Masuk„Deviana! Bring mir etwas zu trinken!“
Adrian ließ sich schwer auf das lange Sofa im Wohnzimmer fallen. Seine Stimme hallte durch den Raum und verriet seine tiefe Erschöpfung. Sein Anzug war völlig zerknittert, die Knöpfe seines Sakkos standen offen, und seine Krawatte hing locker um seinen Hals. Das goldene Licht der Abenddämmerung erfüllte den Raum, doch die bedrückende Stille im Haus verschluckte selbst seinen Ruf. Keine Antwort. Keine Schritte. Niemand reagierte auf ihn. Zu hören waren nur das leise Summen der Klimaanlage und das Ticken der Wanduhr. Adrian runzelte die Stirn und blickte zur Treppe, die in den ersten Stock führte. „Deviana? Hörst du mich nicht? Ich habe gesagt, bring mir Wasser!“ Doch wieder blieb alles still. Nach einigen Augenblicken waren leise Schritte aus der Küche zu hören. Tante Emely, die Haushälterin, die seit Jahrzehnten in der Villa arbeitete, trat mit einem kleinen Tablett in den Raum. „Junger Herr ... Frau Deviana ist gegangen“, sagte sie vorsichtig. Adrian sprang sofort auf. „Gegangen? Was soll das heißen? Wohin ist sie gegangen?“ Tante Emely senkte den Blick und stellte das Glas Wasser auf den Tisch. „Ich weiß es nicht, Sir. Aber Madam Deviana ist seit einer Woche nicht mehr nach Hause gekommen.“ „Seit jenem Tag ... seit die Hochzeit abgesagt wurde.“ Adrian lachte spöttisch. „Unmöglich.“ „Sie würde mich niemals verlassen.“ Kopfschüttelnd lachte er weiter, als könne er es nicht glauben. „Sie ist besessen von mir.“ „Deviana würde so etwas niemals tun.“ „Sie spielt bestimmt nur Theater.“ Doch ohne zu wissen warum, zog sich seine Brust plötzlich schmerzhaft zusammen. Hastig zog er sein Handy hervor und öffnete seine Kontaktliste. Deviana. Keine Nachricht. Kein verpasster Anruf. Nichts. Sofort drückte er auf die Anruftaste. „Der gewünschte Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar.“ „Verdammt!“ Wütend warf Adrian sein Handy auf das Sofa und begann unruhig im Wohnzimmer auf und ab zu gehen. Sein Ärger wuchs von Sekunde zu Sekunde. „Glaubt sie etwa, ich würde ihr hinterherlaufen, nur weil sie schweigt?“ „Das kann sie vergessen!“ „Ich bin kein Mann, den man manipulieren kann!“ Doch unbewusst fiel sein Blick erneut auf sein Handy. Noch immer keine Nachricht. Genervt griff er nach seinem Autoschlüssel und verließ das Haus. --- Als die Nacht hereinbrach, betrat Adrian seinen Stammnachtclub. Bunte Lichter drehten sich unaufhörlich. Der Bass ließ den Boden erzittern. Der Geruch von Alkohol und teurem Parfüm erfüllte die Luft. Adrian setzte sich an die Bar und leerte ein Glas Scotch Whisky in einem Zug. „Noch einen.“ Seine Stimme war kalt, als er den Barkeeper anwies. Mehrere attraktive Frauen kamen zu ihm und versuchten, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch Adrian würdigte sie keines Blickes. Seine Augen wirkten leer. In seinen Gedanken war nur eine Person. Deviana. Er sah erneut auf sein Handy. Noch immer keine Nachricht. Er stieß einen tiefen Seufzer aus. „Warum fühle ich mich nur so ...?“ „Das ist doch völlig lächerlich.“ Doch der Verstand konnte das Herz niemals besiegen. Er öffnete erneut Devianas Kontakt und versuchte, sie anzurufen. In diesem Moment ... Er erstarrte. „Sie wurden von diesem Kontakt blockiert.“ „... Was?“ Adrians Gesicht lief vor Wut rot an. Ruckartig sprang er auf, sodass sein Stuhl laut über den Boden rutschte. „Sie hat mich blockiert?“ Seine Fäuste ballten sich. „Glaub bloß nicht, dass ich dir deswegen hinterherlaufe!“ „Täusch dich nicht, Deviana!“ Er setzte sich wieder hin, doch innerlich fand er keine Ruhe. Nicht einmal die dröhnende Musik konnte das Chaos in seinem Kopf übertönen. Er biss die Zähne zusammen. „Du bist verschwunden, ohne ein einziges Wort.“ „Und jetzt hast du mich sogar blockiert.“ „Glaubst du, damit hast du gewonnen?“ „Dachtest du wirklich, ich würde dir hinterherlaufen und dich um Verzeihung bitten?“ Er lachte höhnisch. „Nein.“ „Nicht jetzt.“ „Und niemals.