Share

Kapitel 2

Penulis: Yara
Am anderen Ende der Leitung stockte für einen Moment der Atem. Dann hörte ich Alessandros tiefe Stimme.

„In zwei Wochen zieht die Familie Marino um. Ich hole dich ab.“

Für einen Herzschlag war ich wie erstarrt. Dann lachte ich leise auf.

Ich hatte noch kein Wort gesagt. Und trotzdem wusste er schon, dass ich gehen wollte.

Und damit hatte er ausgerechnet recht.

„Gut.“

Mit Alessandros Fähigkeiten würde Vincenzo mich nach zwei Wochen nicht mehr finden. Nicht einmal dann, wenn er ganz Sizilien umgrub.

An diesem Tag gingen pausenlos Nachrichten von Vincenzo auf meinem Handy ein. Ich beantwortete keine einzige.

Er wurde unruhig. Irgendwoher hatte er erfahren, dass ich zurück war. Mitten in der Nacht stieß er die Haustür auf und kam herein.

Ich saß im Wohnzimmer auf dem Sofa und sah fern.

„Isabella? Warum bist du früher zurückgekommen?“ Mit ein paar schnellen Schritten war er bei mir. „Ich habe dir so viele Nachrichten geschickt...“

Noch während er sprach, zog er mich schon in seine Arme. Er legte das Kinn auf meinen Kopf und rieb sanft daran.

„Gott sei Dank ist dir nichts passiert. Ich hatte solche Angst ... Isabella, ich kann nicht ohne dich leben.“

Die Liebe in seinen Augen war nicht gespielt.

Ich wusste, dass er mich wirklich liebte.

Aber ich wusste inzwischen auch, dass diese Liebe nie nur mir gehört hatte.

Ich löste mich aus seiner Umarmung und sagte ruhig: „Das Geschäft wurde verschoben. Mein Handy war aus. Ich habe deine Nachrichten nicht gesehen.“

Vincenzo lächelte, hob die Hand und strich mir leicht über die Nasenspitze.

„Dann hast du sie eben nicht gesehen. Schon gut. Warum weinst du denn gleich? Ich werfe dir doch nichts vor.“

„Du hast bestimmt Hunger.“ Er schwenkte den Autoschlüssel zwischen den Fingern. „Ich habe in dem Restaurant reserviert, von dem du schon so lange redest. Komm, meine Prinzessin. Heute isst du, bis du nicht mehr kannst.“

Er streckte mir die Hand entgegen. Die Innenfläche zeigte nach oben.

Mein Blick blieb an dieser Hand hängen. Für einen Moment wurde mir schwindelig.

An einem Nachmittag, als ich achtzehn war, hatte mir der junge Vincenzo genauso die Hand hingestreckt. Damals lächelte er noch frecher als heute.

„Komm, meine Prinzessin. Heute gebe ich dir alles aus, bis du nicht mehr kannst.“

Damals war in seinem Herzen nur Platz für mich gewesen.

Ich wollte meinen Magen nicht auch noch bestrafen und ging mit ihm ins Restaurant.

Er war noch immer wie früher. Eigentlich war er kein Mann, der jemandem diente. Aber jetzt krempelte er ganz selbstverständlich die Ärmel hoch, legte mir mit geübter Hand Essen auf den Teller und reichte mir von jedem Gericht den ersten Bissen.

Erst als sich der Inhalt meiner Schale schon zu einem kleinen Berg türmte, riss mich das Klingeln seines Handys in die Gegenwart zurück.

„Geh ran.“

Ich senkte den Blick und stocherte mit dem Löffel in meinem Essen.

Vincenzo sah auf das Display, murmelte noch ein paar beschwichtigende Worte und stand dann auf, um draußen zu telefonieren.

Als er zurückkam, lagen Unruhe und Schuld in seinem Blick.

„Isabella, es ist plötzlich eine dringende Besprechung dazwischengekommen. Ich muss sofort hin. Es tut mir leid, dass ich nicht bis zum Ende mit dir essen kann. Morgen nehme ich mir frei und bleibe den ganzen Tag bei dir.“

Den Namen der Anruferin hatte ich längst gesehen.

Claudia.

Ich nickte nur.

