Short
Des Dons Reue: Seine Liebste ging

Des Dons Reue: Seine Liebste ging

By:  Vesper ShawCompleted
Language: Deutsch
goodnovel4goodnovel
8Chapters
2views
Read
Add to library

Share:  

Report
Overview
Catalog
SCAN CODE TO READ ON APP

Bei meiner Hochzeit ließ mich mein Verlobter vor dem Altar stehen und ging direkt auf meine Schwester Hazel zu. Alle Gäste lachten mich aus. Jemand bemerkte: „Wie zu erwarten, gibt es keinen Mann auf der Welt, der Hazel nicht verfällt – das ist bereits der fünfte Freund von Ivy, der Hazel seine Gefühle gestanden hat.“ Hazel setzte eine hilflose Miene auf. „Tut mir leid, Ivy. Ich wollte dir nur helfen, die Loyalität deines Verlobten zu testen. Sieht so aus, als hätte ich schon wieder deine Hochzeit vermasselt.“ Ich stand gedemütigt da. Dann trat Alessio Vitale, der gefürchtetste Mafiaboss von New York, nach vorn. Er nahm meine Hand, sah den Priester an und heiratete mich stattdessen. Danach versuchte Hazel mehr als einmal, Alessios Aufmerksamkeit zu erregen. Jedes Mal stellte er sie jedoch vor allen bloß. „Hazel, du solltest deinen Platz kennen. Hör auf, dich mir anzubiedern“, sagte er mit kalter, scharfer Stimme. Drei Jahre lang gab Alessio mir alles. Er gab mir das Gefühl, sicher und geborgen zu sein – wie die glücklichste Frau der Welt. Eines Tages kam ich früher von einer Geschäftsreise zurück und wollte ihn überraschen. Als ich sein Arbeitszimmer erreichte, drang die Stimme seines Unterbosses von drinnen zu mir. „Don Vitale ... die Schwester der Donna ist mit Ihrem Kind schwanger. Was ist, wenn sie es erfährt?“ Alessios Antwort kam leise und ausdruckslos. „Hazel und ich ... das war nur ein Fehler. Ivy darf es nie erfahren. Sag ihr kein Wort davon. Ich werde es ihr später wiedergutmachen.“ Ich war wie betäubt von dieser Enthüllung. Seine Lügen schmerzten tief in meiner Brust. Statt Alessio zur Rede zu stellen, drehte ich mich um und kehrte leise in unser Schlafzimmer zurück. Er hatte mir bei der Hochzeit Ehrlichkeit versprochen – und nun belog er mich. Ich würde ihn verlassen und niemals zurückblicken.

View More

Chapter 1

Kapitel 1

In dem Moment, als ich wieder in unser Schlafzimmer trat, holte ich mein Handy hervor und rief meinen Anwalt an.

„Ich brauche Sie, um die Scheidungspapiere aufzusetzen. Sofort.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte ein bestürztes Schweigen. „Scheidungspapiere? Weiß Don Vitale, dass Sie das tun?“

„Er weiß es“, sagte ich. Die Lüge brannte mir in der Kehle, aber ich zwang mich, sie auszusprechen. „Bitte schicken Sie mir einfach die Dokumente.“

Eine halbe Stunde später stand ich am kleinen Konsolentisch, während der Drucker noch warm war. Ich unterschrieb die Scheidungspapiere. Dann schob ich den gesamten Stapel unter einen Haufen Haushaltsrechnungen.

Kaum hatte ich meine Miene wieder unter Kontrolle, da trat Alessio ein. Sobald sein Blick auf mich fiel, huschte ein überraschter Ausdruck über sein markantes Gesicht.

„Ivy? Ich dachte, du kommst erst am Freitag von deiner Geschäftsreise zurück.“

Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ich bin früher fertig geworden und wollte dich überraschen.“

Er durchquerte den Raum in drei langen Schritten und nahm mein Gesicht in beide Hände. Die Wärme seiner Handflächen hatte sich früher für mich wie das Schönste auf der Welt angefühlt. Jetzt lief es mir kalt über den Rücken.

