Se connecterDer Ordner schloss sich mit einem sanften, abschließenden Klang.
Maya stand erstarrt vor Alexanders Schreibtisch, das Bild dieses abgeschnittenen Standbildes brannte hinter ihren Augen. Der Parkplatz leuchtet. Der Winkel. Die Art und Weise, wie ihr Körper positioniert worden war. Jemand hatte ein Stück dieser Nacht wie eine Trophäe behalten.
Elias Crowe.
Der Name saß in ihrem Mund wie etwas Verrottetes.
Alexander beobachtete sie, ohne zu sprechen. Er hatte die Geduld von jemandem, der bereits wusste, wie dieses Gespräch enden würde. Die Ecksuite fühlte sich mit jeder Sekunde, die verging, kleiner an. Bodenhohe Fenster zeigten, dass das Nachmittagslicht zu dünn begann. Der Campus sah von hier oben friedlich aus. Grüne Rasenflächen. Steinwege. Studenten, die herumliefen, als hätte sie nichts Dunkles jemals berührt.
„Du zitterst“, sagte Alexander.
Es war keine Sorge. Es war eine Beobachtung.
Maya zwang ihre Hände, still zu sein. "Was willst du von mir?"
"Zusammenarbeit." Er lehnte sich mit verschränkten Armen an den Schreibtisch zurück. „Elias hat immer noch die Originaldateien. Mehrere Kopien. Er war vorsichtig, aber nicht vorsichtig genug. Heute Abend hat er eine private Lernsitzung im alten Wissenschaftsflügel. Dritter Stock. Die östliche Treppenhauskamera hat einen toten Winkel zwischen 9:40 und 9:55 Uhr. Das ist unser Fenster.“
"Unser Fenster."
"Ja."
Sie atmete kurz und ungläubig aus. „Du erwartest, dass ich dir einfach... helfe?“
"Ich erwarte, dass Sie mehr wollen, dass die Dateien zerstört werden, als dass Sie weiterhin so tun, als wären Sie in Sicherheit." Seine Augen blieben auf ihren. "Das bist du nicht. Das Foto in Ihrem Zimmer war eine Nachricht. Elias weiß, dass du hier bist. Er weiß, dass die Namensänderung nicht funktioniert hat. Und wenn er beschließt, das, was er hat, freizugeben, verschwindet das Stipendium. Die saubere Tafel verschwindet. Alles, was deine Mutter arrangiert hat, verschwindet."
Die Erwähnung ihrer Mutter landete härter als sie erwartet hatte.
Maya schaute weg, zu den Fenstern. "Warum kümmert es dich?"
Die Stille dehnte sich aus.
Als Alexander endlich sprach, war seine Stimme leiser. „Weil vor drei Monaten jemand anderes auf einem anderen Parkplatz saß. Andere Schule. Gleiches Muster. Gleicher Gruppenchat. Dieselbe Art von Video.“ Er hielt inne. "Sie hat keinen Transfer bekommen. Sie hat keinen neuen Namen bekommen. Sie hat einen geschlossenen Sarg.“
Mayas Kopf drehte sich scharf.
Alexanders Gesichtsausdruck änderte sich nicht, aber etwas Kaltes und Präzises bewegte sich hinter seinen Augen. „Ihr Name war Claire. Sie war meine Cousine. Und die Leute, die es ihr angetan haben, wurden nie berührt. Einige von ihnen gehen jetzt hierher. Elias ist einer von ihnen."
Der Raum fühlte sich plötzlich luftlos an.
Ein fragmentierter Blitz traf sie - helles Telefonlicht, das Geräusch von leisem Lachen, das hilflose Gewicht der Aufnahme - aber sie schob ihn nach unten, bevor er sich vollständig bilden konnte.
"Das ist also Rache", sagte sie.
"Das ist Aufräumen." Alexander schob sich vom Schreibtisch und ging näher. Er blieb kurz vor ihrem persönlichen Raum stehen. "Ich brauche nicht, dass du mich magst. Ich brauche nicht, dass du mir vertraust. Ich brauche dich, um heute Abend aufzutauchen, ihn neunzig Sekunden lang abzulenken und mich den Rest erledigen zu lassen.“
"Und wenn ich nein sage?"
Sein Kopf neigte sich leicht. „Dann mache ich es ohne dich. Und wenn Elias merkt, dass jemand für die Akten kommt, wird er als erstes alles, was er auf dich hat, als Versicherung freigeben. Öffentlich. Bis zum Morgen wird jeder Student in Ravenwood es gesehen haben."
