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Kapitel 5

Penulis: Bagel
Meine Finger ballten sich in den Manteltaschen zu Fäusten. Die Knöchel wurden weiß, während ich hinkend über den Marmorkorridor ging.

Das Klacken von Julians Lederschuhen kam von hinten näher.

„Serafina, ich lasse dich mit einem Wagen zum Anwesen zurückbringen.“

Ich blickte nicht zurück, sondern beschleunigte meinen Schritt.

Dann stolperte ich über etwas auf dem Boden und stürzte hart.

Die frisch verbundenen Brandwunden rissen augenblicklich wieder auf. Blut färbte den Verband rot.

Der Sturz war brutal.

Tief in meiner Brust zerbrach etwas – und nahm den letzten lächerlichen Rest Hoffnung mit sich, den ich noch besessen hatte.

Ich biss die Zähne zusammen.

Doch egal, wie sehr ich mich dagegen wehrte, unerwünschte Tränen liefen über mein Gesicht.

Da ich in einem kirchlichen Waisenhaus aufgewachsen war, hatte ich nichts so sehr gefürchtet wie Feiertage, an denen Familien zusammenkamen.

Das warme Licht hinter Fenstern zu sehen und das Lachen aus fremden Wohnungen zu hören, hatte sich jedes Mal angefühlt wie ein stumpfes Messer, das Stück für Stück Fleisch aus mir schnitt.

Julian wusste das besser als jeder andere.

Und nun riss er diese alte Wunde mit eigenen Händen immer wieder auf – nur um die Frau zu besänftigen, die hinter seinem Rücken weinte.

Er eilte zu mir und wollte mich vom Boden hochziehen. In seiner Stimme lag unterdrückter Zorn.

„Serafina! Musst du ausgerechnet jetzt die Starke spielen?!“

Noch bevor er aussprechen konnte, wurde mir eine kochend heiße Tasse schwarzen Kaffees ins Gesicht geschleudert.

Die dunkle Flüssigkeit spritzte über meinen ganzen Körper.

Unmittelbar danach traf mich eine abgewetzte Lederhandtasche an der Schläfe, die augenblicklich anschwoll.

Mias Mutter stand einige Schritte entfernt und zitterte am ganzen Körper wie eine Verrückte.

„Du Schlampe! Wie kannst du es wagen, dich an meinen Schwiegersohn heranzumachen? Ich werde dir zeigen, was mit einer dreckigen Ehebrecherin passiert!“

Sie stürzte sich auf mich und schlug mir hart ins Gesicht.

Die Wucht riss meinen Kopf zur Seite. Ich sackte auf den Boden.

Direkt danach krachte die harte alte Lederhandtasche auf meine Schulter.

Ich hörte den widerwärtigen dumpfen Schlag und spürte ihn bis in den Knochen.

Für einen Augenblick wurde mein Blick schwarz.

Als sie ein drittes Mal ausholte, packte Julian ihren Arm.

„Genug! Beruhigen Sie sich! Es ist nicht so, wie Sie denken!“

„Was soll es denn sonst sein?!“, kreischte die ältere Frau. „Diese Ehebrecherin hat sich dir praktisch an den Hals geworfen! Hältst du mich für blind?!“

Ich stemmte mich von den kaffeebedeckten Fliesen hoch und kam schwankend auf die Beine.

„Behalten Sie lieber Ihre Tochter im Auge. Sie weiß ganz genau, wer hier die wahre Geliebte ist und sich in das Leben eines verheirateten Mannes hineinschläft!“

Julian fuhr zu mir herum.

Mit einem tiefen Knurren, das nur wir beide hören konnten, sagte er:

„Sie hat eine schwere Herzerkrankung und darf sich nicht aufregen! Serafina, ich flehe dich an, mach keine Szene!“

Dann wandte er sich sofort wieder der alten Frau zu und stützte sie.

Sein Ton wechselte augenblicklich und wurde so sanft, dass er wie ein anderer Mensch klang.

„Sie haben das missverstanden. Diese Frau ist nur ... eine Bekannte. Sie hat vor Kurzem ein Kind verloren und ist nicht ganz bei sich ...“

Er zeigte sogar auf das Rezept für die starken Schmerzmittel, das ich gerade bekommen hatte.

Die alte Frau warf einen Blick darauf, schnaubte verächtlich und spuckte auf den Boden.

„Kein Wunder! Kein Wunder, dass sie so unheimlich ist. Vergessen wir es. Ich werde Mitleid mit ihr haben und es auf sich beruhen lassen!“

Julian führte die Mutter und die Tochter halb stützend, halb tragend aus dem Korridor.

Vom Anfang bis zum Ende sah er kein einziges Mal zu mir zurück.

Ich sank auf die kaffeetriefenden Bodenfliesen und starrte seinem Rücken nach.

Nicht einmal Tränen konnte ich noch vergießen.

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