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Zwölf Jahre, verweht wie der Wind

Zwölf Jahre, verweht wie der Wind

By:  Dayless ReverieCompleted
Language: Deutsch
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Als ich Miles zum ersten Mal dabei erwischte, wie er mich betrog, drückte ich ihn jeden Tag im Eingangsbereich gegen die Wand, sobald er nach Hause kam. Ich zog ihm die Hose herunter und sprühte hochprozentigen Alkohol auf seinen Intimbereich. Er ließ es jedes Mal mit Tränen in den Augen über sich ergehen, weil er wusste, dass er etwas falsch gemacht hatte. Mit einem bemitleidenswerten Blick sah er mich an und flehte mich an, damit aufzuhören. Eines Tages kam er zwei Stunden zu spät nach Hause. Als ich das Parfüm an ihm roch, wurde ich wütend. Ich begann, ihm gewaltsam den Gürtel zu öffnen, und schrie: „Beim letzten Mal, als du mit einer Frau deinen Spaß hattest, bist du eine halbe Stunde zu spät nach Hause gekommen. Jetzt sind es zwei Stunden. Rede! Hast du mit vier Frauen geschlafen?“ Obwohl er sich bereits zum neunundzwanzigsten Mal bei mir entschuldigte, stieß ich ihn immer wieder von mir weg. Schließlich hob er die Hand und zeigte mir die Einstichstelle der Infusion auf seinem Handrücken. Er verlor die Beherrschung und schrie mich an: „Genug! Ich lag mit hohem Fieber im Sterben, und du hast nicht einmal gefragt, wie es mir geht. Jeden einzelnen Tag rastest du wegen irgendeiner Kleinigkeit aus. Wann hörst du endlich damit auf? „Na schön, ich war einmal betrunken und habe mit jemandem geschlafen. Na und? Du bist selbst nicht gerade unschuldig. „Kein Wunder, dass du mit sechzehn von Leuten in eine Gasse gezerrt, ausgezogen und missbraucht wurdest. Jenna, du bist einfach nur paranoid und kaputt. Vielleicht hast du es sogar verdient.“ Die Sprühflasche zerbrach zu meinen Füßen, und der Geruch von Alkohol brannte mir im Hals. Ich war sprachlos. Als ich seinen angewiderten Gesichtsausdruck sah, fühlte ich mich einfach nur noch erschöpft. Ich wollte diese zerbrochene Beziehung nicht länger aufrechterhalten.

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Chapter 1

Kapitel 1

Im Eingangsbereich herrschte Totenstille.

Die Tür war nicht ganz geschlossen. Miles’ zwei Freunde, die ihn nach Hause gebracht hatten, standen dort sichtlich verlegen und versuchten, die Situation zu beruhigen.

„Jenna, Miles ist wegen des Fiebers heute wirklich nicht er selbst. Er wollte dich nicht so anfahren.

„Außerdem sprühst du ihm jeden Tag Alkohol auf den Körper. Das würde niemand auf Dauer mitmachen. Lass es einfach gut sein.“

„Ja, er hat die Sache mit diesem betrunkenen One-Night-Stand schon vor langer Zeit endgültig beendet.“

Allein die Erwähnung dieses Vorfalls ließ meinen Magen vor Übelkeit krampfen.

Mit sechzehn war ich von meinem Stiefbruder und dessen Freunden in eine dunkle Gasse gezerrt worden.

Während sie mir die Kleidung vom Leib rissen, war der damals achtzehnjährige Miles mit Tränen in den Augen herbeigestürmt und hatte sie mit einem Ziegelstein vertrieben.

Er hatte seine Schuljacke ausgezogen und meinen zitternden Körper damit bedeckt.

Dann hatte er mich in den Armen gehalten und noch heftiger geweint als ich. Er hatte mich getröstet und mir versprochen, jeden zu verprügeln, der es wagen würde, mich anzufassen.

Wegen dieses Albtraums war ich selbst nach unserer Hochzeit äußerst abgeneigt gegenüber körperlicher Nähe. Jede Berührung ließ meinen ganzen Körper zittern.

Damals hatte Miles mich in den Armen gehalten und mir sanft die Stirn geküsst, während er mir immer wieder versicherte:

„Hab keine Angst, Jenna. Alles ist gut. Egal, wie lange es dauert, ich werde auf dich warten.“

Doch vor sechs Monaten änderte sich alles.

Sein Magenleiden war wieder schlimmer geworden, deshalb war ich spät in der Nacht zu seinem Stützpunkt gefahren, um ihm seine Medikamente zu bringen.

Dort war ich mitten in den Vorfall hineingeplatzt.

Die neue psychologische Beraterin Wendy lag auf der Couch unter ihm, während er sie leidenschaftlich küsste.

Er atmete schwer und hatte das Gesicht an ihrem Hals vergraben. Seine Bewegungen waren wild und völlig außer Kontrolle.

So hatte er sich mir gegenüber nie verhalten.

Wendys schwarze Spitzenunterwäsche lag unübersehbar auf seiner Rettungsuniform.

Es war dieselbe Uniform, die für seine Ehre stand.

Auf frischer Tat ertappt, hatte er sich unter Tränen vor mir auf die Knie geworfen und geschworen, er sei nur betrunken gewesen und habe sie mit mir verwechselt.

Zwölf Jahre lang hatte ich geglaubt, er sei mein Retter, der mich aus einem dunklen Ort herausgeholt hatte.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Mensch, der mich aus der Dunkelheit gezogen hatte, mich in eine andere stoßen würde?

Als ich meine Gedanken wieder ordnete, schien auch Miles etwas nüchterner geworden zu sein.

Er kam auf mich zu und wollte meinen Kopf in die Arme nehmen.

„Jenna, es tut mir leid. Ich war wütend und habe Unsinn geredet. Ich habe wirklich Fieber und schreckliche Kopfschmerzen.“

Seine Stimme wurde sanfter. Er klang reumütig.

Ich trat zurück und wich seiner ausgestreckten Hand aus.

„Geh dich ausruhen.“

Miles’ Hand verharrte mitten in der Luft.

Er runzelte die Stirn und wirkte etwas verunsichert.

Dann versuchte er erneut, näher zu kommen.

„Jenna, lass mich nur erklären—“

Ich unterbrach ihn.

„Ich bin müde.“

Ich ging ins Gästezimmer und schloss die Tür von innen ab.

Durch die Tür hörte ich, wie seine beiden Freunde ihm halfen, ins Schlafzimmer zu gehen.

Sie flüsterten, dass die Sache erledigt sei, weil ich keine Szene machte.

War sie wirklich erledigt?

Ich lehnte mich gegen die Tür und glitt langsam zu Boden.

Nein.

Sie war es nicht.

Diese Beziehung war bereits zerbrochen.

Ich wollte nicht mehr weitermachen.

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