LOGINDie Senke roch nicht mehr nur nach dem kühlen, feuchten Tau der Grenzlande.Über den niedrigen Firsten der ersten drei fertigen Hütten stieg der blaue, dichte Rauch von Eichenfeuern auf. Es roch nach gebratenem Wurzelgemüse, nach frischem Sägemehl, nach nassem Lehm und nach dem süßlichen Schweiß von vierzig Paar Händen, die seit Anbruch der Dämmerung Steine schleppten, Holz fügten und Gräben zogen.Aschfeld war kein verlassener Schuttberg mehr. Die Ruine hatte aufgehört, eine Leiche zu sein.Kael stand auf der flachen Basaltterrasse oberhalb des Baches, wo einst die Wände der alten Kornkammer gestanden hatten. Die Ärmel seiner groben Leinentunika hatte er weit über die Ellbogen hochgekrempelt. Seine Unterarme, auf denen die dichten Muster alter Brandnarben im späten Vormittagslicht wie verblasste Kupferspuren schimmerten, waren von feinem, trockenem Kalkstaub überzogen. In seiner Rechten hielt er einen schweren Holzhammer. Sein Atem ging flach, stetig und tief.In seiner Brust schlug
Das Knirschen von zermalmtem Granit war das einzige Geräusch, das den Lärm des kalten Ostwinds überdeckte.Ren stand am Rand der oberen Basaltbrüche. Seine schwieligen, riefigen Hände ruhten auf dem Knauf seines massiven Brechmeißels. Der Ruß in den tiefen Narben seines Gesichts war mit Schweiß und graustaubigem Steinmehl verkrustet. Unter ihm schufteten zwei Dutzend Männer und Frauen. Sie klopften Quader aus den zerklüfteten Felswänden, trugen Trümmer fort und versuchten, den eingestürzten Pass freizulegen.Aber das Problem waren nicht die Steine. Das Problem waren die Schattengestalten in den sauberen, weichen Mänteln.Am Rand des Lagers standen zwei ehemalige Offiziere der Phalanx. Sie trugen noch immer die bleichgrauen Topen des Klerus, auch wenn die goldenen Schulterspangen vom Ascheregen des Tempels schwarz verrußt waren. Der Ältere von ihnen – ein Mann namens Vane, der unter dem Hohen Rat für die Disziplinarmassnahmen in Marderstein zuständig gewesen war – hielt eine Pergamentr
Das Erste, was Kael wahrnahm, war nicht die Kälte der Grenzlande. Es war die schwere, stetige Wärme, die direkt an seiner rechten Rippenseite lag.Die Morgensonne schoss durch die schmalen Ritzen der frischen Weidenschindeln auf dem Dach. Ein breites Band aus goldenem, staubdurchsetztem Licht schnitt durch die Dämmerung des Rohbaus und traf direkt das Bett aus trockenem Farn und den schweren Wollmänteln.Ryu schlief noch.Er lag halb auf Kaels Brust, den Kopf fest in der Mulde zwischen Kaels Hals und Schulter vergraben. Sein langes, tiefblaues Haar lag wie ein dunkler, seidiger Fluss über Kaels nackter Haut. Kein Schatten-Phreem ließ das Gewebe seiner Muskeln zucken; keine klerikale Doktrin zwang seinen Atem in jenen flachen, künstlichen Takt, den Kael in den Kassetten von Marderstein so gehasst hatte. Ryus Brust hob und senkte sich tief, ruhig und vollkommen gelöst. Die pechschwarzen Adern der Tinte an seinen Händen waren verblasst, hinterließen nur blassrosafarbene, ehrliche Haut.K
Der Rauch, der an diesem Abend aus dem provisorischen Abzug des ersten Hütternaums stieg, roch nicht mehr nach Ruß oder verbranntem Fett. Er roch nach trockenem Kiefernholz, frischem Harz und der süßlichen Tiefe feuchter, gesunder Erde.Ryu kniete auf der gestampften Lehmfläche im Inneren des Rohbaus. Seine Hände, schwielig vom Hantieren mit den schweren Granitquadern der alten Dorfruine, fuhren über die Oberfläche des Ecksteins. Sie hatten den Block am Nachmittag gemeinsam vom Hang heruntergeschleift – Muskel gegen Muskel, Knochen gegen Knochen, ohne den Einsatz von Hebelzaubern oder Phreem. Es war rohe, ehrliche Knochenarbeit gewesen. Die Furchen in den Seiten des Steins stammten von Ryus Eisenmeißel, doch der Boden, auf dem die Säule nun unumstößlich ruhte, war anders.Die Asche war fort. Der verätzte, taube Untergrund, den die Streitkräfte des Klerus vor Jahren hinterlassen hatten,
Die Kälte des Morastbodens zog langsam durch das mürbe Stroh, auf dem Kael saß.Der Morgen über Aschfeld war grau, verhängt von dichten, tiefliegenden Wolkenbänken, die den Blick auf den Bergkamm versperrten. Kael hatte die Ellbogen auf die Knie gestützt, die Hände ineinander verschränkt. Seine Finger zitterten leicht.Vor ihm im Dreck lag der massive, zersplitterte Granitstein der einstigen Brunnenfassung. Ryu stand wenige Schritte entfernt am Rand des Bachlaufs, schälte mit der stummen Klinge frisches Weidenholz für die ersten Schindeln und warf Kael von Zeit zu Zeit einen ruhigen, abwartenden Blick zu.Kael atmete tief ein, schloss die Augen und griff nach innen.Er suchte nach dem vertrauten, kochenden Strom. Er
Die Senke öffnete sich wie eine klaffende Wunde im Fleisch der Hügelkette.Ryu blieb auf dem Kamm stehen. Der scharfe Westwind riss an den Säumen seines dunklen Mantels, trieb ihm ein paar Strähnen des blauen Haares ins Gesicht, doch er strich sie nicht zurück. Seine Augen – nun scharf, klar und ungetrübt von jedem Schatten-Phreem – tasteten die Trümmer unter ihnen ab.Vor Jahren musste hier ein Dorf gestanden haben. Die Phalanx hatte die Siedlung im Zuge der ersten Säuberungswellen dem Erdboden gleichgemacht, als der Klerus die Außengrenzen des Kontinents von „unreinen Blutsinnen“ säubern wollte. Was geblieben war, wirkte aus der Distanz wie ein Haufen verfeuerter Knochen: zersplitterte Fundamente aus schwarzem Basalt, zusammengestürzte Fachwerkwände, deren Eichenbalken verkohlt im Schotter lagen, und der stu







