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Kapitel 6 – Mein eigenes Leben

ผู้เขียน: Ashley Griffith
last update วันที่เผยแพร่: 2026-09-02 23:25:33

Die Buchhandlung roch nach altem Papier und frisch gemahlenem Kaffee aus der kleinen Maschine hinter der Theke. Ich stand fünf Minuten zu früh vor der Tür, mit einem Kribbeln im Magen, das ich seit Jahren nicht mehr gespürt hatte.

„Sie müssen Liana sein.” Die Frau, die mir öffnete, war Mitte fünfzig, mit grauen Locken und einer Lesebrille, die an einer Kette um ihren Hals hing. „Ich bin Frau Berger. Kommen Sie rein, bevor Sie sich noch die Zehen abfrieren.”

Die ersten Stunden verbrachte ich damit, das Kassensystem zu verstehen, das offenbar seit zwanzig Jahren nicht aktualisiert worden war, und die Regale nach einer Logik zu sortieren, die sich mir erst nach mehrmaligem Nachfragen erschloss. Zweimal tippte ich den falschen Preis ein, einmal legte ich ein Buch ins falsche Genre, was mir eine Kundin mit einem amüsierten Lächeln zurückmeldete.

„Belletristik ist da drüben“, sagte sie und deutete auf das Regal gegenüber. „Aber keine Sorge, das passiert jedem am Anfang.”

Ich entschuldigte mich, brachte das Buch zurück und half ihr dann, ein anderes zu finden, nach dem sie eigentlich gesucht hatte, einen historischen Roman, den ich zufällig selbst einmal gelesen hatte. Wir sprachen ein paar Minuten darüber, und als sie ging, sagte sie: „Danke, Sie haben mir wirklich geholfen.”

Es war ein kleiner Satz, beiläufig gesprochen, aber er blieb bei mir hängen, während ich die Kasse aufräumte. Niemand hatte mir in den letzten drei Jahren einfach nur für das gedankt, was ich getan hatte. Es war immer selbstverständlich gewesen.

„Du machst das gut für den ersten Tag“, sagte Jonas, der andere Angestellte, ein Mann Anfang dreißig mit Brille und einem trockenen Humor, der mich mehrmals zum Lachen brachte, als er mir erklärte, welche Kundin man auf keinen Fall nach ihrer Meinung zu Fantasy-Romanen fragen sollte, wenn man in den nächsten zwanzig Minuten noch etwas anderes vorhatte.

Als ich am Abend nach Hause zu Elena fuhr, mit müden Füßen und Druckerschwärze an den Fingern, merkte ich, dass ich den ganzen Tag nicht ein einziges Mal an Adrian gedacht hatte.

Am nächsten Nachmittag fuhr ich zu ihm, um Noah zu sehen, wie ich es versprochen hatte. Noah rannte mir schon im Flur entgegen, ein Blatt Papier in der Hand.

„Liana, schau, was ich gemalt habe!” Er hielt mir ein Bild hin, auf dem drei Figuren standen, eine große, eine kleinere und eine mit langen Haaren, die er offenbar für mich gehalten hatte. „Das bist du, das ist Papa, und das bin ich.”

Ich kniete mich hin, um es genauer zu betrachten. „Das ist wunderschön, Noah.”

„Wohnst du bald wieder hier?”, fragte er, ohne von dem Bild aufzusehen, als wäre die Frage nur eine Randnotiz.

„Ich wohne jetzt woanders, weißt du noch? Aber das heißt nicht, dass ich dich nicht mehr sehe.” Ich strich ihm über den Kopf. „Ich hab dich lieb, auch wenn ich woanders wohne.”

Er schien damit zufrieden, nickte kurz und zog mich schon am Arm zu seinem Zimmer, um mir mehr Bilder zu zeigen.

Adrian stand im Türrahmen des Wohnzimmers, als ich später wieder herauskam, und musterte mich auf eine Weise, die mir sofort auffiel. Ich trug noch meine Arbeitskleidung, ein einfaches Hemd, die Haare zu einem lockeren Zopf gebunden, weil ich direkt von der Buchhandlung gekommen war.

„Du siehst anders aus“, sagte er, und es klang nicht wie ein Kompliment, eher wie eine Feststellung, die ihn selbst irritierte.

„Ich komme von der Arbeit.”

„Wie läuft’s?” Er stellte die Frage beiläufig, aber ich merkte, dass er tatsächlich eine Antwort wollte.

„Gut. Besser, als ich gedacht hätte.” Ich lehnte mich gegen die Wand, entspannter als ich es in diesem Haus je gewesen war. „Frau Berger, meine Chefin, ist ziemlich direkt, aber ich mag das. Und Jonas, mein Kollege, hat mir heute gezeigt, wie man das alte Bestellsystem bedient, ohne dass alles abstürzt.”

