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Kapitel 3: Rotes Pflaster

Author: Azilla
last update publish date: 2026-05-27 13:51:01

Sie bewegten sich schnell und lautlos durch das Labyrinth aus dunklen Seitenstraßen. Der Regen war zu einem eisigen Schauer herangewachsen, der die Neonlichter der Stadt auf dem nassen Asphalt spiegelte. Kael führte die Gruppe an, den verängstigten Dieb – der sich stotternd als Finn vorgestellt hatte – dicht an seiner Seite. Die schwere Kiste drückte Finn schützend gegen die Brust.

Seraphina bildete die Nachhut. Sie schien nicht zu rennen, doch sie hielt mühelos Schritt, ein eleganter Geist im strömenden Regen.

„Wir nehmen die alte Unterführung“, kommandierte Kael leise und wischte sich das Wasser aus den Augen. „Dort gibt es keine Kameras. Mein Safehouse ist nur noch drei Blocks entfernt.“

Er glaubte, sie hätten das Schlimmste überstanden. Ein fataler Irrtum.

Gerade als sie den feuchten, nach altem Beton riechenden Tunnel betraten, flackerten die spärlichen Leuchtstoffröhren an der Decke und erloschen mit einem Knistern.

Kaels Instinkte schrien auf. „Deckung!“, brüllte er und riss Finn brutal an der Schulter hinter eine verrostete Stützsäule.

In derselben Sekunde heulten an beiden Enden des Tunnels Motoren auf. Blendend helle Scheinwerfer schnitten durch die Dunkelheit und blendeten Kael. Zwei schwarze, gepanzerte SUVs blockierten die Ausgänge. Türen wurden aufgerissen.

Das war kein Zufall. Das war ein präzise geplanter Hinterhalt. Die Rebellen mussten die Runen über eine Art Peilsender oder eine magische Signatur verfolgt haben.

Ein Hagel aus Projektilen prasselte auf sie nieder. Beton splitterte, Funken stoben sprühend durch die Dunkelheit. Kael erwiderte das Feuer, aber sie saßen in der Falle.

„Sie haben Schrapnell-Munition!“, rief Kael über den ohrenbetäubenden Lärm hinweg. „Bleib unten, Finn!“

Plötzlich hörte Kael ein fremdartiges, hohes Pfeifen. Einer der Rebellen hatte eine schwere, modifizierte Waffe auf die Säule gerichtet, hinter der Kael und Finn kauerten. Der Lauf glühte in demselben kränklichen Violett wie die Runen in der Kiste.

Kael wusste sofort: Diese Deckung würde einem Treffer nicht standhalten.

Ohne nachzudenken, warf er sich mit seinem ganzen Gewicht auf Finn und die Kiste, um sie abzuschirmen.

Die Explosion riss Kael den Boden unter den Füßen weg. Eine glühende Druckwelle schleuderte ihn gegen die Tunnelwand. Ein stechender, reißender Schmerz explodierte in seiner rechten Flanke, so gewaltig, dass ihm schwarz vor Augen wurde. Ein gezacktes Stück glühendes Metall hatte sich tief durch seine kugelsichere Weste und in sein Fleisch gebohrt.

Kael keuchte, der Geschmack von Eisen breitete sich in seinem Mund aus. Er versuchte, seine Waffe zu heben, doch sein Arm gehorchte ihm nicht mehr. Er blutete. Schnell.

Durch den Schleier des Schmerzes sah er eine Bewegung. Seraphina.

Die kühle Aristokratin hatte ihre Zurückhaltung endgültig abgelegt. Ihre Augen, zuvor unergründlich dunkel, leuchteten nun in einem gefährlichen, unnatürlichen Rot. Mit einer Geschwindigkeit, der Kaels Blick kaum folgen konnte, stürzte sie sich in die Angreifer. Es fielen keine Schüsse mehr – nur gedämpfte Schreie und das Krachen von brechendem Glas und Metall.

Sekunden später herrschte Totenstille im Tunnel. Nur das Prasseln des Regens draußen war noch zu hören.

Seraphina stand inmitten der Zerstörung. Sie atmete nicht einmal schwer. Dann fiel ihr Blick auf Kael, der reglos am Boden lag, eine wachsende, dunkle Lache unter sich.

Mit einem Wimpernschlag war sie bei ihm. Ihre kalten, sanften Hände strichen über sein Gesicht, während Finn zitternd daneben kniete.

„Du bist ein Narr, Jäger“, flüsterte sie, doch ihre Stimme klang nicht spöttisch. Da war etwas anderes. Sorge. „Für einen einfachen Dieb und ein paar Steine wirfst du dein Leben weg?“

„Das Safehouse...“, presste Kael mühsam hervor, bevor die Welt um ihn herum in Dunkelheit versank. „Bring uns... dorthin.“

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