KAPITEL 88: FÜNF JAHRE SPÄTERMarias PerspektiveIch habe sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen.Selene stand nun vor mir, die Sonnenbrille hochgeschoben in ihr Haar, das keinen Tag gealtert war, gekleidet, als wäre sie direkt aus einem Magazin gestiegen, und für eine verwirrende Sekunde hatte ich das Gefühl, als wäre überhaupt keine Zeit vergangen, als wäre ich immer noch diese stille, unerwünschte Luna, die in einem Innenhof stand, während diese Frau mich ansah, als wäre ich etwas Unangenehmes, das von draußen hereingekommen war.Dann sah ich ihre Augen.Hinter dem spöttischen Grinsen, hinter der perfekt geschwungenen Augenbraue und dem einstudierten, schneidenden Lächeln verbarg sich noch etwas anderes. Etwas Unverfälschtes. Fünf Jahre hatten es nicht geglättet – was auch immer es war –, sie hatten ihr lediglich beigebracht, es tiefer zu vergraben, es in Sarkasmus zu hüllen, damit niemand bemerkte, dass es darunter immer noch blutete.„Selene“, sagte ich. Meine Stimme klang fest
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