“ Doch ... Je mehr Worte seine Lippen verließen, desto mehr klangen sie wie der verzweifelte Versuch, sich selbst zu überzeugen. Tief in seinem Inneren wusste er längst die Wahrheit. Er wollte sie nur nicht akzeptieren. Er leerte sein drittes Glas Scotch. Schneller. Heftiger. Plötzlich leuchtete das Display seines Handys auf. Voller Hoffnung griff er sofort danach. Doch ... Es war nur eine Werbe-E-Mail. „Verdammt ... sie ist es nicht.“ Er lehnte sich zurück und starrte zur Decke des Clubs, die von violetten und roten Lichtern erhellt wurde. „Warum rufst du mich nicht an, Deviana?“ „Du warst doch immer diejenige, die mir hinterhergelaufen ist.“ „Du hast gesagt, du könntest ohne mich nicht leben.“ „Warum also ...“ „Warum kannst du jetzt so einfach verschwinden?“ Er atmete tief durch. Sein Glas war leer. Doch die Leere in seinem Herzen war noch viel größer. Er konnte dort nicht länger bleiben. Adrian stand auf. Er legte einige Geldscheine auf den Tresen und verließ den Nachtclub. Die kalte Nachtluft schlug ihm entgegen. Kalt. Eiskalt. Und doch war sie nicht so kalt wie sein Herz in diesem Augenblick. Seine Schritte waren schwer. Sein Auto stand nur wenige Meter entfernt. Trotzdem stieg er nicht sofort ein. Er lehnte sich gegen den Wagen und blickte zum Nachthimmel hinauf. „Was, wenn ...“ „... ich dich wirklich vermisse, Deviana?“ „Oder ...“ „Bin ich nur verletzt, weil mein Stolz zerbrochen ist?“ Langsam schloss er die Augen. Dann flüsterte er so leise, dass es kaum hörbar war: „Habe ich dich wirklich verloren ...“ „Oder habe ich nur ...“ „... die Kontrolle über dich verloren?“ --- Zur gleichen Zeit ... In einem luxuriösen Apartment in einer anderen Stadt ... Stand Deviana schweigend am Fenster und blickte auf das Display ihres Handys. Adrians Name befand sich noch immer auf ihrer Sperrliste. Langsam atmete sie aus. „Du wirst dich niemals ändern, Adrian.“ „Und ich werde keine weitere Sekunde meines Lebens an dich verschwenden.“ Sie legte ihr Handy auf den Tisch. Dann drehte sie sich um. Und ließ ihre Vergangenheit endgültig hinter sich. Zur selben Zeit murmelte Adrian mit einer Stimme, die fast wie ein Gebet klang: „Wenn du glaubst, ich würde dich zurückholen ...“ „Dann irrst du dich gewaltig.“ „Aber warum ...“ „Warum will ich trotzdem unbedingt wissen ...“ „Wo du jetzt bist?“»Nächste Folie, bitte.«Devianas Stimme klang fest, auch wenn ihre Handflächen vor Schweiß feucht waren.Der Konferenzraum der Modefirma war voller einflussreicher Persönlichkeiten. Reihen von Kreativmitarbeitern, Führungskräften, ja Direktoren saßen vor der großen Leinwand. Einige Kollegen – diejenigen, die am lautesten über sie getratscht hatten – verschränkten die Arme und lächelten selbstgefällig.Eine von ihnen flüsterte laut genug, dass man es hören konnte. »Warte nur, bis sie zusammenbricht. All diese ›geheimnisvollen Vorzüge‹ werden sie jetzt nicht retten.«Deviana hörte es. Ihr Atem stockte kurz, dann reckte sie den Kopf. Ich lasse mich nicht von Geflüster brechen.Sie hob die Fernbedienung. »Dieses Projekt ist mehr als ein Kleidungsentwurf«, erklärte sie und blickte durch den Raum. »Es ist eine Geschichte über Identität und Mut. Ich nenne es: Bruchstücke des Muts.«Die Folie wechselte. Zu sehen waren Entwürfe eines Kleides mit asymmetrischen Schnitten, kühnen Farbkontrasten
»Ich halte es nicht mehr aus, ihr jeden Tag ins Gesicht zu sehen!«Die scharfe Stimme einer Mitarbeiterin hallte nahe der Teeküche. »Wenn sie glaubt, uns alle mit diesem unschuldigen Gesichtsausdruck täuschen zu können, irrt sie sich gewaltig.«Deviana, die mit einer Mappe voller Entwürfe vorbeiging, stockte. Ihr Herz hämmerte wild. Sie wusste: Diese Worte galten ihr.»Genau so ist es«, stimmte eine andere Frau bei, ihre Stimme voller Verachtung. »Ich habe sogar gehört, jemand wolle sie der Personalabteilung melden. Es heißt, sie bekomme Vorzüge durch diesen geheimnisvollen Mann, der ständig auftaucht.«Ein Kichern lief um, und jedes Lachen traf Deviana wie tausend Nadelstiche. Ihre Finger umklammerten die Mappe so fest, dass der Karton sich bog. Sie senkte den Blick, zwang ihren Atem zur Ruhe und eilte davon, bevor sie bemerkt wurde.An ihrem Schreibtisch sank sie nieder, das Herz schwer. Ihre Augen schweiften über den Bildschirm, doch Farben und Formen verschwammen zu Nichts. Die Wo
