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Kapitel 6 : Die Regeln des Wildes 2

Penulis: Déesse
last update Tanggal publikasi: 2026-07-14 04:27:55

Sie macht eine Pause, ihre blauen Augen funkeln in einem Licht, das ich noch nicht zu deuten weiß.

— Von ihm.

Sie muss es nicht näher ausführen. Damiens Blick durchzuckt mein Gedächtnis wie ein elektrischer Schlag, und ich kann nicht verhindern, dass mein Körper reagiert. Ein Schauer. Ein Erröten. Ein Pupillenerweitern. Sie liest all das in meinem Gesicht, bevor ich mich kontrollieren kann, und ihr Lächeln weitet sich.

— Ah. Er.

— Was, er?

— Damien Cross. Der Eigentümer. Der König der Schatten.

Sie spricht den Namen mit einer Ehrfurcht aus, die ihre Stimme um eine Tonlage senken lässt. Selbst hier, in seiner eigenen Höhle, umgeben von seinen Kreaturen, ist er unantastbar, mythologisch. Ein Name, den man wie ein Gebet oder einen Fluch murmelt.

— Er nimmt nie teil, bemerke ich und drehe mich leicht zu ihr.

— Er nimmt an den öffentlichen Spielen nicht teil. Denen, die auf der Bühne stattfinden, in der Grube, in den sichtbaren Nischen. Aber glauben Sie mir, er ist das größte Raubtier in diesem Raum. Nur ist sein Jagdrevier woanders. Die privaten Stockwerke. Die Appartements. Niemand weiß wirklich, was hinter den Türen des dritten Stocks geschieht. Und niemand ist je zweimal dorthin eingeladen worden.

— Warum?

— Weil er niemals eine Novizin nimmt. Niemals eine feste Beziehung. Die erfahrensten Unterwürfigen der Ostküste streiten sich um einen einzigen Blick von ihm. Sie verbringen Stunden damit, sich vorzubereiten, seine vermeintlichen Vorlieben zu studieren, sich in seinem Blickfeld zu positionieren, nur damit er geruht, seine Augen auf sie zu richten. Er weiß es. Es ist ihm egal. Nichts erreicht ihn.

Sie beugt sich vor, vertraulich. Ich rieche ihr Parfüm, Tuberose und schwarzer Pfeffer.

— Es gibt Gerüchte. Frauen, die sein privates Büro betreten haben sollen und nie mehr dieselben waren, als sie herauskamen. Manche haben den Club endgültig verlassen, sind umgezogen, haben ihr Leben geändert. Andere sind einfach verschwunden. Keine Spuren mehr, keine Namen, nichts mehr. Aber das sind nur Gerüchte.

— Und Sie glauben daran?

Sie zuckt mit den Schultern, das Auge glänzend vor einer ungesunden Erregung.

— Ich glaube, dass dieser Mann jemanden mit einem einzigen Wort zerbrechen kann. Und ich glaube, dass manche Menschen, vielleicht mehr als man denkt, davon träumen, von jemandem wie ihm zerbrochen zu werden.

Ich nehme einen Schluck, um meine Verwirrung zu überdecken. Das Schlimmste ist, dass ich sie verstehe. Ich sollte es nicht. Mein ganzes Wesen sollte sich bei dieser Vorstellung vor Abscheu sträuben. Aber ich habe diesen Blick auf mir gespürt, ich habe diese schwarze Klinge meine Seele durchwühlen gespürt, und ich kann nicht schwören, dass es nur Angst war, die mich hat erstarren lassen. Da war noch etwas anderes. Ein Wiedererkennen. Ein Ruf.

— Suchen Sie einen Meister? fragt Margot mit sanfterer, fast mütterlicher Stimme.

— Nein. Ich suche... eine Geschichte.

Sie lacht, ein leichtes, ein wenig trauriges Lachen, das Lachen von jemandem, der mehr weiß als du über den Fortgang der Dinge.

— Dann sind Sie am richtigen Ort. Hier hat jeder eine. Aber passen Sie auf. Die Geschichten, die man in L'Œil schreibt, gleichen nie dem, was man geplant hatte. Man tritt für eine Nacht ein, man bleibt fürs Leben. Man tritt aus Neugier ein, man bleibt aus Sucht. Man tritt ein, um zu schreiben, man endet damit, geschrieben zu werden.

Ihr Meister macht ein dezentes Handzeichen. Sie erhebt sich sofort, wie von einer Feder getrieben, und legt eine kühle Hand auf meinen Arm.

— Ein Rat. Wenn Damien Cross Sie erneut ansieht, halten Sie seinem Blick nicht stand. Senken Sie die Augen. Machen Sie sich klein. Machen Sie sich vergessen. Die Frauen, die die Augen senken, vergisst er. Sie sind nicht von Interesse. Die, die ihn herausfordern...

Sie beendet ihren Satz nicht. Es ist nicht nötig. Das Ende schwebt zwischen uns, erschreckender als jede ausdrückliche Drohung.

Sie kehrt mit wenigen schnellen Schritten zu ihrem Meister zurück, kniet sich nieder, ohne dass er darum bitten muss. Er befestigt eine Leine an ihrem Halsband, eine Geste von häuslicher Banalität, die heftig mit dem Kontext kontrastiert. Sie senkt den Kopf, unterwürfig, gelassen.

In einer Sekunde ist sie von der Vertrauten zum Eigentum geworden. Der Übergang ist so fließend, so total, so offensichtlich einvernehmlich, dass mir schwindelig wird. Das also ist die Hingabe? Dieser seltsame Frieden auf Margots Gesicht, diese Abwesenheit von Spannung in ihren Schultern? Sie muss nicht mehr entscheiden, nicht mehr kämpfen, nicht mehr scheinen. Sie ist ein Objekt in den Händen ihres Meisters geworden, und sie scheint daraus eine paradoxe Form der Befreiung zu ziehen.

Ich bleibe an der Bar, mein leeres Glas zwischen den Fingern. Die Musik pulsiert weiter in meinen Knochen, die Körper umschlingen und schlagen sich weiter, die Kerzen schmelzen weiter in völliger Gleichgültigkeit gegenüber meiner inneren Erschütterung. Und Margots Satz dreht sich in einer Schleife in meinem Schädel.

Senken Sie die Augen. Die, die ihn herausfordern...

Ich hätte die Augen senken sollen.

Ich habe es nicht getan.

Und das war vielleicht die ehrlichste Entscheidung meines Lebens.

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