Se connecterHier ist die deutsche Lokalisation des Buchrückentextes (Klappentext). Die Übersetzung wurde emotional auf den Punkt gebracht und an den Stil moderner deutscher Drama-/Romance-Romane angepasst, ohne die französischen Satzstrukturen starr zu kopieren. --- In dem Alter, in dem man eigentlich lernt zu lieben, verlor ich alles. Wegen des Mannes, an den ich mein Herz verloren hatte, kam meine Mutter ums Leben – und meine Familie stieß mich gnadenlos aus ihrer Welt. In meiner dunkelsten Stunde nahm Gabriel mich auf. Das Dach, das er mir gab, wurde schnell zu einer Festung. Für die Außenwelt war ich nur seine Schutzbefohlene, ein stiller Schatten, verborgen vor dem Rest der Welt. In Wahrheit hielt er mich in einem Netz gefangen, das ebenso beschützend wie unerbittlich war. Wir lebten in einem fragilen Gleichgewicht – bis die Vergangenheit uns einholte. Die Rückkehr des Mannes, vor dem ich einst geflohen war, riss Gabriels tiefste Wunden wieder auf. Zerfressen von der Angst, nicht geliebt zu werden, redete er sich ein, dass ich nur aus Gewohnheit oder Schuldgefühl bei ihm blieb. Unsere Nächte wurden zu einem verzweifelten, intensiven Verlangen – so, als wollte er sich in mir verankern, um seine eigenen Geister zu vertreiben. Ich aber brachte kein Wort heraus. Die Erinnerung an den ersten Verrat lähmte mich, getrieben von der Angst, mich erneut angreifbar zu machen. Wir waren wie zwei Festungen, Rücken an Rücken: Wir beobachteten einander und verzehrten uns im Stillen. *Wie bricht man eine unsichtbare Rüstung auf, um endlich alles füreinander zu riskieren?*
Voir plusANAÏS
Als ich Adrien de Villiers zum ersten Mal begegnete, trug ich ein weißes Kleid, das mir nicht gehörte.
Eine Nachbarin hatte mir eine kleine weiße Blüte an den Stoff geheftet – als stummes Zeichen meiner Trauer. Als bräuchte es das. Als stünde die Zerstörung meiner Welt mir nicht ohnehin ins Gesicht geschrieben.
Ich war sechzehn. Ich stand im obersten Stockwerk des Beaumont-Konzerns, umringt von Männern in dunklen Maßanzügen, die meinem Blick auswichen. Draußen flimmerte Marseille in der brütenden Sommerhitze. Der Alte Hafen war eine grelle Klinge aus Licht. Selbst das Zirpen der Zikaden schien es bis hier hoch geschafft zu haben.
Armand Beaumont, mein Vater, musterte mich wie eine Ware, die er vor sechzehn Jahren bestellt hatte und die ihm nun endlich geliefert wurde.
Er öffnete den Mund.
»Adrien. Bring Anaïs in ihr Zimmer.«
Ein junger Mann löste sich von der Wand, an die er gelehnt gestanden hatte. Kein schwarzer Anzug wie die anderen. Die Ärmel seines weißen Hemdes hatte er bis zu den Unterarmen hochgekrempelt, seinen Autoschlüssel hielt er lässig zwischen zwei Fingern. Seine Hände fielen mir noch vor seinem Gesicht auf: groß, makellos.
Er nahm meinen Koffer.
»Hallo, Anaïs. Ich bin Adrien.«
Er hielt mir die Hand hin.
Als ich zugriff, verstummte die Welt um uns herum.
Oder vielleicht war es nur mein Herz, das kurz aufhörte zu schlagen.
Der Traum verschwimmt. Wie immer.
Adrien, bring mich nach Hause.
Adrien, du hast mir das Kino versprochen.
Adrien, wart auf mich.
Adrien—
Ich schlage die Augen auf, bevor der Name meine Lippen verlässt.
Das Schlafzimmer ist dunkel und eiskalt. Meilenweit entfernt von diesem einen Sommer. Die Klimaanlage summt monoton vor sich hin, und draußen hinter den Vorhängen ist Marseille nur noch ein Haufen verstreuter Lichter über dem schwarzen Meer.
Vier Uhr zwölf.
Ich muss nicht auf die Uhr sehen, um das zu wissen. Ich kenne diese Decke. Ich kenne die graue Bettwäsche, den metallischen Nachgeschmack mancher Träume – und die glühende Hitze des Mannes hinter mir.
Elf Jahre sind seit jenem Tag vergangen.
Ich bin siebenundzwanzig.
Und es ist nicht Adrien, der in meinem Bett liegt.
Behutsam richte ich mich auf. Das Tuch gleitet von meiner nackten Brust. Zwischen meinen Oberschenkeln pocht noch immer die Erinnerung an Gabriels Mund, an seine Finger – daran, wie er mich vorhin gegen die Fensterscheibe gedrückt und genommen hat, bevor er mich ins Bett trug.
Eine Hand schließt sich um meine Taille.
