LOGINIch ging langsam am See entlang, um mein rasendes Herz zu beruhigen. Ich hatte alles gesagt, was ich sagen musste. Trotzdem tat es weh. Jahrzehnte voller Liebe verschwinden nicht über Nacht.Als ich die Biegung erreichte, hörte ich laute Stimmen voller Wut. Es waren Whitman und Julian.„Bleib von ihr weg“, sagte Whitman, seine Stimme kalt. „Du hattest deine Chance. Du hast sie weggeworfen. Du verdienst sie nicht.“„Das geht dich nichts an“, knurrte Julian.„Es geht mich sehr wohl etwas an“, sagte Whitman. „Ich liebe sie. Ich war für sie da, als du es nicht warst. Ich habe sie unterstützt, ich habe sie beschützt. Niemals werde ich ihr solchen Schaden zufügen wie du. Ich bin derjenige, der es verdient, mit ihr zusammen zu sein. Nicht du.“Julian starrte ihn sprachlos an. Schließlich sagte er: „Ich werde nicht aufgeben. Ich werde sie zurückgewinnen.“„Das wirst du nicht“, sagte Whitman. „Sie liebt dich nicht mehr. Und sie wird dich nie wieder lieben. Geh jetzt. Bevor ich selbst nachhelfe.
Sebastians Geburtstagsfeier fand im Plaza Hotel statt. Der Ballsaal war mit der New Yorker Elite gefüllt. Ich hatte Sebastian gerade mein Geschenk überreicht, als ich hinter mir eine Stimme hörte, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.„Elena?“Ich drehte mich langsam um. Da war er. Julian Marchetti. Er war älter geworden, hatte Falten um die Augen und graue Schläfen bekommen. Seine Augen waren vor Schock weit aufgerissen, wie beim Anblick eines Geistes.„Elena.“ Er trat einen Schritt auf mich zu. „Bist du es wirklich?“Ich antwortete nicht. Ich drehte mich um und trat durch die Flügeltüren hinaus in den Garten. Ich hörte seine Schritte hinter mir.Wir gingen zum See am Rand des Gartens. Ich blieb stehen und drehte mich zu ihm um.„Was willst du, Julian?“, sagte ich kalt.„Ich habe dich gesucht“, sagte er mit brüchiger Stimme. „Sieben Jahre lang. Ich habe überall gesucht. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dich je wiederzusehen.“„Es tut mir so leid, Elena“, sagte er, Tr
Sieben Jahre vergingen.Ich hatte Sebastians Rat angenommen und mich an der Columbia Business School eingeschrieben. Ich lernte fleißig und schloss mein Studium als Jahrgangsbeste ab. Mit Sebastians Hilfe und dem Wissen aus meinem früheren Leben gründete ich mein eigenes Import-Export-Unternehmen.Ich arbeitete lange Stunden, traf schwierige Entscheidungen und baute mein Imperium Stein für Stein auf. Im Jahr 1952 gehörte mein Unternehmen zu den erfolgreichsten in New York.In meinem letzten Leben hatte ich immer davon geträumt, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber Julian und mein Vater hatten darüber gelacht … und abfällig erklärt: „Der Platz einer Frau ist im Haus.“ Ich hatte ihnen geglaubt und meine Träume aufgegeben, um Ehefrau und Mutter zu werden. Ich hatte zugesehen, wie Lydia mit ihrem Vassar-Abschluss zurückkehrte und eine Karriere auf meiner gestohlenen Zukunft aufbaute, während Julian steif und fest behauptete: „Sie hat sich alles selbst verdient.“ Auch das hatte ich
Eine Woche später erhielt Lydia einen Brief von Vassar. Ihre Zulassung wurde widerrufen, ohne Angabe von Gründen. Sie rannte zu Julian. Er rief jeden Kontakt an, den er hatte, setzte alle Hebel in Bewegung – aber niemand wollte ihm helfen. In seiner Verzweiflung ging er zur Militärbasis in Manhattan, um Sebastian zu sehen. Die Wachen wiesen ihn kurz angebunden ab: „Der General empfängt heute niemanden.“Julian ging verwirrt und wütend davon. Sebastian war wie ein Vater für ihn gewesen. Warum half er ihm plötzlich nicht mehr?Drei Tage später kam ein Brief von Sebastian an. Julian öffnete ihn mit zitternden Händen, und seine Welt brach zusammen.Sehr geehrter Herr Marchetti,Ich habe den Soldaten gefunden, der damals mit Ihnen und Herrn Carter in der Normandie war. Er hat eine eidesstattliche Aussage gemacht. Herr Carter hat Ihr Leben nicht aus Heldentum gerettet. Er wusste, dass er an seinen Verletzungen sterben musste. Er hat den Soldaten bestochen, auf Sie zu schießen, und ist dann
In Brooklyn ging an meinem Hochzeitstag die Sonne auf.Julian wachte um sechs Uhr auf, zog seinen besten Anzug an und ging mit weißen Rosen in der Hand zu meinem Zimmer. Er war sich sicher, dass ich zur Vernunft gekommen war. Julian klopfte an meine Tür. „Elena? Ich bin es. Bist du bereit?“Keine Antwort. Er klopfte erneut, diesmal stärker. Seine Knöchel schlugen hart gegen das Holz. „Elena? Komm schon, sei nicht albern. Wir haben keine Zeit für Spielchen.“Wieder kam keine Antwort.Ein kaltes Gefühl kroch ihm den Rücken hinauf. Er stützte sich mit der Schulter gegen die Tür und drückte mit voller Kraft. Das alte Schloss brach mit einem scharfen Knacken, und die Tür flog auf.Der Raum war leer.Das Bett war ordentlich gemacht, ohne dass jemand darin geschlafen hatte. Alle meine Sachen waren noch da. Aber ich war verschwunden.„Elena?“, flüsterte er, seine Stimme brach. Mein Vater erschien im Türrahmen und runzelte die Stirn. „Was ist los? Warum ist sie …?“ Beim Anblick des leeren Rau
Das Stadthaus der Familie Whitmore in der Upper East Side strahlte Eleganz und Ruhe aus. Als Whitman und ich eintraten, saß Sebastian Whitmore gerade im Arbeitszimmer und las. Sobald er mich bemerkte, legte er das Buch beiseite, erhob sich und lächelte. „Elena Conti. Ich hatte gehofft, dass Sie kommen würden.“Ein Hausangestellter brachte Tee und Sandwiches. Erst jetzt spürte ich meinen brennenden Hunger und griff gierig nach den Speisen. Nachdem ich fertig war, beugte Sebastian sich leicht nach vorn. „Erzählen Sie uns, was geschehen ist. Weshalb waren Sie ganz allein in dieser Gasse?“Ruhig schilderte ich den gesamten Hergang. Ich erzählte von Julians Schuld gegenüber der Familie Carter, von meinem gestohlenen Zulassungsbescheid und von der Hochzeit, zu der man mich zwingen wollte.Sebastian stand auf, trat ans Fenster und zündete sich eine Zigarette an. „Ich habe Julian unter meine Fittiche genommen, weil ich überzeugt war, dass er ein ehrenhafter Kriegsheld ist“, sagte er, hielt