„Jonas?” Adrians Ton veränderte sich, kaum merklich, aber ich hörte es trotzdem.

„Er arbeitet auch dort. Nett, hilfsbereit.” Ich zuckte mit den Schultern, ohne der Bemerkung viel Gewicht zu geben.

„Wer ist er?“, fragte Adrian, und diesmal war die Schärfe in seiner Stimme unübersehbar.

Ich sah ihn an, überrascht über die Reaktion. „Warum willst du das wissen?”

„Ich wollte nur…” Er stockte, offensichtlich selbst unsicher, worauf er hinauswollte. „Es ist nichts.”

„Es klang aber nicht nach nichts.”

„Es interessiert mich nicht, wer in deiner Buchhandlung arbeitet, Liana.” Er sagte es zu schnell, zu bestimmt, als dass ich ihm geglaubt hätte, und offenbar merkte er das auch selbst, denn er wandte den Blick ab und sah aus dem Fenster.

Ich ließ das Thema fallen, weil es mich nicht interessierte, ihm nachzugehen. Was mich mehr beschäftigte, war die Tatsache, dass Adrian, der drei Jahre lang kaum registriert hatte, mit wem ich meine Tage verbrachte, plötzlich hellhörig wurde, sobald ich einen fremden Namen erwähnte.

„Übrigens“, sagte er, als würde ihm gerade wieder etwas einfallen, „wegen dieser Stelle. Findest du nicht, dass du das noch mal überdenken solltest? Solange die Scheidung nicht abgeschlossen ist, sollten wir vielleicht nicht so viele Veränderungen gleichzeitig vornehmen.”

„Adrian.” Ich unterbrach ihn, ruhig, aber bestimmt. „Du entscheidest nicht mehr, was ich tue.”

Er sah mich an, und ich konnte fast beobachten, wie die Worte bei ihm ankamen, langsamer als bei den meisten Menschen, weil er es nicht gewohnt war, dass ich ihm widersprach, ohne dabei nervös oder verletzt zu wirken.

„Das habe ich nicht gesagt“, verteidigte er sich.

„Doch, genau das hast du gerade gesagt.” Ich griff nach meiner Jacke, die über dem Stuhl hing. „Ich habe drei Jahre lang gewartet, dass du mich fragst, was ich will. Jetzt tue ich es einfach, ohne zu fragen. Daran wirst du dich gewöhnen müssen.”

Er schwieg, und in diesem Schweigen lag etwas, das ich noch vor wenigen Wochen als Sieg gefeiert hätte. Jetzt war es mir einfach nur wichtig, dass es wahr war.

Ich verabschiedete mich von Noah, der mir versprach, mir sein nächstes Bild zu zeigen, sobald es fertig war, und ging zu meinem Auto. Adrian folgte mir bis vor die Tür, die Hände in den Taschen, mit diesem unruhigen Ausdruck, den ich in den letzten Tagen öfter an ihm gesehen hatte als in den drei Jahren davor zusammen.

„Wohin fährst du?”, fragte er, als ich die Autotür öffnete.

„Zu Elena. Ich muss morgen früh raus, ich hab Frühschicht.”

„Wann bist du wieder bei Noah?”, fragte er, und die Frage überraschte mich, weil er sie so noch nie gestellt hatte, in all den Wochen nicht, in denen ich mich um seinen Sohn gekümmert hatte, ohne dass er je danach gefragt hätte, wann ich wiederkäme.

„Donnerstag, wenn das passt.”

Er nickte langsam und sagte nichts weiter, aber sein Gesichtsausdruck veränderte sich, wurde nachdenklicher, fast unsicher, während er mir zusah, wie ich einstieg und den Motor startete.

Auf der Fahrt zu Elena bemerkte ich, dass ich mein Handy nicht ein einziges Mal aus der Tasche geholt hatte, um zu prüfen, ob Adrian mir geschrieben hatte. Früher hatte ich das ständig getan, jeden Tag, in der Hoffnung, eine Nachricht von ihm zu finden, die mir zeigte, dass ich ihm wichtig war.

Heute war mir die Frage einfach nicht mehr eingefallen.

Als ich am nächsten Morgen die Buchhandlung aufschloss, stand draußen auf der anderen Straßenseite ein Wagen, den ich sofort erkannte. Adrian saß darin, das Fenster einen Spalt geöffnet, als hätte er gerade noch überlegt, ob er aussteigen sollte, und sich dann dagegen entschieden.

Ich sah ihn an, und für einen Moment sahen wir uns nur gegenseitig an, über die Straße hinweg, ohne dass einer von uns etwas sagte.

Dann fuhr er los, ohne ein Wort, und ich fragte mich, wie lange er wohl schon dort gesessen hatte und was genau ihn dazu gebracht hatte, überhaupt herzukommen.

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