LOGINSophias POV
Sophia öffnete die Tür nicht sofort. Sie stand lange dort und starrte auf den Griff, als könnte er sich von selbst drehen, als könnte er für sie entscheiden, ob Ethan Cole wieder in ihr Leben treten durfte. Lily schlief bereits. Das Haus war still. Zu still. Dann kam das Klopfen erneut. Diesmal sanfter. Geduldig. Nicht fordernd. Das machte es schlimmer. Sophia öffnete schließlich die Tür. Ethan stand dort. Kein Sakko. Keine Bodyguards. Nur er. Und zum ersten Mal sah er nicht aus wie ein Milliardär-Erbe, der die halbe Stadt besaß. Er sah aus wie ein Mann, der nicht geschlafen hatte. Seine Augen trafen ihre sofort. "Es tut mir leid“, sagte er. Zwei Worte. Einfach. Aber schwer. Sophia antwortete nicht. "Das reicht nicht.“ "Ich weiß“, sagte Ethan leise. Die Stille dehnte sich zwischen ihnen aus. Er versuchte diesmal nicht, sich hineinzudrängen. Er stand einfach da, als warte er auf Erlaubnis, wieder in ihrer Nähe zu existieren. "Ich bin nicht gekommen, um zu streiten“, fügte er hinzu. "Ich bin gekommen, um zu reparieren, was ich kann.“ Sophia stieß ein kleines, bitteres Lachen aus. "Fünf Jahre kannst du nicht reparieren.“ "Ich weiß“, wiederholte er. Diese Ehrlichkeit ließ sie innehalten. Hinter ihr regte sich Lily leicht im Schlaf und drehte sich in ihrem Bett. Ethan bemerkte es sofort. Sein Ausdruck wurde weich. "Ich möchte sie nur… sehen“, sagte er vorsichtig. Sophias Stimme wurde scharf. "Du hast sie schon gesehen.“ "Ich möchte sie kennenlernen“, korrigierte er sanft. Dieses Wort. kennenlernen. traf anders. Nicht nehmen. Nicht beanspruchen. Kennenlernen. Sophia zögerte. Einen Moment zu lang. Und das reichte. Denn Sekunden später erschien Lily hinter ihr, rieb sich die Augen und hielt ihr kleines Stofftier. "Mama?“, murmelte sie. Dann sah sie Ethan. Und ihr Gesicht leuchtete sofort auf. "Du bist zurückgekommen!“ Ethans gesamter Ausdruck wurde auf eine Weise weich, die wehzutun schmerzte. "Ja“, sagte er leise. "Das bin ich.“ Sophia schloss kurz die Augen. Das war das Problem. Lily zögerte nicht. Kinder taten das nie. Sie fühlten nur. Und Ethan Cole war irgendwie zu etwas geworden, bei dem sie sich sicher fühlte. Lily ging ohne Angst direkt zu ihm. "Hast du die Zeichnung mitgebracht, die ich dir gegeben habe?“ Ethan schüttelte leicht den Kopf. "Nein, aber ich erinnere mich daran.“ Lily lächelte stolz. "Das ist, weil du drauf bist.“ Etwas flackerte in Sophias Brust. Schmerz. Angst. Hoffnung. Sie wusste nicht, welches schlimmer war. Ethan kniete sich leicht hin, auf Augenhöhe mit Lily. "Ich habe sie sehr gemocht“, sagte er. "Wirklich?“, fragte Lily. "Ja“, antwortete er. "Sie hat mich sehr glücklich gemacht.“ Das war der erste Riss Klein. Aber echt. Sophia sah es sofort. Weil Lily begonnen hatte, ihm zu vertrauen. Und schlimmer. Ethan hatte begonnen, ihr etwas zu bedeuten. Später am Abend, nachdem Lily wieder eingeschlafen war, ging Ethan nicht sofort. Sophia bemerkte es. "Du solltest gehen“, sagte sie leise. "Das werde ich“, erwiderte er. Aber er bewegte sich nicht. Stattdessen griff er in seine Tasche und holte eine kleine Papiertüte heraus. "Ich habe etwas mitgebracht“, fügte er hinzu. Sophia runzelte die Stirn. "Was ist das?“ Ethan zögerte leicht. "Eiscreme.“ Das ließ sie innehalten. Er sah jetzt fast unsicher aus. "Ich wusste nicht, was sie mag“, gab er zu. "Also habe ich alles besorgt.“ Sophia starrte ihn einen langen Moment an. Dann, trotz allem, hätte sie fast gelacht. Fast. "So funktioniert Elternschaft nicht“, sagte sie leise. "Ich weiß“, erwiderte Ethan. "Ich lerne.