MasukSelin bereitete Noahs Lieblingsgericht zu, verpackte es behutsam in Dosen und achtete darauf, dass jedes Detail perfekt war. Sie fuhr zu seinem Büro, ihr Herz leicht vor Hoffnung, ihm endlich die Nachricht von ihrer Schwangerschaft mitteilen zu können. Doch als sie vor seiner Tür ankam, drangen Stimmen aus dem Inneren – Noah und Rach.
»Noah, wann wirst du sie endlich scheiden?«, fragte Rach.
»Ich warte nur auf den richtigen Zeitpunkt«, seufzte Noah. »Ich will meine Großmutter nicht aufregen.«
»Bist du sicher, dass du sie nicht berührt hast? Was, wenn sie schwanger wird?« Noah lachte – ein Klang ohne jede Wärme.
»Ich habe sie seit fünf Jahren nicht berührt. Wie sollte sie also schwanger sein? Sie ist nur eine langweilige Hausfrau. Kein anderer Mann würde Zeit an sie verschwenden. Und selbst wenn sie es irgendwie schaffen würde, schwanger zu werden – würde ich sie zwingen, abzutreiben. Diese Frau verdient es nicht, Mutter meiner Kinder zu werden.«
Vor der Tür zerbrach Selins Welt. Ihre Finger krallten sich in den Stoff ihres Kleides, die Knöchel wurden weiß. Heiße, blendende Wut durchströmte sie. Sie riss die Tür auf und stürmte ins Zimmer.
»Was machst du hier?«, forderte Noah und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
»Ich habe dir Mittagessen gebracht«, antwortete Selin, ihre Stimme war angespannt, während sie den Drang zu schreien unterdrückte. Sie blickte Rach mit unverhohlener Verachtung an.
»Können wir reden? Nur wir zwei«, verlangte Selin.
»Und warum sollte ich gehen?«, höhnte Rach.
»Weil wir ein verheiratetes Paar sind!«, fuhr Selin sie an, ihre Stimme zitterte vor beherrschter Wut. »Und Heimzerstörerinnen sind zu diesem Gespräch nicht eingeladen.«
Noah warf Rach einen Blick zu. »Geh, Rach. Warte draußen.«
Rach stotterte, ihre Augen huschten zwischen den beiden hin und her, ehe sie stampfend hinausging und die Tür hinter sich zuschlug.
Noah blickte Selin nicht einmal an; er öffnete einfach seinen Laptop und begann zu tippen.
»Liebst du sie?«, fragte Selin, ihre Stimme brach.
»Was?«, fragte er, ohne aufzusehen.
»Antworte mir! Ja oder nein!«, verlangte sie.
»Selin, geh einfach nach Hause und erledige deine Pflichten. Das ist deine Rolle. Bleib an deinem Platz«, antwortete er kalt.
Obwohl er kein weiteres Wort sagte, war seine Gleichgültigkeit Antwort genug.
»Ist das alles, was ich für dich bin, Noah?«, schluchzte sie. »Bitte … lass mich einfach in dein Herz.«
Da blickte Noah auf, sein Gesicht verzog sich vor Bosheit. »Bist du verrückt? Reicht dir das Taschengeld nicht, das ich dir gebe? Jetzt willst du auch noch mein Herz? Ich kenne dein Spiel – hast du erst einmal Einlass, versuchst du, mein Erbe an dich zu reißen.«
»Noah, dein Geld ist mir egal! Ich habe dich all diese Jahre geliebt!«, flehte sie.
Doch Noah erwachte nur zu Zorn. Er stand auf, packte sie am Arm und zerrte sie aus dem Büro. »Wenn du nicht sofort gehst, lasse ich dich von den Wächtern rauswerfen«, knurrte er.
Das Büro war voll besetzt. Die Angestellten schauten in gedämpftem, spöttischem Schweigen zu, wie die »Frau Miller« wie eine Bettlerin hinausgeworfen wurde.