Die Drohung wurde ohne Hitze abgegeben. Das machte es noch schlimmer.
Mayas Puls tochte in ihren Ohren. Sie konnte immer noch den Geist des Betons unter ihrer Haut vom Albtraum an diesem Morgen spüren. Sie konnte immer noch die Stimme ihrer Mutter hören, die *Maya Torres sagte. Das bist du jetzt. *
Es gab keine saubere Option.
"Was genau soll ich tun?" Sie fragte.
So etwas wie Zustimmung flackerte über Alexanders Gesicht und war fast augenblicklich verschwunden.
„Du schreibst ihm eine SMS. Von deiner Nummer. Sagen Sie ihm, dass Sie über das Foto sprechen möchten. Sagen Sie ihm, dass Sie ihn um 9:45 Uhr im Wissenschaftsflügel treffen werden. Er wird kommen. Stolz und Neugierde werden dafür sorgen. Während er sich auf dich konzentriert, nehme ich sein Telefon und das externe Laufwerk, das er in seiner Tasche hat. Neunzig Sekunden. Dann gehst du.“
"Und danach?"
„Danach sprichst du nie wieder mit ihm. Und du erzählst niemandem, was wir getan haben.“
Maya schlang ihre Arme um sich. „Du bittest mich, mit der Person, die...“
„Ich bitte Sie, das zu beenden, was er begonnen hat“, unterbrich Alexander. "Diesmal zu deinen Bedingungen."
Die Stille, die folgte, war schwer.
Draußen verblasste das Licht immer wieder.
Schließlich nickte Maya einmal. Steif. Widerstrebend.
Alexander lächelte nicht. Er nahm einfach sein Telefon heraus, tippte etwas, und eine Sekunde später vibrierte ihr eigenes Telefon.
**Elias' Nummer. Merken Sie es sich. Löschen Sie diese Nachricht danach. **
Sie starrte auf die Ziffern.
„Neununddreißig“, sagte Alexander. „Sie treffen mich am Osteingang des Wissenschaftsflügels. Keine Minute später. Trage etwas Dunkles. Lassen Sie Ihre Tasche in Ihrem Zimmer. Und Maya?"
Sie schaute auf.
"Wenn du versuchst, ihn zu warnen, oder wenn du es nicht zeigst..." Seine Stimme sank zu etwas fast Sanftem. „Ich werde dafür sorgen, dass die Dateien noch herauskommen. Nur nicht so, wie du es willst."
Er ging zur Tür und schloss sie auf.
"Du kannst gehen."
Maya bewegte sich zunächst nicht. Ihre Beine fühlten sich unzuverlässig an. Als sie schließlich den Flur betrat, fühlten sich die normalen Geräusche des Wohnheims - Musik, die unter den Türen lief, jemand lachte den Flur hinunter - unwirklich an.
Sie ging zurück zur Mädchenseite des Campus, ohne jemanden anzusehen.
In ihrem Zimmer saß sie auf dem Bett und starrte lange auf Elias' Nummer.
Um 19:12 Uhr hat sie die Nachricht getippt.
**Ich möchte über das Foto sprechen. Wissenschaftsflügel. 9:45. Dritter Stock. Komm allein. **
Sie klickte auf Senden, bevor sie es löschen konnte.
Die Antwort kam in weniger als einer Minute.
**Feit. Ich werde da sein. **
Maya schloss ihr Telefon, legte es mit dem Gesicht nach unten und drückte die Fersen ihrer Hände gegen ihre Augen, bis sie Sterne sah.
Ein leises Klopfen ertönte an ihrer Tür.
Sie erstarrte.
Noch ein Klopfen, leiser.
Als sie es öffnete, stand Theo einmal mit sommersprossigem Gesicht im Flur. Er warf einen Blick in beide Richtungen, bevor er sprach.
"Die Leute reden", sagte er leise. „Über dich und Vale. Darüber, wie er dich heute Morgen in ein verschlossenes Klassenzimmer gezogen hat. Darüber, wie du beim Mittagessen an seinem Tisch gesessen hast.“ Er zögerte. „Nur... sei vorsichtig, okay? Das letzte Mädchen, das ihm so nahe kam, wechselte mitten im Semester und kam nie zurück. Niemand weiß, wohin sie gegangen ist."
Mayas Griff um den Türrahmen wurde fester.