»Wo willst du hin?«
Gabriels Stimme ist rau vom Schlaf. Sein Arm zieht mich ohne Mühe zurück, bis mein Rücken auf seine heiße Brust trifft. Er schläft immer nackt. Kleidung im Bett sei Zeitverschwendung, behauptet er – und wie jede seiner Ansichten hat er auch diese zum Gesetz erklärt.
»Nirgendwohin.«
»Dann beweg dich nicht.«
»Ich habe Durst.«
Er greift nach der Wasserflasche auf dem Nachttisch, ohne mich auch nur einen Zentimeter loszulassen, und drückt sie mir in die Hand. Selbst im Halbschlaf ist es für Gabriel einfacher, die Welt zu mir zu holen, als mich aus seinem Griff zu entlassen.
»Reicht das?«
Seine Lippen streifen meinen Nacken. Sein warmer Atem gleitet über meine Schulter. Ich spüre die Veränderung in seinem Körper, noch bevor er sich bewegt: Sein Atem wird schwerer, seine Oberschenkel schieben sich zwischen meine, seine harte Erektion drückt gegen meinen unteren Rücken.
Ich stelle die Flasche weg.
»Gabriel.«
»Was?«
Seine Hand wandert über meinen Bauch hoch, langsam, schwer. Sie verharrt direkt unter meiner Brust.
»Es ist vier Uhr morgens.«
»Du schläfst nicht.«
»Das ist keine Einladung.«
»Nein.« Seine Zähne verbeißen sich sanft in die Haut unter meinem Ohr. »Aber das hier ist eine.«
Ich lege den Kopf zur Seite und gebe ihm meinen Hals frei.
Sein leises Lachen ist kaum mehr als ein rechtes Vibrieren an meiner Haut.
Gabriel kennt mich zu gut. Er weiß genau, wo er seine Lippen ansetzen muss, damit sich meine Beine wie von selbst öffnen. Er weiß, wie lange er den Druck seiner Finger halten muss, bis mein Verstand aussetzt. Welche absichtliche Langsamkeit mich so in den Wahnsinn treibt, dass ich bettele. In sieben Jahren hat er meinen Körper gelernt wie eine Sprache, die nur er allein beherrscht.
Seine Handfläche verdeckt meine Brust. Er zwackt meine Spitze zwischen zwei Fingern ein – gerade fest genug, dass mir der Atem stockt. Seine andere Hand gleitet zwischen meine Oberschenkel.
»Langsam«, flüstere ich.
Er hält inne. »Willst du, dass ich aufhöre?«
Ich drehe den Kopf. In der Dunkelheit erkenne ich die scharfe Linie seines Kiefers, sein verwüstetes schwarzes Haar und seinen Blick, der auf mir ruht. Gabriel kann dir Angst einjagen, ohne auch nur die Stimme zu erheben. Selbst nackt und schlaftrunken strahlt er die kompromisslose Autorität eines Mannes aus, der keinen Widerspruch duldet.
Ich schlinge die Finger um seinen Nacken und ziehe ihn zu meinem Mund.
»Ich sagte: langsam.«
»Am Ende willst du das nie.«
»Versuch einfach mal, mir am Anfang zuzuhören.«
Er küsst mich, bevor ich lächeln kann. Sein Mund ist heiß, fordernd, vertraut. Ich schmecke den Whisky von gestern Abend und diesen dunklen, ganz eigenen Ton, der nur ihm gehört. Seine Zunge trifft auf meine, dann verbeißt er sich in meine Unterlippe – fest genug, um einen scharfen Schmerz aufblitzen zu lassen.
Seine Hand nimmt ihre Arbeit wieder auf.
Seine Finger gleiten durch meine Nässe, kreisen langsam und gezielt. Die erste Berührung lässt mich erzittern. Bei der zweiten entfährt mir ein Stöhnen, das Gabriel direkt von meinen Lippen saugt.
»Mehr?«, raunt er.
Ich nicke.
Er lächelt an meinen Lippen. »Perfekt.«
»Sadist.«
»Nur bei dir.«
Er quält mich mit unbarmherziger Seelenruhe. Der gleiche Rhythmus, immer genau auf den Punkt, bis mein Becken beginnt, sich seiner Hand entgegenzudrücken. Die Müdigkeit verfliegt. Das Zimmer, der Traum, die verblasste Hitze jenes Sommers – alles verschwimmt hinter der Präzision seiner Finger.
Ich schließe die Augen.
Abrupt reißt Gabriel seine Hand von mir fort.
»Sieh mich an.«
Ich schlage die Augen auf.
»Dominanter Mistkerl.«
»Du bist nicht bei mir.«
Seine Züge sind unverändert, doch in seinen Augen liegt jetzt dieses gefährliche Blitzen. Er mustert mich wie einen Vertrag, in dem jemand versucht hat, ein Kleingedrucktes zu verstecken.
»Ich war müde.«
»Du warst hellwach.«
»Und jetzt verhörst du mich?«
»Jetzt will ich, dass du verflucht nochmal mich ansiehst.«
Mit einem Ruck dreht er mich auf den Rücken und schiebt sich über mich. Sein schieres Gewicht drückt mich tief in die Matratze. Ich liebe diese Schwere.
