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Kapitel 29: Der Nacken 2

Author: Déesse
last update publish date: 2026-07-22 08:57:04

Seine Finger streifen erst meine Schultern, kaum eine Berührung, nur gerade genug, um mich erschauern zu lassen. Dann wandern sie langsam meine Wirbelsäule hinauf, Wirbel für Wirbel, als spielte er ein Instrument, dessen jede Note, jede Vibration er kennt. Sie bleiben am Ansatz meines Nackens stehen, dort, wo die Haare beginnen, und dringen sanft in meine Mähne ein. Seine Finger teilen die Strähnen mit bedachter Langsamkeit und geben meine nackte Haut Zentimeter für Zentimeter frei.
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    Lyanna --- Als ich an diesem Abend das Gemach betrete, bleibe ich wie angewurzelt auf der Schwelle stehen, den Atem angehalten. Etwas hat sich im Raum verändert. Ein neuer Gegenstand ist aufgetaucht, platziert an der Wand gegenüber dem Bett, genau an der Stelle, wo Kaels Sessel stand, der vor den Kamin gerückt wurde. Ein riesiger Spiegel, mannshoch, zwei Männer breit, mit einem dunklen Holzrahmen, der mit verschlungenen Figuren beschnitzt ist – dieselben, die den Baldachin schmücken, Körper, die sich vereinen, Arme, die sich umschlingen, Münder, die sich suchen, Beine, die sich ineinander verflechten. Das Glas ist perfekt poliert, ohne einen Fleck, ohne einen Kratzer, ohne eine Blase, und es reflektiert den Raum mit einer beunruhigenden Treue und schafft ein umgekehrtes Abbild des Gemachs, das schwindelerregend ist. Die Kerzen spiegeln sich unendlich, ihre Flammen tanzen in der silbernen Fläche wie

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    Die Berührung ist kaum wahrnehmbar, so leicht wie der Hauch eines Schmetterlings, und dennoch löst sie eine Kaskade von Schauern auf meiner ganzen Haut aus. Im Spiegel sehe ich seine Finger die Kontur meiner Schultern nachzeichnen, die Rundung meiner Ellbogen, die Linie meiner Unterarme, die Textur meiner Handgelenke. Ich sehe meine Gänsehaut sich in einer Spur hinter seinen Fingern bilden, meine Venen, die unter der dünnen Haut pulsieren, meine Finger, die sich unwillkürlich spreizen, als wollten sie seine Liebkosung empfangen, als wollten sie ihn einladen weiterzumachen, als wollten sie mehr verlangen. „Sieh dich an", wiederholt er, seine Augen im Spiegel weichen nicht von meinen. „Sieh deinen Körper auf meinen antworten. Das ist keine Angst, die ich auf deinem Gesicht sehe. Das ist kein Hass. Das ist nicht einmal Resignation. Das ist Verlangen, Lyanna. Reines, animalisches, unbezwingbares Verlangen. Dasselbe, das seit dem ersten Tag in mir brennt. Warum weige

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