»Adrian! Was hast du dir nur dabei gedacht?!«Kaum war die Tür zugeschlagen, brach Devianas Stimme los. Sie fuhr herum, ihre Augen glühend vor Zorn. Ihre Hände zitterten, während sie mühsam versuchte, ihre Gefühle zu bändigen.Adrian stand ein paar Schritte entfernt, sein Gesicht angespannt, doch sein Blick blieb sanft. »Deviana, ich wollte dir nur helfen. Ich konnte nicht zusehen, wie man dir Unwahrheiten vorwirft.«»Helfen?!« Deviana schnitt mit der Hand durch die Luft, als wäre das Wort selbst ein Vergehen. »Ist dir klar, dass du alles nur schlimmer gemacht hast? Durch dich glauben jetzt alle, ich hätte eine schmutzige Beziehung zu dir! Ich habe mich bis aufs Blut abgerackert, Adrian. Gekämpft, um mich zu beweisen – nicht um durch billige Gerüchte herabgezogen zu werden!«Adrian kam näher, seine Stimme wurde leiser. »Ich weiß, dass ich dich früher verletzt habe. Ich weiß, dass ich dich im Stich gelassen habe, aber jetzt –«»Halt!« Devianas Stimme brach vor Schmerz. »Wag es nicht, d
»Deviana, treten Sie ein.«Die tiefe, gebietende Stimme drang hinter der mattierten Tür.Deviana schluckte, rückte ihren Blazer zurecht und drückte die Tür vorsichtig auf. Das Büro ihres Chefs – Armand, ein Mann um die vierzig, umgeben von einer Aura unerschütterlicher Autorität – war stets makellos und kalt; jedes Detail zeugte von seiner kompromisslosen Disziplin.Armand saß mit verschränkten Armen hinter seinem Schreibtisch, und seine durchdringenden Blicke hefteten sich sofort auf sie, als sie eintrat.»Nehmen Sie Platz.«Sie gehorchte, obwohl ihr Herz wild gegen die Rippen schlug.Armand kam ohne Umschweife zur Sache. »Mir sind viele Gerüchte über Sie zu Ohren gekommen, Deviana.«Die Luft wurde schwer. Deviana öffnete die Lippen, doch Armands Stimme schnitt schärfer als ihr Atem.»Blumen auf Ihrem Schreibtisch. Pünktlich gelieferte Mahlzeiten. Und ein Mann, der regelmäßig vor dem Gebäude wartet. Man fragt sich – sind diese Chancen wirklich Ihr Verdienst, oder werden Sie von außen
Deviana – Giftige Worte und ein stiller Versprecher»Ich frage mich, warum Devianas Ideen in letzter Zeit immer so gelobt werden?«Sintas Stimme klang laut in der Teeküche, und ihre Kaffeetasse klapperte hart auf den Tisch, als wollte sie ihren Worten Nachdruck verleihen.»Na, ganz offensichtlich hat sie ihre eigenen Tricks«, antwortete Ratna, die scharfzüngige Seniorin. Sie blickte zur Tür, um sich zu vergewissern, dass Deviana nicht in der Nähe war. »Wenn man hübsch, liebenswert ist und zu bezaubern weiß, geht alles viel leichter.«Einige Kollegen kicherten, während andere den Kopf senkten und sich nicht einmischen wollten.Nicht weit entfernt stand Deviana erstarrt vor dem Wasserspender, ihre Flasche noch immer leer. Die Worte drangen unbarmherzig an ihre Ohren. Sie schluckte schwer, tat so, als hätte sie nichts gehört, und trat dann leise zurück – bevor die anderen merkten, dass sie da war.Am Nachmittag waren die Flüstereien im Großraumbüro nicht mehr leise.»Ich bin mir sicher,
Deviana – Blüten, Flüstern und Schatten»Deviana, schon wieder Blumen?«Der fröhliche, doch spöttische Ton schallte durch den Raum. Vom gegenüberliegenden Schreibtisch musterte Sinta den frischen Rosenstrauß, der eben geliefert wurde und nun auf Devianas Tisch stand.Deviana erstarrte, ihr Bleistift schwebte über dem Skizzenbuch. Der Duft der blassrosa Rosen erfüllte die Luft. Sie atmete tief ein und versuchte, die Wärme zu verbergen, die in ihre Wangen stieg. »Es ist nur… ein Glückwunschgeschenk für das Projekt gestern«, murmelte sie – halb Lüge, halb Verteidigung.»Glückwunsch? Hm. Und wer ist so großzügig, frage ich mich?«, kicherte Sinta, und ihre Stimme triefte mehr vor Neugierde auf Neuigkeiten als vor echter Interesse.Wenig später traf eine weitere Lieferung ein – eine luxuriöse Lunchbox, direkt auf Devianas Schreibtisch gestellt. »Bestellung für Fräulein Deviana.«Sofort drehten sich alle Köpfe. Einige männliche Kollegen pfiffen, während mehrere Frauen sich wissende Blicke zu







