ÉliseIch habe nicht einmal Zeit, meinen Mantel abzulegen. Kaum ist die Haustür zugefallen, da durchschneidet eine Stimme die Luft, trocken wie ein Peitschenhieb.»Wo warst du, Élise?«, fragt meine Mutter und mustert mich mit ihrem Blick.Sie steht da, im Türrahmen des Flurs, die Hände verkrampft um ihre Tasche. Ihr Gesicht, das ich immer vertrauensspendend kannte, ist heute verschlossen, wie eine Tür, die von innen verriegelt wird. An ihrer Seite bleibt meine Großmutter regungslos stehen, auf die Rückenlehne eines Stuhls gestützt, ihre winzigen, hellen Augen mit alter Schwere auf mich gerichtet. Ihr Kopftuch sitzt straff, streng. Sie umklammert ihren Stock, als wolle sie ihn in den Boden rammen – nicht um sich zu stützen, sondern um ihren Zorn zu verankern.Das Haus riecht nach aufgebrühtem Tee und nach etwas Warmem, das vor sich hin köchelt. Es ist derselbe vertraute Duft meiner Kindheit, und doch nehme ich ihn als Inszenierung wahr, als Kulisse, die mich verspottet. Die Vorhänge la
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