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KAPITEL 12 – Die rituelle Frage

Author: L'encre
last update publish date: 2026-06-14 03:12:23

Alexandre hatte immer noch nicht aufgesehen. Er starrte auf sein Handy, seine Finger flogen über den Bildschirm, und dieses Lächeln war zurückgekehrt – dieses Lächeln, das nie für sie bestimmt war, dieses Lächeln, das einen Abgrund zwischen ihnen schuf, tiefer als jede Stille. Sie beobachtete ihn und spürte, wie Traurigkeit und Wut in ihr aufstiegen. Sie wollte ihn anschreien: Sieh mich an! Ich bin hier, vor dir, deine Frau, die Mutter deiner Tochter. Sieh mich verdammt noch mal an! Aber sie wu
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    Anne stand auf, schnappte sich Mantel und Schlüssel und ging, ohne sich umzudrehen. Der Tag war grau, der Himmel hing tief, doch sie spürte keine Kälte. Ihr Gang war schnell, fast mechanisch, die Hände umklammerten ihre Tasche, die Pille in der Tasche wie ein Talisman. Sie wusste nicht, was sie entdecken würde. Vielleicht nichts. Vielleicht waren ihre Befürchtungen unbegründet, die Pillen waren tatsächlich Vitamine und sie verfiel dem Wahnsinn. Aber vielleicht war die Wahrheit auch noch schlimmer, als sie es sich ausgemalt hatte. Vielleicht hatte dieser Mann, ihr Ehemann, der Vater ihrer Tochter, sie fünf Jahre lang absichtlich vergiftet.Sie stieß die Tür der Apotheke auf. Die Glocke klingelte, und die Apothekerin blickte mit einem Lächeln auf den Lippen zu ihr auf."Guten Tag, meine Dame. Wie kann ich Ihnen helfen?"Anne ging zum Tresen, stellte das Tütchen mit der Pille vor sich hin und sagte mit einer Stimme, die sie gezwungen hatte, ruhig zu bleiben:„Ich würde gerne wissen, was

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    „Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Ich habe kein Geld, keine Arbeit, fast keine Freunde mehr. Aber ich werde einen Weg finden. Für Alice. Für mich selbst. Für alles, was von der Frau übrig ist, die ich einmal war.“Sie legte den Stift beiseite und schloss die Augen. Die Küche war still, in das graue Licht des Morgens getaucht. Draußen bewegte der Wind die kahlen Äste der Bäume, und irgendwo sang ein Vogel, einsam und beharrlich. Sie öffnete die Augen wieder und las noch einmal, was sie geschrieben hatte. Die Worte waren unbeholfen, unordentlich, aber sie waren wahr. Sie waren sie.Sie riss die Seite aus dem Notizbuch, faltete sie sorgfältig zusammen, steckte sie in einen Umschlag und legte diesen in die Schublade ihres Nachttischs, unter das Notizbuch selbst. Sie wusste nicht, an wen sie den Brief schrieb. Vielleicht an niemanden. Vielleicht an die Frau, die sie eines Tages wieder sein würde.Dann stand sie auf, räumte die Küche auf und ging nach oben, um Alice für die Schule

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