LOGINSie glaubt, sie kann ihm widerstehen. Er weiß, dass sie es nicht kann. Henry Moore ist ein Mann, der immer bekommt, was er will, doch Andrea Collins ist die eine Frau, die es wagt, sich ihm zu widersetzen. Jeder Blick, jedes Wort, jede Berührung entfacht einen Krieg zwischen Kontrolle und Verlangen… und keiner von beiden wird sich ergeben. Andreas Herz ist noch immer gebrochen von einem Verrat, der sie an ihrem vierundzwanzigsten Geburtstag durch ihre erste große Liebe zerstört hat. Sie ist entschlossen, ihr Leben nach ihren eigenen Regeln neu aufzubauen; keine Ablenkungen, keine Komplikationen, keine Männer. Doch Henry lässt nicht locker. Je mehr sie ihn wegstößt, desto mehr zieht er sie zu sich. Und während die Chemie zwischen ihnen unmöglich zu ignorieren wird, steht Andrea vor der ultimativen Entscheidung: weiter vor der Liebe fliehen, oder alles riskieren für den einen Mann, der sich weigert, sie loszulassen.
View MoreAndreas Hände zitterten, als sie vor Calebs Wohnungstür stand. Noch immer suchte ihr Kopf verzweifelt nach einer Erklärung dafür, warum er ihr an ihrem Geburtstag weder geschrieben noch angerufen hatte.
Vielleicht war sein Handy leer. Vielleicht war etwas passiert. Vielleicht gab es einen guten Grund dafür, dass er sie an ihrem Geburtstag allein bei Giovanni's hatte sitzen lassen, während sie auf eine Kerze gestarrt hatte, die längst heruntergebrannt war und die Kellner ihr mitleidige Blicke zuwarfen. Doch in dem Moment, in dem sie die Wohnung betrat, begann jede einzelne Ausrede in sich zusammenzufallen. Das Licht brannte. Von oben drang leise Musik herab. Und dann hörte sie es. Ein leises Stöhnen. Andrea blieb abrupt stehen. Ihre Handtasche rutschte von ihrer Schulter und fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Ihr Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass es wehtat. „Nein. Nein, das kann nicht sein.“ Vielleicht lief der Fernseher. Vielleicht bildete sie sich das nur ein. Doch dann hallte das Lachen einer Frau durch den Flur. Tief, leise und voller Spott. „Ist deine Freundin wirklich so schlecht?“ Andreas ganzer Körper versteifte sich. Sie konnte nicht atmen. Einen Moment lang stand sie wie angewurzelt am Fuß der Treppe. Ihre Finger schlossen sich so fest um das Geländer, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Dann lachte Caleb. Er lachte tatsächlich. „Nein“, sagte er völlig gelassen. Etwas Kaltes breitete sich in Andreas Brust aus. „Sie ist einfach langweilig.“ Ihr blieb die Luft weg. Die Frau kicherte. „Warum bist du dann überhaupt noch mit ihr zusammen?“ Andrea zwang sich, weiterzugehen. Ein zittriger Schritt nach dem anderen. Ihre Beine fühlten sich taub an, während sie die Treppe hinaufstieg. Sie sollte nicht weiter zuhören. Sie sollte umdrehen, die Wohnung verlassen und so tun, als hätte sie nichts gehört. Aber sie konnte nicht. Caleb lachte leise. Er klang vollkommen entspannt und hatte keine Ahnung, dass die Frau, über die er gerade sprach, nur wenige Schritte von ihm entfernt vor der Schlafzimmertür stand. „Ehrlich gesagt?“, sagte er. „Ich habe nur auf heute Abend gewartet.“ Die Frau stieß einen überraschten, amüsierten Laut aus. „Auf ihr Geburtstagsessen?“ Andrea blieb vor der Schlafzimmertür stehen. Ihre Finger krallten sich gegen die Wand. „Ja“, antwortete Caleb, und in seiner Stimme lag beinahe Stolz. „Ich hatte alles schon geplant, bevor du überhaupt aufgetaucht bist.“ „Was meinst du damit?“ „Ich wollte im Restaurant mit ihr Schluss machen.“ Die Frau brach in Gelächter aus. Andreas Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Sie presste beide Hände vor den Mund, um ihr Keuchen und Schluchzen zu unterdrücken. Für einen Moment glaubte sie, sich übergeben zu müssen. „Was?