„Gut. Geh.“

Kaum hatte er meine Erlaubnis, blieb er keine Sekunde länger. Er drehte sich um und verließ das Restaurant.

Ich sah auf den leeren Stuhl mir gegenüber. In meiner Brust breitete sich ein stechender, dumpfer Schmerz aus, als würden mir immer wieder feine Nadeln ins Herz getrieben.

Gerade hatte ich mich mühsam wieder gesammelt und wollte nach meinen Stäbchen greifen, da ploppte schon ein Videoanruf von Claudia auf.

Claudia lächelte mit dieser ewigen, unschuldigen Miene.

„Isabella isst doch jetzt nicht etwa allein? Ich hab’s mir gedacht. Irgendjemand kam heute nach Hause und roch plötzlich ganz nach Restaurant.“

Das Wort „nach Hause“ betonte sie absichtlich. Die Provokation war glasklar.

Mein Gesicht wurde kalt.

„Claudia, du bist kindisch.“

„Hast du vergessen, wer im Moment die rechtmäßige Ehefrau ist?“ Meine Stimme blieb ruhig. „Was glaubst du, wen Vincenzo behält, wenn ich ihm unseren Chatverlauf schicke? Dich oder mich?“

Etwas flackerte in Claudias Blick. Doch im nächsten Augenblick setzte sie schon wieder dieses Lächeln auf.

„Isabella, so macht das doch keinen Spaß.“ Ihre Stimme wurde süß wie Gift. „Aber willst du nicht wissen, wen Vincenzo wirklich mehr liebt? Dich oder mich?“

Ich zögerte.

Aber ich legte nicht auf.

Kurz darauf wechselte der Hintergrund des Videos. Dann erschien Vincenzo im Bild.

Claudia drehte sich sofort um und schmiegte sich weich in seine Arme. Dabei stellte sie sich genau so hin, dass er den Bildschirm nicht sehen konnte.

„Vincenzo, bist du immer noch wütend auf mich, weil ich damals mit einem anderen durchgebrannt bin? Wenn ich nicht gegangen wäre ... hättest du dann Isabella nie gesucht? Hättest du dann mich geheiratet?“

Vincenzo zog die Brauen zusammen.

„Was soll dieses ganze Gerede über Was-wäre-wenn?“

„Ich frage ja nur...“ Claudias Augen wurden rot. Ihre Stimme sank noch tiefer. „Ich meine es nicht böse...“

Ein paar Sekunden lang sagte niemand etwas.

Dann sah ich, wie Vincenzo den Mund öffnete.

Seine Stimme war rau.

„Ja.“

Nur dieses eine Wort.

Und mit diesem einen Wort wurde mein Herz augenblicklich leer.

Also war ich nie die Einzige in seinem Herzen gewesen.

Unwillkürlich dachte ich an unseren Hochzeitstag.

Vincenzo hatte meine Hand gehalten und vor allen Gästen geschworen. Er hatte bei dem Namen des Don geschworen, den er am meisten verehrte. Er hatte geschworen, in diesem Leben nur mich zu lieben.

Damals hatte ich hemmungslos geweint. Ich hatte geglaubt, ich hätte die wahrhaftigste Liebe der Welt gefunden.

Dabei war dieser Schwur von Anfang an eine Lüge gewesen.

Ich war nie seine Einzige.

Nicht früher. Nicht jetzt. Und in Zukunft schon gar nicht.

Ich war nichts weiter als ein Werkzeug gewesen. Ein Mittel, mit dem er Claudia trotzen wollte. Nur hatte er im Lauf der Zeit wohl doch Gefühle für mich entwickelt und konnte mich deshalb nicht mehr so leicht loslassen.

Bei diesem Gedanken verzogen sich meine Lippen zu einem hässlichen Lächeln.

Ich lächelte.

Aber die Tränen liefen weiter.

Ich hatte geglaubt, wenigstens für einen einzigen Moment diese brennende Liebe wirklich besessen zu haben.

Nie hätte ich gedacht, dass ich von Anfang bis Ende nur eine Diebin gewesen war. Eine Frau, die den Platz einer anderen gestohlen hatte.