Noah knallte die Tür zu und schloss sie ab. Selin brach auf dem Boden zusammen, presste die Hand auf die Brust, und ihr Schluchzen hallte durch den Gang.
Rach trat vor und baute sich über ihr auf. »Was für eine erbärmliche Heimzerstörerin«, verkündete sie laut, damit es jeder Mitarbeiter hören konnte. »Schaut alle her! Das ist Selin Miller – die Kopie‑Ehefrau. Noah hat sie nur geheiratet, weil ich im Ausland war. Jetzt, wo das Original zurück ist, ist sie nur Müll.«
Ein Lachen ging durch den Raum. »Kein Wunder, dass sie keinen Vater hat«, murmelte jemand.
Selin fehlte die Kraft, sich zu wehren. Sie rappelte sich auf und floh aus dem Gebäude, während das Spottgelächter ihr noch in den Ohren klang.
Als sie nach Hause fuhr, war ihre Sicht von einem dichten Tränenschleier getrübt. Immer wieder hallten Noahs Worte nach – ich würde sie zwingen, abzutreiben. Plötzlich tauchte ein Wagen in ihrem Rückspiegel auf, der ihr rücksichtslos dicht auffuhr. Er scherte aus, streifte ihre Stoßstange und schleuderte ihr Fahrzeug außer Kontrolle.
Sie versuchte auszuweichen, doch sie verlor die Herrschaft über Pedale und Lenkrad. Das Auto schleuderte heftig hin und her, während sie verzweifelt gegensteuerte; ihr Herz klopfte wild vor Adrenalin und blanker Panik.
Eine schreckliche Gewissheit überkam sie. Ich werde hier nicht herauskommen.
Die Welt verschwamm zu einem Wirbel, als die vordere Stoßstange schräg in einen Graben raste – das Auto hob ab. Es kippte, überschlug sich zweimal und schlug dann mit ohrenbetäubendem Metallknall auf das Dach auf.
Die Scheiben zersprangen; ein Hagel aus Glassplittern schoss durch die Luft und zerschnitt ihre Haut. Der Sicherheitsgurt schnitt tief in ihre Brust, presste ihre Lungen so zusammen, dass sie kaum noch Luft bekam. Mit der einen Hand versuchte sie nach ihrem Handy zu greifen; es gelang ihr nur, Noah eine Nachricht mit dem Wort »Hilfe« zu schicken, ehe das Gerät aus ihren blutbefleckten Fingern glitt.
Sie rang nach Atem, ihre Hand legte sich schützend instinktiv auf ihren Bauch. Durch die zerbrochene Windschutzscheibe erblickte sie eine Gestalt auf der Straße.
»Papa ist da! Wir haben Hoffnung«, sah sie Noah am Straßenrand stehen. »Er liebt uns, er ist gekommen, um uns zu retten.«
»Noah … ich bin hier«, wollte sie rufen, doch ihre Kehle fühlte sich an, als wäre sie mit Glas gefüllt. Die Worte blieben ihr im Hals stecken und wurden zu einem heiseren, lautlosen Flehen. »Noah, bitte. Schau mich an.«
Jenseits des Trümmerfelds geriet Noah in wilde Hast. Er suchte nicht nach ihr – er schrie einen Namen, doch es war nicht ihrer. »Rach! Wo bist du?«
Er fand Rachs Auto unweit davon, zerbeult gegen einen Baum gedrückt. Die rauchende Wrackstelle von Selins Wagen überging er, als wäre sie nichts weiter als Straßenschutt.
»Herr, da dürfen Sie nicht ran, der Rahmen ist instabil!«, rief sein Fahrer und wollte ihn zurückhalten.
»Wenn Rach etwas zustößt, ziehe ich Sie zur Rechenschaft!«, brüllte Noah und stieß den Mann beiseite. Er riss die Tür mit bloßen Händen auf, sein Gesicht verzerrt von einer Angst, die er seiner Frau nie entgegengebracht hatte.