“ Caleb lachte ebenfalls. „Ich habe einen Tisch reserviert, ein paar Leute eingeladen, eine Rede vorbereitet und alles. Ich dachte, wenn ich es öffentlich mache, würde sie keine ihrer emotionalen Szenen veranstalten.“ „Oh mein Gott“, sagte die Frau zwischen ihrem Lachen. „Das ist ja grausam.“ Caleb zuckte mit den Schultern. „Komm schon. Sie ist viel zu anhänglich. So wäre es wenigstens an einem Abend vorbei.“ Die Frau lachte noch lauter. Andrea spürte, wie sich ihre Kehle zuschnürte. Ihre Brust brannte so sehr, dass selbst das Atmen schmerzte. Dann sprach die Frau wieder. Ihre Stimme triefte vor grausamer Belustigung. „Warte. Ist das dieselbe Andrea? Die, die dir diese Uhr gekauft hat?“ „Ja, genau die.“ Die Frau lachte ungläubig. „Wow. Sie ist also auch noch eine von diesen süßen, großzügigen Freundinnen?“ „Dieselbe.“ „Mein Gott“, sagte die Frau, und Andrea konnte das Grinsen förmlich aus ihrer Stimme heraushören. „Du hast dieses Mädchen wirklich Geld für dich ausgeben lassen, obwohl du die ganze Zeit geplant hast, sie abzuservieren?“ Caleb lachte leise. „Ich habe sie nicht dazu gezwungen. Sie wollte es doch.“ Die Frau schnaubte. „Das ist ja peinlich.“ Andrea schloss die Augen. Ihr Herz fühlte sich an, als würde es Stück für Stück auseinandergerissen. Dann wurde die Stimme der Frau leiser. „Ehrlich gesagt, hatte ich jemanden Hübscheren erwartet.“ Andrea hielt den Atem an. Sie wartete. Hoffte. Betete beinahe, dass sie das alles nur träumte. Vielleicht war es ein lächerlicher Albtraum, aus dem sie gleich aufwachen würde. Denn was zum Teufel passierte hier gerade? Caleb antwortete nicht sofort. Dann lachte er. Und dieses Lachen tat mehr weh als alles andere. „Sie gibt sich Mühe“, sagte er. Die Frau lachte so heftig, dass sie beinahe keine Luft mehr bekam. „Ich meine ja nur, Schatz. Wenn das Andrea ist, verstehe ich vollkommen, warum du sie betrogen hast.“ Etwas in Andrea zerbrach. Sie konnte nicht länger dort stehen. Sie konnte nicht einfach zuhören, wie ihr eigener Freund über sie sprach, als wäre sie irgendein Witz. Sie konnte es nicht ertragen, dass diese Menschen über sie lachten, während sie noch immer versuchte, einen Grund dafür zu finden, warum Caleb sie an ihrem Geburtstag allein gelassen hatte. Mit einem Ruck stieß sie die Schlafzimmertür auf. Sie krachte gegen die Wand. Das Geräusch hallte durch den Raum. Caleb fuhr erschrocken hoch. Die blonde Frau schnappte nach Luft und zog das Laken hastig an sich. Andrea stand im Türrahmen. Ihr ganzer Körper zitterte. Für einen schrecklichen Moment konnte sie nicht begreifen, was sie vor sich sah. Caleb lag halb nackt auf dem Bett. Die blonde Frau trug nichts außer Calebs Lieblings-T-Shirt. Das T-Shirt, das Andrea ihm im vergangenen Jahr zu seinem Geburtstag geschenkt hatte. Ihr Magen verkrampfte sich so heftig, dass sie glaubte, jeden Moment zusammenzubrechen. Caleb wurde kreidebleich. „Andrea …“ Ihre Lippen öffneten sich, doch zunächst kam kein Ton heraus. Ihre Kehle fühlte sich wund, eng und schmerzhaft an. Als sie schließlich sprach, war ihre Stimme so leise, dass Caleb zusammenzuckte. „Was zum Teufel habe ich gerade gehört?“ Caleb sprang hastig aus dem Bett und griff nach seiner Jeans. „Baby, warte. Ich kann das erklären.“ Andrea starrte ihn an. Sein Haar war zerzaust. Seine Brust war gerötet. An seinem Hals waren Lippenstiftspuren zu sehen. Ihr wurde übel. „Was willst du erklären?“, fragte sie. Ihre Stimme zitterte nun. „Willst du erklären, warum du mich an meinem Geburtstag allein in einem Restaurant sitzen lassen hast, während du hier mit einer anderen Frau geschlafen hast?“ „Andrea …“ „Nein.