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KAPITEL 12: DER MORGEN DANACH

Autor: Whitefield
last update Data de publicação: 2026-09-16 23:31:50

ROWANS SICHT

Ich betrat die Küche und blieb wie angewurzelt stehen.

Lily saß am Tisch, trug eines von Jaces Shirts und sonst nichts. Ihre Haare waren zerzaust, ihre Lippen geschwollen, und sie scrollte durch ihr Handy, als würde ihr das Haus gehören. Ihr gegenüber saß das andere Mädchen von gestern Abend – Cassie oder wie auch immer sie hieß – und stocherte in einer Schüssel Müsli herum.

Und Jace stand am Herd.

Oben ohne.

Er machte Eier.

Natürlich tat er das.

Die Szene sah schmerzhaft normal aus, als wären sie eine kleine glückliche Familie, die gemeinsam frühstückte. Lily fühlte sich in seinen Klamotten sichtlich wohl, Cassie wirkte vollkommen entspannt, und Jace stand am Herd, als wäre überhaupt nichts Ungewöhnliches passiert.

Als wäre er nicht einfach weggegangen, nachdem er mich im peinlichsten Moment meines Lebens erwischt hatte.

Ich blieb einen Moment im Türrahmen stehen und überlegte, ob ich mich einfach umdrehen und wieder nach oben gehen konnte. Doch mein Magen knurrte laut, und Jace warf einen Blick über die Schulter.

Unsere Blicke trafen sich.

Für einen kurzen Moment bewegte sich keiner von uns. Etwas Unergründliches huschte über sein Gesicht, aber es verschwand so schnell, dass ich mich fragte, ob ich es mir nur eingebildet hatte.

Er sah als Erster weg.

„Morgen“, murmelte ich.

Niemand antwortete.

Nicht einmal Jace.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und ging zum Küchentresen. Der Toaster stand direkt neben dem Herd – direkt neben Jace –, aber ich hatte keine andere Wahl. Ich nahm eine Scheibe Brot, steckte sie in den Toaster und trat zurück, während ich den Blick auf den Boden gerichtet hielt.

Meine Finger fühlten sich trotz der Wärme vom Herd kalt an.

Ich hörte, wie Jace eine Pfanne bewegte. Der Geruch von Eiern und Butter erfüllte die Küche und ließ meinen Magen erneut knurren. Am Vortag hatte ich kaum etwas gegessen, aber ich wollte nicht nach Essen fragen oder auf mich aufmerksam machen.

Ich wollte einfach nur meinen Toast nehmen und verschwinden.

Hinter mir durchbrach Lilys Stimme die Stille.

„Apropos, Cassie, habe ich dir schon von diesem komischen Typen in meiner Klasse erzählt? Dem, der buchstäblich anfängt zu heulen, wenn er eine Zwei bekommt?“

Cassie kicherte. „Nein, echt jetzt?“

„Ich schwöre bei Gott. Er sitzt sogar in der ersten Reihe. Totaler Versager.“

Ich starrte auf den Toaster. Mein Brot brauchte ewig.

„Manche Leute kommen einfach nicht mit der Highschool klar“, sagte Cassie.

„Manche Leute kommen mit dem Leben nicht klar“, fügte Lily hinzu.

Beide lachten.

Ich presste die Lippen zusammen und hielt ihnen weiterhin den Rücken zu. Ich hatte Lily schon oft andere Leute beleidigen hören, also wusste ich, dass ich besser nicht reagieren sollte. Sobald ich ihr einen Grund gab, sich auf mich zu konzentrieren, würde sie ihn nutzen.

Trotzdem ließ ihr Lachen meine Schultern angespannt werden.

Ich warf einen Blick auf den Toaster. Das kleine rote Licht leuchtete noch immer.

Komm schon.

„Ist das nicht der Typ, der beim ersten Test durchgefallen ist?“, fragte Cassie.

„Ja. Er sah aus, als würde er gleich anfangen zu weinen, als der Professor die Arbeiten zurückgab.“

„Wie peinlich.“

„Genau. Manche Leute sollten einfach akzeptieren, dass sie nicht besonders schlau sind.“

Ich biss die Zähne zusammen.