Und ich hasse es, dass er das genau weiß.
ANAÏSEr nimmt einen kleinen Vibrator aus der Schublade. Wir hatten ihn zwei Jahre zuvor zusammen in Paris gekauft, nach einem Abendessen, bei dem ich behauptet hatte, nichts Elektronisches würde seinen Mund ersetzen. Gabriel hatte diesen Satz als persönliche Herausforderung aufgefasst.Er setzt das Gerät auf der niedrigsten Stufe an meiner Klitoris an. Mein Körper reagiert sofort.— Zu viel?— Nein.Er schaltet eine Stufe höher und gleitet mit einem feuchten Finger tiefer, um meinen Anus herum. Die Berührung lässt mich den Atem anhalten.— Orange?, fragt er.— Nein. Mach weiter.Er massiert langsam den engen Ring, während die Vibration meine Klitoris bearbeitet.Als er die Fingerspitze einführt, ziehe ich erneut an meinen Fesseln. Das Gefühl ist anders, dichter, unanständig, und es verstärkt alles, was er vorne tut.— Sieh mich an, sagt er.Ich öffne die Augen. Gabriel beobachtet mein Gesicht, nicht meinen Körper, während er den Finger sanft weiter vorschiebt.— Geht es dir gut?— Ja
ANAÏSIch wache mit trockenem Mund auf, Gabriels Platz ist leer.Es ist zehn nach sechs. Das Licht der Küche fällt durch den Flur. Ich finde meine Kleidung in der Nähe der Konsole, meinen zerrissenen Slip auf dem Parkett und ein Glas Wasser neben zwei Migränetabletten.Gabriel ist nicht gegangen. Er arbeitet im Wohnzimmer, bereits geduscht, eine dunkle Hose auf den Hüften und kein Hemd. Sein Computer zeigt Bilder des Hafens.— Hast du geschlafen?— Ein bisschen.Er hebt den Blick nicht.Ich trinke das Wasser. Mein Kopf protestiert, mein Körper erinnert sich nur zu gut an das Auto und die Konsole.— Bist du mir immer noch böse?— Wofür?— Das Telefon. Adrien. Der Champagner. Such dir was aus.— Du warst klar genug im Kopf, um zu wählen, was wir getan haben. Der Rest kann warten.Seine Stimme ist ruhig, fast professionell. Ich trete an den Bildschirm. Eine Fotografie zeigt Adriens Auto in der Nähe des Fort Saint-Jean, meine Autotür offen, meine Beine noch draußen.— Wie lange schaust du
GABRIELUm zwanzig Uhr zweiundzwanzig verschwindet Anaïs’ blauer Punkt.Die Standortfreigabe endet um Mitternacht. Ihr Telefon ist dennoch nicht mehr erreichbar. Ich rufe einmal an. Mailbox.Victoire geht beim zweiten Klingeln ran.»Sie ist vor fünf Minuten gegangen. Adrien ist bei ihr.«»In seinem Auto?«»Sie hat sich geweigert einzusteigen.«Diese Präzisierung beruhigt mich keineswegs. Anaïs hat getrunken, der Mann, der seit elf Jahren auf sie wartet, geht hinter ihr her, und jemand hat bereits versucht, sie ins Meer zu stoßen.Ich rufe C. an.»Sperr die beiden Ausgänge des Hafenbereichs. Sichtkontrolle der Fahrzeuge, keine Durchsuchungen. Ich will die Kameras vom Kai, dem Tunnel und der Corniche.«»Die Polizei?«»Adrien ist die Polizei. Warn Romain und die Hafenmeisterei vor. Keine Sirenen, keine Waffen.«Ich verlasse den Delmas-Sitz. Marseille ist nicht abgeriegelt. Die Autos fahren im Norden weiter, Züge fahren ab, die Bars schließen. Elf Minuten lang verlangsamen die Sicherheits
ANAÏSAdrien reserviert zwei Stände in einem legalen Schießstand in Aubagne, mitten am Nachmittag. Die Kulisse gehört Sportlern und trainierenden Polizisten.Am Empfang werden unsere Identitäten überprüft, mir werden die Regeln erklärt, und mein Telefon wird in einem Schließfach eingeschlossen. Ein Instrukteur bleibt hinter der Glasscheibe.Alles wird kontrolliert. Genau deshalb nehme ich an.Ich adjustiere den Gehörschutz.»Warum hier?«»Weil du eine Schusslinie nicht mitten in einer Antwort verlassen kannst. Du musst zuerst die Waffe ablegen, das Magazin herausnehmen und sie überprüfen lassen.«»Du hast es schon immer geliebt, Unterhaltungen zu inszenieren.«»Du hast es schon immer geliebt, vor ihnen zu fliehen.«Er reicht mir transparente Schutzbrillen. Adrien hatte mir das Schießen nach meinem achtzehnten Geburtstag auf dem Privatgrundstück seines Vaters beigebracht. Mein Körper erinnert sich an die Haltung noch vor meinem Kopf: gespreizte Füße, weiche Knie, die Schultern nach vor