“ Ihre Stimme brach. „Nein, Caleb. Tu das nicht. Stell dich nicht einfach vor mich und sag meinen Namen, als würde er jetzt noch irgendetwas bedeuten.“ Die blonde Frau verdrehte die Augen und zog das Laken enger um ihren Körper. „Im Ernst?“, murmelte sie. „Du hast immer noch nicht mit ihr Schluss gemacht?“ „Jess, halt den Mund“, fuhr Caleb sie an. Andrea stieß ein gebrochenes Lachen aus. Tränen liefen ihr über die Wangen. „Du wolltest es wirklich tun?“, flüsterte sie und sah Caleb an. „Du wolltest mich wirklich vor allen Leuten demütigen?“ Caleb schwieg. Und sein Schweigen sagte ihr alles. Andrea schüttelte ungläubig den Kopf. „Oh mein Gott.“ „Andrea, hör mir zu …“ „Nein, du hörst mir zu!“ Ihre Stimme wurde lauter, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. „Wir waren drei Jahre zusammen, Caleb. Drei Jahre. Ich habe dich geliebt. Ich habe dir vertraut. Ich habe dich verteidigt, wenn andere mir gesagt haben, dass du nicht gut genug für mich bist, und die ganze Zeit …“ Ihre Stimme brach. „Die ganze Zeit hast du das geplant?“ „So war das nicht …“ „Wie lange?“ Caleb erstarrte. Andrea wischte sich mit dem Handrücken über die Wangen, doch die Tränen hörten nicht auf. „Wie lange betrügst du mich schon?“ Caleb wandte den Blick ab. Jess beantwortete die Frage für ihn. „Drei Monate.“ Andrea hatte das Gefühl, als würde der Boden unter ihren Füßen verschwinden. Drei Monate. Drei ganze Monate. Während er sie jeden Abend zum Abschied geküsst hatte. Während er ihr gesagt hatte, dass er sie liebte. Während er Geburtstagspläne gemacht hatte. Währenddessen hatte er sie betrogen. Ihr Atem ging unregelmäßig. „Du hast mich zum Narren gemacht“, flüsterte sie. Caleb trat einen Schritt auf sie zu. Schuld spiegelte sich in seinem Gesicht. „Andrea, ich schwöre, ich wollte nicht, dass du es auf diese Weise herausfindest …“ Jess lachte. „Ach bitte. Hör auf, so zu tun, als wäre sie die Liebe deines Lebens gewesen. Du warst unglücklich mit ihr.“ Andrea drehte sich langsam zu ihr um. Jess grinste, völlig ungerührt. „Ich meine … sieh sie dir doch an. Du bist ja süß und so, aber hast du wirklich geglaubt, ein Mann wie Caleb würde für immer bei jemandem bleiben, der so gewöhnlich ist?“ Die Worte trafen Andrea härter, als sie erwartet hatte. Nicht nur wegen Jess. Sondern weil Caleb ihr nicht widersprach. Er stand einfach da. Schweigend. Mit diesem schuldbewussten Blick. Mit diesem ertappten Gesichtsausdruck. Wie ein Mann, der genau wusste, dass jedes einzelne Wort stimmte. Etwas in Andrea zerbrach. Nicht ihr Herz. Etwas Tieferes. Etwas Endgültiges. Eine Träne lief über ihre Wange, während sie Caleb ansah. Diesmal sah sie ihn wirklich an. Ihren ersten Freund. Ihre erste Liebe. Ihr erstes Alles. Und der Mann, der jetzt vor ihr stand, war ein Fremder. Ein Feigling. Ein Lügner. Ein Mann, den sie nicht mehr wiedererkannte. „Weißt du, was am meisten wehtut?“, fragte sie leise. Caleb hob den Blick. „Ich hätte die Wahrheit verkraftet.“ Ihre Lippen zitterten. „Ich hätte es überlebt, wenn du mir einfach gesagt hättest, dass du Schluss machen willst.“ Sie lachte bitter unter Tränen. „Aber das hier …“ Sie schüttelte den Kopf. „Das hier ist Grausamkeit.“ Andrea riss den Wohnungsschlüssel von ihrem Schlüsselbund und warf ihn nach ihm. Der Schlüssel traf Caleb an der Brust und fiel anschließend zu Boden. „Wir sind fertig.