Ich wollte mich umdrehen und ihnen sagen, sie sollten sich um ihren eigenen Kram kümmern. Ich wollte fragen, warum es ihnen so viel Spaß machte, andere Menschen fertigzumachen.

Aber ich wusste, wie das enden würde.

Sie würden lachen.

Jace würde wahrscheinlich mitmachen.

Und am Ende würde ich mich noch schlechter fühlen.

Der Toast sprang hoch, und ich zuckte bei dem Geräusch zusammen.

Lily kicherte. „Nervös, Freak?“

Ich antwortete nicht. Ich nahm einfach meinen Toast und wollte gehen.

Ich hatte kaum einen Schritt gemacht, als Lilys Bein plötzlich nach vorne schnellte.

Mein Fuß blieb an ihrem Knöchel hängen und ich stolperte nach vorne, die Arme wild in der Luft. Der Toast rutschte in meiner Hand, und ich versuchte, mein Gleichgewicht wiederzufinden, doch mein Fuß rutschte über die Fliesen.

Ich machte mich auf den Aufprall auf dem Boden gefasst – doch stattdessen prallte ich gegen etwas Festes.

Jace.

Seine Hände packten meine Arme und hielten mich fest, bevor ich fallen konnte. Für einen kurzen Moment lag ich an seiner nackten Brust, während sein Griff fest auf meiner Haut lag.

Sein Körper war warm.

Ich spürte die schnellen Bewegungen seiner Atmung, und der vertraute Geruch seiner Seife stieg mir in die Nase.

Mein Herz blieb stehen.

Für diesen einen Moment vergaß ich, wo ich war.

Ich vergaß Lily und Cassie.

Ich vergaß die Demütigung, die Distanz und alles, was zwischen uns passiert war.

Jace hielt mich.

Dann stieß er mich zurück.

„Was zum Teufel stimmt nicht mit dir?“, fuhr er mich an.

Ich taumelte und fing mich am Küchentresen ab.

Ich blinzelte zu ihm hoch. „Ich – sie hat mir ein Bein gestellt …“

„Klar.“ Seine Stimme war kalt. „Weil immer jemand anderes schuld ist.“

Ich starrte ihn an und konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte.

„Das ist nicht—“

„Du solltest besser aufpassen.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf mich hinunter. „Wenn du meine Aufmerksamkeit wolltest, gäbe es weniger erbärmliche Wege, sie zu bekommen.“

Mein Gesicht brannte.

Die Worte trafen mich härter, als sie es eigentlich sollten, wahrscheinlich weil ein Teil von mir gehofft hatte, dass er mich verteidigen würde.

Nur ein bisschen.

Er hatte mich aufgefangen, bevor ich gefallen war, und für einen kurzen Moment hatte ich törichterweise gedacht, das würde etwas bedeuten.

„Ich wollte nicht—“

„Dann schau, wohin du gehst.“ Er trat zurück und schuf Abstand zwischen uns.

Hinter mir lachte Lily laut und spöttisch. Cassie stimmte ein, und ihr Kichern hallte durch die Küche.

Ich sah Lily an.

Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und trug ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Ihr Fuß war noch immer leicht in Richtung der Stelle ausgestreckt, an der sie mir das Bein gestellt hatte.

Sie hatte nicht einmal versucht, zu verbergen, was sie getan hatte.

Ich drehte mich wieder zu Jace um und hoffte, dass er es bemerkt hatte.

Das hatte er.

Seine Augen wanderten kurz zu Lilys Bein, bevor sie wieder zu mir zurückkehrten.

Aber er sagte nichts.

Dieses Schweigen tat mehr weh als die Beleidigung.

Ich hob meinen Toast auf und blieb wie erstarrt stehen. Die Ränder des Brotes hatten sich zwischen meinen Fingern zerknittert, aber ich bemerkte es kaum.

„Geh“, sagte Jace. „Du bist hier nicht erwünscht.“

Meine Kehle zog sich zusammen.

Ich öffnete den Mund.

Schloss ihn wieder.

Es gab so viele Dinge, die ich sagen wollte. Ich wollte ihn fragen, warum er mich so sehr hasste. Warum er mich immer ansah, als wäre ich widerlich. Warum er dafür sorgen musste, dass ich mich jedes Mal klein fühlte, wenn wir im selben Raum waren.

Aber ich bekam kein einziges Wort heraus.

