LOGINClara, eine junge, neugierige und sensible Frau, gibt sich nach und nach Julien, einem charismatischen und dominanten Mann, hin. Ihre Beziehung gleitet von Sinnlichkeit in eine tiefgreifende, psychologische und physische Dominanz. Julien drängt sie aus ihren gewohnten Grenzen, erforscht mit grausamer und zärtlicher Mischung ihre Grenzen. Clara entdeckt in sich eine beunruhigende Freude an Gehorsam, Aussetzung und Unterwerfung. Das Eintreffen von Lou und anschließend von Marc intensiviert diese Spirale: Clara wird zum Objekt eines geteilten Verlangens, einer einvernehmlichen, aber transgressiven Doppelübernahme. Nacht für Nacht löst sie ihre alten Grenzen auf und wird neu geboren.
View MoreMaëva Fünf Jahre später. Fünf Jahre lebe ich nun in diesem vollkommenen Gleichgewicht, zerbrechlich und herrlich. Fünf Jahre, in denen mein Herz im Rhythmus zweier Männer schlägt. Heute Morgen, wie jeden Morgen, bereite ich in der sonnendurchfluteten Küche das Frühstück. Das Haus erwacht sanft. Irgendwo oben höre ich das Lachen von Louis, unserem Letzten, dem von Raphaël. Seine eiligen Schritte im Flur, dann die tiefere Stimme seines Vaters, der ihn einholt, um ihn anzuziehen. — „Papa“, guck mal! Ich bin ein Superheld! — Das sehe ich, mein Champion. Aber selbst Superhelden müssen ihre Schuhe anziehen. Éliaz' Stimme ist zärtlich, geduldig. Immer noch dieses gleiche Staunen in seinen Augen, wenn er unseren Sohn ansieht. Er weiß nicht, dass Liam einen Halbbruder und eine Halbschwester hat. Für ihn sind Louis und Anna einfach seine vergötterten Älteren. Als spürte er meinen Blick, hebt Éliaz die Augen zu mir. Sein Lächeln ist ein Strahl reiner Wärme, ohne Schatten. — Has
Maëva Die Tür des Schlafzimmers schließt sich hinter mir, und ich sacke gegen das Holz, meine Knie geben endlich unter der Last des Verrats nach. Ich drücke meinen Sohn so fest an mich, dass er wimmert, und ich lockere sofort meine Umarmung, beschämt. Ich suche in seinem kleinen, warmen Körper ein Gegengift gegen das Gift, das gerade durch unsere Adern geflossen ist, aber ich finde nur die Bitterkeit meines eigenen Herzens. Sein Weinen legt sich, ersetzt durch kleine, feuchte Schluchzer an meinem Hals. Jede Träne auf meiner Haut erinnert mich an meine eigene, jene, die ich nicht vergossen habe, erstickt von der Scham und der Feigheit, die nunmehr in mir wohnen. Durch die Tür hindurch nehme ich Éliaz' Schweigen wahr. Es ist keine leere Stille, sondern eine schwere, denkende, gefährliche Stille. Ich halte meinen eigenen Atem an, zum Zerreißen gespannt, in der Erwartung, dass er explodiert, dass er die Tür aufreißt, hinter der ich mich verstecke. Ich erwarte, dass ich ihn fliehen h
Maëva Das „Nein“ von Éliaz hallt wie ein Glas, das auf den Fliesen zerspringt. Scharf, schneidend, endgültig. Mein eigenes Herz hört auf zu schlagen, aufgehängt in dem klaffenden Raum, den dieser Laut geschaffen hat. Ich stürze zum Schlafzimmer, meine wankenden Beine finden eine verzweifelte Kraft. Die Scham, die Angst, alles wird von einem Urschrecken hinweggefegt. Ich erwarte alles. Schreie, Schläge, Chaos. Die Szene, die mich empfängt, ist viel schlimmer. Éliaz ist auf der Schwelle erstarrt, der Rücken steif, die Fäuste entlang des Körpers geballt. Sein Blick ist auf das Innere des Zimmers geheftet, und ich sehe das kaum wahrnehmbare Zittern, das seine Schultern durchzieht. Und er… der andere. Sein Vater. Stehend, nahe dem zerwühlten Bett, bereits angezogen, oder fast. Sein Hemd ist noch offen, sein Haar zerzaust, doch er zeigt eine Ruhe, eine Beherrschung, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Er senkt den Blick nicht. Er scheint nicht einmal überrascht. Es is
Maëva Das Handtuch reibt meine Haut mit einer Brutalität, die an Selbstverstümmelung grenzt. Ich reibe, ich reibe noch mehr, als könnte ich die Erinnerung an seine Hände, an seinen Mund, an seinen Körper auf dem meinen tilgen. Aber das Wasser ist getrocknet und hat eine schuldbewusste Feuchtigkeit zurückgelassen, eine dumpfe Hitze, die zwischen meinen Schenkeln, auf meiner Brust, überall dort, wo er verweilt hat, fortbesteht. Das Handtuch riecht nach Sauberkeit, nach Lavendel, aber unter diesem häuslichen Duft glaube ich noch immer, den Geruch von ihm, von uns wahrzunehmen, eine moschusartige und salzige Mischung, die an meinen Nasenflügeln haftet. Das Weinen von Raphaël durchdringt erneut den Nebel meiner Sinne, schriller, beladen mit einer echten Not, die mir das Herz durchbohrt. Mein Baby. Mein Sohn. Seine kleine Stimme zerreißt die Schicht aus Scham, die mich erstickt. Ich muss gehen. Ich muss eine Mutter sein. Die Brust, die ihn nährt, die Arme, die ihn wiegen, die Stimme,