LOGINSelene Vale starb, als sie ein Kind rettete. Doch sie erreichte das Jenseits nie. Stattdessen erwachte sie in der Halle des Gerichts und stand vier Königen gegenüber, die sie ansahen, als wäre sie eine tickende Zeitbombe. Und genau das war sie. Tief in ihrer Seele war das Herz der Ewigkeit verborgen – eine uralte Macht, die während eines Krieges verschwand, der lange vor der Geburt ihrer Ururgroßmutter tobte. Eine Macht, für deren Kontrolle jedes Reich der Existenz töten würde. Um sie am Leben zu halten, trifft der Rat des Todes eine Entscheidung, die seit tausend Jahren nicht mehr gefallen ist. Sie binden Selene an die Vier Könige. Einer ist kalt und undurchschaubar. Einer lächelt, als würde sich hinter seinem Lächeln ein Messer verbergen. Einer kämpft, als hätte er nichts mehr zu verlieren. Und einer diente einst dem Himmel und ist sich bis heute nicht sicher, ob sein Sturz wirklich ein Fehler war. Selene wollte nie die Waffe eines anderen sein. Sie wollte auch nicht, dass vier unvorstellbar mächtige Männer sie plötzlich ansehen, als wäre sie jemand, den es um jeden Preis zu beschützen – oder zu begehren – gilt. Doch der Krieg, der das Herz der Ewigkeit einst verschlang, kehrt zurück. Und dieses Mal wird Selene nicht schweigend zusehen, während andere über ihr Schicksal entscheiden.
View MoreIn dieser Nacht schlief ebenfalls niemand. Ich schätzte, das entwickelte sich langsam zu einem Muster bei mir.Sie versorgten Kaels Arm in der Haupthalle, eine Heilerin aus dem Archiv mit schnellen, vorsichtigen Händen, die nicht viel sagte, außer dass sie jedes Mal, wenn sie die Wunde sah, zusammenzuckte, als würde sie sie persönlich beleidigen. Der Schnitt verlief genau dort, wo der Faden an seiner Klinge gerissen war. Nicht tief, aber die Ränder hatten diese seltsame graue Farbe angenommen, die nicht wie irgendeine Wunde aussah, die ich je gesehen hatte, nicht einmal wie die von jenem ersten Angriff in der Halle des Gerichts.„Das heilt nicht richtig“, sagte ich und beobachtete, wie sie zum dritten Mal die Stirn runzelte.„Nein“, gab sie zu. „Es heilt. Nur langsam. Was auch immer diese Wunde getroffen hat, hat etwas darin zurückgelassen. Nicht direkt Gift. Eher wie ein Mal. Ein kleines Stück von sich selbst, das dort sitzt und sich weigert, vollständig loszulassen.“Kael zuckte bei
Hitze strömte in Wellen von ihm aus, die überhaupt nicht zu der Kälte überall sonst passten, und einen langen Moment bewegte sich keiner von uns. Wir standen da wie zwei Menschen, denen endlich die Straße zwischen ihnen ausgegangen war und die nicht so recht wussten, was sie jetzt damit anfangen sollten.„Du hättest auch einfach fragen können“, sagte ich. Wahrscheinlich eine dumme Sache, aber mein Mund hatte schon vor einer Weile aufgehört, sich mit dem Rest von mir abzusprechen. „Statt der ganzen Armee. Dem Ring. Dem ganzen Theater.“Fragen funktioniert selten bei Menschen, die glauben, sie schulden dir nichts, sagte es. Fast sanft, als fände es die Frage tatsächlich fair. Und du glaubtest nicht, dass du mir irgendetwas schuldest, Selene. Tust es immer noch nicht, würde ich wetten. Genau das ist das eigentliche Problem.„Verdammt richtig.“Sein Kopf neigte sich langsam, nachdenklich, und hinter ihm hörte ich, wie der Kampf überall gleichzeitig ins Stocken geriet. Genau wie an der Gre
Der Klang dieser Hörner machte etwas mit meiner Brust, auf das ich nicht vorbereitet gewesen war. Es war nicht genau Angst. Oder zumindest nicht nur Angst. Es war eher etwas, das an Wiedererkennen grenzte, als hätte ein Teil von mir seit dem Moment auf dieses Geräusch gewartet, in dem ich auf diesem grauen Stein erwacht war, ohne es selbst zu wissen.„Bewegt euch“, sagte Kael, drehte sich bereits um, schon halb ein König und halb etwas viel Ursprünglicheres darunter. Die vorsichtige Kontrolle aus der Ratskammer war innerhalb von ungefähr zwei Sekunden verschwunden. „Alle. Jetzt.“Niemand widersprach. Karten lagen noch immer verstreut auf Miras Tisch, Weinkelche halb voll, und wir waren aus der Tür und in einen Korridor hinaus, der sich innerhalb eines einzigen Atemzugs ins Chaos verwandelt hatte – Wachen rannten, einige andere Ratsmitarbeiter, die ich nicht kannte, bewegten sich schnell in die entgegengesetzte Richtung, und auf jedem Gesicht lag irgendeine Version desselben Ausdrucks.
Die Ratssitzung zog sich weit über Mittag hinaus. Als sie endlich endete, waren meine Beine vom langen Stehen steif geworden, und die Hälfte der Kammer hörte immer noch nicht auf, mir Blicke zuzuwerfen, als würde ich etwas Unberechenbares tun, sobald man mich einen Moment allein ließ.Rhoswen fing mich auf dem Weg nach draußen ab. Er bewegte sich langsam, vorsichtig, als würde ihn jeder Schritt inzwischen etwas mehr kosten.„Du hast das dort drin gut gemacht“, sagte er. „Es ist schwerer, als es aussieht, vor so vielen alten, verängstigten Menschen zu stehen und ihnen eine Wahrheit zu sagen, die sie nicht hören wollten.“„Es fühlte sich nicht so an, als hätte ich viel Wahl gehabt.“„Die Wahrheit fühlt sich selten wie eine Wahl an. Meistens fühlt sie sich wie die einzige Tür an, die noch offen steht.“ Er warf einen Blick zurück zu Vashti, die noch immer allein dort saß und ins Leere starrte. „Sei nachsichtig mit ihr, wenn du es schaffst. Dreitausend Jahre lang das Geheimnis eines andere