Also drehte ich mich um und ging.

Ich schaffte es bis zur Treppe, bevor meine Augen zu brennen begannen. Ich stieg schnell nach oben und hielt erst an, als ich mein Zimmer erreichte. Meine Schritte wurden schneller, als ich Lily wieder von unten lachen hörte.

Ich schloss die Tür und lehnte mich dagegen, während meine Brust heftig auf und ab ging.

Einen Moment lang stand ich einfach nur da und versuchte, mich zusammenzureißen.

Er hatte mich aufgefangen.

Und dann hatte er mich weggestoßen.

Ich presste eine Hand auf meinen Mund und versuchte zu atmen. Meine Brust fühlte sich eng an, und meine Augen brannten von Tränen, die ich nicht zulassen wollte.

Warum kümmerte es mich immer noch?

Warum reichte ein einziger kleiner Moment der Freundlichkeit von Jace aus, damit ich all die grausamen Dinge vergaß, die er jemals getan hatte?

Ich wischte mir übers Gesicht und sah auf den zerdrückten Toast in meiner Hand.

Ein bitteres Lachen entwich mir.

Ich war nach unten gegangen, weil ich Hunger hatte.

Jetzt konnte ich mir nicht einmal vorstellen, etwas zu essen.

Mein Handy vibrierte in meiner Hosentasche.

Ich zog es heraus.

Marcus.

Alles okay? Habe seit gestern Abend nichts mehr von dir gehört.

Ich starrte auf die Nachricht.

Marcus hatte wahrscheinlich schon seit dem Morgen auf meine Antwort gewartet. Er war der einzige Mensch, der wusste, wie schlimm die Situation geworden war, und allein der Gedanke daran, mit ihm zu reden, ließ meine Brust schmerzen.

Ich tippte:

Mir geht's gut.

Dann löschte ich es.

Ich tippte:

Nicht wirklich.

Auch das löschte ich.

Was sollte ich ihm sagen?

Dass Jace mich schon wieder gedemütigt hatte?

Dass ich dort gestanden und auf ein bisschen Freundlichkeit von jemandem gehofft hatte, der mich nicht einmal ansehen konnte, ohne mir das Gefühl zu geben, unerwünscht zu sein?

Ich sperrte mein Handy und steckte es zurück in die Tasche.

Ich wollte nicht mehr hier sein.

Das Zimmer fühlte sich plötzlich zu klein an. Das Haus fühlte sich zu voll an. Jede Wand schien eine Erinnerung an Jace zu tragen, und ich ertrug den Gedanken nicht, noch eine weitere Minute unter demselben Dach eingesperrt zu sein.

Ich griff nach meiner Jacke und ging wieder hinaus.

Ich machte mir nicht einmal die Mühe, mich umzuziehen oder mein Aussehen zu überprüfen.

Ich brauchte einfach Luft.

Irgendwo, wo es ruhig war.

Irgendwo, wo Jaces Stimme mich nicht erreichen konnte.

Auf halber Höhe der Treppe hielt Lilys Stimme mich auf.

„Wo willst du hin, Freak?“

Ich blieb stehen.

Dann drehte ich mich um.

Alle drei sahen mich an.

Jace lehnte am Küchentresen, die Arme verschränkt. Lily und Cassie saßen noch immer am Tisch und grinsten.

Die Küche fühlte sich plötzlich kälter an als zuvor.

Ich sah Jace an.

Er sagte nichts.

Er beobachtete mich einfach mit diesen kalten, leeren Augen.

Für eine Sekunde fragte ich mich, ob er Lily aufhalten würde.

Vielleicht würde er ihr sagen, sie solle mich in Ruhe lassen.

Vielleicht würde er etwas sagen, das bewies, dass er nicht völlig herzlos war.

Das tat er nicht.

Der vertraute Schmerz breitete sich in meiner Brust aus.

Ich umklammerte den Riemen meiner Tasche fester.

„Geht dich nichts an“, sagte ich.

Lilys Lächeln verschwand ein wenig, als hätte sie nicht damit gerechnet, dass ich antworten würde.

Jaces Gesicht blieb ausdruckslos.

Ich wartete nicht darauf, dass einer von ihnen noch etwas sagte.

Ich drehte mich zur Tür und ging hinaus.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloss.

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