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Kapitel 3: Der Hass in der Kutsche

Penulis: Déesse
last update Tanggal publikasi: 2026-07-14 02:32:17

Lyanna

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Die Antwort ist Ja. Es hat nie eine andere mögliche Antwort gegeben.

Die Kutsche holpert über die ausgefahrenen Wege, die sich in das Königreich von Kael schlängeln. Ich sehe aus dem Fenster auf die grünen Hügel meiner Kindheit, die sich entfernen, die Dörfer mit den Reetdächern, die Kinder, die barfuß laufen, ohne zu wissen, dass ihre Prinzessin sie gerettet hat, indem sie sich opferte. Für sie bin ich eine zukünftige Königin, eine diplomatische Braut, ein Symbol des Bündnisses. Sie werden nie erfahren, was ich verloren habe.

Ich hole mein Tagebuch hervor. Ein kleines, in Leder gebundenes Heft, vor Jahren auf dem Jahrmarkt von Valcourt gekauft. Ich schlage eine leere Seite auf, tauche meine Feder in die Tinte und schreibe.

Ich verabscheue ihn.

Ich unterstreiche das Wort. Dreimal. Die Feder kratzt auf dem Papier.

Ich verabscheue seine Arroganz. Seine Grausamkeit. Seine Art, ein Ultimatum zu stellen, wie man eine Falle stellt. Ich verabscheue seine Hände, die ich mir kalt auf meiner Haut vorstelle. Ich verabscheue seine Augen, diesen hungrigen Blick, der mich aus der Ferne entkleidete. Ich verabscheue, dass er mir Eryk gestohlen hat. Ich verabscheue, dass er mir mein Leben gestohlen hat.

Meine Feder zittert. Eryk.

Ich schließe die Augen. Ich sehe sein Gesicht unter dem Mond, sein zerzaustes blondes Haar, sein offenes Hemd, seine Hände auf meinen Hüften, seinen Mund auf meiner Kehle. Ich spüre noch das Brennen seiner Lippen auf meinem Schlüsselbein. Das Phantom seiner Finger auf meinem Schenkel. Mein Bauch zieht sich zusammen und ich presse die Schenkel aneinander, unwillkürlich, in der Einsamkeit dieser Kutsche, die nach Leder und Staub riecht.

Wo ist er jetzt? Ist er unter der Eiche geblieben und hat zugesehen, wie die Morgendämmerung heraufzieht? Hat er die Rinde dort berührt, wo mein Rücken sich an sie presste? Ich weiß es nicht. Ich konnte mich kein zweites Mal von ihm verabschieden. Ich habe die Annahme der Heirat unterzeichnet und bin in diese Kutsche gestiegen, ohne mich umzudrehen. Mich umzudrehen, das wäre der Tod gewesen.

Die Landschaften verändern sich. Die sanften Hügel weichen düsteren Wäldern, schwarzen Bergen, Dörfern mit grauen Steinhäusern. Das Königreich von Kael ist sein Ebenbild: streng, kalt, unerbittlich. In meinem Kopf wiederhole ich die Worte, die ich ihm entgegenschleudern werde.

Ihr habt mich wie Vieh gekauft.

Ihr habt gedroht, mein Zuhause zu zerstören.

Ihr habt mich dem Mann entrissen, den ich liebe.

Mein Körper wird Euch vielleicht gehören, aber mein Herz niemals.

Ich klappe das Heft zu und schiebe es an meine Brust, unter den Stoff meines Kleides. Genau über meinem Herzen. Eine Rüstung aus Papier und Tinte.

Die Kutsche wird langsamer. Ich höre das Quietschen der Gitter, die Rufe der Wachen, das dumpfe Geräusch der Hufe auf der Zugbrücke. Ich werfe einen Blick aus dem Fenster und halte den Atem an.

Die Festung von Kael erhebt sich auf ihrem Felssporn wie ein Geier, der bereit ist, sich auf seine Beute zu stürzen. Schwarze, gezackte Türme, zinnenbewehrte Mauern, Gräben, in denen das Eis nicht geschmolzen ist. Der Wind heult zwischen den Zinnen, ein durchdringendes Heulen, das wie eine Warnung klingt. Die Banner mit dem silbernen Wolf knattern in der eisigen Luft.