„Endlich bist du zurück. Ich habe dich so vermisst“, murmelte er und strich mit dem Daumen über meinen Wangenknochen.

Seine zärtlichen Worte ließen mich beinahe glauben, dass ich mir das belauschte Gespräch nur eingebildet hatte.

Bevor ich zusammenbrach, griff ich nach dem Papierstapel auf dem Konsoltisch und hielt ihn ihm hin. „Könntest du das hier gleich unterschreiben? Nur ein paar Haushaltsrechnungen. Ich möchte sie gleich erledigen.“

„Klar.“ Er nahm das Bündel, ohne den geringsten Verdacht zu schöpfen, zog einen Stift aus seiner Jacke und begann, auf den markierten Linien zu unterschreiben.

Eine Unterschrift nach der anderen glitt über das Papier – elegant, gebieterisch und völlig ahnungslos.

Ich beobachtete, wie der Stift über die Scheidungspapiere glitt, die ganz unten versteckt lagen. Er sah nicht einmal auf die Kopfzeilen. Er vertraute mir so sehr. Oder vielleicht hatte er sich einfach nie vorgestellt, dass ich so etwas tun könnte.

Er war fertig und reichte mir die Papiere mit einem kleinen Lächeln zurück. „Erledigt. Sonst noch was, oder darf ich endlich meine Frau zur Begrüßung küssen?“

Bevor ich antworten konnte, zog er mich an seine Brust. Seine Lippen senkten sich auf meine, und mich überkam Panik.

Im letzten Moment drehte ich mein Gesicht weg, sodass sein Kuss unbeholfen auf meinen Mundwinkel landete.

Alessio zog sich zurück, Verwirrung verdunkelte seinen Blick. „Was ist los?“

Ich senkte den Kopf und ließ mir das Haar ins Gesicht fallen. „Nichts. Ich bin nur ... völlig erledigt von der Reise. Reisen strengt mich immer an.“

Seine Miene entspannte sich sofort, und Besorgnis trat in seinen Blick. „Warum hast du das nicht gleich gesagt? Setz dich.“

Er führte mich zum Sofa. Seine Daumen kreisten langsam am Ansatz meines Nackens, dann wanderten sie hinauf und massierten meine Schläfen.

Er flüsterte: „Du strengst dich zu sehr an, Schatz. Ich hab‘s dir schon hundertmal gesagt – wenn dich die Arbeit unglücklich macht, dann hör einfach auf. Ich kümmere mich um dich.“

Früher hätten solche Worte mein Herz vor Dankbarkeit schmelzen lassen. Ich hätte mich umgedreht und ihn geküsst. Aber jetzt lastete jede Silbe auf meiner Brust.

Ich nickte nur und murmelte: „Vielleicht hast du recht. Ich denke darüber nach.“

Er drückte einen Kuss auf meinen Scheitel. „Braves Mädchen. Jetzt lass mich kurz duschen. Beweg dich nicht – ich bin gleich zurück.“

In dem Moment, als die Badezimmertür ins Schloss fiel und das Wasser zu laufen begann, ließ ich meine gespielte Fassung fallen. Ich sank in die Kissen; meine Augen brannten, blieben aber hartnäckig trocken.

Ein scharfes Summen durchschnitt den Raum. Sein Handy, das auf dem Nachttisch lag, leuchtete auf – ein eingehender Anruf.

Ich ging hinüber, weil ich dachte, ich könnte es ihm geben, falls der Anruf dringend war. Dann sah ich den Namen, der auf dem Display aufleuchtete: Hazel.

Mir krampfte sich der Magen zusammen.

Das Telefon vibrierte noch zweimal, dann verstummte es. Ich stand wie erstarrt da, das Gerät schwer in meiner Hand.

Gerade als ich es zurücklegen wollte, blinkte eine neue Nachrichtenvorschau über den Sperrbildschirm.

„Ich kann es kaum erwarten, dass du das siehst.“

Noch bevor mein Verstand mich bremsen konnte, gaben meine Finger mein eigenes Geburtsdatum ein. Das Handy entsperrte sich sofort.

