Der Wecker auf Emily Carters Handy summte um halb fünf morgens – ein Geräusch, das ihr mittlerweile so vertraut war, dass sie nicht einmal die Augen öffnen musste, um ihn stumm zu schalten. Ihre Hand fand im Dunkeln den Bildschirm, wischte ihn aus, und einen Moment lang lag sie einfach nur da, im schwachen, grauen Licht, das durch die Vorhänge sickerte, und lauschte dem Atmen der Wohnung um sie herum – dem Summen des alten Kühlschranks, dem Tropfen des Wasserhahns im Bad, der nie ganz dicht war, und darunter, ganz leise, das mühsame Geräusch von der Atmung ihrer Mutter im Zimmer nebenan.Sie zählte die Atemzüge, so wie sie es jeden Morgen tat. Ein, aus. Ein, aus. Gleichmäßig genug. Sarah schlief noch.Emily drückte sich hoch und schwang die Beine über die Kante der schmalen Matratze; ihre nackten Füße fanden den kalten Linoleumboden. Die Wohnung war klein – ein Schlafzimmer, das nun ihrer Mutter gehörte, ein Schlafsofa im Wohnzimmer für sie selbst, eine Küche, die kaum groß genug war,
Last Updated : 2026-06-21 Read more