"Wie war ihr Name?"
Theo sah unbehaglich aus. „Claire etwas. Ich denke. Warum?"
Der Name traf sie wie kaltes Wasser.
Klar.
Alexanders Cousin.
Theo sprach immer noch, aber die Worte waren weit weg. Maya schloss die Tür vor ihm mit einer leisen Entschuldigung und schloss sie ab.
Sie setzte sich wieder auf das Bett, ihr Herz schlug zu schnell.
Alexander hatte ihr in die Augen geschaut und ihr gesagt, dass Claire tot sei.
Theo hatte gerade gesagt, dass Claire umgezogen ist und verschwunden ist.
Einer von ihnen hat gelogen.
Oder beide waren es.
Maya nahm ihr Telefon wieder ab und starrte mit Elias auf den Nachrichtenthread.
9:45 war weniger als zwei Stunden entfernt.
Und zum ersten Mal, seit sie durch die Tore von Ravenwood gegangen war, war sie sich nicht sicher, welcher Raubtier gefährlicher war - derjenige, der sie bereits verletzt hatte, oder derjenige, der behauptete, sie beschützen zu wollen.
Vor ihrem Fenster starb das letzte Tageslicht.
Die Klinke senkte sich, und die Tür der Suite schwang nach innen. Alexander packte die Person, die hereinkam, am Kragen und drückte sie rückwärts gegen die Garderobenhaken.„Vale, warte. Ich bin's, Theo.“Alexander ließ den Unterarm, wo er war. Eine Einkaufstüte aus Papier glitt aus Theos Hand und fiel auf den Teppich, und eine schwarze Mappe rutschte halb heraus.„Wie bist du an einen Schlüssel für dieses Zimmer gekommen?“, fragte Alexander.„Auf demselben Weg wie hierzu.“ Theo zeigte mit dem Kinn auf die Mappe, da seine Arme festgehalten waren. „Ein Mädchen hat mir beides vor einer Stunde gegeben. Kann ich mich gerade hinstellen? Ich muss gleich auf deinen Teppich kotzen, und ich schätze, er hat mehr gekostet als meine Studiengebühren.“Maya durchquerte den Raum und legte die Hand auf Alexanders Handgelenk. „Lass ihn reden.“„Er ist mit einem Schlüssel hereinspaziert.“„Er ist mit einer Einkaufstüte und zitternden Händen hereingekommen. Sieh ihn dir an.“Alexander sah ihn an. Er nah
Maya hielt ihm das Handy vors Gesicht. „Lies es noch einmal."Alexander warf einen Blick auf den Bildschirm und sah dann wieder auf die Straße. „Ich habe es beim ersten Mal gelesen."„Wessen Idee war der Name?"„Nicht meine." Er scherte um einen Bäckerlaster herum aus. „Ich wusste nicht, dass es eine Maya Torres gibt, bis deine Akte am Montag beim Dekan landete. Auf dem Deckblatt steht die Unterschrift von Gregory Lindqvist. Er erledigt den Papierkram der Stiftung meines Vaters."„Meine Mutter hat gesagt, ein Anwalt hat den Namen ausgesucht. Dr. Hale an meiner alten Schule hat sie zu ihm geschickt."„Dann ist er es."„Du hast meine Akte gelesen."„Zweimal."Maya drehte das Handy in ihrem Schoß um. „Der Brief ist auf den zweiten September datiert. Die Stiftung hatte den Namen Maya Torres schriftlich, bevor irgendjemand einen Grund hatte, ihn zu erfinden."„Ja."„Neun Tage vor dem Parkplatz."„Ja."„Wer ihn also geschrieben hat, wusste, dass ich verschwinden muss, bevor mir überhaupt et
Alexanders Wagen stand auf der Versorgungsstraße hinter dem Wohnheim, ein grauer Audi mit einem Lehrerparkplatz-Aufkleber, den er sich ganz offensichtlich nie verdient hatte. Er hatte den Motor laufen, bevor Maya ihre Tür zugezogen hatte.„Anschnallen“, sagte er.„Fahr.“Er fuhr los, eine Hand am Lenkrad, in der anderen das Handy am Ohr. Am Haupttor blieb die Schranke unten. Ein Wachmann lehnte sich aus seinem Häuschen und hob eine Handfläche, und Alexander ließ das Fenster herunter.„Kein Schüler verlässt das Gelände an einem Wochentag ohne unterschriebenen Passierschein, Herr Vale.“„Ihre Mutter liegt im Krankenhaus.“ Er sagte es so geschmeidig, dass Maya beinahe hinübersah, um zu sehen, wer gesprochen hatte. „Wollen Sie Dekan Harlan erklären, warum die Schranke unten geblieben ist?“Der Wachmann sah Maya ins Gesicht, auf das, was darauf stand, und drückte den Knopf. Die Schranke ging hoch.„Krankenhaus“, sagte Maya, als die Tore hinter ihnen lagen.„Das öffnet Türen schneller als ‚
