Se connecterROWANS SICHT
Jaces Worte hingen wie eine Drohung in der Luft.
„Wie auch immer“, murmelte er. „Der Freak ist es sowieso nicht wert.“
Er drehte sich um und verschwand in der Menge. Tyler und Cole folgten ihm wortlos.
Ich sah ihnen nach, obwohl ich sie kaum deutlich erkennen konnte. Mein Kopf drehte sich immer noch, und jede Bewegung ließ den Schmerz in meinem Kiefer schlimmer werden. Ich wollte mich aufsetzen, aber mein Körper fühlte sich schwach an, als hätte der Schlag mir jede Kraft geraubt.
Marcus blieb neben mir, eine Hand noch immer auf meiner Schulter.
„Beweg dich nicht zu schnell“, sagte er. „Ganz ruhig.“
Ich nickte und bereute es sofort. Ein stechender Schmerz schoss durch meinen Kopf, und ich schloss die Augen.
„Scheiße. Tut dein Kopf auch weh?“
„Ein bisschen.“
„Ein bisschen?“ Marcus starrte mich an. „Rowan, du wurdest gerade ins Gesicht geschlagen und bist so hart auf dem Boden aufgeschlagen, dass man es gehört hat. Natürlich tut dein Kopf weh.“
Ich wollte ihm sagen, dass ich das wusste. Stattdessen konzentrierte ich mich darauf, langsam zu atmen. Der Inhalator hatte geholfen, aber meine Brust fühlte sich immer noch eng an, und ich hatte Angst, dass eine weitere Panikattacke einsetzen würde, wenn ich zu viel sprach.
Jace sah Derek nach, bis dieser in der Menge verschwunden war. Dann drehte er sich um.
Und sah mich an.
Sein Gesichtsausdruck war nicht zu deuten. Kalt. Als hätte er gerade nicht jemanden für mich bedroht. Als wäre er nicht eingeschritten, als niemand sonst es getan hatte.
Für einen Moment sagte keiner von uns etwas.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ihm danken? Fragen, warum er sich plötzlich um mich kümmerte? So tun, als hätte ich nicht wochenlang davon geträumt, dass er mich einmal so ansehen würde wie jetzt?
Ich fand keine Worte.
Marcus beobachtete mich aufmerksam. „Besser?“
Ich nickte.
„Kannst du jetzt wieder richtig atmen?“
„Ein bisschen besser.“
Er atmete erleichtert aus, und seine Schultern sanken leicht. „Gott sei Dank.“
Jace sah auf mich hinunter, mit diesen kalten, leeren Augen, als hätte er sich nicht gerade wegen mir mit jemandem angelegt.
„Kannst du laufen?“
„Ich denke schon.“
Er griff nach meinem Arm. Sein Griff war fest – fast zu fest – und er zog mich mit einer einzigen Bewegung auf die Beine.
Der Raum kippte erneut.
Ich taumelte, und Marcus war sofort da. Er fing mich an meiner anderen Seite auf, bevor ich fallen konnte.
„Langsam“, sagte Marcus und warf Jace einen wütenden Blick zu. „Er wurde gerade geschlagen. Du musst nicht so an ihm herumreißen.“
Jace antwortete nicht.
Ich versuchte, mich aufzurichten, aber meine Knie fühlten sich instabil an. Marcus hielt seinen Arm um mich, während ich darauf wartete, dass der Schwindel nachließ.
„Bist du sicher, dass du stehen kannst?“, fragte er.
„Ja. Gib mir nur eine Sekunde.“
Jace sah zur Tür. Sein Kiefer war angespannt, und seine Hände hatten sich wieder zu Fäusten geballt. Ich konnte nicht sagen, ob er immer noch wütend auf Derek war oder einfach nur ungeduldig wurde und gehen wollte.
Vielleicht bereute er es, sich eingemischt zu haben.
Der Gedanke ließ meinen Magen verkrampfen.
Er ließ meinen Arm los und ging zur Tür.
„Komm“, sagte er, ohne sich umzusehen.
Marcus sah mich an. „Alles okay?“
Ich nickte. Dann verzog ich das Gesicht. Mein Kiefer pochte, und mein Kopf fühlte sich an, als wäre er aufgesprungen.
„Mir geht's gut“, brachte ich hervor. „Lass uns einfach gehen.“
„Dir geht's nicht gut, aber darum kümmern wir uns, sobald wir hier draußen sind.“
Er legte seinen Arm wieder um meine Schultern und half mir bei den ersten Schritten. Ich lehnte mich mehr an ihn, als ich zugeben wollte. Meine Beine zitterten noch immer, und ich vertraute mir nicht zu, allein durch den überfüllten Raum zu laufen.
