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Kapitel 3

Author: Gemma
Matteo kehrte lange nach Mitternacht zurück, und der Duft von Amber haftete an seiner Haut.

Ich war bereits seit Stunden wach, doch der Geruch erreichte mich vor ihm – süß, teuer und unverkennbar Vanessa. Mir drehte sich der Magen so heftig, dass ich ins Bad musste und mich am Marmorwaschbecken festhielt, bis die Übelkeit abklang.

Matteo folgte mir bis zur Tür. „Hast du etwas Falsches gegessen?“

„Nein“, sagte ich und spülte mir den Mund aus. „Es ist dieser Duft.“

Sein Gesicht verhärtete sich. „Ich habe Vanessa heimgebracht, weil es ihr nicht gut ging. Mach es nicht schlimmer, als es ist.“

Dieser Tonfall war neu. Nicht laut, nicht grausam, aber ungeduldig – so hatte er nie zu mir gesprochen.

Ich sah ihn im Spiegel an. „Du hast ihr Zugang zum Donna-Trakt gewährt.“

„Es war nur vorübergehend.“

„Du hast deinen Siegelring abgelegt.“

Sein Kiefer zuckte. „Ich wollte nicht, dass die Capos daraus vor der Zeremonie eine Frage der Nachfolge machen.“

Ich hätte fast gelacht. „Du hast also ihre Position geschützt, indem du meine ausgelöscht hast.“

„Elena, so war es nicht.“

„Dann erklär mir, was beim Abendessen passiert ist. Warum hast du unsere Beziehung als eine Vereinbarung bezeichnet?“

Sein Blick verdüsterte sich. „Du hast mir doch zugestimmt.“

„Nachdem du mir keinen anderen Titel mehr gelassen hattest, auf den ich mich hätte stützen können.“

Einen Moment lang sah ich Gewissensbisse in seinem Gesicht, doch sie verschwand, bevor sie sich in eine Entschuldigung verwandeln konnte.

Ich drehte den Wasserhahn zu und stellte die einzige Frage, die noch zählte.

„War dir davon überhaupt etwas wirklich?“

Matteo sah mich an. Sein Adamsapfel bewegte sich einmal, doch er gab mir keine Antwort.

Das Schweigen sagte mehr als seine Worte.

Ich nickte und ging an ihm vorbei, doch er folgte mir ins Schlafzimmer. „Elena, mach das nicht zu etwas Endgültigem.“

„Wann ist der nächste Termin für die Zeremonie?“

Er stockte.

Ich blickte zurück zu ihm. „Die Bestätigung durch den Rat. Die standesamtliche Eheschließung. Der öffentliche Eintrag. Wie auch immer du es nennen willst. Wann?“

Sein Schweigen dauerte zu lange.

Dann sagte er: „Wir müssen nichts überstürzen. So wie es jetzt ist, funktioniert es doch.“

In diesem Moment wurde etwas in mir vollkommen still.

Was wir hatten, funktionierte für ihn, nur weil ich sein Bett wärmte, seinen Rat zusammenhielt, seinen Namen trug, wenn es ihm nützte, und verschwand, sobald Vanessa den Platz brauchte.

In dieser Nacht zog ich in die Gästesuite um.

Matteo stand im Flur und sah zu, wie ich mein eigenes Kissen und einen Stapel Akten aus unserem Zimmer trug. „Ist das wirklich nötig?“

„Ja.“

Er sah aus, als wollte er widersprechen, doch dann atmete er nur aus und kehrte ins Hauptschlafzimmer zurück. Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken – und trotzdem klang es endgültig genug.

Am nächsten Morgen ging ich unter meinem eigenen Namen in eine private Klinik für Schwangerschaftsvorsorge. Die Ärztin bestätigte die Schwangerschaft, erklärte mir, worauf ich achten sollte, und fragte, ob mein Mann beim nächsten Termin dabei sein werde.

Ich betrachtete das Ultraschallbild – klein, unglaublich und ganz meins.

