INICIAR SESIÓNSOFIA
„Oh, Entschuldigung“, sagte sie, und mir wurde sofort klar, dass sie das Mädchen war, das mich vorhin zu meinem Zimmer gebracht hatte. Die mit dieser ruhigen, gelassenen Ausstrahlung, die das Institut irgendwie etwas weniger einschüchternd wirken ließ. Ich richtete mich auf, blinzelte schnell und versuchte, meine Nervosität abzuschütteln. „Hey … irgendwas?“, fragte sie und legte den Kopf leicht schief. Besorgnis huschte über ihr Gesicht. Ich wollte gerade den Kopf schütteln und beteuern, dass alles in Ordnung sei, aber irgendetwas ließ mich innehalten. Vielleicht war es die Erschöpfung, die mich niederdrückte, oder vielleicht die subtile Freundlichkeit in ihrer Stimme. Ich beschloss, dass Ehrlichkeit besser war als Verstellung. „Ja … ich bin total ausgehungert und habe kein Geld dabei. Außerdem wurde mir mein Handy weggenommen“, gab ich zu und spürte, wie die Worte aus mir heraussprudelten – unbeholfen und doch erleichternd. Sie kicherte leise, ein melodisches Geräusch, das die Anspannung um mich herum zu lösen schien. Das ist nicht lustig. „Also, ich gehe jetzt in die Cafeteria. Möchtest du mitkommen?“, fragte sie mit lässiger, aber einladender Stimme. Ich zögerte kurz, nickte dann aber, und mein Magen knurrte unaufhörlich. Ich hielt meine Tasche fest an mich gedrückt und folgte ihr durch verwinkelte Gänge und offene Flure. Das Institut war riesig. Selbst nach gefühlten Minuten des Umherirrens sah ich, dass es unzählige Flügel, Klassenzimmer und Gemeinschaftsräume gab, die ich noch nicht erkundet hatte. Man konnte sich hier leicht verirren. Die Gänge hallten wider vom Lachen und Geplapper, dem Klappern von Schritten auf polierten Böden und leiser Musik, die aus unbekannten Ecken drang. Bald bogen wir um eine Ecke, und meine Augen weiteten sich. Die Cafeteria war gigantisch, eher ein kleines Restaurant als eine einfache Schulkantine. Lange Tische säumten den Raum, an denen Gruppen von Menschen saßen, sich unterhielten und aßen, und eine breite Theke erstreckte sich über ein ganzes Ende. Das helle Licht spiegelte sich auf dem polierten Boden und ließ den Raum noch größer und einladender wirken, als ich erwartet hatte. „Ich habe auch kein Geld“, flüsterte ich nervös und blickte verlegen zu Boden. Sie lächelte, als könnte sie meine Gedanken lesen. „Nun ja, dank der Regierung … ist das Essen hier kostenlos“, sagte sie beiläufig. Ungläubig riss ich die Augen auf. „Wirklich?“, fragte ich kaum hörbar. Sie nickte, ihr Gesichtsausdruck ruhig, als wäre das ganz normal. Eine Welle der Erleichterung überkam mich. Wir gingen zur Theke, bestellten und nahmen Tabletts voller Essen entgegen. Ich konnte nicht anders, als mich umzusehen und die Effizienz des Kantinenpersonals und das organisierte Chaos der Studenten, die in alle Richtungen wuselten, zu beobachten. Schließlich fanden wir einen freien Tisch und setzten uns. Ich erfuhr, dass sie Jane hieß und erst vor vier Tagen, genau wie ich, ans Institut gekommen war. Ich stürzte mich mit fast verzweifeltem Hunger auf mein Essen und genoss jeden Bissen. Der Geschmack war vertraut und beruhigend und gab mir Halt im Moment. Ich trank meinen Milchshake in langen, gierigen Schlucken und erlaubte mir endlich, etwas zu entspannen. Ich hatte fast die Hälfte meines Tellers