Der Fahrer wich zurück, schweigend und erschüttert. Er blickte zu dem anderen Fahrzeug – dem auf dem Dach liegenden – und erkannte es sofort. »Herr … das ist Frau Millers Wagen«, flüsterte er, doch Noah drehte nicht einmal den Kopf. Er hatte Rach bereits in die Arme gezogen und hielt sie mit einer Zärtlichkeit, die den letzten Rest von Selins Seele zerschlug.
Selin sah alles. Durch das Blut, das ihr in die Augen tropfte, verfolgte sie, wie ihr Ehemann seine Jugendliebe zu seinem eigenen Wagen trug, wild entschlossen, sie zu retten. Er blickte nicht zurück. Er untersuchte das Wrack nicht. Er ließ seine Frau im Dreck verbluten.
In diesem Moment traf die kalte Wahrheit sie härter als der Aufprall selbst: Egal, wie viel sie opferte, egal wie viele Jahre sie ihm diente – sie würde immer nur »irgendein Mädchen« sein. Rach war seine Welt. Selin war nur ein Geist darin.
Gott, rette mich, betete sie, während ihr Körper langsam gefühllos wurde. Sie saß fest im Sitz, konnte sich nicht rühren – aus Angst, Glassplitter würden ihr ins Herz dringen. Ist das die »Erlösung«, um die ich gebetet habe? Sterbe ich, damit er endlich frei ist?
Ihre Hand, die noch immer schützend auf ihrem Bauch lag, sank kraftlos herab. Als die Welt in ein kaltes, dunkles Grau überg
ing, fielen ihre Augen zu – und die Stille der Nacht nahm sie schließlich für sich ein.
Die Konfrontation fand im kalten, grauen Morgenlicht statt. Selin stand in der Mitte des Wohnzimmers, ihr Schatten lang und dünn auf dem Boden ausgebreitet.»Noah«, sagte sie, ihre Stimme wie ein geheimnisvoll ruhiger Faden in der Stille. »Wenn ich um die Scheidung bitten würde … würdest du die Papiere unterschreiben?«Noahs Augen verdunkelten sich – ein steiniges, abgründiges Schwarz, als würde sich langsam ein Dämon in ihm regen. Fünf Jahre lang war er es gewesen, der ihr die Scheidungspapiere ins Gesicht hielt; fünf Jahre lang hatte Selin sie zerrissen, geweint und um eine weitere Chance gebettelt. Nie hätte er sich vorstellen können, dass diese Worte je über ihre Lippen kommen würden.Was ist nur mit ihr los?, fragte er sich, sein Ego gekränkt über ihre plötzliche Gelassenheit. Doch seine Überheblichkeit flüsterte ihm zu, dass dies nur ein weiterer verzweifelter Trick sei, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.»Ja«, antwortete er mit einem grausamen, gleichgültigen Achselzucken. »Da
Eine Woche war vergangen, die sich hingezogen hatte wie ein ganzes Leben. Als die Entlassungspapiere endlich unterschrieben waren, verließ Selin das Krankenhaus ganz allein. Während dieser sieben Tage der Genesung war die Stille in ihrem Zimmer ohrenbetäubend gewesen. Kein Besuch von Noah, keine Blumen, keine selbst zubereiteten Mahlzeiten – nichts.Sie hatte sich von der faden, lauwarmen Krankenhausbrei ernährt, den die Schwestern brachten: Nahrung, die ihren Körper am Leben erhielt, aber ihre Seele verkümmern ließ und sie zart und schwach zurückließ.Während die Welt sich weiterdrehte, saß Selin in ihrem sterilen Bett und scrollte durch ihr Handy – bis sie darauf stieß: ein Beitrag von Rach Jayem.#Er hat mir eine Halskette im Wert von Millionen geschenkt.#Der perfekte Mann.Auf dem Foto strahlte Rach, eine Diamantenschlange schmiegte sich um ihren Hals. Neben ihr stand Noah, den Arm beschützend um ihre Taille gelegt – genau jener Arm, der Selin hätte stützen sollen, als sie nach d