Ich senkte den Kopf und krallte die Finger in den Stoff über meiner Brust, als könnte ich mir so wieder Luft verschaffen.

Aber der Kloß in meinem Hals ließ sich nicht hinunterschlucken.

Also ließ ich die Tränen einfach fallen.

Eine nach der anderen.

Direkt auf den Tisch.

In dieser Nacht kam Vincenzo nicht nach Hause.

Stattdessen bekam ich ein Foto von ihm im Schlaf. Eine Live-Aufnahme. Geschickt von Claudia.

Ich sah dieses Gesicht lange an.

Sehr lange.

Erst als draußen der Morgen dämmerte, war mein Herz so still, als wäre es endgültig gestorben.

Dann nahm ich das Handy, wählte die Nummer meiner befreundeten Anwältin Sophia Quintero und sagte:

„Sophia, setz für mich bitte eine Scheidungsvereinbarung auf...“
Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 19

    „Ein Rennen? Bei so viel Schnee? Wie soll das bitte gehen? Und du bist halb erfroren. Glaubst du im Ernst, dass du überhaupt noch die Kraft hast, ein Auto zu fahren?“Die eine Sache, auf die Vincenzo gekommen war, war ausgerechnet ein Rennen.Ich liebte den Rennsport mehr als alles andere. Und offenbar glaubte er ernsthaft, dass ich ihm noch eine Chance geben würde, wenn er Alessandro in einem Rennen schlug.Vincenzo sah mich fest an. Sein ganzer Körper zitterte unaufhörlich vor Kälte.„Ich fahre gegen Alessandro. Wenn ich gewinne, gibst du mir dann eine Chance?“Ich antwortete ruhig mit nur zwei Wörtern: „Ganz sicher nicht.“Vincenzo lachte bitter.„Selbst dann fahre ich. Isabella ... wirst du mein Beifahrer sein? Betrachte es als dein letztes Geschenk an mich.“Langsam stieg Ärger in mir auf.Weil Alessandro gar kein Rennfahrer war.Doch ausgerechnet Alessandro sagte ohne jedes Zögern:„Gut.“Ich sah ihn fassungslos an.„Wenn du das nicht kannst, dann zwing dich nicht dazu. Es ändert

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 18

    Da erklang plötzlich neben uns eine tiefe Stimme.Vincenzo fuhr herum, sah zur Quelle der Stimme – und riss erschüttert die Augen auf.„Alessandro ... Was machst du hier?“Alessandro legte mir den Arm fest um die Schultern. In dem Moment, in dem er spürte, dass ich nicht auswich, zog er mich noch ein wenig näher an sich.„Ich bin ihr Verlobter. Warum sollte ich also nicht hier sein?“Dieses eine Wort traf Vincenzo wie ein Blitzschlag.Verlobter.In seinem Kopf krachte es. Für einen Moment hörte er gar nichts mehr.„Verlobter? Wie soll das möglich sein? Isabella ... Wie kann ER dein Verlobter sein?“Seine Augen wurden rot. Sogar seine Lippen zitterten.Ich streifte Alessandros Arm ab, griff stattdessen nach seiner Hand und hob sie vor Vincenzos Augen, unsere Finger fest ineinander verschränkt.„Warum sollte das nicht möglich sein? Ich bin unverheiratet und habe keine Kinder. Ist es so schwer zu begreifen, dass ich einen Verlobten habe?“Vincenzos Lippen bewegten sich lautlos. In seinen

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 17

    Egal, wie laut Vincenzo mir hinterherrief, der Wagen wurde nicht langsamer.Im Gegenteil.Alessandro trat das Gaspedal noch weiter durch, bis das Auto in der Ferne nur noch wie ein schwarzer Punkt wirkte.Erst als die Gestalt im Rückspiegel endgültig verschwunden war, nahm Alessandro langsam den Fuß vom Pedal.Ich warf ihm einen misstrauischen Blick zu.„Warum fährst du heute so?“Alessandro ging auf meinen Ton gar nicht ein. Stattdessen fragte er plötzlich:„Wenn Vincenzo eines Tages vor dir steht, weint, alles bereut und dich anfleht, zu ihm zurückzukommen ... würdest du zustimmen?“Ich zog die Brauen zusammen, als hätte ich gerade etwas Widerliches gehört. Trotzdem antwortete ich ernst: „Nein. Nicht einmal, wenn ich sterben würde.“Sobald ich nur daran dachte, was Vincenzo mir angetan hatte, lief mir die Kälte den Rücken hinunter. Nachts fuhr ich noch immer oft aus dem Schlaf hoch.Alessandro sah den entschlossenen Ausdruck in meinen Augen. Ein kaum merkliches Lächeln glitt über sei

