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KAPITEL 4: DIE RÜCKKEHR

Penulis: Adelina Beston
last update Tanggal publikasi: 2026-07-24 18:03:14

GABRIEL

Ich küsse sie. Zuerst liegt ihre Hand noch passiv auf meiner Schulter, dann wandern ihre Finger in mein Haar, und sie erwidert den Kuss mit derselben rücksichtslosen Direktheit wie immer. Um uns herum verstummen die Gespräche an den Nebentischen. Anaïs ist das völlig egal. Als sie sich schließlich von mir löst, schmecken ihre Lippen noch immer nach meinem Whisky.

Das ist es, was die Welt sieht: Eine Frau, die sich mir aus freien Stücken nähert, die meinen Platz besetzt, aus meinem Glas trinkt und genau weiß, dass ich fünfhundert geladene Gäste warten lasse, nur weil sie sich nicht für ein Kleid entscheiden konnte.

Niemand ahnt, dass ein einziger Name genügt, um mein Vertrauen in all diese sieben Jahre ins Wanken zu bringen.

Meine Rede dauert keine drei Minuten. Ich danke den Geschäftspartnern, überlasse es Romain, den Gästen eine unvergessliche Nacht zu versprechen, und bin schon vor dem ersten Applaus zurück bei Anaïs. Sie unterhält sich mit Maxime, der ihr gerade erklärt, warum der heutige Star-Gast ohne kalifornische Mandelmilch nicht auf die Bühne steigen will.

Eine Hand legt sich auf meinen Arm.

Victoire Beaumont steht hinter mir. Sie ist die ältere Schwester von Anaïs und führt den Familienkonzern, seit Armand sich zurückgezogen hat. Sie begegnet mir stets mit einer kalkulierten Höflichkeit, hinter der ihr tiefes Misstrauen nie ganz verschwindet. Sie liebt Anaïs, aber sie hat mir nie vergeben, dass ich es war, der sie aufgesammelt hat, als die Beaumonts sie verstoßen haben.

»Ich muss dich sprechen«, sagt sie.

Ihr Blick genügt, um zu wissen, welches Thema sie umtreibt.

Ich begleite sie in den verglasten Flur mit Blick auf den Hafen. Durch das Glas behalte ich Anaïs keine Sekunde aus den Augen.

»Adrien ist zurück«, verkündet Victoire.

»Seit neun Tagen.«

Sie hält inne. »Natürlich wusstest du das.«

»Warum erzählst du es mir dann?«

»Er war heute Nachmittag hier. Romain hat ihm den Zutritt zum VIP-Bereich verwehrt, also hat er mich angerufen.«

»Was wollte er?«

Victoire wirft einen Blick auf ihre Schwester, bevor sie antwortet. »Wissen, ob sie glücklich ist.«

Diese Frage trifft mich präziser als jede offene Provokation. Adrien fragt nicht, ob es Anaïs gut geht oder ob sie in Sicherheit ist. Er fragt, ob sie glücklich ist – als hätte er dieses Glück damals nur kurz geparkt und wäre jetzt zurückgekehrt, um den Zustand der Ware zu überprüfen.

»Und was hast du ihm gesagt?«

»Dass es nicht an mir ist, für sie zu sprechen.«

»Du hättest ihm sagen können, dass sie bei mir lebt.«

»Das weiß er.«

»Dann war seine Frage überflüssig.«

Victoire verschränkt die Arme. »Glaubst du wirklich, dass ein gemeinsames Dach auf alles eine Antwort ist?«

Ich halte ihrem Blick stand. Sie weicht keinen Millimeter zurück – eine Sturheit, die Anaïs ebenfalls besitzt, nur mit weitaus mehr Eleganz.

»Wenn er mit ihr reden will, muss er an mir vorbei.«

»Anaïs ist keine Tochtergesellschaft deines Konzerns, Gabriel.«

»Das habe ich nie behauptet.«

»Du führst dich aber auf, als würde dir jeder Weg gehören, der zu ihr führt.«

»Nur die Wege, auf denen Männer unterwegs sind, die ihr schon einmal das Herz gebrochen haben.«

Victoire schweigt. Sie kennt Teile dessen, was vor elf Jahren passiert ist, aber sie behütet noch immer Geheimnisse, die nicht die ihren sind.

»Treib sie nicht zu weit, Gabriel. Sie kommt zu dir, weil sie sich bei dir frei fühlt. Wenn du sie unter Druck zu einer Entscheidung zwingst, gefällt dir das Ergebnis am Ende vielleicht nicht.«

Sie dreht sich um und geht zurück in den Saal.

Ich bleibe noch ein paar Sekunden an der Scheibe stehen. Unten lacht Anaïs über etwas, das Romain gesagt hat. Ich kenne ihr Lachen, den geschwungenen Nacken, die Art, wie sie meine Nähe sucht, sobald ein Fremder ihr zu nahe kommt. Das alles ist echt.

Ob es Liebe ist, weiß ich bis heute nicht.

Als ich zu ihr zurückkehre, sieht Anaïs mir sofort an, dass etwas passiert ist.

»Was wollte Victoire?«

»Wir gehen.«

»Die Feier hat doch gerade erst angefangen.«

»Romain übersteht das auch ohne uns.«

Ich nehme ihren Mantel und lege ihn ihr um die Schultern. Sie folgt mir zum Fahrstuhl, genervt, aber stumm. Die Aufzugstüren schließen sich und sperren den Lärm und die Bässe aus.

Endlich allein. Ich drehe mich zu ihr um.

»Adrien ist in Marseille.«

Ihr Gesicht erstarrt. Nichts Dramatisches: Ihre Lippen teilen sich kurz, dann holt sie tief Luft. Und doch sehe ich genau, wie die Nachricht wie ein Stromstoß durch ihren gesamten Körper fährt.

»Seit wann?«, fragt sie leise.

»Seit neun Tagen. Er war heute Nachmittag hier und hat Victoire gefragt, ob du glücklich bist.«

Ihr Blick wandert zu den leuchtenden Zahlen über der Tür, die nach unten zählen.

Ich trete einen Schritt näher an sie heran.

»Wusstest du, dass er zurück ist?«

Anaïs hebt endlich den Blick.

Der Fahrstuhl erreicht das Erdgeschoss, doch als sich die Türen öffnen, rührt sich keiner von uns vom Fleck.

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