“ Dieser letzte Satz blieb hängen. Zu ehrlich. Zu menschlich. Sophia schaute zuerst weg. Denn ihn zu lange anzusehen, machte es schwerer, sich daran zu erinnern, warum sie ohne ihn überlebt hatte. Als er schließlich ging, fühlte sich die Stille anders an. Schwerer. Nicht leer. Belegt. Am nächsten Morgen machte Olivia Cole ihren zweiten Zug. Sophia kam zur Arbeit und fand ihren Vertrag unter Überprüfung vor. Suspendiert. Sofort wirksam. Keine Erklärung. Keine Vorwarnung. Einfach weg. Als sie ihren Manager anrief, war die Antwort kalt. "Es kam von oben.“ Sophia wusste bereits, was das bedeutete. An diesem Nachmittag fand Ethan sie vor dem Gebäude. Wartend. "Ich habe das nicht getan“, sagte er sofort. Sophia lachte, aber ohne Humor. "Deine Mutter hat es getan.“ Ethans Kiefer spannte sich an. "Ich werde es in Ordnung bringen“, sagte er. "Ich will nicht, dass du es in Ordnung bringst“, erwiderte Sophia scharf. "Ich will, dass du aufhörst, dass wegen dir alles zusammenbricht.“ Das traf ihn. Aber er widersprach nicht. Stattdessen trat er näher. "Lass mich dir helfen.“ "Ich brauche deine Hilfe nicht.“ "Doch“, sagte er leise, „das tust du.“ Dieser Satz hing länger zwischen ihnen, als er sollte. Denn es war keine Arroganz. Es war Wahrheit. Und das war es, was sie am meisten ängstigte. Aus der Ferne rollte langsam ein Autofenster hoch. Olivia Cole beobachtete sie. Gesichtsausdruck ruhig. Augen scharf. Dann lächelte sie leicht. Denn nun war Sophia Bennett genau dort, wo sie sie haben wollte. In die Enge getrieben. Und Ethan Cole . begann endlich zu wählen. Aber nicht in die Richtung, die sie erwartet hatte. Und das machte alles gefährlicher als zuvor.Sophias POV„PAPA! DU MUSST DAS SEHEN!“Lilys aufgeregte Stimme hallte erneut durch den Flur.Ethan lachte.„Ich glaube, das ist mein Zeichen.“Sophia lächelte und folgte ihm.Als sie Lilys Zimmer erreichten, stand sie mitten im Raum und hatte ihre Arme ausgestreckt.Sie sah aus, als könnte sie sich nicht entscheiden, was sie zuerst anschauen sollte.„Papa!“Sie zeigte auf das Bett.„Schau!“Dann auf die Regale.„Und schau!“Dann drehte sie sich um und zeigte auf den rosafarbenen Schminktisch.„Und das!“Ethan lachte.„Ich sehe alles.“Lily lief auf ihn zu.„Es ist so wunderschön!“Sie nahm seine Hand und zog ihn zum Bett.„Ich liebe es!“Sophia blieb an der Tür stehen und beobachtete ihre Tochter.Das Zimmer war der Traum eines kleinen Mädchens.Alles war rosa.Das wunderschöne Himmelbett war mit weichen rosafarbenen Decken und Kissen bedeckt, während zarte Vorhänge darum herabfielen.Über dem Bett leuchtete ein großes Barbie-Schild.An einer Seite des Zimmers standen Regale voller B
Sophias SichtEthan war bereits auf halbem Weg zur Schlafzimmertür, als Sophias Stimme ihn aufhielt.„Ethan.“Er drehte sich um.Sophia saß auf der Bettkante und verschränkte langsam ihre Finger.Etwas an ihrem Gesichtsausdruck ließ sein Lächeln verschwinden.„Was ist?“Sie zögerte.Dann senkte sie den Blick.„Ich weiß, du hast gesagt, dass alles gut wird.“Ethan ging wieder auf sie zu.„Aber?“Sophia schluckte.„Aber nach dem, was letzte Nacht passiert ist …“Ihre Stimme wurde leiser.„Ich denke immer wieder darüber nach, was hätte passieren können.“Ethans Kiefer spannte sich an.Sophia sprach weiter, bevor er etwas sagen konnte.„Was, wenn jemand zurückkommt?“Ihre Finger verkrampften sich.„Was, wenn sie es noch einmal versuchen?“Ethan ging vor ihr in die Hocke.„Sophia.“Endlich sah sie ihn an.„Du musst keine Angst haben.“„Habe ich aber.“Die Ehrlichkeit in ihrer Stimme ließ etwas in seiner Brust schmerzen.„Ich lag letzte Nacht wach und habe an Lily gedacht.“Ihre Augen wurde