“ Caleb machte einen Schritt auf sie zu. „Andrea …“ Doch sie war bereits auf dem Weg zur Tür. Denn wenn sie auch nur eine Sekunde länger blieb, würde sie vor ihnen zusammenbrechen. Und das wollte sie ihnen nicht auch noch geben.Das Dachrestaurant thronte hoch über der Stadt wie ein geheimer Garten im Himmel. Warme goldene Lichterketten hingen über blühenden Ranken, und die Skyline glitzerte darunter wie verstreute Diamanten. Ihr Tisch lag in einer ruhigen Ecke, abgeschirmt von einer niedrigen Hecke aus weißen Rosen, mit einer einzigen flackernden Kerze zwischen ihnen und leisem Jazz im Hintergrund.Henry zog Andreas Stuhl mit lockerer Eleganz heraus und setzte sich dann ihr gegenüber. In dem Moment, als er saß, fanden seine Augen die ihren und blieben dort – warm, ruhig, vollkommen fokussiert. Keine CEO-Maske. Kein neckendes Grinsen. Nur Henry, der sie ansah, als wäre sie das Einzige, was heute Abend Aufmerksamkeit verdiente.Er bestellte ihren Lieblingswein, ohne zu fragen, und beugte sich dann leicht vor, die Ellbogen auf dem Tisch.„Erzähl mir etwas Kleines“, sagte er, die Stimme tief und sanft. „Was ist eine Sache, die dich immer zum Lächeln bringt, selbst an schlechten Tagen
Die zweite Boutique roch leicht nach frischer Wäsche und teurem Parfüm – dem Duft, der in der Luft hing und jedes Gestell mit Seidenkleidern unter dem weichen, schmeichelnden Licht zum Leuchten brachte. Andreas Finger streiften über ein schlichtes schwarzes Slip-Kleid, der Stoff kühl und unmöglich glatt. Sie hob es, ohne nachzudenken, und erstarrte, als ihre Augen den winzigen weißen Preiszettel am Träger erblickten.Ihr Atem stockte. „Henry… das kostet viertausend Dollar“, flüsterte sie, die Wangen heiß, als hätte die Zahl selbst sie verbrannt. Sie ließ den Bügel fallen, als hätte er ihre Haut versengt. „Ich kann das nicht. Du gibst nicht so viel Geld für mich aus. Das ist lächerlich.“Henry trat hinter sie, seine Nähe ruhig und erdend. Seine Hände legten sich leicht auf ihre Taille, die Brust warm an ihrem Rücken. Er senkte das Kinn auf ihre Schulter, die Stimme ruhig und gleichmäßig an ihrem Ohr.„Hör auf, darüber nachzudenken, Andrea. Ich bin
Henry kam erst gegen ein Uhr morgens nach Hause. Das Penthouse lag dunkel und still. Er legte die Schlüssel auf den Konsolentisch und ging direkt zu Andreas Zimmer, die Erschöpfung zog an seinen Schultern, doch die Schuld schob ihn vorwärts. Er öffnete die Tür leise.Sie lag auf der Seite eingerollt, atmete langsam und gleichmäßig, einen Arm unter dem Kissen. Der dünne Träger ihres Tanktops war von der Schulter gerutscht und enthüllte den Rand eines dunklen Knutschflecks, den er in der Nacht zuvor hinterlassen hatte. Ihr Gesicht wirkte weich im Schlaf, fast friedlich – doch Henry konnte immer noch die leichte Falte zwischen ihren Augenbrauen sehen, als würden selbst ihre Träume auf ihn warten.Er stand lange im Türrahmen, die Hand am Rahmen, die Brust eng. Er wollte sie wecken. Er wollte sich neben sie ins Bett legen und alles sofort erklären. Aber sie sah so müde aus, so friedlich und so klein.Er flüsterte ins Dunkel, kaum hörbar: „Es tut
Andrea starrte weiter auf ihr Handy, bis das Leuchten erlosch und der Bildschirm schwarz wurde. In dem Glas sah sie schwach ihr eigenes Spiegelbild. Ihre Augen wirkten weit, unruhig, beinahe anklagend. Sie flüsterte zu sich selbst „Okay“, als könnte das laute Aussprechen sie verankern.Sie hatte die Nachricht vor fast drei Stunden geschickt. Keine Antwort. Keine kleinen tanzenden Punkte, die eine Antwort versprachen. Nichts. Die Stille nagte an ihr. War das alles? Sollte er nicht mehr sagen? Oder war sie diejenige, die das Ganze zu etwas Kompliziertem verdrehte?Sie versuchte sich einzureden, dass alles in Ordnung sei. Henry steckte wahrscheinlich tief in Meetings. Der CEO von Crestview saß nicht da und aktualisierte Nachrichten wie ein verliebter Teenager. Doch je länger die Stille anhielt, desto enger wurde ihre Brust, als drückten unsichtbare Hände gegen ihre Rippen.Zurück im Penthouse war die Stille erdrückend. Mindys Kartons waren weg, ihre











