تسجيل الدخولDer beißende Geruch von verbranntem Leinen, Ruß und kaltem Lagerfeuer füllte Ryus Lunge, noch ehe er die Lider hob.Gleich darauf folgte der Schmerz. Jeder dumpfe Stoß trieb ein eisernes Reißen durch seine linke Flanke. Die Einstichstellen der Tintennadeln brannten wie Glut auf der Haut.Ryu öffnete die Augen. Nass und schwer hing das graue Wolkenmeer von Solis-Vanth um sie herum. Das tiefe Gewölbe lag weit hinter ihnen; stattdessen stiegen sie Stufe um Stufe einen steilen Bergpfad hinauf.Er lag quer über Kaels Rücken. Seine Arme hingen schlaff über den Schultern des anderen Jungen, das Gesicht dicht an dessen rauchgeschwärztem Nacken. Kael beugte den Oberkörper weit nach vorn und hielt Ryus Oberschenkel im festen Griff, um das Gewicht nach oben zu wuchten. Sein Atem ging in einem rauen, pfeifenden Rhythmus.Ryus Blick haftete auf der rissigen Haut an Kaels Hals. Dort, wo die goldenen Lumina-Linien unter dem Fleisch lagen, war die Haut rot und wund – gezeichnet von dem maßlosen Ausbr
Der schlammige Stein drückte eiskalt gegen Kaels Wirbelsäule. Er versuchte, die Finger zu ballen, doch seine Unterarme rauchten nur schwach, blockiert von der gestauten, schmerzhaften Hitze in seiner eigenen Brust. Jeder Atemzug schmeckte nach faulem Wasser und Matsch. Über ihm zischte die Luft. Der Obsidianer hing im Dunst der pechschwarzen Kuppel, sein Gesicht zu einer hasserfüllten Fratze verzerrt. Die dunklen Nadeln schwebten wie ein Schwarm hornissenartiger Glassplitter über Kael, die Spitzen exakt auf seine ungeschützte Brust gerichtet. Kael starrte in das violette Leuchten der feindlichen Lumina. Er kniff die Augen zusammen, spannte jeden Muskel an und wartete auf den vernichtenden Schmerz. Doch der Schmerz blieb aus. Ein plötzlicher Schatten warf sich über ihn. Es war ein roher, völlig uneleganter Satz. Ryus aschgraue Tunika blähte sich auf, und ein Schwall aus tiefblauem Haar peitschte Kael mitten durch das Gesicht. Für den Bruchteil einer Sekunde strömte ihm d
Das kalte Leder der Reisestiefel schmiegte sich eng um seine Waden, als Ryu die Riemen in der dämmrigen Stille der niederen Rüstkammer mit ritueller Präzision festzog. Der vertraute, herbe Geruch von gegerbter Tierhaut, kaltem Eisen und dem Bienenwachs seiner Ausrüstung umgab ihn wie ein schützender Kokon, der die Unruhe des Tempelhofs für einen Moment aussperrte. Jeder Handgriff beruhigte seinen Geist, doch der Nachhall des Hohen Passes saß tiefer in seinen Muskeln als die bloße Erschöpfung des Aufstiegs. Noch immer brannte das phantomhafte Gefühl von Kaels heißer Hand auf seiner Schulter, ein unerträglicher Einbruch von Wärme, den selbst die kühle Vernunft nicht wegzuspülen vermochte. Und nun zwang der Klerus sie in dieselbe Spur. Das stärkste Phreem der Generation, gefangen zwischen Kaels zerstörerischem, ungezähmtem Ofen und seiner eigenen Kälte. Sie sollten einander Schild und Klinge sein, ein untrennbarer Atemzug im Chaos des Tieflands, doch für Ryu fühlte es sich an w
Das raue Leinen der neuen Verbände rieb schmerzhaft über die aufgerissene Haut seiner Knöchel, doch Kael ignorierte das heftige Brennen. Er saß auf dem harten Holzhocker seiner Kammer, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, und starrte stumm auf die Holzdielen. In seiner Brust rumorte es noch immer. Sobald er die Lider schloss, kehrte der Hohe Pass zurück. Die scharfen, unnahbaren Züge im grellen Licht. Die kantige, fast hochmütige Linie von Ryus Kiefer, der eiskalte Blick und die rissigen Lippen, die stur geschwiegen hatten. Das tiefe Blau der Haare, das im Wind peitschte. Und das Zögern in seinen eigenen Fingern, die eine Handbreit vor dieser Haut in der Luft verharrt hatten. Kael stieß den Atem schwer durch die Nase aus. Absoluter Schwachsinn. Er ballte die Fäuste, bis das raue Leinen in die frischen Risse an den Knöcheln schnitt und den ersten warmen Schweiß aufsaugte. Die dünne Luft auf dem Gipfel und die Erschöpfung nach dreitausend Stufen vernebelten schlichtweg s
Die Marmorblöcke schlugen mit einem dumpfen, mahlenden Krachen auf den gefrorenen Schiefer des Gipfelplateaus. Eine wirkliche Erleichterung brachte das Ende des Aufstiegs jedoch nicht. Beim Entgleiten der Last wich der brennende Druck auf Ryus Knochen lediglich einer tauben, haltlosen Erschöpfung, die ihm kalt in die Glieder kroch.Vor ihnen dehnte sich das gigantische, schweigende Weiß des Wolkenmeers wie ein erstarrter Ozean aus, aus dem die nackten, pechschwarzen Felskuppen der Nachbargipfel wie versteinerte Seeungeheuer emporragten. Die Welt lag tief unter ihnen vergraben. Selbst das mächtige Solis Vanth wirkte aus dieser schwindelerregenden Höhe nur noch wie eine winzige, quadratische Festung aus grauen Spielzeugsteinen, verloren im ewigen Frost der Berge.
Ein dumpfer Aufprall erschütterte den weißen Stein des Trainingshofs. Jiro flog rückwärts durch die staubige Luft, die Arme schützend vor das Gesicht gerissen, bevor er hart auf dem Marmor schlitterte und reglos liegen blieb. Das Wasser, das er vor einer Sekunde noch flüssig aus der Luft geformt hatte, klatschte als fader, wirkungsloser Schwall auf den Boden.„Unpräzise, Jiro“, tönte die Stimme von Kanoniker Taro durch die Symmetrie des Hofes. Der alte Mann stand unbeweglich am Rand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die Augen starr nach vorn gerichtet. „Du ziehst das Phreem nicht aus dem Atem. Der Einklang fehlt. Setzen.“Jiro rappelte sich mühsam auf, wischte sich den Staub von der grauen Novizen-Tunika und schlich mit gesenktem Kopf zu Ren an die Wand.Kael atmete tief durch die Nase ein. Der Hof roch nach aufgewirbeltem Kalk, kaltem Schweiß und dem scharfen, vertrauten Duft von Minze, der von der anderen Seite des Kreises herüberwehte. Er blickte nicht hin. Er musste ni




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