Sie ging zu dem Schrank über der Spüle, in dem er die Tablettenpackungen aufbewahrte. Sie hatte sie nicht dorthin gestellt; er hatte es vor Jahren getan, mit dieser präzisen, autoritären Geste, die er bei allem, was ihre Gesundheit betraf, an den Tag legte. „So vergisst du sie nicht. Du nimmst sie jeden Morgen nach dem Frühstück.“ Sie hatte nicht widersprochen. Warum auch? Er war Arzt; er wusste, was das Beste für sie war.Sie öffnete die Schranktür. Die beiden Schachteln standen nebeneinander, identisch, weiß, mit ihren Etiketten in winziger Schrift, die sie schon lange nicht mehr gelesen hatte. Anfangs hatte sie sie aus Neugier gelesen – wissenschaftliche Namen, Dosierungen, Anwendungshinweise. Nichts, was Verdacht erregt hätte. Nichts, was auf das hindeutete, was sie jetzt fürchtete, sich aber nicht eingestehen wollte.Sie nahm die erste Schachtel und drehte sie in den Händen. Das Plastik war glatt, kalt, unpersönlich. Sie schob den Deckel auf, und die Tabletten erschienen, aufgere
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