LOGINNach all dem Nachdenken konnte ich immer noch keinen Ausweg finden. Egal wie sehr ich meinen Verstand durchsuchte, jeder Weg endete auf dieselbe Weise — damit, dass ich verlor. In diesem Moment begriff ich, dass dies nichts mehr war, was ich mir mit Gewalt erzwingen konnte. Mein Stolz würde mich diesmal nicht retten.Ich musste mich beugen.Langsam ging ich auf sie zu. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, als würde ich in etwas hineingehen, das ich nicht mehr rückgängig machen konnte. Sie beobachtete mich aufmerksam, wachsam, bereit für einen weiteren Kampf. Das hatte sie von mir erwartet.Aber ich gab ihr keinen.„Ich weiß, dass ich dich beleidigt habe“, sagte ich ruhig. Meine Stimme zitterte nicht, obwohl meine Brust eng war. „Über die Jahre. Auf Weisen, die du wahrscheinlich nie vergeben wirst.“Ihre Lippen öffneten sich leicht, überrascht. „Aber es ist Zeit, dass du der Wahrheit ins Gesicht siehst“, fuhr ich fort. „Dein Gefährte liebt dich nicht. Und er hat dich nie respektiert.“
Weit weg vom Rudel hielt Daniel sein Pferd vor einem kleinen Haus an, das tief im Wald verborgen lag. Auf den ersten Blick wirkte es leer und vergessen, mit alten Mauern und geschlossenen Fenstern.Aber Daniel wusste es besser.Er stieg ab und näherte sich ohne Zögern. Drinnen war die Luft dämmrig und schwer vom Duft brennender Kräuter. Eine einzelne Laterne flackerte auf einem Holztisch. Eine Frau stand in der Nähe des Feuers, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. Ihre Kapuze bedeckte den größten Teil ihres Gesichts und verbarg ihren Ausdruck.„Du bist spät“, sagte sie leise.Daniel grinste, als er die Tür hinter sich schloss. „Die Dinge entwickeln sich schneller als erwartet.“Sie drehte sich dann zu ihm um, gerade weit genug, dass er den scharfen Glanz ihrer Augen unter der Kapuze sehen konnte. „Und Lucy?“ fragte sie. „Wie hält sie sich?“ Daniel lachte — ein tiefes, amüsiertes Geräusch, das durch das kleine Haus hallte. „Perfekt“, sagte er. „Sogar besser als gut, eigentlich.“
Kapitel 24Mein Herz sank.Jede Lüge, die ich so sorgfältig aufgeschichtet hatte. Jedes Risiko, das ich eingegangen war. Jeder Moment, den ich überlebt hatte, indem ich schneller dachte als alle anderen — alles fühlte sich jetzt nutzlos an.Die Frau des Betas wusste es.Und sie war nicht zufällig hier.Meine Finger krallten sich in die Laken unter mir, die Nägel gruben sich in den Stoff, während ich mich zwang, ruhig zu bleiben. Panik würde mich nicht retten. Das hatte sie nie getan.Ihr Lächeln wich nicht. Es war die Art von Lächeln, die jemand trug, der gelernt hatte, still zu leiden und auf der anderen Seite davon geschärft hervorgekommen war.Sie hatte es ertragen.Und jetzt war sie hier, um einzufordern.Ich schluckte schwer, meine Kehle eng. „Wie viel hast du gehört?“ fragte ich leise.Sie kicherte leise und schüttelte den Kopf. „Genug“, sagte sie. „Mehr als genug.“Mein Blick sank für einen kurzen Moment auf den Boden, bevor er wieder zu ihrem Gesicht aufstieg. Es hatte keinen
Die Heilerin sprach nicht sofort.Sie starrte mich nur an, als würde ich Unsinn aus dem Mund plappern, die Brauen zusammengezogen, die Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst, als würde sie etwas zusammensetzen, das nicht ganz passte.Ich konnte es spüren — sie glaubte mir nicht.„Warum hast du es dem Alpha nicht gesagt?“ fragte sie schließlich. Die Frage traf mich härter, als ich erwartet hatte.Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Ich öffnete den Mund, aber nichts kam heraus. Der Raum fühlte sich zu klein an. Meine Sicht verschwamm und alles, was ich sehen konnte, waren schwarze Punkte, die vor meinen Augen schwammen.„Ich—“ Meine Stimme brach.Das Gewicht von allem stürzte auf einmal auf mich herab — die Lügen über Lügen, die Angst, die Erschöpfung. Meine Knie wurden schwach, und ich wäre beinahe gestürzt, als ich versuchte, mich aufzurichten.Die Heilerin bewegte sich schnell und stützte mich, bevor ich völlig zusammenbrechen konnte. „Ganz ruhig“, murmelte sie und fü
„Was ist los, Luna?“ fragte die Heilerin sanft.Zu sanft.Meine Kehle zog sich zusammen. „W-was meinen Sie?“ fragte ich, meine Stimme zitterte trotz meiner Bemühung, sie stabil zu halten.Ihre Augen verließen mein Gesicht nicht. Nicht einmal, als sie die Hand hob.„Ihr Atem ist unregelmäßig“, sagte sie leise. „Ihr Puls rast. Sie sind blass. Und Sie zittern.“Als wäre es ein Stichwort, verriet mich mein Körper erneut. Ein heftiges Zittern lief durch meine Arme und ließ meine Finger zittern.„Ich bin nur nervös“, platzte es aus mir heraus. „Das ist alles.“Ihr Blick huschte zu meinem Bauch.Dann legte sie die Hand auf meinen Bauch.Ich zuckte so heftig zusammen, dass ich beinahe vom Tisch fiel.Ihre Berührung war präzise. Absichtlich.Dann weiteten sich ihre Augen vor Unglauben.Ich hörte auf zu atmen.Der Raum schien zu kippen, meine Sicht verengte sich, der Klang floss ab, bis ich nur noch meinen Herzschlag hören konnte, der so schnell pochte. Meine Wölfin drückte sich gegen meine Rip
Denk nach, Lucy. Komm schon—denk nach.Ich versuchte es.Aber da war nichts.Mein Verstand war völlig leer, ausgehöhlt von Angst. Keine clevere Ausrede mehr. Nichts, das Nidoran dazu bringen könnte, seine Meinung zu ändern. Mir waren die Lügen ausgegangen. Die Zeit war abgelaufen.Was soll ich tun?Dann traf es mich.Rennen.Renn, Lucy. Das ist deine Chance.Mein Körper reagierte, bevor die Angst ihn aufhalten konnte. Ich drehte mich scharf um, die Füße schon bereit zu rennen, ich stieß mich ab, um den ersten Schritt zu machen—Aber ich kam nicht weit.Nidorans Hand schloss sich um meine Handgelenke, stark und unnachgiebig.Ich keuchte, die Kraft zog mich zu ihm zurück, meine Flucht wurde mir entrissen, bevor sie überhaupt beginnen konnte.Ich versuchte, mich wegzuziehen.Ich versuchte es wirklich.Sein Griff wurde sofort fester, unnachgiebig, eine Erinnerung an den Stärkeunterschied zwischen uns. Alpha-Stärke. Autorität, gehüllt in Muskeln und Befehl. Meine Knochen und meine Wölfin p







