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KAPITEL 40 – JANUAR

Author: Hannah Noble
last update Petsa ng paglalathala: 2026-07-16 22:55:18

Das neue Jahr begann mit Regen.

Nicht Schnee — Regen, der warme, falsche Regen des frühen Januars, der aussah wie ein Versehen, als hätte der Winter kurz vergessen, was seine Aufgabe war, und dann, nach drei Tagen, wieder aufgehört und den Frost zurückgebracht, als wäre nichts gewesen. Ravenmoor kannte dieses Muster und ignorierte es, wie die Stadt alle Muster ignorierte, die sich nicht in ihre eigene Logik einfügten.

Mara fotografierte den Regen.

Nicht die Pfützen, nicht die nassen Straßen — d
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  • Brennendes blut    KAPITEL 48 – DER SOMMER GEHÖRT UNS

    Der Juli hatte eine Großzügigkeit, die der Juni nicht gehabt hatte.Nicht wärmer — die Temperaturen waren ähnlich, die Ravenmoor-Sommer waren nie extrem, eine Stadt, die nah genug am Wasser lag, um von der Küstenluft gemäßigt zu werden. Aber der Juli hatte Länge. Die Abende, die nicht endeten, das Licht um neun Uhr noch da, warm und schräg und verschwenderisch, die Art von Licht, die Menschen auf Bürgersteige trieb und auf Balkone und in Gärten, weil drinnen zu bleiben in diesem Licht eine Verschwendung war.Mara war viel draußen.Das Projekt wuchs weiter, aber ruhiger jetzt, ohne Dringlichkeit, was bedeutete, dass es sich gesetzt hatte. Die Bilder, die sie machte, kamen nicht aus dem Suchen, sondern aus dem Da-Sein — sie ging durch die Stadt und die Kamera war dabei und manchmal entstand etwas und manchmal nicht, und beides war in Ordnung.Das war der Zustand, den sie anstrebte, und der sich nie planen ließ, der sich nur einstellte, wenn man aufhörte, ihn zu planen.Damian nahm Urlau

  • Brennendes blut    KAPITEL 47 – HILDEGARD IN RAVENMOOR

    Sie kam an einem Dienstag, pünktlich, wie Hildegard Aldenberg immer pünktlich war.Mara wartete am Bahnhof — das war ihre Entscheidung gewesen, ohne Damian, ohne Wagen, einfach sie, auf dem Bahnsteig, im Julisonnenschein, der in Ravenmoor schärfer war als in Konstanz, weniger gemildert vom See. Sie sah den Zug einfahren und die Menschen aussteigen und dann Hildegard, die kleiner wirkte auf dem großen Bahnsteig als in ihrer eigenen Küche, aber genauso aufrecht, mit dem kleinen Koffer, den sie zog, ohne Hilfe zu brauchen oder zu wollen.Kein Kompott.Das hatte Hildegard versprochen, und Hildegard hielt ihre Versprechen.„Ravenmoor", sagte sie, als Begrüßung, und sah sich um auf dem Bahnsteig, die Einschätzung einer Frau, die Städte sofort las. „Es ist anders, als ich dachte." „Wie haben Sie es sich gedacht?"„Größer. Oder kleiner. Eines davon." Hildegard sah sie an. „Es ist genau richtig."Mara hatte das Gästezimmer im Solis-Haus vorbereitet.Das war neu — das Gästezimmer hatte lange l

  • Brennendes blut    KAPITEL 46 – JUNI, DER ANRUF

    Der Anruf kam an einem Donnerstagmittag.Mara war im Arbeitszimmer, die Fotos des Projekts auf dem Bildschirm, einundvierzig aus dem Mai und sechzehn aus dem frühen Juni, und sie sortierte, was ihren eigentlichen Charakter noch nicht hatte, was noch nicht wusste, wohin es gehörte. Das war die schwierige Arbeit, nicht das Fotografieren — das Fotografieren war der Impuls, der Blick, der Moment. Das Sortieren war das Denken, und Denken dauerte länger.Das Telefon summte.Eine Nummer, die sie nicht kannte, mit einer Berliner Vorwahl.Sie nahm ab.„Mara Solis?"„Ja." „Mein Name ist Christine Berger. Ich bin Kuratorin am Deutschen Historischen Museum in Berlin." Eine kurze Pause, die professionell war, aber nicht kalt. „Ich habe Ihre Ausstellung in Wien gesehen. Und das Buch Ihrer Freundin gelesen. Und ich habe eine Frage, die ich Ihnen stellen möchte, wenn Sie Zeit haben." Mara lehnte sich in den Stuhl, das Telefon am Ohr, das Fenster vor ihr mit dem Garten, dem Baum, den wachsenden Früc

