Die Frau, die er freigelassen hat

Die Frau, die er freigelassen hat

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Sie hatte alles, was man sich wünschen konnte: ein außergewöhnliches Talent, eine vielversprechende Zukunft, eine Ausstrahlung, die niemand übersehen konnte. Doch aus Liebe opferte sie alles. Für ihn trat sie in den Hintergrund. Für ihn gab sie ihre Träume auf. Fünf Jahre lang war sie die stille, diskrete, unsichtbare Ehefrau. Diejenige, die geduldig auf einen Blick, eine Geste, ein zärtliches Wort wartete, das nie kam. Er hatte sie nie wirklich geliebt. Sie war ihm lediglich ein Trost, ein vertrautes Gesicht, während er auf die Rückkehr des anderen wartete. Als seine Ex-Freundin wieder auftaucht, weist er sie ohne zu zögern zurück. „Lass dich scheiden. Du warst nie mehr als ein Ersatz.“ Doch der Schmerz offenbarte das Grauen: Die „Vitamine“, die er ihr täglich gab, waren nichts anderes als Antibabypillen. Er stahl ihr weit mehr als nur ihre Zeit. Er raubte ihr die Selbstbestimmung. Sie geht ohne einen Schrei, ohne eine Träne. Und Jahre später wird sie wiedergeboren. Strahlend. Frei. Vollendet. Er? Er bereut es. Er sucht sie. Er will sie zurückgewinnen. Aber wie kann man jemanden zurückgewinnen, den man einmal losgelassen hat... wenn sie keinen Grund hat, zurückzukommen?

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الفصل الأول

KAPITEL 4 – Spiegelbild einer unbekannten Frau

Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr. Ein schriller Ton, der die Stille des Schlafzimmers zerriss. Anne griff in die Dunkelheit, tastete nach dem Nachttisch und schaltete ihn mit einem mechanischen Daumendruck aus. Sofort kehrte Stille zurück, dicht und watteweich, nur unterbrochen vom fernen Ticken der Wohnzimmeruhr.

Sie öffnete die Augen nicht. Sie blieb liegen, das Gesicht im Kissen vergraben, die Glieder schwer, als ob ihr Körper sich weigerte, einen neuen Tag zu beginnen. Neben ihr war das Laken kalt. Alexandre war wortlos, bewegungslos, blicklos aufgestanden. Er hatte das Ehebett mit der höflichen Gleichgültigkeit eines Fremden verlassen, wie man ein Hotelzimmer verlässt.

Sie hatte gelernt, seine Abwesenheit zu spüren, noch bevor sie die Augen öffnete. Eine Fähigkeit, die sie sich nie gewünscht hatte, wie so vieles andere. Wie das Schleichen in ihrem eigenen Haus, um ihn nicht zu stören. Wie das Flüstern, selbst wenn er nicht da war. Wie das tägliche Schlucken von Tabletten, ohne Fragen zu stellen.

Sie richtete sich auf, saß auf der Bettkante, die nackten Füße auf dem kalten Parkettboden. Das Gefühl des Holzes ließ sie erschaudern. Kein Teppich. Alexandre mochte sie nicht. „Da sammelt sich Staub an“, sagte er. Sie hatte aufgehört zu protestieren, Vorschläge zu machen, zu streiten. Das war lange her. Wie alles andere hatte auch sie aufgehört, irgendwo anders zu existieren als in der Stille ihrer Gedanken.

Das Zimmer lag in einem grauen Dämmerlicht, das nur spärlich von dem fahlen Licht durchdrungen wurde, das durch die Vorhänge drang. Dicke, beige Vorhänge, die sie drei Jahre zuvor mit einer Begeisterung ausgesucht hatte, die ihr heute völlig unverständlich erschien. „Sie werden dem Zimmer Wärme verleihen“, hatte sie dem Verkäufer mit leuchtenden Augen gesagt. Alexandre hatte nur mit den Achseln gezuckt. „Wie Sie wünschen.“ Schon damals. Von Anfang an hatte er Mauern der Gleichgültigkeit errichtet, und sie, blind vor Liebe, rannte immer wieder gegen sie, ohne sie zu erkennen.

Sie stand auf, schlüpfte in ihren Morgenmantel – einen alten Baumwollmantel, der bis zu den Ellbogen hochgerutscht war und den sie eher aus Gewohnheit als aus gutem Geschmack trug – und ging ins Badezimmer. Ihre Bewegungen waren langsam, mechanisch, als ob ein inneres Programm sie steuerte, das keinerlei Nachdenken mehr erforderte. Licht an. Wasserhahn aufdrehen. Sich im Spiegel betrachten.

Das Gesicht, das ihr im Spiegel entgegenblickte, war das einer Fremden. Tiefe Ringe unter den Augen, tiefe Furchen wie Sturmfurchen. Ein blasser, fast wächserner Teint. Ihr stumpfes Haar, hastig zurückgebunden, fiel ihr kraftlos über die Schultern. Sie erinnerte sich an eine Zeit, als ihre Augen noch strahlten, als man ihr Lachen, ihre Energie, diese Ausstrahlung, die alle Blicke auf sich zog, bewunderte. „Sie werden es weit bringen“, hatte ihr Mentor, Mr. Grandet, ihr eines Tages nach einem Vortrag gesagt, bei dem sie das Publikum gefesselt hatte. Und sie hatte es weit gebracht. Bis hierher. In dieses kalte Badezimmer, in diesem stillen Haus, vor diesen Spiegel, der das Bild einer Frau reflektierte, die sie nicht mehr wiedererkannte.

Sie putzte sich gedankenverloren die Zähne, den Blick starr vor sich hin gerichtet, die Gedanken ganz woanders. Sie dachte an die Einladung vom Vortag – ein ehemaliger Kollege, eine Konferenz: „Du solltest kommen, wir brauchen dich.“ Sie hatte höflich gelächelt und versprochen, darüber nachzudenken. Aber sie wusste bereits, dass sie nicht hingehen würde. Alexandre würde es nicht wollen. Oder besser gesagt, er würde nicht direkt Nein sagen. Er würde sagen: „Wie du willst“, mit diesem Tonfall, der genau das Gegenteil bedeutete, und sie würde bleiben, aus Angst, ihn zu verärgern, aus Angst vor Konflikten, aus Angst vor allem.

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