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Kapitel 4

Author: Bagel
Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einem VIP-Zimmer des privaten Krankenhauses der Familie.

Julian blätterte in der Mappe, für deren Rettung ich mein Leben riskiert hatte.

Die an den Rändern versengte Heiratsurkunde glitt heraus.

„Für dieses wertlose Stück Papier wärst du beinahe gestorben?“ Seine Stimme war angespannt vor Unglauben. „Serafina, du hast einen Haarriss im linken Wadenbein und eine Lungenentzündung. Der Arzt hat gesagt, wenn man dich zehn Minuten später eingeliefert hätte, wärst du tot!“

Ich streckte die Hand aus und riss ihm die Mappe weg.

Ohne dieses Originaldokument konnte das beschleunigte Scheidungsverfahren meines Anwalts nicht weitergehen.

Julian betrachtete, wie schützend ich die Mappe an mich drückte. Seine Brauen zogen sich tief zusammen.

„Du hättest nur zurückweichen müssen, dann wären alle lebend herausgekommen. Aber nein, du musstest dieses verdrehte Spiel spielen und mich zu einer Entscheidung zwingen. Bist du wirklich so verzweifelt darauf aus, zu beweisen, welchen Platz du in meinem Herzen einnimmst?“

„Das war ein Anschlag unserer Rivalen. Ich habe Mia zuerst geschützt und hinausgebracht, weil sie eine Zivilistin ist und nichts von solchen Dingen versteht. Du dagegen weißt besser als jeder andere, wie man auf der Straße überlebt.“

Ich starrte auf die Operationslampe an der Decke und antwortete leise:

„Ja.“

„Baby.“ Sein Ton wurde sanfter, als er sich zu mir beugte. „Ich habe dir schon vor langer Zeit gesagt, dass ich mich beruhigt habe. Aber bei Mia ... ihre Familie versinkt in Spielschulden, und ihre Mutter hat ein schwaches Herz. Ich helfe ihr nur. Das ist das Mindeste, was ich tun kann.“

Er behauptete, mich als seine Ehefrau zu schätzen.

Doch sein Verhalten verriet, wie sehr er von ihr besessen war.

Endlich begegnete ich seinem Blick.

Meine Augen waren wie abgestandenes Wasser, ohne die geringste Regung.

„Ich weiß. Ich verstehe es vollkommen.“

Meine kalte Gleichgültigkeit trieb ihn offenbar an den Rand seiner Geduld.

Abrupt stand er auf und bemerkte dabei die wütend roten Brandwunden an meiner Schulter.

„Serafina, war der Verlust unseres Kindes nicht Folter genug für mich? Musstest du auch noch deinen eigenen Körper entstellen, nur damit ich ebenfalls blute?“

„Du interpretierst zu viel hinein. Ich werde nie wieder etwas so Dummes tun.“

Er öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen, doch sein Handy klingelte.

Er ging zu den bodentiefen Fenstern und nahm den Anruf an.

Die Worte am anderen Ende konnte ich nicht genau verstehen, doch Mias schwaches, hilfloses Weinen war schwach zu hören.

Julian senkte die Stimme und redete ihr eine Weile beruhigend zu.

Nachdem er aufgelegt hatte, wandte er sich wieder mir zu.

„In einem unserer Geschäfte gibt es eine Ratte, um die ich mich kümmern muss. Ich muss ins Büro zurück. Bleib hier und konzentrier dich darauf, gesund zu werden.“

Mit diesen Worten ging er aus dem Krankenzimmer, ohne sich noch einmal umzudrehen.

In den folgenden Tagen blieb ich ruhig im Krankenhaus.

Julian ließ seine Männer Kisten mit teuren Nahrungsergänzungsmitteln und roten Rosen bringen.

Das Festnetztelefon im Zimmer klingelte jeden Tag zur gleichen Zeit.

Ich ließ stets die diensthabende Krankenschwester für mich antworten:

„Ihr Zustand ist stabil. Keine Besucher.“

Am Tag meiner Entlassung hielt ich die heftigen Schmerzen aus und ging allein zur Krankenhausapotheke, um meine Schmerzmittel abzuholen.

Gerade hatte ich den Rezeptzettel durch das Fenster gereicht, als eine Frau mittleren Alters sich vor mich drängte und mich zur Seite stieß.

„Mein Schwiegersohn ist der Boss dieses Bezirks! Warum zum Teufel sollte ich in der Schlange warten müssen?“

Ich runzelte die Stirn.

„Bitte stellen Sie sich hinten an.“

Die Frau musterte mich von oben bis unten. In ihrem Gesicht lag unverhüllte Verachtung.

„Wer glaubst du eigentlich, wer du bist? Mein Schwiegersohn ist Capo Julian! Wenn ich wegen dir meine Medikamente zu spät bekomme, kannst du die Folgen tragen?“

Wie aufs Stichwort kamen Julian und Mia vom anderen Ende des Korridors herbeigeeilt.

Julian zog mich zur Wand und senkte die Stimme.

„Mias Mutter hat ein schwaches Herz. Sie darf sich nicht aufregen. Du bist die Ehefrau des Capos. Es ist nur richtig, dass du eine Zivilistin zuerst drankommen lässt.“

Mia stützte rasch die schwer atmende Frau. Ihre Augen waren gerötet.

„Frau Marchetti, es tut mir so leid ... Wenn meine Mutter sich aufregt, bekommt sie schnell Beschwerden. Ich hatte Angst, sie würde die teuren Medikamente nicht annehmen, also habe ich ihr einfach gesagt, Julian sei mein Verlobter.“

„Bitte seien Sie auch dem Capo nicht böse. Er hat einfach ein weiches Herz, wenn es um Loyalität geht, und kann es nicht ertragen, gute Menschen leiden zu sehen.“

Still betrachtete ich die drei Menschen vor mir.

Sobald Mias Mutter behauptete, sich unwohl zu fühlen, konnte Julian seine eigene Ehefrau mit Knochenbruch und schweren Verbrennungen ohne eine Sekunde zu zögern allein im Krankenhaus zurücklassen.

Wie auch immer.

Nichts davon spielte noch eine Rolle.

Ich nickte und wandte mich den Aufzügen zu.

Ich hatte gerade zwei Schritte gemacht, als hinter mir Mias leises Schniefen erklang.

„Julian, ist Frau Serafina wütend? Wird sie wieder so einen Aufstand machen wie beim letzten Mal? Ich habe solche Angst, dass ich deine Stellung gefährde ...“

Julians Stimme war tief. Trotzdem drang jedes Wort deutlich an mein Ohr.

„Ignorier sie. Denk nicht darüber nach. Sie kommt aus einem Waisenhaus. Mitgefühl würde sie nicht einmal erkennen, wenn es ihr ins Gesicht schlüge.“

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