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Im Regen kehre ich nicht zurück

Im Regen kehre ich nicht zurück

Von:  RosenhainAbgeschlossen
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung

Tragische Liebe

Handlungswendungen

Voreingenommenheit

Ehe

Die Frau zurückgewinnen

Als mein Freund zum 99. Mal im Aufzug die Taste für die Etage meiner besten Freundin drückte, sah er mich vorwurfsvoll an. „Warum hast du mich nicht daran erinnert? Ach, egal. Wenn wir schon mal hier sind, können wir Sophie auch gleich die Glühbirne wechseln.“ Ich erstarrte. Meine Mundwinkel zuckten kaum merklich. Schon wieder dieser Satz. Wenn wir schon mal hier sind. Seit meine beste Freundin vor einem Jahr in die Wohnung über mir gezogen war, drückte mein Freund immer wieder die Taste für die falsche Etage. Als wir eigentlich zusammen einen Film sehen wollten, klopfte er mit Bubble Tea in der Hand an ihre Tür. Als ich mit hohem Fieber im Bett lag und ihn bat, mir Medikamente zu bringen, brachte er sie stattdessen zu meiner besten Freundin, die Regelschmerzen hatte. So wurde aus unserem Date zu zweit ein Filmabend zu dritt. Und aus dem Fiebermittel wurde ein Schmerzmittel. Sogar an meinem Geburtstag stand er mit der Torte bei ihr vor der Tür. „Wenn wir schon mal hier sind, können wir auch gleich feiern, dass ihr seit 300 Tagen beste Freundinnen seid.“ „Wenn wir schon mal hier sind, ist bei Sophie gerade der Abfluss verstopft. Dann mache ich den Abfluss eben schnell frei.“ Ich sah zu, wie er ohne einen Blick zurück in Sophies Wohnung ging. Dann drückte ich mit regloser Miene auf den Knopf, und die Aufzugtüren schlossen sich vor mir.

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Kapitel 1

1

Er hatte es längst vergessen.

Heute lief mein Mietvertrag aus. Heute war auch der Tag, an dem ich auszog.

Wenn er schon einmal dort war, sollte er auch gar nicht mehr zurückkommen.

Als ich mit dem Aufzug nach unten fuhr, war die Umzugsfirma bereits da.

„Frau Winter, dann fangen wir jetzt an?“

Ich nickte. Da vibrierte mein Handy. Lukas hatte mir geschrieben.

„Wo bist du? Lauf nicht einfach irgendwo herum.“

Ich stockte kurz.

Im Chatfenster reihte sich eine meiner Nachrichten an die nächste – eine endlose, einseitige Wand aus Text, die nur allzu deutlich bewies, dass ich immer diejenige gewesen war, die sich zuerst gemeldet hatte.

Diese plötzlich auftauchende Fürsorge ließ meine Finger leicht zittern.

Doch kaum hatte ich den Chat geöffnet, erschien schon seine nächste Nachricht.

„Geh runter zum Baumarkt und kauf mir einen Schraubenschlüssel. Sophie hat keinen hier.“

Ich starrte einige Sekunden lang auf diese zwei Zeilen.

Er hatte also nicht plötzlich bemerkt, dass ich ihm nicht gefolgt war.

Er hatte nur gemerkt, dass ich nicht bei ihm war, weil er mir etwas befehlen wollte.

Ich scrollte in unserem Chat nach oben. Jede einzelne Nachricht hatte mit Sophie zu tun.

„Die Pflegeserie, die dir deine Kollegin letztes Mal aus dem Ausland mitgebracht hat, gibst du Sophie. Ich kaufe dir eine andere.“

„Sophie meinte neulich, sie hätte Lust auf japanisches Essen. Wenn du heute Feierabend hast, gehen wir zusammen hin. Ich habe schon einen Tisch reserviert.“

Lukas’ Nachrichten an mich waren immer Feststellungen.

Er hatte die Entscheidung längst getroffen.

Und er hatte nie daran gedacht, mich nach meiner Meinung zu fragen.

Die neueste Nachricht war von jenem Regentag, als ich ihm geschrieben und gefragt hatte, ob er mich abholen könne.

Er schrieb: „Ich bin schon zu Hause. Nimm dir selbst ein Taxi zurück.“

Doch im nächsten Moment postete Sophie ein Foto auf Instagram.

