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Kapitel 4

Author: Isle of Moon
Eine Stunde später verließen wir das Flugzeug. Auf dem Weg zum Hotel wechselten Brett und ich kein einziges Wort. Allein schleppte ich meinen Koffer in den Aufzug, allein fuhr ich nach oben, und auch zu Mittag aß ich allein.

Laut Brett war er meinetwegen mitgekommen. Tatsächlich verbrachte er jedoch jede Minute mit Tiana. Mir sollte es recht sein. Schließlich hatte ich meine KI.

Die KI hatte meinen Reiseplan für die nächsten Tage bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und übersichtlich in einer Tabelle angeordnet. Mitten beim Lesen riss mir jemand das Handy aus der Hand.

Ich blickte auf und sah Tianas selbstzufriedenes Grinsen. „Wow, dieser Reiseplan ist ja unglaublich ausführlich. Brett, den hast du bestimmt für Mara gemacht, oder?“

Stirnrunzelnd griff ich nach meinem Handy, doch Brett hatte es Tiana bereits abgenommen. Er überflog den Plan und zog ebenfalls die Brauen zusammen.

„Der ist nicht von mir.“

Dann sah Brett zu mir auf. „Für so etwas fehlt dir die Geduld. Das weiß ich besser als jeder andere. Wer hat das für dich gemacht?“

Genervt nahm ich mein Handy zurück. Das kurze Aufflackern von Unruhe in seinen Augen ignorierte ich.

„Das geht dich nichts an. Findest du es eigentlich in Ordnung, jemandem einfach das Handy wegzunehmen und es ohne Erlaubnis zu durchsuchen?“

Ich hatte damit wirklich nichts weiter gemeint. Wer sich die beiden während der ganzen Reise anhören musste, bekam zwangsläufig schlechte Laune.

Doch Tiana fasste es anders auf. Sie wich einen Schritt zurück, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Brett, Mara, wollt ihr mich etwa nicht dabeihaben? Ich verstehe schon. Die klugen Schüler wollen nur mit anderen klugen Schülern zusammen sein. Jemand wie ich, die kaum eine Prüfung bestanden hat, ist euch nicht gut genug.“

Tiana wischte sich die Tränen ab und wollte gehen. Brett hielt sie zurück und sah mich mit mühsam gezügelter Wut an.

„Mara, findest du nicht, dass du zu weit gehst? Es ist bloß ein blöder Reiseplan. Musstest du deswegen wirklich wütend werden?“

Fassungslos starrte ich die beiden an. Dann wurde mir klar, dass Tiana in einem Punkt recht hatte.

„Ja, das musste ich. Auch wenn es für dich nur ein ‚blöder‘ Reiseplan ist, hat sich jemand Zeit genommen und Mühe gegeben, um ihn für mich zu erstellen. Ich ziehe allein los. Ihr beiden könnt machen, was ihr wollt.“

Ich nahm meine Sachen und ging an Brett vorbei, ohne stehen zu bleiben.

Ursprünglich hatte ich ohnehin allein reisen wollen. Brett hatte recht: Es war Zeit, erwachsen zu werden.

Ohne zu zögern folgte ich der Route, die die KI für mich geplant hatte. Nach ungefähr einer Stunde fand ich allein den Strand.

Das Meer war wunderschön.

Der Anblick des Meeres erinnerte mich an den Augenblick, in dem ich zum ersten Mal den Wunsch verspürte, es zu sehen. Damals bemerkte ich an Brett einen schwachen Duft und fragte ihn danach. Er versuchte, ungerührt zu wirken, doch seine Ohrspitzen wurden rot.

„So riecht die Meeresbrise. Mara, wollen wir nach dem Abschluss gemeinsam ans Meer fahren?“

Wie glücklich ich an jenem Tag gewesen war. Nun war ich die Einzige, die tatsächlich gekommen war, um das Meer zu sehen.

Ich machte schnell ein Foto und schickte es der KI. Ihre Antwort kam augenblicklich.

„Dreh dich um.“

Mein Herz sprang mir beinahe aus der Brust. Ich wirbelte herum, doch zwei Gestalten versperrten mir die Sicht: Brett und Tiana.

Ich stand auf und versuchte verzweifelt, an ihnen vorbeizusehen. Dort war niemand.

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