INÈSIch stoße die Wohnungstür auf, das trockene Schlagen hallt wie eine Ohrfeige durch die Stille. Marius ist da, lümmelt im Sessel, die Arme verschränkt, den Kiefer angespannt. Er hebt nicht einmal den Kopf, als ich eintrete. Seine Augen bleiben auf den Boden gerichtet, verloren in einem Gedanken, der mich nicht einschließt.Ich lasse meine Tasche wortlos auf den Tisch fallen. Ich kenne ihn, ich erkenne diese Haltung: Er schmollt. Schon wieder.— Hast du vor, da wie eine Statue sitzen zu bleiben?, werfe ich ihm mit kalter Stimme entgegen.Er runzelt leicht die Stirn, antwortet aber nicht. Ich weiß genau, woran er denkt. Sie, immer sie. Meine Schwester, sein Licht, ihr Lächeln, ihr Strahlen. Selbst hier, in dieser Wohnung, die mir gehören sollte, ist sie in jedem Schweigen präsent, das er mir ins Gesicht wirft.Ich trete näher, beuge mich zu ihm, aber ich spüre, dass es zwecklos ist. Ich könnte schreien, weinen, flehen … er würde nur ihr Gespenst sehen. Also richte ich mich auf, unbew
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