LOGINIn Killians Augen zuckte ein schwaches Glimmen auf.Da ich nicht einfach gegangen war, glaubte er wohl, er hätte noch eine Chance.Er eilte durch die Menge. „Freya.“Die umstehenden Gäste drehten sich alle um.Er blieb vor mir stehen und zog ein schwarzes Samt-Etui aus der Tasche.Darin lag der aus Wolfsknochen gefertigte Celestine-Ring – der Ring, der mich an unserem Verbindungstag zu seiner Luna machen sollte.„Ich weiß, ich war so falsch.“Ein gequälter, rauer Laut entwich aus seiner Kehle.„Ich hätte dich an diesem heiligen Altar nicht allein lassen dürfen.“„Ich hätte Daisy nicht das Mondstein-Brautkleid tragen lassen dürfen, das du mit deinen eigenen Händen genäht hast.“„Und ich hätte vor allem nicht anmaßend glauben dürfen, dass meine Gefährtin im Territorium immer auf mich warten würde.“„Freya, darf ich noch einmal um dich werben, bitte?“„Ich kann auf meinen Alpha-Titel verzichten und in Nova bleiben. Du kannst dein Couture-Atelier führen, und ich werde dein treuester Beschü
Killian sah mich sehr, sehr lange an.Es war das erste Mal, dass ich in diesen sonst so kalten, stolzen und ewig beherrschten Alpha-Augen vollständige, tiefe Verzweiflung sah.„Nein“, sagte er, sein Adamsapfel hüpfte, seine Stimme war furchtbar heiser. „Videos kann man fälschen. Daisy würde sich niemals mit einer Hexe verschwören, um so etwas zu tun.“„Dann übergib sie den Spurensicherungs-Ältesten des Mondtempels und lass sie die Spuren dunkler Magie abgleichen.“Ich verstaute mein Gerät. „Die Wahrheit ist da. Finde sie selbst heraus.“Ich drehte mich zu meiner Mutter und den alteingesessenen Rudelwächtern hinter ihr um.„Und jetzt nimm deine Leute und verschwinde von meinem Grundstück.“Meine Mutter packte fest mein Handgelenk.„Freya, ich hatte wirklich Unrecht.“Ihre Stimme brach völlig und legte all die hochmütige Pose ab, mit der sie im Rudel sonst auftrat.„Ich hätte deine Schwester nicht blindlings bevorzugen dürfen. Auch ich wurde von der Illusion ihrer Schwäche getäuscht.“„A
Ich ging an Killian vorbei und steuerte direkt auf den Vorderhof zu.Meine Mutter stand neben einem schwarzen SUV, zwei Werwolf-Leibwächter waren an ihrer Seite.Sie trug einen teuren Haute-Couture-Anzug, ihr Make-up war makellos, aber ihre schrille Stimme schnitt durch die Luft.„Die Tochter, die ich zehn Monate unter dem Herzen getragen habe, versteckt sich in irgendeiner fremden Stadt und ignoriert uns, während unsere Familie auseinanderbricht.“„Sie glaubt, sie kann allein fliegen, und jetzt erkennt sie nicht einmal ihre eigene Mutter an!“Die Passanten blieben stehen, zeigten mit dem Finger und tuschelten.In dem Moment, als sie mich auftauchen sah, stürzte sie auf mich zu und hob die Hand, um mich zu ohrfeigen.Ich neigte den Kopf zur Seite und trat zurück. Ihre Hand traf ins Leere.„Freya, du wagst es, auszuweichen?“„Pack sofort deine Sachen und komm mit mir zurück ins Rudel!“„Daisys Körper hat sich noch nicht erholt. Früher hast du für die großen Aufträge, die unter ihrem Nam
Die dominante Aura des Alphas brach augenblicklich durch das Hoftor.Killian kam mit großen Schritten herein.Bevor ich auch nur blinzeln konnte, schlug er den Strauß Wildblumen zu Boden.Mit gewaltiger Alpha-Kraft schlang er augenblicklich den Arm um meine Taille und riss mich an seine breite, glühende Brust.„Für wen zum Teufel hältst du dich?“ Er fixierte den jungen Menschen mit einem tödlichen Blick.„Halte dich von meiner Frau fern.“Jeder, der im Hof mit Schnittmustern beschäftigt war, hielt inne. Die kleine graue Katze in der Ecke fauchte, sträubte das Fell und flitzte ins Haus.Der junge Mann stand erstarrt da, die Hand noch immer ausgestreckt, als wollte er die Blumen überreichen.„Freya?“ Er sah mich vollkommen verwirrt an.„Ist er ... ein Freund von dir?“Ich drückte die glühende Hand um meine Taille mit Gewalt weg. Killian hatte mich so fest gepackt, dass meine Hüfte schmerzte.„Ich kenne ihn nicht.“„Nur ein Passant, der nach dem Weg fragt.“Killian riss den Kopf zu mir he
Killian suchte mich wie verrückt.Er suchte das französische Restaurant auf, in dem ich oft gegessen hatte, ging zu den Boutiquen in der Einkaufsstraße und ließ sogar seine Beziehungen spielen, um die Abreiseregister der ganzen Stadt zu durchsuchen.Aber es gab keine einzige Spur. Nicht mal ein Hauch von meinem Geruch war geblieben.Meine Telefonnummer war stillgelegt. All meine Konten waren gelöscht. Die Gedankenverbindung war vollständig gekappt. Der Mietvertrag des Ateliers war aufgelöst, und die Kundenakten waren vollständig übertragen worden.Es war, als hätte ich mich in Luft aufgelöst und seine Markierung vollständig aus meiner Welt getilgt.In der dritten Nacht stieß Zane die Tür zum Alpha-Anwesen auf. Leere Schnapsflaschen rollten über den Wohnzimmerboden. Starker Alkohol zeigte bei einem Alpha kaum Wirkung, aber er hatte sich dennoch bis zur Besinnungslosigkeit betrunken.Killian saß am Kamin, seine Fingerknöchel umklammerten die zerrissene Totem-Skizze.Zane runzelte die Sti
Die Luft in Nova war feucht und roch nach Freiheit. Im Hof des Couture-Ateliers lag der Duft von Pflanzenfarben und frisch gebügelter Seide.Ich wohnte in einem kleinen Häuschen hinter dem Atelier. Diese Stadt gehörte zu keinem Rudel. Der Einfluss des Werwolfrats reichte nicht bis hierher, und niemand konnte mir aufgrund meines Status mein Leben diktieren.Morgens stand ich mit meinem Kaffee am breiten Zeichentisch und spürte, wie die Schere sanft durch edelste Seide glitt. Abends saß ich am raumhohen Fenster und skizzierte im Licht des Sonnenuntergangs meine eigenen Entwürfe.Diese Ruhe fühlte sich so fremd an, dass ich sie kaum fassen konnte.Zur gleichen Zeit, Tausende Kilometer entfernt im Waldterritorium, stand Killian noch immer erstarrt in meinem alten Atelier.Er starrte unverwandt auf die zerrissene Rudel-Totem-Skizze auf dem Tisch, seine Stirn legte sich in immer tiefere Falten.Dieser stolze Alpha glaubte fest, ich wäre nur wütend davongestürmt und würde mich in ein paar Tag







