bevor sie Raymond mit einem Ausdruck ansah, den ich noch nie zuvor bei ihr gesehen hatte.„Bevor ich es dir sage, musst du etwas über den Fluch verstehen, den ich auf dich gelegt habe.“Raymonds Finger glitten aus meinen, als er sich vollständig zu ihr umdrehte.„Was hat mein Fluch mit allem zu tun, was hier geschieht?“
SelinaIch starrte Carolina an, die innerhalb des uralten Siegels stand, und konnte kaum atmen, während sich die Lichtketten um sie bewegten wie lebendige Wesen.Die uralte Bedrohung benutzte noch immer ihre Stimme, doch ich konnte nun etwas anderes darunter hören, etwas Angespanntes und Verängstigtes, das mich vermuten ließ, dass Carolina darum kämpfte, mich zu erreichen.Ich schloss meine Finger fester um Raymonds Hand und schüttelte den Kopf, weil ich mich weigerte zu akzeptieren, dass die Befreiung meiner Schwester bedeutete, zuzusehen, wie er starb.„Tritt in die Mitte, Selina“, flüsterte Carolinas Stimme, und plötzlich veränderte sich die Kammer um uns herum.Ich sah Raymond mehrere Schritte entfernt stehen, sein Hemd mit Blut bedeckt, während sein Körper auf den Steinboden sank, und ich schrie seinen Namen und streckte die Hand nach ihm aus, doch als ich blinzelte, stand er wieder neben mir und hielt noch immer meine Hand.Raymond blickte auf die leere Stelle, an der die Vision
SelinaDie Treppe schien entschlossen, uns beide zu verschlingen, während Raymond und ich weiter in die Dunkelheit unterhalb der Akademie hinabstiegen.Jeder Schritt führte uns weiter von der Welt oben fort, und mit jeder Ebene wurde die Luft kälter, bis sich jeder Atemzug scharf in meiner Lunge anfühlte.Raymond hielt eine Hand um meine geschlungen, sein Daumen bewegte sich langsam über meine Fingerknöchel, als könnte diese einfache Berührung uns beide daran erinnern, dass wir noch immer zusammen waren.Die Wände veränderten sich, je tiefer wir hinabstiegen, und waren mit Markierungen bedeckt, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Anfangs waren es nichts weiter als schwache Kratzer im Stein, doch wann immer wir an ihnen vorbeikamen, bewegte sich blasses Licht durch die Symbole wie Blut, das durch Adern floss.Ich spürte, wie unser Seelenband auf sie reagierte und unter meiner Haut pulsierte, jedes Mal, wenn die uralten Markierungen erwachten.„Spürst du das?“, fragte Raymond. Ich nic
Selina Später an diesem Tag, während meiner Mittagspause, entschied ich mich, für die verbleibenden Minuten meiner Pause allein zu sein. Ich ging in ein leeres Klassenzimmer und setzte mich ganz hinten, nahe am Fenster.Plötzlich spürte ich etwas unter meiner Haut – ein warmes Gefühl. Zuerst dacht
Selina~Der Schmerz in meiner Schulter weckte mich auf, bevor die Sonne überhaupt aufging. Ich stöhnte leise, als ich versuchte, mich aufzusetzen. Die Wunde von den Klauen des abtrünnigen Wolfs brannte wie Feuer, jedes Mal wenn ich mich bewegte. Ich bemerkte sofort, dass jemand mich in ein lockere
Selina~Ich wusste, dass ich wahrscheinlich tief in der Scheiße steckte, weil ich das gesagt hatte, aber was war das Schlimmste, das passieren konnte?Allerdings sagte er danach kein Wort und drehte sich um, um zu gehen. Wer sollte mir mit meinen Sachen helfen, wenn er es nicht tat?„Tch, verdammte
Selina~Ich stand wie erstarrt mitten in meinem Zimmer und hielt den alten Brief so fest umklammert, dass die Kanten bereits einrissen. Mein Herz wollte sich nicht beruhigen. Alles, was Elian gesagt hatte, drehte sich in meinem Kopf wie ein Albtraum, aus dem ich nicht aufwachen konnte.Carolina war