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 16

    In jener Nacht ließ Alessandro alles über Vincenzo und Claudia prüfen, was sich nur finden ließ. Noch vor Tagesanbruch hatte er einen lückenlosen Plan ausgearbeitet.Er hätte mich damals auch einfach mit Gewalt herausholen können.Doch ich hatte gesagt:„Dann lässt er nie wieder los. Er wird mich ein Leben lang verfolgen.“Also zwang Alessandro sich zur Geduld und begann, Zug um Zug alles vorzubereiten.Erst da begriff er, wie tief die Wurzeln der Familie Corleone wirklich reichten.Er tat so, als wolle er Claudia heiraten, nur um die Aufmerksamkeit der Familie Corleone auf etwas anderes zu lenken. In Wahrheit stellte er heimlich Leute zusammen, die mich weit wegbringen sollten.Trotzdem kam er zu spät.Als er mich endlich fand, waren meine Beine durch den Unfall so schwer verletzt, dass ich weder das Familiengeschäft weiterführen noch mit meinem geliebten Wagen noch einmal frei über die Strecke jagen konnte.Damals war ich wie ausgehöhlt.Als hätte man mir die Seele aus dem Körper ger

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 15

    [Isabellas Perspektive]Drei Jahre später.Im größten Renntrainingslager Kalabriens fand gerade das große Autorennen statt, das nur alle drei Jahre ausgetragen wurde.Nahezu alle Mafiafamilien Italiens waren vertreten.Im Ruhebereich standen mehrere blonde, blauäugige Trainer beisammen und unterhielten sich mit Blick auf die Strecke.„Habt ihr’s schon gehört? Diesmal ist ein Überraschungskandidat aus Sizilien dabei. In drei Jahren hat er im Inland so ziemlich jeden Titel abgeräumt. Es ist sein erster Wettkampf im Ausland. Eine Menge Leute setzen auf ihn. Ich finde allerdings, dass er auch nicht viel Besonderes ist.“„Ein Fahrer aus Sizilien? Den würde ich nicht unterschätzen.“Ein anderer, hochgewachsener Trainer schnalzte mit der Zunge. „Vergiss lieber nicht diese Trainerin aus Sizilien. Man sagt, sie hat in nur drei Jahren fünf Fahrerinnen zu Meisterinnen gemacht. Die männlichen Trainer stehen daneben schon fast da wie Idioten.“Francesca Theron hörte sich das kurz an, schüttelte läc

  • Als ich ging, bereute Don alles   Kapitel 14

    „Fabio! Das ist deine Strafe!“Claudia klammerte sich ans Fensterbrett, sah zu ihm hinunter, wie er unter dem brennenden Balken feststeckte, und lachte schrill auf.Dann stieß sie sich mit den Armen ab und warf sich selbst aus dem Fenster.Als die Kühle des Rasens ihren Körper auffing, lag sie da, lachte unter Tränen und kostete für einen Moment den wilden Taumel des Überlebens aus.Doch das Zimmer hinter ihr wurde zusammen mit Fabio schon kurz darauf vollständig von den hochschlagenden Flammen verschlungen.Lange freuen konnte sie sich nicht.Dann setzte die Wirkung der Medikamente ein, und sie verlor das Bewusstsein.Als sie wieder zu sich kam, lag sie bereits im Krankenhaus.In dem Moment, in dem ihr klar wurde, dass sie noch lebte, atmete sie erleichtert auf.Doch schon im nächsten Augenblick wälzte sich ein Schmerz durch ihren Körper, anders als alles, was sie von dem Überrollen kannte.Es war, als würde sich tief im Knochenmark eine dumpfe, krampfartige Qual ausbreiten. Schon die

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status