Ein schräg gehaltener Regenschirm begleitete sie auf den Beifahrersitz.

„Wäre fast im Regen festgesessen. Zum Glück kam jemand zu meiner Rettung.“

Den Innenraum dieses Autos kannte ich nur zu gut.

Früher hatte ich immer gedacht: Er war mein Freund, Sophie meine beste Freundin.

Wenn die beiden sich gut verstanden, sollte ich mich doch darüber freuen.

Doch jedes Mal, wenn ich nachgab, wurde Lukas nur noch rücksichtsloser.

Diesmal antwortete ich ihm nicht mehr.

Während ich in der Wohnung meine Sachen packte, schickte Lukas mir erneut eine Nachricht.

„Warum bist du noch nicht zurück? Sophie hat Lust auf französisches Essen. Ich gehe schon mal mit ihr hin.“

„Komm später einfach selbst nach.“

So etwas war nicht zum ersten Mal passiert.

Wir hatten uns eindeutig zum Essen verabredet.

Doch wenn ich wegen der Arbeit oder wegen eines Staus ein wenig zu spät kam, blieb für mich nur noch das übrig, was die anderen nicht gegessen hatten.

Für meine Kränkung hatte Lukas nur kalte Gleichgültigkeit übrig.

„Sophie hat einen empfindlichen Magen, sie hat eben zuerst gegessen. Es ist nur ein bisschen kalt geworden, schmeckt aber trotzdem noch. Stell dich nicht so an.“

Stell dich nicht so an.

Als in meiner Wohnung ein Rohr geplatzt war und alles im Chaos versank, rief ich ihn an.

Auch damals sagte er genau das: „Woher soll ich die Zeit nehmen, mir das anzusehen? Such dir selbst einen Handwerker. Stell dich nicht so an.“

Also wusch ich meine Vorhänge selbst, wechselte selbst die Glühbirnen und lernte nach und nach, mich nicht mehr auf ihn zu verlassen.

Sophie gegenüber jedoch zeigte er ein völlig anderes Gesicht.

„Du musst als Frau nicht immer so stark sein. Wenn irgendetwas ist, helfe ich dir eben. Du wohnst ja sowieso so nah bei Clara. Das ist doch nur eine Kleinigkeit.“

Ich verstand es nicht.

Warum war dieselbe Hilfe bei mir ein Sich-Anstellen, bei Sophie aber nur eine Kleinigkeit?

Ich schluckte die Bitterkeit hinunter und schrieb Lukas:

„Esst ruhig. Ich habe noch etwas zu tun.“

Erst nach langer Zeit antwortete er:

„Bist du wieder beleidigt? Clara, wie alt bist du eigentlich? Mach kein Drama.“

Ja, früher hatte ich Drama gemacht.

Im letzten Winter hatte ich 39 Grad Fieber. Mir war am ganzen Körper kalt, und ich rief ihn an, damit er mir Medikamente brachte.

Doch er sagte, er sei bei Sophie. Sophie habe Regelschmerzen und könne nicht aus dem Bett. Er koche ihr gerade Ingwertee mit braunem Zucker.

Ich sagte, dass es mir auch sehr schlecht gehe.

Er schwieg zwei Sekunden und sagte dann: „Du kannst doch noch telefonieren. So schlimm kann es also nicht sein.“

„Bestell dir etwas. In zwanzig Minuten ist es da. Halt einfach ein bisschen durch.“

Das war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, es nicht mehr ertragen zu können.

Er war doch mein Freund.

Und trotzdem hatte ich bei ihm nie Priorität.

Ich machte mit ihm Schluss.

Doch er sagte kein Wort.

Stattdessen blockierte er mich zuerst.

Er wusste, dass ich ihn viel zu sehr liebte.

Er wusste, dass ich nicht von ihm loskam.

Also ließ er mich zwei Tage lang weinen, bis meine Tränen versiegt waren.

Erst dann ließ er Sophie mich zum Essen einladen.

Und ich war so schwach, mich wieder mit ihm zu versöhnen.

Seitdem hatte ich kein Drama mehr gemacht.

Doch diesmal war es anders.

Diesmal war es kein Trotz.

Ich schmollte nicht. Es war mein verdammter, absoluter Ernst.

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