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Kapitel 5

Author: BergMeer123
5

Auf dem Handybildschirm war die vollständige Überwachungsaufnahme vom Klinikeingang zu sehen.

Ohne jeden Schnitt, ohne jede Manipulation.

Jede Sekunde des Videos war ein unwiderlegbarer Beweis.

Die Aufnahme dokumentierte lückenlos den zeitlichen Ablauf.

Um neun Uhr morgens hatte ich pünktlich ausgestempelt und die Klinik verlassen.

Zehn Minuten später nahm ich am Klinikeingang den Anruf aus meiner Abteilung entgegen und kehrte eilig um.

Um neun Uhr achtzehn trat ich aus Unachtsamkeit ins Leere und stürzte direkt in den nicht abgedeckten Schacht.

In den folgenden zwanzig langen Minuten hatte ich keinerlei Möglichkeit, mich selbst zu befreien oder den Schacht zu verlassen.

Der Polizist ließ seinen kühlen Blick über die gesamte Menge schweifen.

Langsam sprach er, seine Stimme laut und klar:

„Laut dem Notruf des Bauarbeiters und dem Ablauf der Rettung war Frau Doktor Hartmann die ganze Zeit im Schacht gefangen und nicht in der Lage, sich selbstständig zu bewegen.“

Er betonte seine Worte, jedes Wort fiel wie ein Hammerschlag:

„Ich frage Sie: Wie soll ein Mensch, der am Grund eines Schachts gefangen ist und sich das rechte Bein gebrochen hat, gleichzeitig im OP sein, die ganze Zeit an der Operation teilnehmen und dabei einen Fehler machen, der zum Tod des Patienten führt?“

Diese Frage traf ins Schwarze, sofort herrschte Totenstille.

Die eben noch aufgebrachten Angehörigen sahen sich fassungslos an.

Die Wut in ihren Gesichtern gefror.

Für einen Moment waren alle wie vor den Kopf gestoßen.

Genau in diesem entscheidenden Moment.

Ertönte von hinten aus der Menge eine gewichtige, drückende Stimme.

Sie durchbrach die Stille mit einem Schlag.

„Herr Kommissar, ein einzelnes Beweismittel allein kann Sophie Hartmann nicht von ihrer medizinischen Verantwortung entbinden.“

Alle drehten sich ruckartig zu der Stimme um.

Es war Klinikdirektor Richard Thalberg.

Sein Gesicht war ernst und würdevoll, in seinem Blick lag die selbstverständliche Autorität eines Klinikleiters.

Sofort übernahm er die Kontrolle über die Situation.

Er hob die Hand und gab dem medizinischen Personal, das ihn begleitete, ein Zeichen.

Jemand trat vor und reichte ihm ein Tablet sowie eine Krankenakte.

Der Klinikdirektor sprach mit fester, autoritärer Stimme und stellte damit alles infrage, was gerade festgestellt worden war:

„Die interne Überwachungskamera unseres OP-Saals kann eindeutig beweisen, dass die Ärztin, die diesen medizinischen Zwischenfall verursacht hat, tatsächlich Sophie Hartmann war!“

Daraufhin schaltete das Personal das Tablet ein.

Die interne Aufnahme aus dem OP-Saal wurde vergrößert auf den Bildschirm übertragen.

In dem Moment, als sie zu sehen war, hafteten alle Blicke daran.

Auf dem Bild war eine Ärztin in steriler OP-Kleidung und mit Mundschutz zu sehen.

Sowohl Körpergröße und Statur als auch die Art, die Instrumente zu halten – meine ganz eigene Gewohnheit – stimmten haargenau mit mir überein.

Da OP-Haube und Mundschutz das Gesicht vollständig verdeckten, war es unmöglich, die Gesichtszüge zu erkennen.

Man konnte die Person nur anhand ihrer äußeren Erscheinung beurteilen, zumal die Überwachungskamera im OP sehr hoch angebracht war.

Von oben gefilmt, war der Aufnahmewinkel zusätzlich eingeschränkt.

Der Polizist verglich die Aufnahme auf dem Tablet mehrmals mit mir, konnte aber keinen Widerspruch erkennen.

Anschließend wurde ein OP-Protokoll vor allen ausgebreitet.

An der Stelle für die Unterschrift der Ärztin stand klar und deutlich der Name:

Sophie Hartmann.

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