Ich öffnete den Chat mit Hazel. Die neueste Nachricht enthielt ein einziges Bild.

Ein Ultraschallbild.

Ich öffnete es. Darauf war in körnigem Schwarz-Weiß die winzige, zusammengerollte Silhouette eines Babys zu sehen. Ich konnte bereits den Umriss des Kopfes erkennen.

Das war das Kind meiner Schwester. Und mein Mann war der Vater.

Ich presste die Faust gegen meinen Mund, um keinen Laut herauszulassen.

Achtzehn Monate lang hatte ich versucht, von Alessio schwanger zu werden, aber es hatte nie geklappt. Seine Verwandten forderten immer offener einen Erben.

Alessio hatte sich jedoch immer wie ein Schild vor mich gestellt.

„Wir haben Zeit“, sagte er dann und küsste meine Stirn. „Ich brauche kein Baby. Ich brauche nur dich. Wir haben unsere eigene kleine Welt, nur wir zwei.“

Aber es war Hazel, die ihm gegeben hatte, was ich nicht konnte. Meine eigene Schwester, die von unseren Eltern bevorzugt wurde, während ich im Hintergrund verschwand. Sie hatte immer alles bekommen, was ich wollte. Und jetzt hatte sie auch das.

Der Schmerz war tief und stumpf, wie ein Messer, das man mir im Herzen umdrehte.

Ich schloss das Bild und sperrte das Handy. Dann richtete ich mich auf dem Bett auf, lehnte mich gegen die Kissen und scrollte scheinbar gleichgültig durch mein eigenes Handy, als wäre nichts gewesen.

Alessio kam ein paar Minuten später aus dem Bad, ein Handtuch tief um die Hüften geschlungen, Wassertropfen glitzerten noch auf der harten Brust.

Er warf einen Blick auf sein Handy, und ich sah es – das kurze Aufblitzen von Anspannung in seinem Kiefer, wie sein Blick zu mir und dann wieder weg schweifte.

Ich sah mit geübter Lässigkeit auf. „Alles in Ordnung?“

Er legte das Handy mit dem Bildschirm nach unten auf den Nachttisch. „Nur Geschäftliches. Eine Gang aus dem Süden versucht, sich in eines unserer Lagerhäuser einzudrängen. Ich kümmere mich morgen darum.“

Mir sank das Herz. Er log schon wieder.

Er glitt neben mir ins Bett, sein Körper schmiegte sich an meinen. Ich zwang mich, mich noch ein paar Tage lang so zu verhalten, als wüsste ich von nichts.

Am nächsten Morgen erwähnte Alessio das Familientreffen, während er vor dem Spiegel seine Krawatte knotete. „Übermorgen, auf dem Anwesen deiner Eltern. Du musst nicht mitkommen, Ivy. Ich weiß, wie sehr du diese Zusammenkünfte fürchtest.“

Ich sah ihn an. „Warum sagst du das?“

Er begegnete meinem Blick im Spiegel. „Weil deine Eltern dich kaum ansehen, wenn Hazel im Raum ist. Ich hasse es, mit anzusehen, wie du das durchmachst.“

Jedes Wort war wahr, und früher hätte mich seine Fürsorge tief berührt.

Jetzt erkannte ich den wahren Grund dahinter: Er wollte mich nicht dort haben, weil Hazel dort sein würde und sich ihr Bauch unter ihrem Designerkleid gerade erst abzuzeichnen begann.

Ich unterdrückte meine Bitterkeit. „Ich gehe hin. Es ist ein Familienanlass. Alle werden da sein. Es sähe seltsam aus, wenn ich nicht käme.“

Etwas blitzte in seinen Augen auf, vielleicht Schuld oder Unbehagen, aber er überspielte es schnell. „Gut. Wenn du das möchtest.“

Ich würde zu diesem Treffen gehen und meine Eltern ansehen, die Hazel immer mit Zuneigung überschüttet hatten, während ich in der Ecke stand. Ich würde meine Schwester sehen, die mir alles genommen hatte.

Dann würde ich für immer gehen.

Expand
Next Chapter
Download

Latest chapter

More Chapters
No Comments
8 Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status