„Nein“, sagte ich. „Noch nicht.“

Als ich die Klinik verließ, hatte ich meine Entscheidung bereits getroffen. Ich rief das Restaurierungsatelier in Florenz an und bestätigte meinen Antrittstermin. Sie hatten mir die Leitung der Restaurierung eines Medici-Reliquiars angeboten – genau die Art von Arbeit, die ich einst aufgeschoben hatte, weil Matteo mich in New York haben wollte.

Danach kontaktierte ich eine Anwältin, die seit Jahren die Verträge der Rossis betreute, und bat sie, eine Trennungserklärung für das Bündnis mit den De Lucas aufzusetzen.

Matteo rief mich an diesem Nachmittag an.

Seine Stimme klang sanfter als am Abend zuvor. „Hast du schon etwas gegessen?“

„Ja.“

„Ich muss für ein paar Tage aus der Stadt. Eine Ratsangelegenheit in Boston. Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.“

„Natürlich.“

Er zögerte. „Was gestern Abend passiert ist … ich schulde dir eine Entschuldigung.“

„Es gibt nichts zu besprechen.“

„Elena.“

„Ich arbeite gerade, Matteo.“

Ich legte auf, bevor er aus Reue eine weitere Verzögerung machen konnte.

An diesem Abend packte ich nur das, was wirklich zählte: meine Restaurierungswerkzeuge, den Schwangerschaftsbefund, meinen Reisepass, den Vertrag für Florenz und den Schmuck, der zu meinem Leben als Rossi gehörte. Die Obsidiansbrosche ließ ich in ihrem Samtetui auf Matteos Schreibtisch zurück.

Danach verließ ich das Penthouse und bezog unter dem Mädchennamen meiner Mutter ein kleines möbliertes Apartment mit Hotelservice. Ich hatte meinen Eltern noch nichts erzählt, denn sobald die Rossis davon erfuhren, würden auch die De Lucas davon wissen. Ich brauchte eine einzige Nacht ohne die Ansprüche beider Familien.

Kurz vor Mitternacht schickte Matteo mir ein Foto von einem Hotelflur und danach eines von der Skyline der Stadt, aufgenommen aus einem hohen Fenster.

„Die Ratssitzung hat sich hingezogen. Ich bin bald zurück.“

Ich antwortete nicht.

Eine Stunde später leuchtete mein Handy erneut auf.

Vanessa.

Keine Worte. Nur ein Foto.

Eine Kabine eines Privatjets, zwei Gläser Whiskey und auf dem Flugbildschirm dahinter stand Palm Beach statt Boston. Matteos schwarze Jacke lag ordentlich gefaltet über der Rückenlehne von Vanessas Sitzlehne, und sein De-Luca-Siegelring lag neben ihrem Lippenstift auf dem Tisch.

Also das war seine Ratsangelegenheit.

Ein stechender Schmerz zog durch meinen Unterleib, scharf genug, dass mir der Atem stockte. Ich saß ganz still, eine Hand auf meinem noch flachen Bauch, unter dem sein Kind heranwuchs – ein Kind, von dessen Existenz er nichts wusste. Und endlich wurde mir klar: Matteo war mir nicht genommen worden.

Er war freiwillig gegangen.

Am nächsten Morgen füllten seine Nachrichten meinen Bildschirm: ein inszeniertes Foto eines Konferenzraums, eine Restaurantrechnung, die mich glauben lassen sollte, er wäre dort gewesen, und schließlich ein Bild eines Saphirarmbands.

„Sei nicht böse. Ich habe das gesehen und musste an dich denken.“

„Elena, antworte mir.“

„Geh ran.“

Ich sah auf das Armband und empfand nichts als Erschöpfung.

Dann tippte ich drei Worte.

„Wir sind fertig.“

Danach blockierte ich seine Nummer, löschte seinen Zugriff auf meinen Atelierkalender und schickte die unterschriebene Trennungserklärung an meine Anwältin.

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