MasukFür Amanda war das alles manchmal wie ein Traum. Eine Familie. Und was für eine Familie. Eine Familie mit Mama und Papa, mit drei Kindern, mit Sunny und mit einem Zuhause, in dem es nach Essen roch, nach warmen Decken, nach Garten und nach all den kleinen Dingen, die Amanda inzwischen mit Sicherheit verband. Natürlich war es immer wieder laut. Die Kinder konnten laut sein. Sehr laut sogar. Sie rannten durch die Wohnung, lachten, riefen sich etwas zu und manchmal hatten sie offenbar gleichzeitig etwas zu erzählen. Dann wusste Amanda nicht, wohin sie zuerst schauen sollte. Aber sie kannte das inzwischen. Und sie wusste, dass Lautstärke nicht automatisch Gefahr bedeutete. Das war eine Erkenntnis, die sie sich hart erarbeitet hatte. Denn früher war Lärm etwas ganz anderes gewesen. Amanda erinnerte sich an einen Tag am Schrottplatz. Es war laut gewesen. Nicht das fröhliche Lachen der Kinder, nicht die Stimmen von Mama und Papa, sondern dieses brutale, metallische Krachen, das
Sieben Tage waren vergangen. Sieben Tage, seit Amanda durch diese Tür gekommen war und noch nicht gewusst hatte, ob sie bleiben durfte. Sieben Tage voller neuer Gerüche, neuer Geräusche, neuer Gesichter und neuer Erfahrungen. Sieben Tage, in denen so viel geschehen war, dass Amanda manchmal selbst nicht mehr wusste, was eigentlich zuerst passiert war. Cabarete fühlte sich inzwischen weit weg an. Die Straße. Der Hunger. Der Regen. Die Angst. All das war noch irgendwo in ihr. Amanda wusste inzwischen, dass Erinnerungen nicht einfach verschwanden. Sie konnten still werden. Ganz still sogar. Aber manchmal reichte ein Geruch, ein Geräusch oder ein bestimmter Augenblick, und plötzlich waren sie wieder da. Doch hier gab es inzwischen auch andere Erinnerungen. Das weiche Kissen. Mamas Hand. Papas Stimme. Die Kinder. Sunny. Und vor allem diesen einen Satz: Amanda darf bleiben. Die Sprachnachricht von Alexi hatte zunächst noch einmal für Unruhe gesorgt. Alexi hatte nachgefragt,
Jetzt waren die Worte gefallen. Amanda durfte bleiben. Sie verstand nicht jedes Wort, das die Menschen sagten. Nicht die langen Gespräche, nicht die Erklärungen, nicht die Dinge, die zwischen den Menschen manchmal wichtiger zu sein schienen als das, was sie laut aussprachen. Aber diesen Satz hatte sie verstanden. Vielleicht nicht mit dem Kopf. Aber mit etwas anderem. Mit dem Teil in ihr, der so lange gewartet hatte. Papa war noch nicht wieder da. Irgendwo draußen war er unterwegs, während im Haus langsam wieder Ruhe einkehrte. Die Kinder erzählten sich noch aufgeregt, was passiert war, Mama lächelte immer wieder, und Amanda lag mitten in diesem ganzen Glück und wusste plötzlich etwas, das sie sich vor wenigen Tagen nicht einmal zu träumen gewagt hätte: Sie musste nicht mehr gehen. Es würde sich nichts mehr ändern. Zumindest fühlte es sich so an. Als Papa schließlich nach Hause kam, war es spät in der Nacht. Im Haus war längst alles dunkel. Die Kinder schliefen, Mama schlief
Der Tag wollte einfach nicht vergehen. Seit dem Morgen lag diese leise Unruhe über dem Haus. Amanda konnte sie nicht erklären, aber sie spürte sie. Mama war anders als sonst. Sie räumte die Küche auf, stellte Teller in den Schrank, wischte über die Arbeitsfläche und griff zwischendurch immer wieder nach ihrem Handy. Amanda beobachtete sie von ihrem Platz im Flur. Die Kinder dagegen schienen von der Unruhe überhaupt nichts zu merken. Sie tollten durch die Wohnung, spielten miteinander und kamen immer wieder zu Amanda gelaufen. Mal wurde sie gestreichelt, mal wurde ihr etwas erzählt, das sie natürlich nicht verstand. Aber Amanda verstand inzwischen etwas anderes. Sie verstand die Stimmen. Das Lachen. Die Freude. Und sie wusste, dass sie zu all dem inzwischen irgendwie dazugehörte. Durch die offene Tür fiel warmes Sonnenlicht in den kleinen Garten. Oben über dem Zaun liefen plötzlich zwei Katzen vorbei. Amanda hob den Kopf. Sunny hatte sie ebenfalls entdeckt. Sofort war sie a
Die Nacht war ruhig. Über der kleinen Stadt lag eine stille Dunkelheit, die sich wie eine weiche Decke über die Häuser gelegt hatte. Nur hin und wieder drang ein leises Geräusch von draußen herein. Ein Auto fuhr irgendwo durch die Straße, ein Vogel bewegte sich im Garten, und aus der Ferne war manchmal das kaum wahrnehmbare Leben der Stadt zu hören. Amanda lag zwischen all diesen neuen Gerüchen und Geräuschen und fühlte sich inzwischen erstaunlich sicher. Sie lag dicht bei Mama. Sunny hatte ihren gewohnten Platz zwischen Mama und Papa eingenommen und sich auf den Füßen der beiden lang ausgestreckt. Amanda hatte noch immer nicht ganz verstanden, wie ein Hund so viel Platz beanspruchen konnte. Aber Sunny schien der Meinung zu sein, dass genau das ihr gutes Recht war. Amanda lächelte innerlich. Vor wenigen Tagen hätte sie nicht geglaubt, dass eine Nacht so aussehen konnte. Kein Suchen nach einem geschützten Platz. Kein Aufschrecken bei jedem Geräusch. Kein Lauschen dara
Die Nacht war ruhig. So ruhig, dass Amanda irgendwann aufhörte, auf jedes einzelne Geräusch zu achten. Kein fremder Schritt vor der Tür. Kein Motor, der plötzlich vor dem Haus hielt. Kein Ruf, kein Streit, kein Geräusch, das sie aufspringen ließ. Nur das leise Atmen der Menschen. Das gelegentliche Schnarchen von Papa. Und das tiefe, gleichmäßige Atmen von Sunny, die noch immer lang ausgestreckt zwischen Mama und Papa auf deren Füßen lag. Amanda hatte ihren Platz oben am Kopfteil gefunden. Ganz nah bei Mama. Immer wieder war sie in der Nacht ein kleines Stück näher gerutscht, hatte mit ihrer Nase nach Mamas Geruch gesucht und sich dann beruhigt wieder zusammengerollt. Irgendwann war sie eingeschlafen, ohne darüber nachzudenken, ob sie beim ersten Sonnenstrahl wieder aufstehen und einen Fluchtweg suchen musste. Das war neu. Sehr neu. Als der Morgen kam, drang das erste Licht durch das Fenster. Amanda öffnete die Augen. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann r