leer gegessen, als mich ein lautes, sirenenartiges Geräusch mitten im Bissen innehalten ließ. Meine Gabel schwebte in der Luft, während ich mich umsah und ein paar Lautsprecher an der Decke bemerkte. Jane warf mir einen kurzen Blick zu, ihre Augenbrauen vor Verwirrung zusammengezogen. Ich spiegelte ihren Gesichtsausdruck wider. Dann verließen die Leute um uns herum abrupt die Cafeteria. Studenten und Mitarbeiter bewegten sich gleichermaßen schnell, ihre Gesichter angespannt und ängstlich. Jane und ich saßen einen Moment wie erstarrt da und wussten nicht, was wir tun sollten. Dann hörte ich eine der Kellnerinnen leise murmeln: „Ich schwöre … diese Mädchen werden in großen Schwierigkeiten stecken. Sollten sie nicht in der Notaufnahme sein?“ „Hä?“, fragte ich und wandte mich an Jane. Sie sah genauso ratlos aus wie ich. „Jane, wo ist die Notaufnahme?“, fragte ich mit leicht besorgter Stimme. „Ich weiß es nicht … aber warum fragst du?“, antwortete sie und blickte sich nervös um. „ „Weil wir da hinmüssen!“, rief ich halb und schob sie sanft an. Wir eilten durch die Flure und wichen Schülern aus, die genau zu wissen schienen, wo es langging. Unsere Schritte hallten auf dem glatten Boden wider, als wir auf einen offenen Raum zueilten, der mit „Notaufnahme“ gekennzeichnet war. Keuchend traten wir ein und bemerkten, dass bereits einige Leute in ordentlichen Reihen knieten. Verwirrt und besorgt suchte ich den Raum ab. Was war das für ein Ort? Warum knieten die Leute? Bevor ich reagieren konnte, spürte ich, wie Janes Hand meine fester umklammerte; ihr Zittern war unverkennbar. „Wo glaubt ihr, dass ihr hinwollt?“, fragte eine heisere, aber gebieterische Stimme von vorn. Wir erstarrten wie ertappte Diebe. Mein Herz raste, meine Handflächen waren schweißnass. Jane zitterte neben mir, und ich warf ihr einen kurzen, verwirrten Blick zu und formte mit den Lippen: „Wer?“ Sie flüsterte kaum hörbar: „Dylan.“ Die Stimme dröhnte erneut: „Dreh dich um.“ Wir drehten uns langsam um, unsere Bewegungen steif und bedächtig. Jeder Zentimeter fühlte sich schwer an, als hätten unsere Körper verlernt, sich zu bewegen. Janes Blick blieb auf den Boden gerichtet, doch meine Neugierde überwältigte meine Angst. Mein Gott … wer zum Teufel ist dieser Typ? Mein Gehirn mühte sich, die Präsenz vor mir zu verarbeiten. Er bewegte sich mit einer angeborenen Selbstsicherheit, beherrschte den Raum, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Nein. Warte. Willst du mir etwa sagen, dass das die Person ist, die ich da anstarre? Nicht so ein Klischee-Gott, sondern … was ist das überhaupt? Er sah kaum älter als zwanzig aus, in jeder Hinsicht perfekt. Dunkle, durchdringende Augen, die einen zu durchschauen schienen, rosige, wohlgeformte Lippen, makellose Haut und eine Aura, so kraftvoll, so kalt, dass die Luft um ihn herum schwerer erschien. Hier war eine Präsenz, unbestreitbar und intensiv, und ich konnte sie an den Rändern meines Bewusstseins spüren. Ist er … Dylan? Ich dachte nach, mein Herz raste. Er war der schönste Mann, den ich je gesehen hatte, einer, der einem den Atem raubte, bevor man überhaupt begriff, was los war. Ich war in Gedanken versunken und starrte ihn wahrscheinlich etwas zu offen an, als plötzlich – BUMM – eine heftige Ohrfeige auf