Wir folgten Jace durch die Menge.
Die Leute machten für ihn Platz, als wäre er Moses und sie das Rote Meer. Niemand sah mich an. Niemand flüsterte. Sie beobachteten einfach ihn und damit auch uns.
Einige wichen schnell zur Seite, als sie seinen Gesichtsausdruck bemerkten. Andere starrten auf mein Gesicht, bevor sie den Blick wieder abwandten. Ich bemerkte, wie jemand sein Handy langsam senkte, und mein Magen zog sich zusammen.
Hatten sie alles aufgenommen?
Bei dem Gedanken wollte ich am liebsten verschwinden.
Marcus bemerkte, wie ich die Menge ansah. „Mach dir keine Gedanken um die“, murmelte er. „Geh einfach weiter.“
„Haben sie es aufgenommen?“
„Ich weiß es nicht.“
Ich schluckte und bereute es sofort, als mein Kiefer schmerzte. „Alle haben es gesehen.“
„Sollen sie doch sehen. Du hast nichts falsch gemacht.“
Ich wollte ihm glauben, aber die Demütigung hatte sich bereits in mir festgesetzt. Derek hatte mich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gemacht, und jetzt würde jeder eine Geschichte zu erzählen haben. Sie würden sich daran erinnern, wie ich gefallen war. Wie ich keine Luft bekommen hatte. Wie ich jemanden gebraucht hatte, der mir auf die Beine half.
Ich senkte den Blick und ging weiter.
Jace erreichte als Erster die Haustür und stieß sie auf. Er wartete nicht auf uns, hielt sie aber lange genug offen, damit Marcus mich hindurchführen konnte.
Die kalte Nachtluft traf mein Gesicht, sobald wir nach draußen traten.
Ich sog tief die Luft ein, und zum ersten Mal seit dem Schlag fühlte es sich an, als könnte ich tatsächlich wieder atmen. Die Luft war kühl auf meiner Haut, und der Lärm der Party wurde weniger erdrückend, als sich die Tür hinter uns schloss.
Marcus hielt seinen Arm weiterhin um meine Schultern und gab mir Halt.
„Bist du sicher, dass es dir gut geht?“
„Ja.“ Ich berührte meinen Kiefer und verzog erneut das Gesicht. „Tut nur weh.“
„Du solltest ihn kühlen.“
„Mach ich.“
„Und wir müssen deinen Kopf untersuchen. Du bist ziemlich hart auf dem Boden aufgeschlagen.“
„Ich gehe nicht ins Krankenhaus.“
Marcus sah mich an. „Ich habe nichts von einem Krankenhaus gesagt. Ich habe gesagt, dass wir deinen Kopf untersuchen müssen.“
Ich wusste, dass er sich Sorgen machte. Ich machte mir ebenfalls Sorgen, auch wenn ich es nicht zugeben wollte. Mein Kopf tat immer noch weh, und der Schwindel war noch nicht vollständig verschwunden. Aber ich wollte im Moment nicht darüber nachdenken.
Ich wollte einfach nur weg von diesem Haus.
Wir standen einen Moment auf dem Vorgarten und beobachteten die Leute, die nach und nach aus dem Haus kamen oder hineingingen. Aus dem Inneren drang noch immer Musik. Gelächter hallte durch die Nacht.
Als wäre nichts passiert.
Als wäre ich nicht gerade vor hundert Menschen gedemütigt worden.
Ich sah zurück zum Haus.
Derek konnte noch drinnen sein. Tyler und Cole ebenfalls. Der Gedanke ließ meinen Magen wieder umdrehen.
„Lass uns gehen“, flüsterte ich.
Marcus nickte. „Ja. Bringen wir dich nach Hause.“
Jace ging bereits zu seinem Auto.
Er hatte die Fahrerseite erreicht, als ich nach ihm rief.
„Jace—“
Er drehte sich nicht um. „Geh nach Hause, Rowan.“
Ich blieb stehen.
Für eine Sekunde dachte ich, ich hätte ihn falsch verstanden. Er hatte mir aufgeholfen, uns hinausgeführt, und jetzt sagte er uns, wir sollten nach Hause gehen, als wären wir Fremde, die zufällig dieselbe Party verlassen hatten.
