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Kapitel 4

Author: BergMeer123
4

Vor den Angehörigen stand Vivien, noch in OP-Kleidung.

Sie senkte den Blick und seufzte mit gespielter Betroffenheit:

„Es tut mir leid, wir haben alles versucht. Die lebensrettenden Maßnahmen blieben erfolglos, wir mussten den Patienten für tot erklären.“

Die Angehörigen brachen sofort zusammen, herzzerreißendes Schluchzen brach mit einem Mal los.

Vivien änderte ihren Ton, in ihrer Stimme schwang nun ein versteckter Vorwurf mit.

Wie zufällig lenkte sie den Verdacht auf mich:

„Eigentlich hätte man ihn retten können. Aber die operierende Ärztin, Sophie Hartmann, hat mehrere Fehler gemacht. Deshalb ...“

Dieser Satz schlug ein wie ein Funke in ein Pulverfass und ließ die Wut aller Anwesenden auf der Stelle hochkochen.

„Wo ist Sophie Hartmann! Warum traut sie sich nicht, sich zu zeigen!“

„Pfusch am Patienten! Wir wollen eine Erklärung, koste es, was es wolle!“

Die Angehörigen waren im Nu aufgebracht und schrien wie von Sinnen:

„Sie muss dafür büßen!“

Ich saß im Rollstuhl und beobachtete stumm, wie sie die Wahrheit verdrehte.

Im Durcheinander fiel der Blick eines Angehörigen plötzlich auf mein Namensschild.

Er las es laut, betont, Wort für Wort vor:

„Ärztin der Notaufnahme, Sophie Hartmann!“

Kaum war das gesagt, richteten sich alle Blicke auf mich.

Die Ehefrau des Patienten, die zuvor am Boden gesessen und geweint hatte, verlor da sofort die Fassung.

Sie sprang mit einem Ruck vom Boden auf, die Augen blutunterlaufen, und stürzte sich wie von Sinnen auf mich.

„Du bist es! Du bist schuld, dass mein Mann tot ist!“

Sie packte meinen Kragen, ihre Fingernägel bohrten sich tief in meine Haut.

Das heftige Zerren ließ stechende Schmerzen durch mein rechtes Bein schießen.

Die umstehenden Angehörigen stürzten sich ebenfalls auf mich, völlig außer Kontrolle.

Schubser und Beschimpfungen prasselten gleichzeitig auf mich ein.

„Pfuscher! Verantwortungslose Mörderin!“

„Du hast ein Menschenleben auf dem Gewissen, hast du denn gar kein Gewissen?“

„Sie muss dafür büßen!“

Mit meinem gebrochenen rechten Bein hatte ich nicht die geringste Möglichkeit, mich zu wehren.

Ich konnte mich nur verzweifelt am Rollstuhl festklammern und den Schmerz und die Ungerechtigkeit ertragen.

Ich versuchte verzweifelt, mich zu erklären.

Meine Stimme ging jedes Mal im Lärm der Beschimpfungen unter.

„Ich war es nicht! Diese Operation hat nichts mit mir zu tun, ich war überhaupt nicht daran beteiligt!“

Meine Rechtfertigung wirkte vor den blind wütenden Angehörigen kraftlos und hilflos.

Vivien stand hinten in der Menge und sah kalt zu, wie ich umzingelt und bedrängt wurde.

In ihrem Mundwinkel versteckte sich ein finsteres Lächeln.

„Sophie, willst du dich jetzt immer noch herausreden?“

Sie tat, als wäre sie zutiefst erschüttert, und hob die Stimme:

„Du hast einen medizinischen Fehler begangen und denkst nicht mal daran, die Verantwortung zu übernehmen, sondern täuschst noch absichtlich einen Knochenbruch vor. Ich sehe genau, dass du dich nur vor der Verantwortung drücken willst!“

Diese Worte besiegelten endgültig meine „Schuld“.

Die Lage geriet endgültig außer Kontrolle.

Im Chaos brüllte ein junger Mann wütend:

„Du willst einen Bruch vortäuschen? Dann zeige ich dir, wie sich ein echter anfühlt!“

Noch bevor jemand reagieren konnte, trat er mit voller Wucht seitlich gegen meinen Rollstuhl!

Der Rollstuhl, ohnehin schon instabil, kippte sofort um.

Ich stürzte mit meinem ganzen Gewicht auf den kalten Boden.

Einer der Angehörigen hob den Fuß und trat mit aller Kraft genau auf mein frisch eingegipstes rechtes Bein.

„Aaah!“

Ein bohrender Schmerz schoss durch meinen ganzen Körper.

Ich konnte nicht mehr an mich halten und schrie gellend auf.

Vor Schmerz krümmte ich mich zuckend am Boden.

Von dem Lärm alarmiert, kamen die Polizisten und Jonas eilig herbeigelaufen.

Die Polizisten stürmten sofort dazwischen und stellten sich schützend vor mich.

„AUFHÖREN! DAS HIER IST EIN KRANKENHAUS!“

Die Ehefrau des Patienten packte den Ärmel des Polizisten:

„Herr Kommissar! Diese Ärztin hat fahrlässig gehandelt! Sie hat meinen Mann getötet! Sie müssen sie verhaften und einsperren!“

Die Anklagen brandeten erneut auf.

Alle waren überzeugt, dass ich die Hauptschuldige an diesem medizinischen Zwischenfall war.

Nur Vivien reagierte, als sie die Polizisten sah, zunächst mit Verwirrung.

Offensichtlich wusste sie nichts von dem, was mir draußen zugestoßen war.

Der leitende Polizist ließ seinen kühlen Blick über die lärmenden Angehörigen schweifen.

„Sie behaupten also, dass Frau Doktor Hartmann gerade eben im OP einen Fehler gemacht und den Patienten zu Tode operiert hat?“

Ohne nachzudenken riefen die Angehörigen wie aus einem Mund:

„Genau! Sie war es!“

Der Polizist lachte höhnisch auf:

„Das ist ja wohl absurd!“

Dann zog er sein Handy aus der Tasche und hielt es hoch.

Er richtete es auf alle Anwesenden.

„Dann schauen Sie sich mal ganz genau an, was das hier ist.“

Viviens Pupillen weiteten sich, alle Farbe wich aus ihrem Gesicht.

Auch die Angehörigen wurden blass.

Im nächsten Moment war es totenstill.

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