Sophias SichtDer Morgen kam leise.Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch die riesigen Fenster von Ethans Schlafzimmer und tauchten den Raum in ein sanftes, goldenes Licht.Draußen wirkte das Anwesen fast unwirklich.Die Morgensonne ging über den Bäumen auf, und ihr goldenes Licht breitete sich über die perfekt gepflegten Gärten aus. Tautropfen lagen auf den Blütenblättern der Rosen und fingen das Sonnenlicht wie winzige Diamanten ein. Die großen Springbrunnen glitzerten unter dem Morgenhimmel, und die Glaswände der Villa spiegelten die warmen Farben des Sonnenaufgangs wider.Alles sah friedlich aus.Wunderschön.Fast so, als wären die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Nacht nie passiert.Im Inneren des riesigen Hauses war alles still.Sophia öffnete langsam die Augen.Für ein paar Sekunden verstand sie nicht, warum sie sich nicht bewegen konnte.Etwas lag fest um ihre Taille.Warm.Fest.Beschützend.Sie erstarrte.Ihre Augen weiteten sich leicht.Sie war es nicht gewohnt, s
Sophias POVSophia ging an diesem Tag nicht zur Arbeit.Sie konnte nicht.Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie das Foto vor sich.Ihr Haus.Die Fenster.Das Tor.Jemand hatte nah genug gestanden, um sie zu beobachten.Und obwohl Ethan die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Anwesen verstärkt hatte, wollte die Angst einfach nicht verschwinden.Sie verbrachte den größten Teil des Tages in ihrem Schlafzimmer, während Lily unten mit einer der Hausangestellten spielte.Ethan rief mehrmals an.Jedes Mal versicherte Sophia ihm, dass es ihr gut ging.Das tat es nicht.Aber sie wollte es ihm nicht sagen.Sie wollte nicht zu jemandem werden, der in ständiger Angst lebte.Nicht jetzt.Nicht nach fünf Jahren, in denen sie darum gekämpft hatte, ihr Leben wieder aufzubauen.Am Abend rief Ethan erneut an.„Du bist nicht zur Arbeit gegangen.“Sophia saß gegen das Kopfteil des Bettes gelehnt.„Ich hatte keine Lust.“Für einen Moment herrschte Stille.„Fühlst du dich krank?“„Nein.“„Warum dann?
Ethans POVEthans Wagen fuhr kurz nach sieben Uhr abends durch die Tore des Anwesens der Familie Cole.Das vertraute Herrenhaus erhob sich vor ihm, erleuchtet von Dutzenden warmer Lichter.Er war hier aufgewachsen.Und doch fühlte es sich heute Abend seltsam anders an.Vielleicht lag es daran, dass er zum ersten Mal nicht als der Sohn ankam, von dem alle erwarteten, dass er der perfekte Erbe werden würde.Er kam als Vater.Die Worte seines Vaters hallten in seinem Kopf wider.Ich möchte meine Enkelin kennenlernen.Ethan stieg aus dem Wagen und richtete seine Jacke.Die Haustüren öffneten sich, noch bevor er sie erreichte.Sein Vater stand wartend dort.Richard Cole.Selbst in seinen späten Fünfzigern hatte er noch dieselbe gebieterische Ausstrahlung, an die Ethan sich aus seiner Kindheit erinnerte. Silber durchzog sein dunkles Haar, und sein Gesichtsausdruck war streng genug, um die meisten Menschen einzuschüchtern.Doch in dem Moment, in dem er Ethan sah, wurde sein Gesicht weicher.
Sophias POVDie Tür fiel hinter Ethan ins Schloss.Sophia blieb mitten im Wohnzimmer stehen.Für einige Sekunden bewegte sie sich nicht.Die Stille fühlte sich jetzt anders an.Nicht schwer.Nicht schmerzhaft.Einfach ... ungewohnt.Langsam ging sie zum Fenster.Draußen verschwand Ethans Wagen hinter den Toren.Die Scheinwerfer wurden immer kleiner, bis sie schließlich in der Dunkelheit verschwanden.Sophia legte ihre Fingerspitzen an die Fensterscheibe.Fünf Jahre.Fünf Jahre voller Wut.Fünf Jahre voller unbeantworteter Fragen.Fünf Jahre, in denen sie geglaubt hatte, Ethan hätte sich für jemand anderen entschieden.Und heute Abend ...hatte sich alles verändert.Sie senkte den Blick.Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen.Sie erinnerte sich an das erste Mal, als Ethan sie zum Lachen gebracht hatte.Daran, wie er früher immer Essen von ihrem Teller gestohlen hatte.Daran, wie er so tat, als wäre es ihm egal, wenn sie ihn aufzog.An die unzähligen Nächte, in denen sie wach ge