Frau Pruitt führte das Mädchenwohnheim der Abschlussklasse wie einen Grenzposten. Um 7:51 Uhr stand sie in der Eingangshalle, mit einem Klemmbrett, einer bis zum Kragen zugeknöpften Strickjacke und einem Gesicht, das sagte, dass an ihr niemand vorbeikam.„Auf keinen Fall“, sagte sie, noch bevor Alexanders zweiter Fuß die Fußmatte verlassen hatte.„Frau Pruitt, in Zimmer 314 ist eingebrochen worden.“„Jungen dürfen dieses Gebäude sonntagnachmittags für neunzig Minuten betreten, bei offener Tür.“ Sie tippte mit dem Stift auf das Klemmbrett. „Heute ist Donnerstag, Herr Vale.“Maya, noch immer außer Atem, trat zwischen die beiden. „Er sagt die Wahrheit. Jemand hat meine Sachen durchwühlt und das Bild meiner Mutter genommen. Bitte, ich brauche nur jemanden, der sich das ansieht.“Frau Pruitt musterte den Schweiß an Mayas Haaransatz und die Art, wie sie ihr Handy umklammerte. Ihr Mund wurde schmal. „In meinem Haus ist noch nie jemand bestohlen worden.“„Dann bin ich die Erste.“„Hm.“ Sie lö
Um 0:04 Uhr tippte Maya „zwei“, noch immer auf dem Schreibtischstuhl stehend, den Daumen auf der angebrochenen Abdeckung des Rauchmelders, und schickte es ab, bevor sie es sich ausreden konnte.Die Antwort kam in weniger als zehn Sekunden.Lüge Nummer zwei steckt in dieser Platine. Bring sie um 7:30 Uhr zu Bex Adeyemi ins Medienlabor. Alexanders Kameras haben keine SIM-Karten.Maya las es zweimal. Sie stieg herunter, drückte die Abdeckung zurück auf die Halterung, bis sie klickte, und fotografierte die Decke aus drei Winkeln, denn falls sie sich irrte, wollte sie einen Beweis dafür haben, wie.Sie schlief zwei Stunden, den Schreibtischstuhl unter die Türklinke geklemmt.Um 7:10 Uhr stieg sie wieder hinauf und riss die ganze Einheit von der Decke. Das Kabel kam mit einem trockenen Schnappen aus der Wand. Sie wickelte die Platine in eine Socke, ließ die Socke in ihren Rucksack fallen und ließ den grauen Hoodie am Bügel hängen. Darüber konnte Alexander später mit ihr streiten.Das Medien
Bis sieben Uhr am nächsten Morgen hatte Elias Crowe der halben Cafeteria erzählt, er sei die Treppe des Naturwissenschaftsflügels hinuntergefallen.Er saß am Mitteltisch, den linken Arm in einer marineblauen Schlinge, und nahm Mitgefühl entgegen wie ein Vermieter die Miete. Rechts von ihm saß ein breiter Junge in einer Ruderteam-Jacke, links ein schlaksiger mit schwarzen Locken. Nach den Namen, die Elias ihr genannt hatte, mussten das Dane Whitlock und Pryce sein.„Treppe“, sagte Theo und ließ sein Tablett Maya gegenüber fallen. „In einem Gebäude mit Aufzug. Mutige Wahl.“„Klopfst du eigentlich nie, bevor du dich setzt?“„Noch nie im Leben.“ Er zeigte mit der Gabel auf sie. „Man hört, Vale hat dich gestern zweimal zum Unterricht gebracht. Es gibt eine Wette.“„Worauf?“„Ob du bis Freitag an seinem Tisch sitzt. Ich habe zwanzig darauf gesetzt, dass du ihm sagst, er soll sich in den See stürzen.“„Behalt deine zwanzig.“„Genau das habe ich vor.“Alexanders Tablett landete neben ihrem. T







