LOGINMara Solis, eine Fotografin Ende zwanzig, kehrt nach dem Tod ihrer Mutter in ihre Heimatstadt Ravenmoor zurück. Sie hat die Stadt seit sieben Jahren gemieden, und mit ihr den einzigen Mann, der ihr Herz je wirklich gebrochen hat: Damian Voss, den kälten, maächtigen CEO eines Immobilienkonzerns, der halb Ravenmoor kontrolliert. Ein notarieller Zwang führt die beiden zusammen. Elisas Testament verpflichtet Mara und Damian zu dreijäig gemeinsamen Tagen im alten Familienhaus, bevor das Erbe freigegeben werden kann. Doch während alte Wunden aufbrechen und eine unbestreitbare Anziehung wieder entflammt, entfaltet sich ein lebensbedrohliches Geheimnis: Viktor Crane, ein korrupter Stadtrat, hat Elisas Tod auf dem Gewissen und will nun die Beweise vernichten, die sie hinterlassen hat. In vierzehn Kapiteln erzählt Brennendes Blut die Geschichte zweier Menschen, die lernen müssen, dass das Schweigen derjenigen, die wir lieben, uns ebenso zerstören kann wie der Verrat von Feinden.
View MoreDer Elektriker kam am Mittwoch und reparierte die drei Defekte im Ostflügel. Er war ein ruhiger Mann Ende vierzig, der seine Arbeit gründlich tat und nicht nach dem fragte, was ihn nichts anging. Mara bezahlte ihn mit Bargeld, weil das Haus noch kein funktionierendes Bankkonto hatte, und er nickte und ging, und das Solis-Haus hatte zum ersten Mal seit Jahren alle Räume beleuchtet.Mara stand im Ostflügel und ließ die Lampen brennen, obwohl es früher Nachmittag war. Das Licht tat dem Raum gut. Nahm ihm das Geisterhafte, das alte, vernachlässigte Häuser immer bekamen, wenn das Licht ausblieb. In dem hellen Ostflügel stand das größte Arbeitszimmer des Hauses, mit Bücherregalen, die bis zur Decke reichten, einem alten Schreibtisch aus Mahagoni und einem Fenster, das auf den hinteren Garten hinausging. Hier hatte ihr Vater gearbeitet, in den Jahren, als er noch da war. Hier hatte ihre Mutter später ihre privaten Briefe geschrieben.Hier stand die zweite Kiste.Mara hatte sie erst jetzt ent
Am nächsten Morgen regnete es wieder. Ravenmoor schien nicht zu wissen, wie man aufhörte zu trauern.Lena saß bereits am Küchentisch, als Mara herunterkam. Der Laptop stand offen, daneben ein leeres Kaffeebecher und drei Seiten handgeschriebene Notizen, die in der chaotischen Handschrift verfasst waren, die Lena seit dem Journalistikstudium kultivierte. Unleserlich für andere. Ein System für sie allein.„Du schläfst nicht", sagte Mara.„Journalisten schlafen, wenn die Geschichte es erlaubt." Lena sah auf. Ihre Augen waren wach auf die Art, die Erschöpfung hinter Adrenalin verbarg. „Ich habe Viktor Crane bis vor siebzehn Jahre zurückverfolgt. Er war damals Bezirksrat. Kleiner Fisch, aber schon mit denselben Methoden. Schau her."\n\nMara schenkte sich Kaffee ein und setzte sich. Lena schob ihr eine Seite über den Tisch, auf der zwei Spalten standen: links Namen, rechts Daten und knappe Beschreibungen.„Gerhard Möller, Grundstückseigentümer am Hafenkai, 2009. Sein Unternehmen geriet in e
Am neunten Tag zog Lena Brauer mit einem Koffer voller Unterlagen, einem Laptop, der aussah, als hätte er an drei Feldzügen teilgenommen, und zwei Schachteln Schokolade ins Solis-Haus ein.„Ich bin deine Hausgästin", erklärte sie beim Eintreten, ohne gefragt worden zu sein, und umarmte Mara mit der Entschlossenheit von jemandem, der genau wusste, wann eine Umarmung notwendig war. „Und ich habe Dinge herausgefunden."Mara nahm ihr den schweren Rucksack ab. „Guten Tag, Lena. Schön, dass du da bist."„Ja, ja, Höflichkeiten später." Lena ließ sich auf den Wohnzimmersofa fallen und schlug den Laptop auf. „Viktor Crane hat in den letzten fünf Jahren vier Immobilienprojekte durch den Stadtrat gebracht, die alle gemeinsam haben, dass sie Grundstücke betreffen, auf denen vorher Widerstand geleistet wurde. Drei dieser Grundstücke gehörten Eigentümern, die kurz darauf entweder verkauft haben oder deren Widerstand... aufgehört hat."„Wie hat er das gemacht?"„Das ist das interessante Detail." Len
Ravenmoor schlief nicht gut im Oktober. Das war Maras erste Erkenntnis nach einer Woche, in der sie versucht hatte, die Stadt neu zu lernen wie eine Sprache, die man einmal gesprochen und dann vergessen hatte. Die Wörter kamen zurück, aber die Grammatik stimmte nicht mehr.Am Donnerstag frühmorgens, bevor die Sonne die Nebel über dem Hafenviertel lichtete, fand Mara den ersten Hinweis darauf, dass irgendjemand ihr nicht wohlgesonnen war.Es war ein Zettel. Befestigt am Tor des Solis-Hauses, mit einem Streifen Klebeband, das roter als der Herbst und so auffällig wie eine Warnung sein wollte. Darauf stand in gedruckten Buchstaben, mit Kugelschreiber geschrieben: Verkauf das Haus. Geh weg. Es gibt Dinge, die du nicht wissen solltest.Mara stand lange vor dem Tor und hielt den Zettel. Der Morgennebel war dicht um sie herum, und die Stille des frühen Morgens hatte eine Qualität angenommen, die sich seltsam hohl anfühlte. Sie fotografierte den Zettel, steckte ihn in die Tasche und ging zurü