  • Brennendes blut    KAPITEL 45 – MAI

    Der Mai brachte die Apfelblüten.Nicht sofort — der April hatte noch gezögert, warm und kalt abwechselnd, als wäre die Jahreszeit unentschieden, und Mara hatte den Baum jeden Morgen angesehen, wenn sie in den Garten trat, und die Knospen hatten sich verändert, langsam, täglich ein bisschen mehr, aber nicht aufgegangen, noch nicht, als hätten sie auf den richtigen Moment gewartet.Der richtige Moment kam am vierten Mai.Mara war früh aufgestanden, wie immer, und hatte Kaffee gemacht, und war dann, noch bevor der Kaffee fertig war, in den Garten gegangen, weil der Impuls stärker gewesen war als der Kaffee, und hatte den Baum gesehen und stillgehalten.Die Blüten.Nicht eine, nicht ein paar — der Baum hatte über Nacht beschlossen, vollständig zu sein, und war es geworden, weiß und rosa, die Knospen aufgegangen in einem Entschluss, der keine Übergangszeit hatte. Mara stand und sah es an, und der Morgen war noch still, das Licht noch das Blaue vor dem Goldenen, und der Baum stand in diesem

  • Brennendes blut    KAPITEL 44 – ZUHAUSE

    Der Apfelbaum hatte angefangen.Mara sah es, als sie am ersten Abend nach der Rückkehr in den Garten des Solis-Hauses trat — noch bevor sie die Taschen ausgepackt hatte, noch bevor sie Wasser trinken gegangen war, noch bevor irgendetwas anderes. Sie hatte die Haustür geöffnet, die Taschen abgestellt, und war direkt durch den Flur in die Küche und durch die Küchentür in den Garten, weil das der erste Impuls gewesen war, der erste Gedanke nach der langen Zugfahrt.Der Apfelbaum.Er stand in der Dämmerung, kleiner als er im Sommer war, noch nicht in vollem Laub, aber — da. Kleine, zögerliche Knospen an den Ästen, das erste Grün, das noch nicht sicher war, ob es sich entfalten durfte, aber sich entfaltete, weil Frühling sich entfaltete, ohne zu fragen.Mara holte die Kamera.Nicht sofort — sie ließ einen Moment vergehen, stand im Garten, in der Aprilabenddämmerung, und sah den Baum an, nur so, ohne das Objektiv dazwischen. Dann holte sie die Kamera, die große diesmal, die mit dem richtige

  • Brennendes blut    KAPITEL 43 – EIN MORGEN IN WIEN

    Sie wachte früh auf, noch bevor die Stadt vollständig begonnen hatte.Das war eine Gewohnheit, die sich über die Jahre ergeben hatte, nicht durch Disziplin, sondern weil die beste Zeit für Fotografen die war, in der das Licht noch nicht wusste, was es sein wollte — das Licht vor dem Licht, das Blaue, das dem Goldenen vorausging und das man nicht festhalten konnte, ohne schnell zu sein.Mara zog sich an, leise, ohne Damian zu wecken, nahm die Kamera, die kleine, die leichte, die für solche Morgen war, und verließ das Hotel.Wien in der Frühe war ein anderes Wien.Nicht leer — Wien war nie leer, die Stadt hatte zu viele Schichten für Leerheit — aber stiller, in einer Art, die Raum ließ. Die Straßen der inneren Bezirke, die normalerweise voll waren mit dem Geräusch von Touristen und Arbeitenden und der üblichen Stadtgeschäftigkeit, hatten jetzt eine andere Qualität. Man hörte die eigenen Schritte. Man hörte die Tauben, die sich irgendwo auf einem Gesims unterhielten. Man hörte das ferne

  • Brennendes blut    KAPITEL 6 – LENAS RECHERCHE

    Am nächsten Morgen regnete es wieder. Ravenmoor schien nicht zu wissen, wie man aufhörte zu trauern.Lena saß bereits am Küchentisch, als Mara herunterkam. Der Laptop stand offen, daneben ein leeres Kaffeebecher und drei Seiten handgeschriebene Notizen, die in der chaotischen Handschrift verfasst w

  • Brennendes blut    KAPITEL 5 – WAS UNTER DER OBERFLÄCHE BRENNT

    Am neunten Tag zog Lena Brauer mit einem Koffer voller Unterlagen, einem Laptop, der aussah, als hätte er an drei Feldzügen teilgenommen, und zwei Schachteln Schokolade ins Solis-Haus ein.„Ich bin deine Hausgästin", erklärte sie beim Eintreten, ohne gefragt worden zu sein, und umarmte Mara mit der

  • Brennendes blut    KAPITEL 4 – SCHATTEN IN DER STADT

    Ravenmoor schlief nicht gut im Oktober. Das war Maras erste Erkenntnis nach einer Woche, in der sie versucht hatte, die Stadt neu zu lernen wie eine Sprache, die man einmal gesprochen und dann vergessen hatte. Die Wörter kamen zurück, aber die Grammatik stimmte nicht mehr.Am Donnerstag frühmorgens

  • Brennendes blut    KAPITEL 3 – ASCHE UND ERINNERUNG

    Zwei Tage nach dem Notartermin kam der Strom zurück ins Solis-Haus, und mit ihm eine Stille, die lauter war als das Dunkel. Mara begann damit, Räume zu inventarisieren. Das war sachlich, praktisch, und ließ keinen Raum für Gefühle, was genau die Intention war.Sie arbeitete von oben nach unten. Das

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