meiner Wange landete und mir einen stechenden Schmerz zufügte. Was zum Teufel? Instinktiv fuhr mir die Hand vors Gesicht, als ich mich erschrocken und verwirrt umdrehte. Der Raum schien sich leicht zu neigen, mein Puls hämmerte in meinen Ohren. Ich spürte, wie meine Wangen brannten, eine Mischung aus Schock und Ungläubigkeit. Dylans Gesichtsausdruck war nicht zu deuten, ein Hauch von Belustigung huschte über seine Züge. Dieser Moment ließ mich fassungslos zurück. Ich warf Jane einen Blick zu, deren Augen weit aufgerissen waren und meinen eigenen Schock widerspiegelten.SOFIA„Welches Kreuzzeichen?“ fragte ich, bevor ich mich zurückhalten konnte.Die Worte rutschten von allein heraus, und ich presste sofort die Lippen zusammen, als mir klar wurde, mit wem ich sprach.Dylan.Er saß bequem hinter seinem Schreibtisch und wirkte so ruhig und undurchschaubar wie immer. Er hob sein Champagnerglas und nahm einen langsamen Schluck, ohne den Blick von mir zu wenden.Mein Herz setzte nervös aus.„Ich … ich weiß nicht, woher ich das habe“, antwortete ich und stotterte leicht.Ein Seufzer entwich seinen Lippen.Das Geräusch war nicht laut, aber es reichte aus, um ein merkwürdiges Gefühl in meinem Magen entstehen zu lassen. Eine Welle von Kälte überkam mich, und aus irgendeinem Grund fühlte ich mich plötzlich unwohl.Hatte ich etwas Falsches gesagt?Gab es wirklich ein Kreuzzeichen an meinem Bein?Und vor allem: Warum war das wichtig?Ich wollte fragen, aber ich wagte es nicht.„Du kannst gehen.“Seine Stimme war flach und emotionslos.Sofort durchströmte mich Er
SOFIAMeine Augen weiteten sich in dem Moment, als ich Dylan auf der Couch sitzen sah.Einen Moment lang stand ich einfach nur da und starrte ihn an. Dann stieg ich langsam vom Bett herunter und erwartete den vertrauten Schmerz in meinen Beinen, sobald meine Füße den Boden berührten.Aber er kam nicht.Ich blinzelte überrascht und machte einen weiteren vorsichtigen Schritt.Nichts.Der Schmerz war verschwunden.Ich runzelte die Stirn und blickte auf meine Beine hinab. Gerade gestern noch hatte sich jede Bewegung wie Folter angefühlt, und jetzt konnte ich stehen, ohne zusammenzuzucken. Es fühlte sich wie ein Wunder an.Ich schaute zu den Fenstern. Der Himmel draußen war dunkler geworden und tauchte den Raum in sanfte Abendschatten. Hatte ich wirklich so lange geschlafen?Ein Gähnen drohte auszubrechen, aber ich bedeckte schnell meinen Mund und schluckte es hinunter. Das Letzte, was ich wollte, war, vor Dylan faul auszusehen.Was sollte ich jetzt tun?Der allmächtige Dylan saß genau dor
DYLANIch seufzte schwer und fuhr mir zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag mit den Fingern durch die Haare. In den letzten Tagen hatte ich nichts anderes getan, als mich in Bücher zu vergraben. Lesen war zum einfachsten Weg geworden, meinen Geist beschäftigt zu halten, das Einzige, was mich von den Gedanken ablenken konnte.Doch egal, wie viele Seiten ich umblätterte – meine Gedanken fanden immer wieder den Weg zurück zu ihnen. Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und schloss das Buch, das auf meinem Schoß lag. Die Bibliothek war still, aber mein Kopf nicht. Das Bild der Markierung an Lonas Bein tauchte wieder in meinem Kopf auf. Eine kreuzförmige Markierung.Ich erinnerte mich deutlich daran, sie an ihrem linken Bein gesehen zu haben. Das Seltsame war, dass Sofia genau dieselbe Markierung hatte. Der einzige Unterschied war, dass ihre am rechten Bein war. Zuerst hatte ich mich selbst überzeugt, dass es nichts bedeutete. Ein Zufall. Doch je mehr ich darüber nachdac