„Wir haben keine Mitfahrgelegenheit“, meldete sich Marcus zu Wort. „Und es ist zu spät, um noch einen Uber zu bekommen.“
Jace blieb stehen. Seine Schultern spannten sich an.
„Oh, verdammt noch mal.“
Marcus' Gesicht verhärtete sich. „Wir wussten nicht, dass es so enden würde.“
„Wir hatten nicht vor, angegriffen zu werden“, fügte ich leise hinzu.
Jace drehte den Kopf leicht, sah mich aber noch immer nicht an.
„Das habe ich auch nicht gesagt.“
„Was ist dann das Problem?“, fragte Marcus.
„Nichts.“
„Klingt nicht nach nichts.“
Ich berührte Marcus' Arm. „Es ist okay.“
Er sah mich an. „Nein, ist es nicht.“
Ich verstand, warum er wütend war. Jace tat so, als wäre es eine Zumutung, uns zu helfen, und nach allem, was passiert war, wollte ich nicht, dass Marcus ihn um eine Mitfahrgelegenheit anbetteln musste.
„Wir werden schon etwas finden“, sagte ich.
Aber noch während ich es sagte, wusste ich, dass wir das nicht konnten. Es war spät, ich war verletzt, und ich wusste nicht, ob ich weit laufen konnte, ohne wieder schwindelig zu werden.
Jace stand lange schweigend da. Ich konnte die Anspannung in seinem Rücken sehen, die Art, wie sich seine Hände an seinen Seiten ballten. Er überlegte etwas.
Schließlich drehte er sich um. Sein Gesichtsausdruck war noch immer kalt, noch immer nicht zu deuten.
„Na gut. Steigt ein.“
JACES SICHTIch fing mein Spiegelbild im Rückspiegel auf und erkannte mich selbst fast nicht wieder.Mein Kiefer war angespannt. Mein Blick war hart. Meine Fingerknöchel waren weiß, so fest umklammerte ich das Lenkrad. Ich sah aus, als wäre ich kurz davor, jemanden zu schlagen.Ich zwang mich zu atmen.Was auf der Party passiert war, lag jetzt hinter mir und wurde mit jedem Kilometer kleiner. Aber das Bild von Rowan auf dem Boden – keuchend, nach Luft ringend, hilflos – hatte sich in mein Gehirn eingebrannt.Was zum Teufel war das gewesen?Ich war dazwischengegangen. Ich hatte Derek bedroht, als würde mir Rowan tatsächlich etwas bedeuten.Warum?Es war Instinkt gewesen. Jeder hätte das getan. Jeder mit einem Funken Anstand hätte eingegriffen, wenn er gesehen hätte, wie jemand verletzt wurde.Aber diese Erklärung fühlte sich hohl an.Ich wechselte die Spur und sah sofort wieder in den Rückspiegel. Meine Hände umklammerten das Lenkrad immer noch viel zu fest. Ich lockerte den Griff, doc
ROWANS SICHTIm Auto herrschte Schweigen.Jace fuhr mit den Augen fest auf die Straße gerichtet. Beide Hände lagen am Lenkrad. Seit wir eingestiegen waren, hatte er kein Wort gesagt.Ich saß auf dem Beifahrersitz, mein Kiefer pochte mit jedem Herzschlag. Ich konnte förmlich spüren, wie sich der Bluterguss bildete – eine schöne violette Erinnerung daran, wie mein Gesicht Dereks Faust begegnet war. Jede Unebenheit auf der Straße ließ den Schmerz in meinem Kopf erneut aufflammen, und ich hielt eine Hand an meine Wange, wobei ich darauf achtete, die schmerzhafteste Stelle nicht zu berühren.Marcus saß hinten. Alle paar Sekunden spürte ich seinen Blick auf mir, als würde er überprüfen, ob ich noch atmete.Niemand sprach.Die Straßenlaternen zogen eine nach der anderen an uns vorbei und tauchten das Auto für kurze Momente in orangefarbenes Licht, bevor wir wieder in die Dunkelheit eintauchten. Das Radio war ausgeschaltet. Die Klimaanlage summte leise.Es war erdrückend.Ich versuchte, mich