Die Tür der Kutsche öffnet sich.

Ich steige aus. Der Wind beißt in meine Wangen, fährt unter meinen Umhang, presst mein Kleid gegen meine Schenkel. Meine Stiefel hallen auf dem schwarzen Basalt wider. Der Hof ist riesig, umgeben von Soldaten in dunklen Rüstungen, unbeweglich wie Statuen.

Und am anderen Ende des Hofes, oben auf den Stufen des Palastes, da ist er.

Kael.

Der Eiskönig.

Er ist größer als in meiner Erinnerung. Imposanter. Von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, ein Umhang aus dunkler Wolle über die Schultern geworfen, sein braunes Haar vom eisigen Wind zerzaust. Er bewegt sich nicht. Er lächelt nicht. Er sieht mich an. Nur das. Er sieht mir zu, wie ich aus der Kutsche steige, den Hof durchquere, die Stufen hinaufsteige. Er sieht mich an, als wäre ich das einzige Lebewesen in diesem Königreich aus Stein und Eis. Als ob nichts anderes existierte.

Und sein Blick... Bei den Göttern, sein Blick. Er gleitet über mich wie eine körperliche Liebkosung. Ich spüre ihn auf meinen von der Kälte geröteten Wangen, auf meiner Kehle, die ich entblößt habe, als ich heute Morgen mein Haar hochsteckte, auf meiner Taille, die der Gürtel meines Kleides etwas zu sehr betont. Seine Augen verweilen auf meinen Lippen, die vom Reisewind aufgesprungen sind, und gleiten dann langsam hinab, über die Wölbung meiner Brüste, die die Kälte unter dem Stoff hat hart werden lassen, über meine Hüften, die der Wind betont, indem er das Gewebe gegen meine Haut presst, über meine Beine, die von den Stunden in der Kutsche leicht zittern. Er entkleidet mich ohne eine Geste, ohne ein Wort, und ich spüre, wie meine Wangen in Flammen stehen, mein Atem kurz wird, meine Fäuste sich ballen.

Ich halte seinem Blick stand. Jeder Schritt ist ein Sieg. Jede Sekunde, in der ich die Augen nicht senke, ist eine Rache.

Als ich oben an der Treppe ankomme, sagt er nichts. Er zieht seinen Handschuh aus, langsam, Finger für Finger, ohne den Blick von mir abzuwenden. Dann streckt er seine nackte Hand aus. Nicht lederbehandschuht. Nackt, breit, kraftvoll. Ich zögere eine Sekunde zu lang. Dann lege ich meine Hand in seine.

Seine Haut ist brennend heiß. Nicht eisig. Brennend heiß. Seine Finger schließen sich um meine, fest, besitzergreifend, und ein seltsamer Schlag fährt meinen Arm hinauf, breitet sich in meiner Brust aus, sinkt in meinen Bauch. Meine Haut erschauert am ganzen Körper und ich weiß, dass er es spürt, ich weiß, dass er spürt, wie mein Puls in meinen Adern schneller wird.

Er neigt leicht den Kopf. Der Schatten eines Lächelns umspielt seine vollen Lippen.

„Willkommen in Eurem Zuhause, Prinzessin."

Seine Stimme ist ein tiefer Samt, eine Vibration, die in meiner Brust nachhallt.

„Ich bin nicht in meinem Zuhause", sage ich mit einer Stimme, die ich hart haben will und die ein wenig zittert. „Ich bin in Eurem. Und ich hasse Euch."

Das Lächeln wird um einen Millimeter breiter.

„Ich weiß. Euer Puls schlägt dennoch schneller. Tretet ein, Prinzessin. Die Kälte des Hasses wärmt nicht lange."

Er lässt meine Hand los. Seine Finger gleiten langsam über meine Handfläche, bevor sie mich freigeben, wie eine unwillkürliche Liebkosung. Dann dreht er sich auf dem Absatz um und verschwindet im Inneren und lässt mich allein auf den Stufen zurück, während der eisige Wind in meine Wangen beißt, meine Hand noch brennend von der Berührung seiner, mein Bauch verknotet von einer Wärme, die ich nicht benennen will.

Ich verabscheue ihn.

Aber warum schlägt mein Herz so schnell?

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