SOFIAIch saß schon eine gefühlte Ewigkeit dort.Dylan hatte mich also tatsächlich hier zurückgelassen.Diese Erkenntnis traf mich härter als der Schmerz in meinem Körper. Mein Brustkorb schnürte sich zu, und Tränen brannten in meinen Augen. Ich blinzelte hastig und weigerte mich zu weinen, doch es fiel mir immer schwerer, die Fassung zu bewahren. Jeder Teil meines Körpers schmerzte.Ich drückte meine Handflächen gegen den Boden und versuchte aufzustehen, doch in dem Moment, als ich mein verletztes Bein belastete, durchfuhr mich ein stechender Schmerz.„Ah!“, keuchte ich und ließ mich sofort wieder zurücksinken.Mein Atem ging unregelmäßig. Voller Angst blickte ich auf mein Bein.Hatte ich es mir gebrochen?Allein dieser Gedanke ließ mir den Magen umdrehen.Ich umschlang meinen Körper mit den Armen und lehnte mich an die Wand. Die Turnhalle wirkte plötzlich zu still. Zu leer.Ich wünschte, Jane wäre hier.Ich wünschte, Mike würde irgendwie auftauchen und mir helfen.Irgendjemand.Ich
SOFIADylan starrte Mike so intensiv an, dass es sich anfühlte, als wäre die Temperatur um uns herum plötzlich gesunken. Schon sein Blick allein reichte aus, um sich unwohl zu fühlen. Mike jedoch lächelte nur verlegen und kratzte sich am Nacken.Ich löste meinen Arm sofort von Mike, ohne dabei groß Aufsehen zu erregen.„Komm mit.“Dylans Stimme klang kalt und bestimmt. Er wartete keine Antwort ab, sondern drehte sich um und ging davon.Mein Herz setzte einen Schlag aus.Ohne mich auch nur von Mike zu verabschieden, eilte ich ihm hinterher.Die Stille zwischen uns fühlte sich seltsam an. Dylan schritt mit seinem gewohnt selbstsicheren Gang voran, während ich dicht hinter ihm herging und versuchte, Schritt zu halten. Ich konnte nicht sagen, ob er wütend oder einfach nur genervt war – doch was auch immer es war, es machte mich nervös.Nach einigen Minuten erreichten wir einen großen Fitnessraum.Der Raum war riesig und überraschend still. Die Geräte waren ordentlich aufgestellt, und der
SOFIADie Tasche war so schwer, dass ich das Gefühl hatte, meine Arme würden gleich abfallen.Ich korrigierte meinen Griff zum gefühlt hundertsten Mal und zwang mich, weiter hinter Dylan herzulaufen. Jeder Schritt fühlte sich mühsamer an als der vorherige. Das Gewicht zerrte an meinen Schultern, und meine Handflächen begannen zu brennen, weil ich die Griffe so fest umklammerte.Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als die Tasche einfach fallen zu lassen und mich auf den Boden zu setzen.Leider war das keine Option.Plötzlich drehte sich Dylan um.Mir rutschte das Herz in die Hose.Sofort straffte ich den Rücken und tat so, als wäre alles in bester Ordnung. Ich setzte einen ausdruckslosen Blick auf und versuchte, unbeeindruckt zu wirken – so, als wäre es ein Kinderspiel, eine Tasche zu tragen, die fast so viel wog wie ich selbst.Ein paar Sekunden lang ruhte sein Blick auf mir.Ich hielt den Atem an.Dann wandte er sich ab und ging weiter.In dem Moment, als er wieder nach vorne blickte