Die Flure des Krankenhauses rochen nach steriler Kochsalzlösung und nackter Panik. Noah schritt vor der Notaufnahme auf und ab, sein edler Anzug befleckt mit Rachs Blut und Straßenschmutz. Seine Hände zitterten – nicht vor Kälte, sondern vor dem Schrecken, die einzige Frau zu verlieren, die er je wirklich gewollt hatte.Hinter den Doppeltüren arbeiteten die Ärzte fieberhaft an Rach. Noah stand wie ein Wächter, taub für alles um sich herum – bis draußen das heulende Martinshorn eines Krankenwagens ertönte, gefolgt von dem hektischen Rufen der Sanitäter.»Frau, Mitte zwanzig, stumpfe Gewalteinwirkung, massiver Blutverlust! Sie sackt rapide ab!«Noah drehte nicht einmal den Kopf, als eine Trage an ihm vorbeigerollt wurde. Er bemerkte nicht die blasse, blutbefleckte Hand, die schlaff über die Kante der Liege hing. Er erkannte auch nicht die zerfetzten Überreste jenes Kleides, das er erst wenige Stunden zuvor in seinem Büro gesehen hatte.Erst als sein Fahrer – der dem Krankenwagen gefolgt
Selin bereitete Noahs Lieblingsgericht zu, verpackte es behutsam in Dosen und achtete darauf, dass jedes Detail perfekt war. Sie fuhr zu seinem Büro, ihr Herz leicht vor Hoffnung, ihm endlich die Nachricht von ihrer Schwangerschaft mitteilen zu können. Doch als sie vor seiner Tür ankam, drangen Stimmen aus dem Inneren – Noah und Rach.»Noah, wann wirst du sie endlich scheiden?«, fragte Rach.»Ich warte nur auf den richtigen Zeitpunkt«, seufzte Noah. »Ich will meine Großmutter nicht aufregen.«»Bist du sicher, dass du sie nicht berührt hast? Was, wenn sie schwanger wird?« Noah lachte – ein Klang ohne jede Wärme.»Ich habe sie seit fünf Jahren nicht berührt. Wie sollte sie also schwanger sein? Sie ist nur eine langweilige Hausfrau. Kein anderer Mann würde Zeit an sie verschwenden. Und selbst wenn sie es irgendwie schaffen würde, schwanger zu werden – würde ich sie zwingen, abzutreiben. Diese Frau verdient es nicht, Mutter meiner Kinder zu werden.«Vor der Tür zerbrach Selins Welt. Ihre
Vor fünf Jahren heiratete Selin Noah Miller, den Erben eines riesigen Tycoon‑Imperiums. Es war eine Vereinbarung aus Pflichtgefühl, arrangiert von Noahs Großmutter und Selins Mutter – die der Familie Miller jahrzehntelang als Hausangestellte gedient hatte.Heute Abend war ihr fünfter Hochzeitstag. Selin saß allein im Restaurant des Vista Hotels, genau an dem Ort, an dem Noah versprochen hatte, sie zu treffen.Der Tisch war mit seinen Lieblingsgerichten gedeckt, die unberührt langsam abkühlten. Obwohl die Ehe ihr aufgezwungen worden war, hatte Selin ihre Eheversprechen mit stiller Anstand erfüllt.Sie war die perfekte, gehorsame Ehefrau – führte den Haushalt ganz allein und ertrug seine Kälte mit gefasstem Herzen. Im Laufe der Jahre war aus ihrer Pflicht ein heimliches, zerbrechliches Liebesgefühl erwachsen. Sie lebte nach dem Grundsatz, dass Liebe geduldig ist, und hoffte, dass eines Tages seine eisige Fassade endlich auftauen würde.Gegen 22:00 Uhr wütete draußen ein heftiges Gewitte