ROWANS SICHTJaces Worte hingen wie eine Drohung in der Luft.„Wie auch immer“, murmelte er. „Der Freak ist es sowieso nicht wert.“Er drehte sich um und verschwand in der Menge. Tyler und Cole folgten ihm wortlos.Ich sah ihnen nach, obwohl ich sie kaum deutlich erkennen konnte. Mein Kopf drehte sich immer noch, und jede Bewegung ließ den Schmerz in meinem Kiefer schlimmer werden. Ich wollte mich aufsetzen, aber mein Körper fühlte sich schwach an, als hätte der Schlag mir jede Kraft geraubt.Marcus blieb neben mir, eine Hand noch immer auf meiner Schulter.„Beweg dich nicht zu schnell“, sagte er. „Ganz ruhig.“Ich nickte und bereute es sofort. Ein stechender Schmerz schoss durch meinen Kopf, und ich schloss die Augen.„Scheiße. Tut dein Kopf auch weh?“„Ein bisschen.“„Ein bisschen?“ Marcus starrte mich an. „Rowan, du wurdest gerade ins Gesicht geschlagen und bist so hart auf dem Boden aufgeschlagen, dass man es gehört hat. Natürlich tut dein Kopf weh.“Ich wollte ihm sagen, dass ich
ROWANS SICHTDer Aufprall schleuderte mich zu Boden.Mein Kopf schlug hart auf dem Boden auf, und die Welt kippte zur Seite. Schmerz explodierte in meinem Schädel, scharf und blendend. Für einen Moment wusste ich nicht, wo oben und unten war.Ich hörte wieder jemanden schreien, gefolgt vom Klirren zerbrechenden Glases in meiner Nähe. Die Musik dröhnte weiter, völlig unbeeindruckt von dem Chaos um sie herum.Ich versuchte, den Kopf zu heben, aber die Bewegung jagte eine weitere Schmerzwelle durch meinen Schädel. Mein Kiefer pochte dort, wo Derek mich getroffen hatte, und etwas Warmes breitete sich über meine Unterlippe aus.Stimmen verschwammen um mich herum. Laut. Verzerrt. Als wäre ich unter Wasser.„Rowan!“Marcus. Seine Stimme schnitt panisch durch den Lärm.Ich versuchte zu antworten, aber meine Brust war viel zu eng. Ich konnte nicht atmen. Nicht sprechen. Nichts tun, außer dort zu liegen und wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu schnappen.Die Luft wollte einfach nicht ri
ROWANS SICHTDereks Arm schloss sich wie ein Schraubstock um meine Schultern.Seine Finger gruben sich in meine Haut, und ich kämpfte darum, mein Gesicht ruhig zu halten. Die Musik dröhnte noch immer um uns herum, aber die Leute in unserer Nähe hatten angefangen, aufmerksam zu werden. Gespräche verstummten, während sich immer mehr Köpfe in unsere Richtung drehten.„Alle herhören!“, rief er laut. Seine Stimme schnitt durch die Musik. „Das hier ist Rowan. Wir waren zusammen auf der Schule.“Ein paar Köpfe drehten sich um. Dann noch mehr. Die Menge begann sich zu sammeln, angelockt von dem Tumult.Mein Magen verkrampfte sich.Ich erkannte einige der Gesichter, die mich beobachteten. Ein paar kannte ich aus der Schule, während die anderen Fremde waren, die offenbar Spaß an der plötzlichen Szene hatten. Jemand in der Nähe der Treppe hob sein Handy.Derek bemerkte die Aufmerksamkeit und grinste noch breiter.„Er war unser Lieblings-Boxsack“, fuhr er grinsend fort. „Aber ich bin mir sicher,
JACES SICHT„—und dann fing sie einfach an zu schreien. Mitten im Restaurant. Alle haben sie angestarrt.“Ich lachte und lehnte den Kopf gegen die Couch. Lily lag auf meinem Schoß, ihre Finger spielten mit dem Kragen meines Shirts, während ihre Lippen dieses zufriedene Lächeln umspielten, das sie immer trug, wenn sie meine Aufmerksamkeit hatte.„Hat sie nicht“, sagte ich.„Hat sie doch.“ Lily grinste. „Ich war noch nie in meinem Leben so peinlich berührt.“„Was hast du überhaupt gemacht?“„Ich habe ihr gesagt, sie soll sich beruhigen.“Ich hob eine Augenbraue. „Du hast einer schreienden Frau gesagt, sie soll sich beruhigen?“„Ich wollte ihr doch nur helfen.“„Wahrscheinlich hat sie deshalb noch lauter geschrien.“Lily schlug mir lachend auf die Brust. „Du bist so nervig.“„Aber du magst mich.“„Leider.“Sie lehnte sich wieder an mich und legte den Kopf in die Nähe meiner Schulter. Um uns herum pulsierte die Party. Auf den Sofas in der Nähe lagen Pärchen eng aneinander, küssten sich un







